Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

^ SS

Freitag de« 27. Jamar

Zeitung.

1954.

Dik,,Naffauffchc Allgemeine Zeitung" Mit dem Wltmftifcbrn BeiblattDer Wunderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, lâgiicd und beträgt der PrânumerativnSpreiS für Wiesbaden und , nagt dem neuen -ostregulaiiv nunmehr vd» sLr den ganzen Umfang des Zourn- und Lar>s'schen BerwaltungSbezirkS mit Jnb, griff des PoffauffLIag« 2 fl., für die übiige» Handel deS deutscd.österreickiscben PosivereinS, wie 'ür da« Ausland 2 g. 2t (r. Inserate werden die oitrfpalt-ge «.«tzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von SV. Friedrich, Langgaffe 42, auSmârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Der Mirchenconflict in Duden.

* Aus Frankfurt wird derD. VH." vom 23. geschrieben, die Nachricht der ,^Nass. A. Z.", daß der Kirchen streit in Baden definitiv beigelegt wurde, sei irrig. Die definitive Ausgleichung des Con­flictes wurde von uns nicht behauptet. Wir haben nur den Abschluß eines der (in Folge von Unterhandlungen mit Rom zu erwartenden) definitiven Ausgleichung vor­angehenden provisorischen Arrangements behauptet, was durch eine vorgestern mitgetbeilte Karlsruher Cerrespou- denz desMainzer I." seine volle Bestätigung fand. Uebrigens bemerkt auch die Redaction der D. NH." zri Vbigem Artikel, daß ihr am Schluffe des­selben nähere Mittheilungen über den Stand der Ver­handlungen zugegangen sind, zu deren Veröffentlichung sie aber nickt berechtigt sei. Nur so viel glaube sie sagen zu dürfen, daß alle Aussichten vorhanden sind zu einer gerechten Lösung des Conflictes. Das in Rede stehende Frankfurter Schreiben derD. VH." enthält noch der Mittheilung, daß sowohl Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich, als Se. Maj. der König von Preußen sich auf's Aller ent- schiede nste für die Rechte der katholischen Kirche bei dem Prinzregenten verwendet haben.

Aus Baden, 3. Januar. Unter vorstehendem Datum schreibt man derPfalz. Ztg.": Man wartet von Tag zu Tag auf das Bckaniitwcrden der Be­dingungen des Waffenstillstandes zwischen der Regierung und dem Erzbischöfe. Die badische LandeSzeitung be­hauptet zwar, die Unterhandlungen hätten sich zerschla­gen, weil der Herr Erzbischof auf seinen Forderungen beharre; cs ist dies aber offenbar nur ein Wliiischdcr liberal-rationalistischen Par- tei, der uns als eine vollbrachte Thatsache mitge theilt wird. Daß der Herr Erzbischof auf seinen For­derungen beharrt, ist selbstverständlich; aber bei einem Waffenstillstände handelt eS sich ja gar nicht darum. Diese werden in Rom ihre Erledigung finden; jetzt fragt es sich nur, welche Bestimmungen ein zu treffen­des Provisorium enthalten soll. Sind wir recht unter­richtet, so haben, sich beide Theile bereits über die Nor­men und Bedingungen verständigt, welche während des Interims maßgebend sein sollen. Das einzige Bedenken, d«s bestanden, ist gehoben. Uns dünkt, es läge im beiderseitigen Interesse dem unheimlichen Zustande ein Ende zu machen. Da die hohe Stimme, welche zuletzt den Ausschlag gibt, von den wohlwollendsten Inten­tionen beseelt ist, so dürfen wir mit Vertrauen einer baldigen, friedlichen und befriedigenden Lösung der Hauptmißstände entgegensetzen. Nunmehr berichtet auch derSchwäb. Merkur" über den Conflict mit dem erzbischöflichen Stuhle, daß eS bereits zu einer Art Waffenstillstand zwischen beiden streitenden Theilen ge­kommen sei, und daß Verhandlungen mit dem päpst- lieben Stuhle eingeleitet seien.

DerLloyd" bringt folgende Korrespondenz aus Karlsruhe vom 19. b.: Die Erfahrungen, welche man hier während der Dauer des kirchliche« Conflictes machte, find eine heilsame Lebre geworden nnb die Dinge kommen ins Geleise, welches Ihr Correspondent *t* aus Mitteldeutschland, nach ber principiellen Na­tur des Streites folgernd, als dasjenige bezeichnete, in das sie kommen müßten, wenn eine Verständigung er­reicht werden sollte. Man fühlt regierungsseitig seine Unzulänglichkeit in der Persouenfrage der Anstellung der Geistlichen jetzt um so mehr, als die Besetzung mehrerer Pfarreien in nächster Zukunft erfolgen soll und die Regierung sich thatsächlich in die Unmöglichkeit versetzt sicht', dieselbe vorzunehmen. Es fehlt ihr die Hauptsache dazu, die Pfarrer nämlich. Die blinden Princip und ziellosen Hetzer, diese unwillkommenen Bun­desgenossen, welche sich mit einem merkwürdigen Eifer in der Presse auf die Seite der Regierung gestellt hat­ten und die öffentliche Meinung mit allen möglichen Mitteln gegen den Erzbischof aufzubriugcn suchten, ha­ben ihr Pulver umsonst verschossen. Das haben sie wohl gefühlt, als Bischof Ketteler von Mainz vom Großherzoge empfangen wurde. Anfangs wollten sie den Verkehr des Bischofs mit dem Großhcrzoge dahin deuten, daß er als eine Concession von Seite des Erz­bischofs von Freiburg z« betrachten. Sie affectirten eine Entrüstung darüber, daß der Bischof nach allem Vorgefallenen eSwagen" konnte, sich der Person des Souveräns zu nähern. So konnte man in ihren Zei- tuugen lesen. Dann beruhigten sic ihre über das Wagniß" des Bischofs aufgeregten Geister mit der vermeintlichen Thatsache , der Bischof habe den Groß­

herzog um eine Audienz gebeten, um im Namen deS Erzbischofs Abbitte zu thun. Was sic jedoch immer thun mochten, um sich selbst über dieses Ereigniß zu beruhigen, ihre Selbsttäuschung dauerte nicht lange. Die Motive zu dem Verkehre des Bischofs Ketteler mit dem Großherzoge sind bereits fein öffentliches Geheim­niß. Man weiß, daß die Verlegenheiten, welche der Regierung ans dem Conflicte erwuchsen, die Ueberzeu­gung in unwiderleglicher Weise nahe brachten, daß man den Forderungen der Kirche gerechter werden müsse, als bisher, und zu diesem Zwecke setzte man sich, die : Thatsache des Streites bei Seite lassend / n/S Einver­nehmen mit der Kirche. Es war dies um so leichter, als die guten persönlichen Beziehungen zwischen bient. Großhcrzoge und dem. Erzbischöfe von Freiburg keine Lockerung durch den streit erfahren hatten.. Man er= bat sich" von deiu Erzbischof von Freiburg einen Ver­mittler und Vertrauensmann. Dieser schlug als solchen den Bischof Ketteler aus Mainz vor. Man erklärte sich von hier aus damit einverstanden und empfing denselben sodann, um mit ihm in der Kirchcnfrage zu unterhandeln. Dies ist der wahre Sachverhalt. Eine bittere Wahr­heit ist cs nur für jene Eiferer, welche den Conflict zwischen Staat und Kirche willkommen geheißen hatten und ihn in ihrer Weise ausbeuteten; eine erfreuliche hingegen für Alle, welche den Streit zwischen Staat und Kirche schmerzlich empfanden und dessen Beilegung in einer dem Wesen der Kirche und der Würde des Staats entsprechenden Weise sehnlichst herbeiwünschten. Diese sollen nun, wie man hört, Aussicht haben, ihre Wünsche erfüllt zu sehen.

Deutschland.

c? Aus dem Rheingau, 24. Jan. Dem Ver­nehmen nach hat die Gemeinde Oestrich beschlossen, um der großen Noth ihrer Armen abzuhelfen, eine Zeit lang allwöchentlich eine bestimm« Quantität Brod backen uiiti unter dieselben verteilen zu lasten.

O Bad-Ems, 25. Jan. Heute verbreitete sich dahier die Nachricht, der als ein sehr achtbarer Mann hier allgemein gut gelitten war, sich erhängt habe. Es ist eine Seltenheit, daß Selbstmord unter den Juden, wie überhaupt unter den Völkern des Orients, vor­kommt. Im alten Testament begegnen wir nur sechs solcher Fälle. Dem Unglücklichen wurde dahier heute Abend ein ehrliches Begräbniß, mit dem Rabbiner an der Spitze, zu Theil; wie ja auch dem Ahitofel, der sich selbst das Leben nahm, um der Strafe für den angestifteten Aufruhr unter den alten Hebräern zu ent­gehen, ein ehrliches Begräbniß nicht verweigert, und derselbe im Grabe seines Vaters bcigesetzt wurde.

Coblenz, 24. Jan. Aus sehr guter Quelle ver­nimmt ein Corresp. derD. VH.", es sei die Ordre hier etugetroffen, daß in diesem Jahre die Aushebung der militärpflichtigen jungen Leute ein Vierteljahr früher als in den vorhergehenden Jahren staltfindcu soll. Es scheint hiernach doch, als wenn die Borgange im Oriente einigen Rückschlag auch auf uns auöübcn würden.

Berlin, 24. Januar. Die osficiösePreuß. Corr." enthält heute abermals eine Erklärung in Bezug auf allerleieinfältige Börsengerüchte."

Der Geh. RegierungSrath Pernice zu Halle ist, wie dieZeit" hört, auf den Antrag als Unter- StaatSsecretär in das Ministerium der auswärtigen An­gelegenheiten, eingegangen, und man bezeichnet bereits den bekannten Professor Dr. Heinrich Leo, zur Zeit Prorcctor, als seinen Nachfolger in der Eigenschaft eines Kurators der Universität Halle.

Heute, als am Geburtslage Friedrich's des Gro­ßen, ist durch den zeitigen Director des StaatS Archivs, Professor v. Lancizolle, mit Genehmigung Sr. Maje­stät deS Königs daS Facsimile einer höchst interessanten Instruction durch den Druck vervielfältigt und an ein- ^elne Notabilitäten verteilt worden. Es ist die In­struction , welche Friedrich der Große unter dem lOku Januar 1757 an feinen damaligen geheimen Etats- und CabinetS-Minister Grafen von Zinkenstem erlassen hat.

Berlin, 25. Jan. Von der französischen Presse wurde in diesen Tagen eine Zusammenkunft deS Grafen Nesselrode mit Hrn. v. Buol-Schauenstein angekündigt. Vielleicht ist hiermit, bemerkt die Lild. Corr., die Reise deS Generaladjutanlen Grafen Orloff nach Wien in Verbindung, von welcher hier in unterrichteten Kreisen die Rede ist. Wie man hört, wird Hr. v. Orloff auf der Durchreise auch hier erwartet. Man behauptet, daß der König von Belgien noch einmal in der orien­talischen Krisis vermittelnd auftreten wolle, wenn die Antwort Rußlands noch eine solche sein würde, die

überhaupt an eine Vermittelung benfen ließe. Der* ntg Leopold neigt sich jetzt sehr auf die französisch-eng» lischt Seite, und man hat sein Entgegenkommen in Paris überaus günstig ausgenommen. Die russische Frau Fürstin von Lieven soll in Folge dieser theilwcise geänderten Stimmung in Brüffel sich dorthin begeben haben, um auch ihrerseits in Brüffel einzuwirken.

Ein Berliner Corresp. bcSFr. I." will wiffen, daß demnächst auch ein höherer französischer Offizier (man nennt sogar den General CanrobertI eine Reise .nach Sardinien und der Schweiz antreten werde; (viel» leicht eine Fortsetzung der Reisen des französischen Mi- niftmalbjrcctorS Brenniei?)

In Folge, einer gestern abgehaltdfien Sitzung deS Vorstandes der königl. Bank ist beschlossen worden, daS Disconto von 5 auf 5'/, pCt. zu erhöhen;

Heute Abend kommt der General-Adjutant des Kai­sers von Rußland, Graf Orloff, hier an. Derselbe hat dem Vernehmen nach, eine außerordentliche Mission in der orientalischen Frage, und wird sich von Berlin auch nach Wien begeben.

Wien, 23. Januar. Der Minister des Innern Dr. Lach ist seit einigen Tagen bettlägerich; doch ist die Krankheit nicht von Bedeutung. Sie weckte aber wieder das schon so ost dagewesene Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritt dieses Ministers.

Am 21. wurde von dem niederländischen Gesandten Baron Heekeren dem Grafen Buol eine Note der niederländischen Regierung übergeben, welche, wie man uns von verläßlicher Seite versichert, eine Erklärung über die Politik, welche die Regierung der Niederlande unter den vorhandenen bedrohlichen Aussichten anzu-- nehmen beschlossen habe, enthält. Diese Erklärung soll, sicherem Vernehmen nach, dahin lauten, daß die k. Re­gierung die bis jetzt befolgte Politik auch fernerhin nicht verlassen wolle, da bei dem Umstande, daß Niederlands freundschaftliche Beziehungen zu den übrigen Staaten von Europa in keiner Weise etwas zu wünschen übrig lassen, durchaus kein Grund zu außerordentlichen Maß­nahmen vorliege, die leicht von der einen oder der an­dern Seite eine durchaus nicht im Sinn der f. Re­gierung liegende Deutung veranlassen und dann zu Dif­ferenzen führen könnten, welche zu vermeiden die k. Re­gierung jederzeit eifrigst bestrebt war. Aller Wahr­scheinlichkeit nach werden sich sowohl unser Gabinet als auch die übrigen Mächte mit dieser Eröffnung zufrieden gehen; gewiß ist cs, daß man es nicht gerne gesehen hätte, wenn die Niederlande der schwedisch-dänischen Neutralitätserklärung beigetreten wären, da die Gründe, welche diesen Schritt für die scandinavischen Mächte als nothwendig erscheinen ließen, in Bezug auf die Nieder- laude nicht geltend gemacht werden können.

In Mailand ist einer Kundmachung der Polizeidi- rectioii zufolge der Gebrauch der Gesichtsmascen und das Werfen der sogenannten Corianderkörner in den Straßen auch für den diesjährigen Carneval verboten.

Aus Petersburg ist die Nachricht eingegangen, daß der Ncichsrath binnen Kurzem einberufen werden wild; derselbe tritt bekanntlich nur in ganz außer­ordentlichen Fällen zusammen und führt der Kaiser als­dann den Bvlsitz.

/ra»kreich.

t* Paris, 25. Januar. Das Stillschweigen beâ Moniteur über die Antwort deS Kaisers Nikolaus auf die ihm gemachte Anzeige von dem Einlaufen der Flot­ten inS schwarze Meer erklärt sich jetzt folgenderweise; Der Courter, welcher von St. Petersburg die Antwort überbringen sollte, ist beauftragt gewesen, seinen Weg über London zu nehmen, ehe er nach Paris gelangt; er wird He^te hier erwartet. Der Inhalt dieser Ant­wort ist bereits bekannt. Nie kamen an einem Tage so viele Schwankungen in den Coursen vor, als heute; die Nachricht von der ausweichenden Note des russischen EabinetS trieb vor der Börse bereits die Rente bis auf 70. 10. An der Börse wollte man wissen, daß Preußen sich definitiv für Frankreich und England cit- schieben hat, nnb man stieg bis aus 70. 40. Gegen 2 Uhr verbreitete sich die Nachricht, daß Hr. Ness -rode abgesetzt ist, und daß Hr. V. Kiffeleff Vorberciknngen zur Abreise mache. Der Cours fiel rasch bis aus 69, 25. herunter. Zahlreiche Ankäufe brachten j-doch zum Schluffe der Börse die Rente wieder auf 69. 90., und man erwartet für morgen noch ein größeres Steigen. 3% 69. 90. 47,% 97. 75. - 3% Span. 3574. Rordbahn 750- Siraßbg. 735. Orleans 1055, Hr. John y Mason richtete bei Ueberreichung seiner Beglaubigungsschreiben als Gesandter der Vereinigten- Staaten von America nachsteheube Anrede a^ de»