Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine

JR S / Samstag des 28. Jonnar

1834.

^^* Durch die bevorstehende Wiedereröffnung der Kammern veranlaßt, eröffnen wir hiemit für die Monate Februar und März ein abgesondertes Abonnement auf die Nassauische Allgemeine Zeitung. Preis: 1 ft 20 kr.; außer­halb des Fürstl. Thurn und Taxis'schen Postverwaltungsbezirkes 1 fL 36 kr.

Die,.Nassauische AUnemeine Zeitung" mit dem beileiristischen BeiblaltDer Wanderer" erschein!, Sonniagi! ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpretS für Wiesbaden und , nach dem neuen Possregulaiiv nunmehr auch f ir den ganten Umfang des Zturn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Anbtgriff des Possausschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch.osseirelchischcmPossvereins, wie für daS Ausland 2 fL 24 kr. __ Inserate werden bit vicrspall g Petikjeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, anSwârtS bei den nâchstgelegenen Postämtern, zu machen.

Leitungslchau.

Die nächste Zukunft. Ein russisches Urtheil über die ausländische Presse. Deutschlands Stellung zur orien­talischen Frage. Der Kirchenconflict in Baven.

** Der 13. Januar (bekanntlich daS russische Neu­jahr) feiert derRussische Invalide" durch ein Gedicht An die auswärtigen Freunde" und durch einen Leit­artikel. DaS erstere richtet sich gegen die Neider des von dem allgemeinen Aufruhr unberührt .gebliebenen Landes , wo die Donner von Pultawa und Borodino noch widerhallcn und zwanzig Nationen ihr Grab ge­funden hätten. Rußland sei durch einen unsichtbaren Schild geschützt, ein unzerbrechliches Bajonett habe ihm der Glaube, die Liebe znm Vaterlande und zum Herr­scher geschmiedet u. s. w. Der Leitartikel spricht sich in sehr charakteristischer Weise über Das aus, was wohl von dem nächsten Jahre zu erwarten sei, nachdem das letzte mit unvergänglichen Buchstaben in die Jahrbücher Rußlands geschrieben sei und Europa gezeigt habe, daß zum Ringen mit dem nordischen Riesen Riesenkräfte ge­hörten und daß cs ein granitiner Fels sei, der dem großen Umgestalter znm Schemel gedient habe, auf dessen mächtiges Wort Rußland seine Stelle in Europa ein» genommen habe. Was nun die Zukunft betrifft, so heißt es in dem Artikel:Es ist unmöglich nicht zu sehen, daß der Welt große Ereignisse bevorstehen. Die Klagen der englischen Zeitungen, welche der Zeit nicht aufgehört haben, seit Osman Pascha's Geschwader zer­stört wurde, der neuerdings erfolgte Wiedereintritt Lord Palmerston's, der für den Vertreter der Kriegspartei in England. gilt, in das britische Eahinct, die Absendung der vereinigten Flotten in das schwarze Meer, die im» mer größere Verstocktheit der Türken gegen die unglück­liche christliche Bevölkerung des osmanischen Reiches, das dringende Begehren Englands, daß die Pforte durchgreifende Reformen beginnnen und die Christen rechtlich den Muhamedanern gleichstellen solle eine Unmöglichkeit, ohne den Koran umzustoßen die Ge­reiztheit der Gemüther in Serbien und Montenegro, die Bewegung in Afghanistan und Hindostan, die Um­wälzung welche sich in China vollzieht, endlich die Wie­derannäherung zwischen den beiden Linien der Bour­bonen,^ welche noch wichtige Folge haben kann, alles Dieß läßt erwarten, daß, selbst wenn die Anstrengungen der vier vermittelnden Mächte, den Frieden im Osten wieder herzustellen, mit Eifolg gekrönt sein sollten, das Jahr 1854 doch durch die Ereignisse von Wichtigkeit für die Welt ausgezeichnet sein dürfte."

^E^ derHofzeitung" unterzieht die aus­ländische, besonders englische und französische Presse und hat den Zweck, auf die in den ausländischen Zeitungen enthaltenenganz ungerechten, beleidigenden und frechen Artikel über Rußland" zu entgegnen. Die deutschen Zeitungen übergeht der Artikel gänzlich, weil dieselben gleich den belgische» wenig selbstständig sind, nur eng­lische und französische Ansichten.abdrucken und kein eige­nes Urtheil haben." Ungerecht aber wäre es heißt $ weiter dieNeue Preußische Zeitung" hievon nicht auszunehmen, welchemit Ergebenheit und Eifer die Sache Rußlands gewissenhaft vertheidige." Auch die Augsburger Allg. Ztg." sei bemüht, ihre Unparteilich- kett zu bewahren, und gebe gerechten und ehrlichen Ar­tikeln gern Raum. Aber dieKölnische Ztg."Das ein Jesuit in einem türkischen Feß, welches nach dem Muster der rothen Jacobinermütze gemacht ist!"

* Wenn von russischer Seite auf die Identität der Interessen, der deutschen Staaten in Bekämpfung der revolutionären Partei gerechnet und darauf die Hoff­nung gegründet werden sollte, daß die deutschen Mächte in letzter Instanz Partei für Rußland nehmen und sich gegen die Westmächte erklären müßten, so scheinen, wie heute in derFr. P. Ztg." bemerkt wird, die seit den Revolutionen von 1848 und 1849 wesentlich veränder­ten Verhältnisse nicht hinreichend ins Auge gefaßt zu sein. Die gedachten Revolutionen konnten nur deßhalb zum Ausbruch kommen und so schnellen Fortgang gc- ^uneu, weil ganz Deutschland durch die constitutwnel- en Verfassungen und die Dcclamationcn der Stände- ersammlungen in einen vollständigen politischen Nebel gehüllt war, der den leitenden Staatsmännern keine ne Um|td)t mehr gestattete und sie im Dunkeln ließ,

welche Feinde sie zu bekämpfen hatten, und von welcher Seite die gefährlichsten Angriffe kamen. Nachdem jene Nebel durch die Nevolutionsstürme zerstreut sind, ist niemand mehr darüber im Zweifel, daß die sogenannten Freunde der Regierungen, d. h. die Anhänger der con- stitutionellen Ideen, ihnen einen viel größeren Schaden zugefügt haben, als ihre entschiedenen Feinde, weil erstere alle Vorsichtsmaßregeln der Regierungen lähm te», oder gar gegen dieselben wendeten, um ihren Ideen den Sieg zu verschaffen. Das constitulionelle System sollte an die Stelle des monarchischen gesetzt werden, gleichsam als wenn nicht hierin schon eine vollständige Revolution gelegen wäre. Eine große Zahl der Be­sitzenden schloß sich diesen Ideen an und ließ die eigent­lichen Revolutionäre gewähren, in denen sic fast Hilfs­truppen erblickten, da sie ja gleichfalls gegen das mo­narchische System anstürmten. Es ist das große Ver­dienst des Kaisers der Franzosen, dem falschen constitu» tionellen Systeme in Frankreich ein Ende und dadurch seinen Anschluß an das conservative System möglich gemacht zu haben, während in Deutschland die auf die Revolution folgende Reaction zu demselben Resultate führte. An die Stelle der Politik der Doctrinen trat die Politik der Interessen und diese gestattete eine prak­tische auf die wahren Verhältnisse gegründete Reorgani­sation der Staaten, welche die segensreichsten Früchte zn ttagen versprach, bis die unglückselige türkische Frage, die uns mit neuen Stürmen bedroht, eine nicht genug zu bedauernde Stockung des allgemeinen Aufschwungs der deutschen Staaten herbeiführte. Die Politik der Interessen wird gleichwohl ihr Recht behaup­ten und die Schritte der deutschen Echte in der türki­schen Frage werden sich nach ihr und nicht nach den Be­fürchtungen vor einer glücklicherweise überwundenen Re­volution bemessen. Die Interessen Deutschlands in der orientalischen Frage sind aber so klar wie die Sonne. Die deutschen Mächte können sich eben so wenig mit dem anticonservativen England verbünden, um die Stel­lung Rußlands in dem europäischen Staatensystem zu verkürzen, als mit Rußland, um die Westmächie zur Nachgiebigkeit in dem Streit über das Prolectorat in der Türkei zu zwingen. Die Gefahren für Deutschland­wären nach der einen wie nach der andern Seite hin gleich groß und der Gewinn mehr als zweifelhaft. Eng­land besitzt stets noch die höchst gefährliche Waffe der revolutionären Propaganda, die wir von der consttiu- Nouellen unterscheiden, und daß es diese meisterhaft zu handhaben versteht, hat es seit einer Reihe von Jahren zum bittersten Schaden des CominentS bewiesen. ES wäre somit Thorheit, England zum Gebrauche dieser Waffe herauszufordern. Eben so wenig hat aber auch Deutschland ein Interesse, den Kaiser von Rußland in die Unmöglichkeit zu versetzen, dem conservativen Deutsch­land fernerhin zum Rückhalt zu dienen. Die deutschen Mächte werden daher nichts thun dürfen, was zur Der- kümmerung deS Einflusses und der Macht Rußlands füh­ren könnte. Deßhalb muß ihnen auch das seierlliche Wort des Kaisers von Rußland, den Terriiorialbestaud und die Selbstständigkeit der Türkei nicht antastcu zu wollen, als volle Bürgschaft der Politik Rußlands die­nen, und sie sönnen sich zu keinen Maßregeln herbei­lassen, die, wie das Einlaufen der englisch-französischen Flotten in das schwarze Meer, nur durch die Politik des Mißtrauens in die Worte des Kaisers von Ruß­land gerechtfertigt werden können. Die deutschen Mächte betrachten den Krieg Rußlands mit der Türkei als ei­nen Ehrenhandel, der abgethan ist, sobald der Ehre Genüge geschehen. England und Frankreich wollen ma­terielle Garantien gegen die ehrgeizigen Absichten deS Czaren und unterstützen deßhalb die Türkei durch Ge­währung materieller Hülfe Zu letzterer können die deutschen Mächte sich nicht verstehen, so lange kein Wort- brnch des Kaisers von Rußland nachgewiesen ist. Die strengste Neutralität Deutschlands ergibt sich hieraus von selbst.

** DieBadische LandeSzeitung" bequemt sich nun auch zu dem Eingeständnisse, daß der kirchliche Conflict seine Ausgleichung gefunden habe. Sie sagt:Die Unterhandlungen in der kirchlichen Streitfrage, welche neuerdings wieder ausgenommen wurden und ihren Be­ginn namentlich von der Sendung deS Hrn. v. Mcy- senbng nach Wien an datiren, haben zwar aus bereits

angegebenen Gründen bis jetzt noch zu keinem entschei­denden Resultat geführt, und wird dasselbe wohl auch so bald nicht erreicht werden; indessen sollen sie glaub­haftem Vernehmen nach doch wenigstens so weit gedie­hen sein, daß eine Erweiterung der Differenzen nicht mehr in Aussicht sicht. Es würde, wie weiter verlau- tet, nach Zurücknahme der Ezcommunicationen einer­seits (?) und der Verordnung vom 7. November an­dererseits ein Stadium der Ruhe eintreten, und wäh­rend dessen directe Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhle die Streitfrage vollständig zum Austrag brin­gen. Da an der Richtigkeit dieser Mittheilungen nicht zu zweifeln ist, so dürfen wir uns jetzt endlich der be­ruhigenden Hoffnung hingeben, daß Vorfälle, wie die von Heidelberg und dem Odenwalde gemeldeten, nun nicht mehr Vorkommen werden und überhaupt derjenige Zustand der Waffenruhe eintreten wird, welcher dem Fricdensabfchluß vorausgehen muß und zu seiner Er­leichterung wesentlich beiträgt." (Wir wissen nicht, welche Vorfälle hier gemeint sind; sind es die in neue­ster Zeit vorgenommenen Verhaftungen, so hoffen auch wir, daß solche Scenen, deren Herbeiführung oder Ver­meidung einzig und allein dem Ermessen des einzelnen Beamten anheimgegeben ist, nicht mehr vorkommen und die eingetreteneWaffenruhe" nicht stören werden. Während man nämlich nach den Aeußerungen osficiellcr Blätter annehmcu durfte, daß das badische Ministe­rium nicht bloß der Abhaltung der vier vom hochwür­digsten Herrn Erzbischöfe ungeordneten Predigten nicht entgegentreten, sondern auch diejenigen Geistlichen, welche, nach der Ansicht der Unterbeamten, gegen die Bestim­mungen des Strafgesetzbuches fidb. verfehlten, den or­dentlichen Gerichten überliefern würde, haben wir wie­der bei der Verurthciluug des Heidelberger CaplanS Wieser einen merkwürdigen Act polizeilicher Justiz erlebt. Der am Sonntage den 22. d. M. nach dem Vormit- tagögottesdienste sofort verhaftete Caplan Wieser wurde nach 24 Stunden im Strafgefängnisse verhört und zu acht Wochen Knisgefängniß mit nachfolgender Aus­weisung aus der Stadt verurtheilt. Trotzdem, daß der RecurS gegen dieses Erkenntniß auf der Stelle angetre- tcii wurde, wurde Herr Caplan Wieser doch sofort in der Stille ins KreiSgefängniß nach Mosbach abgeführt. Die Einwendung, daß nach den LaudeSgesetzen bei Po» lrzeistrafen eilf Tage zur Ausführung des Recurses of­fen stehen, und während dieser Zeit die Strafe nicht angetreten zu werden brauche, folgte die Erwiderung, daß bei den Geistlichen im gegenwärtigen Augenblicke von dieser Vergünstigung des Gesetzes Umgang genom­men werde.

Deirtschland

* Wiesbaden, 28. Jan. Dem Vernehmen nach wird Graf Schönborn im Verlauf der bevorstehen­den Session des Landtages seinen Sitz in der ersten Kammer in Person tinnehmen.

* Limburg, 26. Jan. Aus Aulaß deS Conflicts mit der herzogl. nassauischen Regierung hat der hoch­würdigste Herr Bischof dieser Tage einen Hirtenbrief veröffentlichtBezüglich des in Anspruch genommenen Rechtes, die Kirchenämter zu besetzen gibt derselbe fol­gende Darstellung der seit einer Reihe von Jahren statt« gehabten Bemühungen, die Anerkennung desselben von Seite der Regierung zu erwirken.Um nicht bereits Gesag­tes wiederholen zu müssen, beziehen wir Uns (bezüg­lich der Zuständigkeit deS AnstellungSrechleS) auf den Nachweis, welcher hierfür in der Denkschrift des EpiS- copats der oberrheinischen Kirchenprovinz vom 18. Juni v. I. geliefert worden ist. Hier wollen Wir nur kurz erinnern, daß das Oberhaupt der Kirche PiuS VII. durch die Darlegung seines Cardinals Staalsfecretärs vom 10. August 1819 in den Verhandlungen, die der Errichtung unserer Kirchenprovinz vorausgegangen sind, den Regenten das Recht, Pfarrstellen zu verleihen, aus­drücklich abgesprochen und nachmals Pius VIII. in einem Breve vom 30. Juni 1830 cs als einen be­sonderen Leschwerdcpunct bezeichnet hat, daß die welt­liche Gewalt sich die Befugniß beilege, die zu Kirchen- Ämtern zu Befördernden beliebig auszuwählen. Rom hat gesprochen damit ist die Sache entschieden: so sagte einst der heilige Kirchenvater AngußinuS; so denkt noch heute jeder achte Katholik.- An die erwähn-