Einzelbild herunterladen
 

die Handlungen, welche diese in Kraft dieser Instructionen vorgenommen, beziehen werde."

DerFr. Postz." wird aus Paris vom 28. ge­schrieben : Mit tiefstem Bedauern melde ich Ihnen, daß hier alle Hoffnung, den Krieg mit Rußland zu vermei­den, geschwunden ist. Zwar wird die russische Antwort auf die letzten Siener Vorschläge erst übermorgen hier eintreffen, doch wird sie ohne Zweifel ausreichend lau­ten und in diesem Fall den ernsten Gang der Ereig­nisse nicht aufhalken. Die englischen Minister haben eine sehr energische Thronrede vorbereitet und zugleich bei Frankreich beantragt, auf die russische Anfrage, be­treffend das Erscheinen der Flotten im schwarzen Meer, jede Erklärung zu verweigern. Dieser Antrag wurde hier angenommen. Ucberdies ging diesen Morgen ein Courier nach London ab, welcher dem englischen Cabi- uet nachstehende Einladung überbringt:Jede nicht un­bedingte Zustimmung Rußlands zu den Siener Vor­schlägen unbeachtet zu lassen; einen förmliche« Vertrag abzuschließ en, indem die zwei Seemächte sich gegenseitig versprechen, nie einseitig Unterhandlungen mit Rußland einzugehen; die Flotten im schwarzen Meer beträcht­lich z u verstärke n und ein gemeinschaftli­ches Geschwader nach der Ostsee abzuschi- chem" Aus Triest wurde der Regierung telegraphisch gemeldet, daß ein Zusammenstoß zwischen französisch­englischen und russischen Schiffen im schwarzen Meere stattgefundcn hat. Obschon die letzten Nachrichten aus Konstantinopel diese telegraphische Meldung voraussehen ließen, möchten wir ihre Zuverlässigkeit nicht verbür­gen. In den höchsten Kreisen der Regierung zweifelt man nicht mehr an dem Ausbruche des Krieges mit Rußland. An ein Verbleiben der ruf suchen Gesandten hier und in London wird nicht mehr gedacht. Auffal­lende Truppenbewegungen sind ungeordnet. (Der In­halt dieses Artikels, bemerkt dieFr. Postz.", steht im Widerspruch mit allen übrigen uns zugegangenen Nach­richten, die Quelle allein, der er entfließt, konnte uns zur Aufnahme bestimmen. Ob er wahr oder falsch pro­phezeit, wird sich wohl schon morgen [31. d.j Heraus­stellen ,. da die Thronrede der Königin von England Morgen Nachmittag gehalten, also morgen Abend hier bekannt sein wird.)

t* Paris, 29. Januar. Der heutigeMoniteur" enthält ein kaiscrl. Decret, wodurch 40,000 Mann aus der Classe von 1851 für die Bedürfnisse der einzelnen Waffengattungen unter die Fahnen berufen werden. Obgleich in dem Decrete diese Maßregel durch die Un- zulänglichkeit der vor kurzem cinberufenen 40,000 Mann Nir Ausfüllung der durch zahlreiche Entlassungen ent­standenen Lücken motivirt ist, so hat sie doch in dem gegenwärtigen Augenblicke ein bedeutendes Aufsehen ge­macht, weil man sie als den Vorläufer mehrerer bedeu­tender Maßregel betrachtet, welche schon seit langer Zeit für den Fall eines Krieges mit Rußland vorbereitet sind. Die 3pCt. Rente sank heute Mittags an der klei­nen Börse auf 67 FrcS. 70 C. (um 1 Fr. 15 C.)

Prinz Napoleon hat sich gestern nach Brüssel zum König Leopold begeben. Blanqui, Mitglied des In­stituts, und der Sohn des berühmten Malers David, Professor am College de France, sind hier gestorben.

Schweiz.

Die gegen Kaution freigelassenen Verhafteten in der Contini-Angelegenheit. sind in Lugano mit einem Chari­vari empfangen worden.

, Spanien.

Madrid, 22. Jan. DieMadrider Zeitung" veröffentlicht folgendes Circular des Kriegsministers an die in den Provinzen eommandirenden Generale:Nach dem die Königin dem Generallieutenant Leopold O'Don­nell, Grafen v. Lucena, am Dalum des 17. Januar eiuen Aufenthalt zu Santa Cruz von Teneriffa ange­wiesen, und da dieser bis jetzt, unter nichtigen Vorwän­den, dieser Verfügung der Souverän!» nicht nachgekom- mcn; in Betracht, daß dieser gegen den Art. 26, Tit. XVII. der königlichen Ordonnanzen gefehlt und in sol­cher Weise den schuldigen Gehorsam gegen die Befehle der Königin außer Acht gelassen hat/ will Ihre Maj., daß, wenn binnen acht Tagen der Generallieutenant Leopold O'Donnell sich in dem Distrikte, wo Sie com- mandiren, einfindet, derselbe sofort verhaftet und zur Verfügung des Gouvernements gestellt werden soll. Madrid, 22. Jan.Bla s er." General Jose de la Concha, welcher gleichzeitig mit dem General O'Donnell von Madrid abgereist war, ist in Sarragossa eingetroffen. Er stellte sich daselbst den militärischen Behörden, und setzte seine Reise nach Barcelona fort, wo er sich einschiffcn soll. Dem Vernehmen nach Halte O'Donnell sich auf dem Wege nach Sarragossa insge­heim von seiner Begleitung entfernt; es fehlt an sicherer Nachricht darüber, wo er sich aufhält, und was er be­absichtigt.

Ein Flugblatt, au die Nation gerichtet, wird gegen­wärtig in Madrid und dem Vernehmen nach auch in den Provinzen in zahlreichen Exemplaren verbreitet. Voll Schmähungen gegen die Regierung, ist es ein förmlicher Aufruf zu den Waffen. Die Verfasser dieser verbrecherischen Schrift schildern die Lage mit den düster- pen Farben; sie fordern in gebieterischester Weise, daß die Nation sofort um ihre Willensmeinung befragt werde^

und schließen mit einer kaum verdeckten Drohung eines Aufstandes.

* Den letzten Nachrichten aus Madrid zufolge dauert die Aufregung wegen der letzten strengen Regierungs­maßregeln daselbst fort, der General Concha hat sich bei den Behörden von Sarragosse freiwillig gestellt, und erklärt, daß er seine Reise nach dem Exil sortsetzen wolle. Die Untersuchung gegen die Verschworenen in der Armee dauert fort.

Es fehlt noch immer jede Kunde über den Ort, wo General O'Donnell sich verborgen hält. Anfangs hatte man gesagt, O'Donnell- habe sich in das englische Ge- sandtschaflshotel geflüchtet. Doch hat sich dieses Gerücht als ungegründet erwiesen.

Dänemark.

Kopenhagen, 25. Jan. (N.-Z.)Kjöbcnhavns- poften erklärt sich dafür, daß Dänemark in Frankfurt für seinen Theil dahin strebe, daß der deutsche Bund ebenfalls eine Neutralitätserklärung erläßt.

Schweden

Stockholm, 20. Jan. Der Antrag der Regie­rung auf eine Extrabewilligung für die Rüstungen ist von allen vier Ständen (im Bürgerstande aber erst nach einer langen und lebhaften Debatte) angenommen worden.

Großbritannien

London, 26. Jan. DerA. A. Ztg." wird ge­schrieben : Ich bin jetzt im Stande, Ihnen mit einiger Genauigkeit den Inhalt der letzten Eröffnungen anzu- geben, welche Hr. v. Kisscleff an die kaiserliche Regie­rung von Frankreich und Hr. v. Brunnow an die bri­tische Regierung gerichtet hat. Diese Gesandten waren von Kaiser Nikolaus angewiesen, in sehr höflicher Form eine Erörterung der mündlichen Mittheilung zu verlan­gen , die dem Petersburger Cabiuet unlängst von Sir Hamilton Seymour und General Castelbajac in Bezug auf den Einlauf der vereinigten Flotten in das schwarze Meer gemacht worden. Zugegeben, es sei die Absicht der verbündeten Westmächte, die russische Seemacht an weiteren Angriffen auf das türkische Gebiet oder auf türkische Schiffe zu verhindern, so wird an jene die Frage gerichtet: ob es ebenso ihre Absicht sei, die tür­kische Flotte von jedem Angriff auf russisches Gebiet und ruürsche Schiffe abzuhallen. Angenommen, auch die Westmächte wollten der Pforte gestatten, ungehindert Verstärkungen nach ihren eigenen Positionen am schwar­zen Meer zu senden, so wünscht hingegen Rußland zu wissen: ob es den Türken in gleicher Weise erlaubt sein soll, Mannschaft und Kriegsvorrâthe nach Tscherkessien und von Russen besetzten Küsteirpunkten zu schicken. Das ist, wie ich höre, der wesentliche Inhalt der Nvte, welche kurz und höflich abgefaßt ist, ohne irgend eine Drohung oder ein Anspiel auf die Folgen, falls die Antwort der be den Höfe unbefriedigend ausfiele. Ich war gestern im Irrthum, als ich Ihnen schrieb: Hr. v. Brunnow habe sich mit der von England erhaltenen Antwort zufrieden (salisfied) erklärt; die Ant­wort ist noch nicht erfolgt; denn da die Anfrage schrift­lich gestellt worden, so ward cs nöthig, die Antwort in der- selben formalen Weise zu geben und zu dem Ende nicht bloß das brit. Sabines, sondern auch die franz. Regierung zu Rath zu ziehen. Die definitive Antwort wird hiernach wahr­scheinlich erst in zwei oder drei Tagen erfolgen. Of­fenbar, meint der Corresp., kann die Antwort nicht be­friedigend für Rußland ausfallen; denn England und Frankreich können und werden ihren gefaßten Entschluß, das osmanische Reich zu schützen nicht verleugnen, und die einzige Bedingung, unter welcher sie bewogen werden könnten sich derFeindseligkeiten zu enthalten, wärcRußlands Zusage den Krieg nicht fortzusetzen. Englaud und Frankreich werden also wahrscheinlich erklären, daß sie entschlossen seien ihre Politik durchzuführen, durch friedliche Mittel, wo mög­lich wo nicht, durch den Krieg. Was wird die Wirkung einer solchen Erklärung auf die russischen Gesandten in Paris und London sein? Sie haben nichts (gesagt, was eine positive Schlußfolgerung rechtfertigen würden aber ihr Ton i» der Gesellschaft, wo sie voy gepackten Koffern und Feilbietung ihrer Equipagen sprechen, scheint anzudeuten, daß sie nur die förmliche Antwort auf ihre Note abwarte», um sofort a baureifen.

In letzter Zeit werden alle von den großen rus­sischen Handelshäusern auf London gezogenen Wechsel protestirt, und die russischen Fonds sind seit dem - om­ni er um 15 Procent gefallen. An der Börse waren jedoch die engl. Cousols wieder etwas in die Höhe gegangen (auf 90% für Rechnung) und zwar weil Rußland seine Gesandten noch nicht abrufen, sondern temporisiren zu wollen scheint, und man jedenfalls auf die Neutrali­tät Oesterreichs rechnen zn dürfen glaubt.

DerStandart" hat eine telegraphische Depesche aus Wien erhalten, der zufolge der Graf Orloff am 28. daselbst erwartet wurde, dessen Instructionen sollen für den Fall friedlich lauten, daß Frankreich und Eng­land eine genügende Erklärung über das Einlaufen der Flotten gegeben haben; derMorning-Herald" bemerkt dazu, daß die Sendung des Grafen Orloff, wenn sie auch mit Olivenzweigen maskirt ist, keinen andern Zweck habe, als für Rußland Zeit zu gewinnen, den deutschen Staaten Sand in die Augen zu streuen, den jungen Kaiser Franz Joseph zu täuschen, Preußen zu überlisten Wd Mißtrauen gegen Frankreich und England zn er»

regelt (Viel in einem Athem !) DieTimes" et klärt sich entschieden gegen jeden Aufschub der Feind­seligkeiten, und ist der Meinung, daß man damit so» gleich nach der Ankunft der erwarteten entscheidenden Antwort beginne. DerGlobe" will wissen, daß der- englische Gesandte in Paris Lord Cowley die französische Regierung drängt, ein Armeecorps von 50,000 Mann nach dem Orient zu senden. Dasselbe Blatt hat aus Odessa die Nmchricht erhalten, daß der große Transport von Munition, Lebensmitteln und Waffen, welcher nach den Donaumündungen bestimmt war, aus Besorgniß vor den vereinigten Flotten nicht mehr abgeben dürfe.

Gestern Abend hat in Manchester die übliche Vor­versammlung der Manchester-Partei in Gestalt eines Banquets stattgefundcn, dem ein öffentliches Meeting folgte. Da die Freihandelshalle eben in der Ausbes­serung begriffen ist, nahm man zu einem Gasthofssaale seine Zuflucht, der nicht mehr als. 300 Personen faßte. DieTimes" hatte Stenographen geschickt und ließ eine Locomotive in Bereitschaft halten, welche Einrichtung es möglich machte, daß wir Reden, die vor noch nicht zehn Stunden vierzig deutsche Meilen von uns gehalten sind, in wörtlichem Referate auf unsern Frühstückstisch hier in London liegen haben. Wo die Stenographen ab« brechen mußten, hat der Telegraph den Bericht ausge­nommen. Wilson, früher der Präsident der Anti-Korn- Law-Ligue, führte den Vorsitz. Die Hauptsprecher waren natürlich Milner Gibson, Cobden und Bright. Sämmt-k liche Redner gingen nach einer ziemlich heftigen Be­sprechung der innern Angelegenheiten, auf die große europäische Frage ein. Cobden ging am rücksichtslose­sten ins Zeug, und hätte cr'S mit der Demokratie bis jetzt auch nicht verdorben, jetzt hat ers; sie werden ihm das nie vergeben. Als den wahren Grund der Gefah- ren für die Ruhe Europas bezeichnete er, wie er schon vor zwanzig Jahren gethan, allein den anarchischen und haltlosen Zustand des türkischen Reiches. Er behaup­tete, daß die socialen Zustände Englands und Rußlands im Principe dieselben seien und sich in derselben Rich­tung entwickelten, während die aller übrigen Länder Enropas sich mehr und mehr von diesem Principe ent­fernten und in Gegensatz dazu geriethen. Als die Hauptvergleichungspuncte bezeichnete er die Existenz großer grnndbesitzender Familien und die wirthschaftliche Unselbstständigkeit der großen Masse der ländlichen Be­völkerung, ferner den großen Bildungsunterschied zwi­schen den so sehr verschiedenen Gesellschaftsklaffen. Seit entfernt daran zu glauben, daß die jetzige Jnterven- tion^ihren Zweck erreichen werde, sei er der Meinung, daß sie auf die Dauer doch lediglich Rußlands Inter­esse fördern werde. Man müsse nicht vergessen, daß England und Frankreich intervenirten, wie die Sache in der Praxis aussähe, damit drei Viertel der Bewohner der europäischen Türkei keine Garantiern religiöser Frei­heit erhielten. Die Entscheidung hänge zuletzt doch von der christlichen Bevölkerung der Türkei ab, und wenn dieselbe auf diese Weise lerne, daß vom Einfluß der Westmächte auf die Türkei nichts für sie zu hoffen sei, würden sie Rußland ganz und gar in die Arme getrie­ben werden. Er sprach seine Anerkennung für Lord Aberdeen aus, der den ernstesten Willen zur Ver­meidung eines europäische» Krieges gezeigt habe. Welche Wendung ein solcher Krieg nehmen werde, könne Nie­mand absehen. Mit den Bundesgenossenschaften, mit denen man in einen Krieg eintrete, käme man selten aus demselben heraus. Wenn von dem englisch-franzö­sischen Bündniß jetzt von denselben Leuten ein so großes Wesen gemacht werde, die anfangs von nichts als Krieg mit Frankreich geträumt, so sage er, der stets den Frie­den und die Freundschaft mit Frankreich gepredigt, daß das Bündniß nichts weniger als zuverlässig sei. Er schloß diese Rede, bei der ihm anzufühlen, wie er mit dem Ausdruck zu ringen hatte, um seine Gedanken auf­richtig wiederzugeben, unter lang anhaltendem Beifall. Ich müßte mich sehr täuschen, wenn dieser Beifall nicht einen allzuentfernten großen Umschwung der öffentlichen Meinung in England vorherverkünden sollte. Die kla­ren Köpfe der Nation fangen an, den Lärmen, den die Unwissenschaft und Leidenschaft angerichtet haben, satt zu bekommen. Und wenn ein solches Gefühl sich erst Bahn bricht, ist der Augenblick, wo ihm ein nachdrück­liches Ende gemacht wird, nicht weit.

Italien

Palermo, 20. Jan. Von der hiesigen Scebe- Hörde sind neulich verschärfte Quarantänemaßregeln ge­gen Provenienzen von Schiedam, Dortrecht, Stettin, Odessa und aus Frankreich verfügt worden.

Ionische Justin.

Korfu, 23. Jan. Die Regierung der jonischen Inseln hat den Post - und Transportdienstvertrag mit der Dampfschifffahrtsgesellschaft des österreichischen Lloyd auf fünf Jahre erneuert. Auf den sieben Inseln nimmt die Getreidenoth immer mehr überhand.

Donaufürftenthümer.

Von der Donau, Mitte Januar. (Triest. Ztg.) Fuad Effendi'S Thätigkeit scheint nicht erfolglos geblie­ben zu sein. Der größte Theil der Bojaren ist für die Türken gewonnen, waS sich offenkundig zeigen dürfte, wenn es den türkischen Truppen gelingen sollte, in den Fürstenthümern vorzudringen. Auch in Serbien scheint die anti-russische Gesinnung bessere Geltung zu haben.