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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TV-. SS Freitag des 3. Febriiar tss4.

DieNassauische Allgemeine Zeil»»«" mit dem delleiristischen BeiblailDei Wanderer" erscheint, SuumagS ausgenommen, râqljch und beträgt der PränumerationspreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 st., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 ft. 24 fr. Inserate werden die vierspaltige Petitieilt oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Latiggasse 42, auswärts bei den nâchstgelegencn Postämtern, zu machen.

Leitungsfchau.

Die Principien derNeuen Preußischen Zeitung". Die Sendung des Grafen Orloff. Die Stellung ver katholischen Kirche in Oesterreich und Baden.

** EineFrage", schreibt dieN. Pr.Ztg.", ist es, die im Oriente bewegt wird, eine Frage, die, äußer­lich betrachtet, nicht schwieriger und verhängnißvoller erscheint, als so viele andere , welche im Laufe der Zeit ihre Lösung gefunden, eine Frage, die nach ihrer näch­sten Veranlassung und ihren ursprünglichen Grenzen fast winzig genannt zu werden verdiente, die -aber nichtsde­stoweniger in allen Ohren wiederklngt und an alle Her­zen anklopft, und das christliche Europa in zwei feind­liche Heerlager zu zerreißen droht. Was ist der Inhalt dieser Frage, daß sich die Gedanken der Menschen so darüber verwirren, und darf es uns befremden, wenn das laute Geschrei des Marktes und die Stimme der Majorität hier überall, heute wie vor 5 Jahren wider uns ist! Sollen wir sie wieder aufzählen, alle die Fra- gen der jüngsten Vergangenheit, an denen die Gedan­ken der Herzen geprüft und zu Schanden geworden sind. Wir waren stets in der Minorität, doch die Thatsachen waren mächtiger als unsere Gegner, und der Gang der Geschichte hat sie und ihre Pläne unter die Füße getreten. Der Aufruhr von 1848 hatte über uns und unsere Principien den Stab gebrochen, wir waren für todt erklärt, und dieungeheure Mehrzahl" jauchzte diesem Spruche Beifall. Kaum aber war ein Jahr ver­stossen, und schon war die Sonne der Revolution in das Zeichen des Krebses getreten, sie hatte ihr Feier­kleid mit Straßenkoth besudelt, und unsere Stimme fand mehr Gehör als je zuvor. Es kam der deutsche Schwin­del und die Kaiserwahl, die Majorität noch größer, die Minorität noch kleiner, denn die Frage war feiner und verführerischer geworden: doch als die parlamen­tarischen Kaisermacher einem König begegneten, der wußte, wessen Hand die Kronen verleiht, da war der Spuk verschwunden, und die ungeheure Mehrzahl fing, an sich zu schämen. Noch verwickelter schürzte sich der Knoten, als es in Olmütz galt, die Ehre des revolu­tionären Preußens von der Ehre des königlichen Preu- »ßens zu unterscheiden. Schon mußten wir es uns ge­fallen lassen, als Landesverräther bezeichnet zu werden. Wir schwiegen, und die nächste Zeit hat uns gerecht­fertigt, besser, als wir es vermocht. Was Wunder also, wenn auch in der orientalischen Frage die Mehr­heit wider uns steht: die Frage ist abermals feiner, die Versuchung wiederum größer geworden. Es gilt nicht mehr und nicht minder, als die falschen Prophe- ten von den rechten zu unterscheiden.

** Ueber den eigentlichen Zweck der außerordentlichen Sendung des Grafen Orloff circuliren verschiedene Gerüchte; in den gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen will man bestimmt wissen, daß Graf Orloff mit der Aufgabe betraut sei, die Entschlüsse der deutschen Groß­mächte zu sondiren und eventuell auf eine Parteinahme derselben zu Gunsten Rußlands hinzuwirken. Sollte dieß wirklich der eigentliche ^weck der Reise des Gra­fen sein, so glaubt dieW. Ztg", daß er nicht erfüllt werden wird, denn eben so wenig sich die deutschen Großmächte der englisch-französischen Allianz anschlicßen werden, eben so wenig werden sie sich von Rußland in's Schlepptau nehmen lassen; von der Erneuerung eines Schutz- und Trutzbündnisses zwischen Rußland, Preu­ßen und Oesterreich kann unter den gegenwärtigen Ver­hältnisse» daher keine Rede sein. Die' deutschen Groß­mächte sind fest entschlossen, ihr NeutralitätSpuncip nicht aufzugebcn, so lange nicht die Rücksicht auf das eigene Interesse eine Modificirung desselben erfordert, dage- gen darf man aber ja nicht glauben, daß die von Oe­sterreich und Preußen adoptirte Politik eine bloß pas. sive ist, sie ist im Gegentheile eine deutsche und vollständig unabhängige. Was die Circularuotc des kaiserl. russ.' Staats-Canzlers Grafen v. Nesselrode vom 7. v. Mts. betrifft, so ist es gewiß, daß dieselbe den an den verschiedenen Höfen accreditirten kais. russ. Gesandten zur weiteren Mittheilung zugegangen sei, ob. wohl sie bis jetzt nirgends abgedruckt erscheint, was sicherem Vernehmen zufolge darin seinen Grund hat, weil die Großmächte einig geworden sind, in der orien­talischen Angelegenheit das 'diplomatische Geheimniß auf das Genaueste zu bewahren. Der Anlaß dieses gegen- festigen Versprechens war die iudiscrete Veröffentlichung des Wiener Protocolls vom 5. December, welches üb­rigens, wie man nachträglich vernommen hat, nicht durch Vermittlung einer Großmacht, sondern im Gegentheil durch den türkischen Gesandten in Paris Bely Pascha

demI. des Debats" zugekommen ist. Es dürfte dem­nach von nun an die Veröffentlichung irgend eines auf die orientalische Frage Bezug habenden diplomatischen ActenstückeK wohl nur dann erfolgen , wenn dasselbe auch der türkischen Regierung communicirt werden müßte, in welchem Falle die Großmächte freilich kein Mittel haben, eine Judiscretion verhüten.

** In einem Artikel der Deutschen Volkshalle aus Oesterreich wird die vielfältig versuchte Berufung auf Gesetz und Praxis der österreichischen Staatsregicruug gegenüber der Kirche zum Behufe der Rechtfertigung der von der badischen StaaDregierung in der jüngsten Znl wider die Kirche beliebten Maßregelt! als gänz­lich unbegründet und unstichhaltig zurückgewieseu. Ab­gesehen davon, daß die österreichische Gesetzgebung in publico - ecclesiasticis als allgemein gütiger Canon nicht proclamirl sei, daß viele der älteren Verordnungen der Jcsephinischen Verordnungen (die badische Territo­rialkirchengesetzgebung ist fast 'nichts als ein Ausfluß des Josephinismus) bereits und^ namentlich durch das a. h. Patent vom 31. Dccbr. 1851, außer Wirkung gesetzt wurden, werde die zukünftige rechtliche Stellung der Kirche in Oesterreich durch Das im Abschluß begriffene Concordat festgestellt werden. Der gegenwärtige Zu­stand der kircheustaatsrechtlicheu Verhältnisse in Oester­reich sei daher kein solcher, auf den man sich als einen rechtlich geregelten berufen könnte, während die recht liche Stellung der Kirche in Baden wie in den übrigen Staaten der oberrheinischen Kircheuprovinz aber bereits durch päpstliche Vereinbarung mit den betreffenden Staatsregierungen festgestellt worden sei. Aber auch die gesetzliche Praxis der Staatsregierung gegenüber der Kirche in Oesterreich sei durchaus nicht dieselbe wie in Baden. Man kann, sagt der betreffende Correspondent, es nicht in Abrede stellen, daß die österreichische Bureau- lratie, in der die Josephinischcn Reminiscenzen noch sehr lebendig-such, dann und wann stch ètnër mit Ve^gesetz- lichen Theorie im Widerspruch stehenden Praxis beflei­ßet. Bei solchen Vorkommnissen von Seiten der unter­geordneten Regierungsorgane finden aber die Reclama- tionen der Bischöfe höher« und höchsten Ortes Gehör. Und demnach steht es in Oesterreich um die Kirche doch besser als in Baden, wenn auch die Bureaukratie hier­um sein Haar besser ist als dort, und in Frage gestellt werden kann, ob man in Oesterreich auch nur Einen Herrn von Urin finden würde. Uebrigcns ist es keines­wegs um dte Ansübung der bischöflichen Rechte in Oester­reich gerade so bestellt sei wie in Baden. Von einer Aufnahmsprüfung der Candibaten in's Seminar, der ein Regieruugscoinmissar bcizuwohueu habe, weiß man in Oesterreich nichts. Eben so lag von jeher die Vornahme der Pfarrconcursprüfung ausschließlich in den Händen der Bischöfe, und es ist der österreichischen Regierung niemals eingefallen, Kommissare derselben beiordne» zu wollen. Was die Besetzung der Pfarreien betrifft, so gibt es in Oesterreich bei dem zu Recht bestehenden weit aiisgedehuteil landesfürstlichen und Privatpatrouate nur wenige Pfründen der freien bischöflichen Verleihung, und die Staatsregierung hat sich nur in Betreff der so­genannten ReligionSfoudSpfründen ein PräsentaNons recht genommen, was ihr nach canonifchcm Rechte nicht zusteht. Sie hat aber doch die Besetzung dieser Bene- fteien in praxi so geordnet, daß man sagen kann, sie liege ganz in der Hand der bischöflichen Ordinariate. 2Bie die österreichischen Bischöfe ihr Ordinariat oder Konsistorium einrichten üvdzusainmensHen, wen sie zum Rath oder Assessor desselben machen wollen, ist endlich ganz ihrem Befinden anheimgegeben.

Dentlchlarrd

* TViesbaden, 2. Febr. Nach einem Artikel des Mainzer Journals, welcher die rechtliche Begrün­dung der von der H.. nass- Regierung gegen die letzl- ernannten katholischen Pfarrer verhängten Temporalien- sperre einer tief eingehenden Kritik unterzieht , hätte der Bischof von Limburg zur Erzielung der wün- schem werthen friedlichen Ausgleichung der obschwebenden Streitfrage kürzlich dem H. Gesammtministerium Vorstel- lnugen gemacht.

4 Von der Lahn , 31. Jan. Die von dem Hofrath Dr. Spengler für den der Unterstützung so bedürftigen Professor Nees von E s e n b e cf veranstaltete Sammlung, hatte ein ziemlich günstiges Resultat. Nach­dem Herr Hofrath Dr. Spengler bereits eine Summe von 28 Thalern nach Breslau abgrsendet, soll nächstens ein zweiter Betrag von 40 fl. dorthin abgehen, was vielleicht für jene, die sich au der Kolleck noch bethei­

ligen wollen, eine Veranlassung zur baldigen Einsendung ihrer Beiträge abgeben könnte.

Mainz, 2. Februar. Zu- unserem Berichte von gestern, die Freisprechung 0r. E b e r t s betreffend, haben wir noch hinznzufügen, daß derselbe nicht sofort in Frei­heit gesetzt wurde, sondern wegen eines anderweitigen Preßvergehens, wofür er in Älzei vom Bezirksgerichte zu 6 Monaten Correctionshauèstrafe verurthcilt ist, zur Abbüßung dieser in das Gefängniß abgeführt wurde.

Aus Frankfurt meldet die Leipziger Ztg.:Zu­verlässigem Vernehmen nach werden gegenwärtig Ver­handlungen über einen Vorschlag geflogen, nach welchem sofort eine Revision der BundeS-Kriegsverfassung be­werkstelligt werden soll. Es ist, wie man versichert, alle Aussicht dafür vorhanden, daß dieser Vorschlag geneh­migt und alsbald in Vollzug gebracht werden dürfte. Die Revision der BundeS-Kriegsverfassung würde zu­nächst der Bundes Militär-Commission übertragen; an den betreffenden Berathungen würde indeß auch eine Anzahl höhere Offiziere Theil nehme», welche'von ihren respectiven Regierungen zu diesem Zwecke nach Frank­furt würden gesandt werden. Mit diesem Projocte scheint die bereits erfolgte Ankunft des würtcmbergischen Generals Bauer im Zusammenhänge zu stehen. Man erwartet, daß der Termin für den Beginn der Revisions- Berathnugen in nächster Zeit werde festgesetzt werden."

Ludwigshafen, I.Fcbr. (Pf-Z.) Da derRhein seit vorgestern schon sehr beträchtlich gestiegen ist, so konnte auch bereits die Dampfschifffahrt wieder begni- nen, auch haben schon mehrere Segelschiffe unseren Ha­fen verlassen.

* Aus Baden, 31. Jan. Wie demMainzer Journal" aus Heidelberg geschrieben wird, hatte die Geschichte mit dem dortigen Kirchendiener und Glöck­ner, der wegen Besitzes eines Exemplars des Gedichtes Hirtcnrus" von Oskar v. Redwitz verhaftet und ohne Weiteres in das Gefängniß geworfen wurde, auch ihte komischen Konsequenzen. Das Gebetläuten zu den christlichen Tageszeiten unterblieb wegen Einsperrung des Glöckners. Dies fällt auf und erregt Gerede un­ter dem Publicum. Stadtdirector Wilhelmi befiehlt der Frau des Glöckners, zu läuten. Diese entgegnet aber, das Läuten sei das Geschäft ihres dafür angestellten Mannes, sie bedanke sich für diese Zumuthung. Man fordert derselben die Kirchenschlüssel ab; sie verweigert die Herausgabe mit dem Bemerken, daß hierüber nicht die Polizei, sondern der Hr. Pfarrer zu verfügen habe. Die Frau bekundet ein besseres Verständniß dessen, was Raison und Ordnung ist. Noch mehr: Der Caplan begibt sich in das Hans eines Schlossermer- sters. Sofort wittert das von Parteisucht getrübte Auge geheime Umtriebe und Einverständnisse. Man beeilt sich, bei 6cm Schlossermeister Haussuchung vor- Zunebmen und cs ergibt sich, daß der Caplan gar nicht bei bem Schlosser, sondern in einem andern Stockwerke­bei einem Todtkranken Besuch gemacht hatte. Fast Je­dermann ist entrüstet über diese Art von Handhabung der Autorität und es wird von der Regierung erwar­tet, daß einem solchen Auftreten ein rasches Ende gemacht werde.

DieAugöb. Postz." vom 29. Januar bringt Fol­gendes : Auch in Baiern haben (auf Antrag der badi­schen Regierung und unter Beziehung auf den deßfalls bestehenden Staatsvertrag) die Preßprozeffe gegen die Postzcilung" begonnen. Gestern (Freitag) hatten wir uns vor dem Untersuchungsrichter über 17 Artikel zu verantworten.

Von den Priestercapiteln von Uri und Wangen (Württemberg) sind noch in neuester Zeit Beistimmungs- abreffen an den hochürdigste» Erzbischof von Freiburg eingegangen.

München, 30. Jan. ZandersVolksbote" be­richtet aus sicherer Quelle, daß der VmcentiuSVerein. von der fön. Regierung von Schwaben und Neuburg nicht, wie ein Augsburger Localblatt gemeldet hatte, für einen politischen, sondern umgekehrt für einen nichtpoli- tischen Verein erklärt worden ist.

In dem Befinden des königlichen Staatsministers v. d. Pfordten ist eine neue Störung ei«getreten. Das Fieber ist wieder auSgeorochen und der Herr Minister dais in Folge dessen das Bett nicht verlassen. Es ist unter diesen Verhältnissen gar nicht voranszu- schen, wann er zu den Geschäften wird zurückkehren können. Von Gefahr ist übrigens bis jetzt keine Rede.

Sicherem Vernehmen nach, schreibt das Bamberger Tagblatt, ist das Kissinger Bad mit allerhöchster Geneh­migung pachtweise in die Hände zweier Franzosen über- gegangen. Der Pachlvertrckg ward, wie man hört, auf