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Nassauische Allgemeine Zeitung.

a> 3/. Mit«« hm 6. Februar iss-4.

Dit^affauifAf Slllfltmtint Zeitung" mit dem bellelnstisLen BriMattDer Wunderer" ertckeini, Lonniaqg auffqenommen, lüglick unk beträgt der PrünumerationSpreiS für âUiräbaren und , noch dem neuen Poftreguiariv nunmehr Nicki für den ganzen Umfang deS Tburn- und Tari»'schen PerwaNunff»be,irt» mit Inbegriff ke» Poftausfchtags 2 ff., für die übiigen Länder de» deufs»,öfferreil!,isvbcn Poffverein», wie für da» AuSiand 2 ft. 24 tr. Inserate werden die Sterspallige Petilzeilk oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Uanggaffe 42, auSwärtS bei den nÄchstgelegen^n Postämtern, zu machen.

Was Disraeli will.

Die kürzlich in England erschienene Schrift von Coningsby:Die gegenwärtige Krisis oder der m>|i; sche Krieg und seine Folgen sür England und die Welt" konnte nicht verfehlen, wegen der Person des Verfassers (Coningsby ist der Schriftstellername deS Exministers Disraeli) und wegen der seltenen, wir möchten sagen, beinahe cynischen, Rücksichtslosigkeit in der Darlegung seiner Ansichten und Wünsche Mgewöhntill'ss Aufsehen zu erregen. DieKöln. Ztg." und dieNationalztg." hatten aus Anlaß einiger treffender Artikel derN. Pr. Ztg." Über diese Schrift zwar nichts eiligeres zu thun, als zu erklären, daß dieser ConingSbp nicht identisch sei mit Coningsby- Disraeli; indessen ist ihre Behaup- tnng bis jetzt durch nichts dargcthan. Die vor wenigen Tagen in Augsburg von dem königl. Stadtcommissariate verfügte Beschlagnahme der in Leipzig bei Remmclmaun erschienenen Uebe,setzniig gibt uns Veranlassung, auf ei­nen der obenerwähnten Artikel derN. Pr. Z." zurück­zukommen und unsern Lesern auSeinanderzusetzen,was Disraeli will".

Schwarz auf weiß liegt das Votum vor uns, das dieser dunkle Staatsmann über die gegenwärtige Krisis abgegeben hat; klar und deutlich hat er die Rathschläge vor aller Welt dargelegt, die er aus dem labyrintischen Schacht seiner Doppelnatur mit kaltem Muth zu Tage gefördert. Nicht das Recht predigt er, sondern die Herr­schaft der Faust; nicht die Freiheit, sondern den Ter­rorismus ; den Frieden nicht, aber die Empörung; auch nicht den Krieg, sondern die allgemeine Zernichlung wär's möglich, ohne daß Großbritanien dadurch irgend­wie incommodirt würde. Und dieß alles nur, damit dieInteressen Englands" nicht gefährdet werden! Ein stolzes Bild fürwahr, wenn alles ringsum in Trümmer fällt, aber die stattlichen Männer der weißen-Insel sitzeiz ruhig in ihrem Lehnstuhl und genießen mit Befriedigung das erwünschte Schauspiel.Die Throne fallen überall; klatscht Beifall, ihr Britten, den Todtengräbern der Monarchie, euer Theil ist ja die Rubel

Wir übertreiben nicht in dieser Darlegung die An­sichten Disraeli's. Die Leser mögen seine Sätze selbst prüfen. Er spricht zu den Engländern wie folgt:

Es gilt kein Schwanken und Zaudern. Geben wir zu, daß wir einen großen Antbeil daran haben, daß der Eifer der Freunde der Freiheit gedämpft ist, der Eifer der Czarc» fei »de auf dem Couti- nent. Wir haben es gethan; aber es soll nimmer wieder gethan werden. Mag denn unsere gegenwärtige Regierung bedenken, daß die Lage, in welcher die Na tionen sind, uns mit einer gewaltigen Macht beklei­det eine Macht, die England anwenden kann, so­bald es dazu Neigung hat."

. »Jetzt rathen wir unserer Regierung den Na­tionen zu sagen, daß wir ihnen wenigstens ein Gluck auf" prüfen würden in allen Versuchen, feie sie machen könnten, um mancher Fesseln loS zu werden."

o »Wenn wir unsere Erklärung in unzweideutigen Worten abgeben, so wird sie unmittelbar niederfallen wie eine Kugel die heiß und feurig vom Thron des ewigen Gottes herniederschießt. Die Un­garn und Polen und manche andere, nickt mehr selbstständige Völker, so eifrig in der Regung ihre an­geblichen Rechte geltend zu machen, und völlig über- zeugt (denn zu der Ueberzeugung müßten w i r sie bringen), daß England, statt zu hindern, den Tag ihrer Selbstständigkeit wünschen würde und die Autokratie, von welcher der Czar das Haupt und der Vater ist, würde bis in den Grund erschüt­tert werde. Wo würde sich für ihn dann eine Armee finden, die zur Ueberrennung West Asiens verivanbt'h.'cr» den könnte? Wo ein einziges Bataillon das von ihm entbehrt werden könnte um Afghanistan und Persien (wenn diese Mächte dazu geneigt wären) herbeizuziehen, um nur eine Woche auf den Angriff Hindostans zu wenden?"

Laßt unS besonnen und fest sein! Solch ein Hal­tung, in rechtem guten Ernste angenommen, wird alle Feinde des Menschengeschlechts in Furcht halten. Und dann, wenn wir so gehandelt haben, komme was mag w i r haben nichts zu befürchten. Laßt den Krieg ausrgsen w i r sind in Sicherheit, und wir werden die Welt sichern. Ich sehe bereits in der Ferneaus­gehend" das veränderte Aussehen manches müden Soh­ne s d e r Freiheit auf dem Kontinent Europas, wenn et hört und guten Grund hat zu glauben, daß England jetzt von dem Schlummer der Vergangenheit völlig er­

wacht ist, und daß in den Adern seiner Söhne rein und unverdorben das Blut ihrer Väter auch dem 17. Jahr. Hunde,t fließt. Jeder, der ein Herz dazu hat seine Art zu lieben und ihre Feinde zu hassen, wird auf unserer «Seite sein, wird uns mit Zuruf unterstützen bei unserer Politik, und wenn das Schlimmste kommt und die Män­ner v e r s a m m e l t sind zu dem Mable des gro­ßen Gottes,zu essen das Fleisch der Obersten, der Hauptleute u. A." wir Eng länger lind sicher, Handeln wir jetzt nur recht, wie wir es gesagt haben, und wie wir eS wiederholen, so brau chen wir keinen Streich zu thun. Aber wenn das Ge­schick des Kampfes es verlangte, nicht England allein, auch Amerika würde zur Hülfe bereit stehen. Ja, Amerika würde kommen. Und wenn es käme, dann wehe seinen Feinden."

Und der Ausgang? Wer kann ihn bezweifeln? Nur eins wirft einen Schatten auf das Bild: das Blut das vergossen werden müßte; aber wie wir be­reits gesagt haben, so streng eS scheinen mag, wir dür­fen uns daran nicht kehren, dem Zwang unseres Schick­sals müssen wir uns beugen. Mag es sein, daß der Kampf scharf ist, er kann nicht lang sein- und er würde endigen in einem g lo r reich c n Tage von Rn c und Friede n. Kein zukünftiger Czar dürfte je wie­der die Ruhe und den Frieden der Welt bedrohen."

Und sollte selbst der dritte Theil der Menschheit in dem Kampfe iintergehcu , jo würden Nationen, die noch namenlos sind und dann übrig blieben, einen Theil an den S e g n u n g e » derer haben, deren Namen noch nichtausgelöscht . sind aus dem Buche des Le­bens." Ja, des Lebens, des sittlichen Lebens deS reinen Lebens, des nützlichen gebend, des guten Lebens, und hoffentlich auch des cw i gc n .Leb c n s!"

So Disraeli, ein brittischer Staatsmann, der un­längst einflußreicher Minister war und vielleicht nicht ab­geneigt ist, es bald wieder zu werden. Uns gemahnen diese Phrasen, dieser Mißbrauch d»s göttliche n W o r» teö, an eine wüste Stätte, wo einst auch die Worte der Schrift.gar schlau und trüglich angcwendct wurden von dem Verslichcr.Hebe dich weg" das war die Antwort. Aber wehe über England, wenn es vor solchem Götzen niederfiele und ibn anbetete; dann würde wohl diesem stolzen Laude das Mene Tekcl et tönen, das sein Wortführer jetzt über seine Gegner ruft. Das ewige Leben aber, welches Disraeli den Seinen veiheißt, es ist nicht der Friede von Pniel, da man mit Gott und mit Menschen gekämpft hat und obgelcgen ist" eS ist die fluchbelastete Ruhelosigkeit des ewigen Jude n.

V-rUtschtnttd.

Aus Nassau, 2. Febr. Die Geistlichkeit des Decanates Rees im BiSthum Münster hat an den hoch würdigsten Herrn Bischof von Limburg eine Beileids adresse gerichtet.

Mainz, 4. Febr. Heute Vormittag ist das erste | Dampfdom seit Wiedereröffnung der Schifffahrt, von Mannheim kommend, hier cimiehoffen und weiter nach Köln abgegangen-; ebenso wird heute daS erste Boot von Köln hier erwartet. Unsere Rhcinbrückc wird näch­sten Liontag wahrscheinlich ganz gedeckt, resp, aufgesah ren werden.. Vor dem Justizpalast mußte schon mehrere Tage ein Piquet großh. Infanterie anfgestellt : werden, so stark ist der Zn drang des PnblienmS zu den Vcrbandluttgcu des AssisenhofS in der Sache einer widerrechtlichen Einsperrung.

Karlsruhe, 2. Febr. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde das Gesetz, die Spurweite der Eisenbahn betreffend, einstimmig an- ; genommen,

München, 4. Febr. Durch allerhöchstes Re- script, welches in beiden Kammern heute verlesen wurde, ist der Landtag bis auf Weiteres vertagt worden. (Ohne Zweifel ist diese Maßregel die nächste Folge der ehcvorgestern von der zweiten Kammer beschlossenen Ver­tagung des GerichlsvcrfassuugSgesetzes.) In der vorgestrigen öffentlichen Sitzung der Kammer der Reichsräthe wurde den Gesetzentwürfen:die Jn- standjctznng der Donau-Dampffchiffahrt betreffend" in der von der Kammer der Abgeordneten am 28. v. M. beschlossenen Fasflnig, so wiedie Erweiterung der civilrcchtlichen Eompetenz der Friedensgetichte in der Pfalz betreffend" einstimmig die Zustimmung ertheilt, so daß nun über diese beiden Gesetzentwürfe Gesammt- beschluß der beiden Kammern besteht.

Köln, 2. Febr. Morgen schon wird die Gesell­schaft wieder die dirccle Fahrt «ach Mannheim be- 1

ginnen, da der Rhein überall offen ist, und das ßi3 in die Tiefe geht. Die AuswankcrungSagentcn müssen jetzt hier eine Kaution von 10,000 Thaler, die Unter» ageiiten von 2000 Thaler erlegen.

Hannover, 2. Febr. (Z. f. N-) Unser Kon­sistorium scheint es jetzt strenger als je mit der O r - thvdoxie der Geistlichen zu nehmen. Ein Superin­tendent hatte in einer Predigt seine Zweifel darüber ausgesprochen, daß die Seelen der Verdammten in alle Ewigkeit ihrem furchtbaren Zustande verfallen bleiben sollten. Der Rector des Ortes, ein Kandidat der Theologie, machte dem Consistoiium die Anzeige der Versündigung gegen ein lutherisches Dogma. Das Colißstvrium soll daraus die Predigt deS Siiperinten» deuten cingefordcrt, die denunciite Heterodoxie wirklich in derselben gefnndeu und dem Superintendenten einen Verweis über seine Abweichung von den Worten der Schrift und des Augsburger Glaubensbekenntnisses er­theilt haben.

Hamburg, 4. Febr. Mit einem angesehenen Ko­penhagener Hause ist von engt Seite ein LiescrungS.- vertrag zur Versorgung mit Steinkohlen für 11,000 Pferdekraft abgeschlossen.

Kiel, 2. Febr. Obwohl erst vor Kurzem hier die ordentliche Scesession stattgefunden hat, sind jetzt doch noch nachträglich alle Seedieustpflichttgen im hiesigen Hasen auf höheren Befehl gestoppt. Wie wir hören, ist diese Maßregel eine allgemeine, da sich Angesichts der kriege­rischen Verwickelungen ein größeres Bedürfniß an Mannt schaft für die königliche Marine geltend gemacht hat. Auch zum Laudmilitärdieiist wird sehr stark gezogen.

Aus Thüriu.qeu. Die Gothaer Zeitung, ein Regieruiigsorgan, will wissen, daß von einer Mobil­machung der deutschen Bundescontiiigente die Rede sei.

Berlin, 3. Febr. Nach Mittheilungen, denen wir Glauben schenken, schreibt dasC -B.", haben Frank­reich und England den Gesandten Rußlands erklärt, daß sie die letzten von der Türkei vorgeschlagenen Frie- deuSgruudlagen als daS Ultimatum für Vermittiungs« Verhandlungen betrachten. Eine Dectarationsutzte-llü Bezug auf das Einlaufen der französischen und eng­lischen Flotte in das schwarze Meer ist bis jetzt nicht erlassen.

Während jeder Kammersession pflegen die Abgeord­neten derjenigen Provinzen, welchen der Prinz von Preußen in amtlicher Eigenschaft näher steht, die Abge­ordneten von Pommern einerseits und von Rheinland und Westphalen andererseits, ihm in corpore ihre Auf» Wartung zu machen. DaS ist denn auch dießmal gc- sch»h u, und auch dießmal hat man mit besonderem Interesse die Worte gehört, welche er zu den Abgeord­neten gesprochen. WaS er den Rheinländern und West­phalen gesagt, geht freilich kaum über das Bereich der Phrase hinaus; er hat wesentlich nur die Hoffnung und den Wunsch ausgesprochen, daß sie dazu beitragen möch­ten, die Bewohner ihrer Provinz über die Absichten der Reg'einng aufzuklärcu, und daS Vertrauen zu ihrem königlichen Herrn zu befestigen und zu kräftigen. In- tcreffantcr aber sind die Worte, welche er zu den Pom­mern gesprochen. Er hat dort einmal Anlaß genommen, sich zu äußern, wie wohl es seinem Herzen gethan, daß die Kammern so ciumüthig dem Beitrag mit Ol­de, bnrg ihre Zustimniung gegeben, außerdem aber darauf hiligewiZen, daß Prenßcu möglicherweise bald in den Fall kommen könne, wo cs auch seine materielle Macht zu entfalten genöthigt sei, und daß er für diese Even­tualität ganz Preußen einig und geschlovsnf sich um sei­nen König jchaarcn zu sehen hoffe.

Die Leipziger Coutirungsaiigclegenhcit hat ihre Ent­scheidung auf den ZoÜvcreinsconferciizcn noch nicht ge- fnndeu. Man wird den letzten Bürbluß erst fassen, wenn die Sache in der Richtung, in welcher sie noch anderweitig schwebt, durch richterliches Urtheil eine Ent­scheidung erfahren hat. Dem Beschlusse der zweiten Kammer, daß wenigstens im Laufe der nächsten Sitzungs­periode den Kammern der vollständige allgemeine Zoll­tarif zur Zustimmnizg möge vorgelegt werden, ist die Finanzcommifsion der ersten Kammer nicht beigctrctcn. Der Beschluß wird mithin wohl nicht die Zustiminuuz der ersten Kammer erlangen.

Die in verschiedene» Blättern enthaltene Nachricht, daß die preußische Kriegsflotille im Bosporus zu einer Fahrt nach Westindien bestimmt fei, entbehrt nach der Spenerfchen Zeitung" der Begründung. Die preußi­schen Kriegsschiffe haben vielmehr den Befehl erhalten, die HandelSfahrzeugc Preußens und deS Zollvereins gegen die gricchischen Seeräuber im Archipel zv be­schütze»-