überraschend. Der Betrag der Eingangszölle, im Jahre 1850 18,548,000 fl., im Jahre 1851 19,397,000 fl., hat sich im Jahre 1852 sofort ans 21,737,000 fl. gehoben. Er war also mehr als 12 pCt. höher wie 1851. Die Zollermäßigung auf Kaffee, der 1850 mit 12% fl. bezollt war und 1852 nur noch 10 fl. zu zahlen hatte, hob z. B. das Zolleinkommen davon, welches 2,828,500 fl. im Jahre 1850 war, auf 3,180,000 fl. im Jahre 1852. Mit 1850 verglichen hat im Jahre 1852 die Mehreinnahme an Eingangszöllen sich aus 3,194,000 fl. belaufen.
Dem Staatsanzeiger für Württemberg wird aus Wien vom 20. d. geschrieben: Mit Bestimmtheit wird versichert, daß den an den verschiedenen Höfen accrcdi- tirten k. russischen Gesandten eine Circularnote des L russischen Staatskanzlers Grafen von Nesselrode zur weiteren Mittheilung zugegangen sei. In dieser Note findet die letzte Circularnote des Herrn Drouyn de LhuyS eine ausführliche Besprechung, und sie soll, wie man uns mitthcilt, vom 7. d. M. datirt sein. Andererseits vernimmt man, haben auch die Regierungen von Oesterreich und Preußen ihre Neutralitätserklärung in der gegenwärtigen orientalischen Differenz in motivirter Weise bereits den deutschen Einzelstaaten mitgetheilt, und es soll die dießfällige Note auch schon in Frankfurt communicirt worden sein. — Daß Se. Majestät der Kaiser von Rußland die Borschläge der Wiener Conferenz abgclehnt hat, dürfte Ihnen wohl schon bekannt sein, die am 16. d. hiehcr gelangten Depeschen lassen in dieser Beziehung keinen Zweifel mehr aufkommen, denn wenn sie auch nicht die directe Verneinung der erwähnten Vorschläge enthalten, so sprechen sie sich über letztere doch in einer Weise aus, welche es als gewiß erscheinen läßt, daß die definitive Antwort eine ablehnende sein wird. Letztere wird zwischen morgen und übermorgen hier eintreffen. Gleiches Schicksal werden auch die letzten Vorschläge der Pforte haben, die, wie es heißt, denn doch nach St. Petersburg abgegangen sein sollen. — Rußland verlangt die Schutzherrlichkeit über die griechischen Christen, das ist der Kern der Streitfrage, und es ist diese Forderung durchaus nicht aufgegeben worden, dadurch aber, daß die Pforte will, daß ihre christlichen Unterthanen keine fremde Vermittlung anrufen dürfen, sondern ihr Recht allein bei den türkischen Behörden zu suchen haben, dadurch wird diese Forderung Rußlands nicht erfüllt. Rußland will die Einleitung directer Verhandlungen mit der Türkei ohne weitere Intervention, und erst wenn diese ein entsprechendes Resultat geliefert haben werden, will eö sich an einer Conferenz beteiligen, die die Ordnung des "staatsrechtlichen Verhältnisses der Türkei auf der Grundlage neuer mit allen Mächten abzuschließenden Verträge zum Gegenstände ihrer Berathung machen wird. Die Pforte will hingegen mit Rußland nur unter dem Beistände der vier Mächte unterhandeln, und verlangt eine Verhandlung an neutralem Ort, wird sich daher kaum dazu bewegen lassen, einen Bevollmächtigten nach St. Petersburg oder nach Bukarest zu senden. Daß man unter diesen Umständen nur wenige Hoffnung rücksichtlich einer friedlichen Lösung der obschwebenden Streitfrage hat, liegt auf der Hand, und es ist begreiflich, daß man gegenwärtig nur mehr den Wunsch bat, cs möge der Krieg in den Grenzen beschränkt bleiben, innerhalb welcher er bis jetzt geführt worden ist, da er kaum mehr zu vermeiden sein dürfte.
Der russische Fürst Wasiltschikoff, welcher in offizieller Eigenschaft aus Italien hier angekommen ist, begibt sich morgen von hier nach St. Petersburg. —
Jassy ist der k. englische Generalconsul Sir Gar- dener hier eingetroffen. Ueber seine fernere Verwendung ist bis jetzt noch nichts Gewisses bekannt.
In Wien ist eine Gesellschaft angesehener Hand- lungShauser zusammengetreten, welche es sich zur Aufgabe gestellt hat, eine Telegraphenlinie von Triest durch Dalmatien über die jonischen Inseln nach Athen herzustellen, um die Nachrichten aus Constantinopel und von dem asiatischen Kriegsschauplätze 3 bis 4 Tage früher zu erhalten, als es vermittelst der Dampfschiffe möglich ist. Es ist eine Aufforderung zur Theilnahme an diesem Unternehmen hierher gelangt, die Anklang zu finden scheint. Gleiche Aufforderungen sollen nach Hamburg, Leipzig, Frankfurt und anderen deutschen Handelsplätzen gelangt sein.
Frankreich.
Paris, 23. Januar. Der russische Gesandte ist heute vom Kaiser in einer Privat-Audienz empfangen worden. Wie erwähnt, hatte Graf Kiffe leff Aufklärungen zu erhalten gewünscht über die Politik, welche die französische Regierung im Falle einer Ablehnung des Wiener Vermittelungsvorschlags von Seite des St. Petersburger Cabinets einzuhalten gedächte. — Von der französischen Gesandtschaft in St. Petersburg ist die Mittheilung hierher gelangt, daß die durch den Lega- tionSsecretär, Graf de Reizet, überbrachte Eröffnung, bezüglich auf das nothwendig erachtete Einlaufen der französischen Flotte in das schwarze Meer, von dem Grafen von Nesselrode mit einem Ausdruck der Traurigkeit und des Mißfallens entgegen genommen worden, der wenig Hoffnung auf eine günstiglautende Antwort übrig lasse. Anderseits soll Graf Kisseleff von den Künstlern mit denen er während seines mehrjährigen Verweilens
in hiesiger Stadt in näherer Beziehung stand, schon Abschied genommen haben.
Der Metallvorrath der Bank, welcher vor einem Monat noch, die Zweigbanken mitgerechnet, 295 Millionen betrug, ist in den letzten Tagen bis unter 200 Millionen gesunken, was allein schon die Discontoer- höhung erklären dürfte. Man glaubt nicht, daß die Bank gegenwärtig eine etwaige Regierungsanleihe von 200 Millionen übernehmen könnte und spricht von außerordentlichen Maßregeln zur Herbeischaffung genügender Geldmittel, namentlich vom Verkaufe des auf 800 Millionen geschätzten Grundbesitzes der Departementalkrankenhäuser, welche man durch Staatsrenten entschädigen würde.
Der „N. Pr. Ztg." wird unterm 21. d. geschrieben : Sylvestre de Saci hat die obere Leitung des „I. des Dcbats" definitiv, aber erst nach langem Widerstreben übernommen. Er schreckte vor der großen Verantwortlichkeit zurück. Als man ihm aber vorstellte, daß Saint Mare Girardin, Lemoinne, Jules Janin u. s. w. entschlossen seien, sich zuruckzuziehen, wenn er nicht einwillige, da gab er nach. Dadurch, daß er den kleinen Artikel unterzeichnete, in welchem im Namen des „Journal des Debats" gegen die Authenticität des Brie- fcs der Frau Herzogin von Orleans prolestirt wird, wollte er den Lesern des Blattes kund thun, daß er an die Spitze desselben getreten sei. Nicht uninteressant zu wissen dürfte sein, daß jener Artikel mit Erlaubniß des Ministers des Innern erschienen ist. Die Herren v. Montebello und Daru hatten sich nämlich zum Minister begeben, um ihm vvrzustellen, daß man cs der Frau Herzogin von Orleans schuldig sei, einen so frechen Mißbrauch ihres NamenS nicht stillschweigend hin- gehen zu lassen, daß aber andrerseits das „Journal des Debats" ohne Vorwissen der Regierung nicht zu protestiren wage, da die gouvernementalen Blätter den Brief als einen echten betrachtet hätten. Gleichzeitig zeigten sic dem Minister das Manuscript des Artikels. Graf von Persigny machte Anfangs Schwierigkeiten, willigte aber endlich ein, da eine Verweigerung einer so billigen Forderung ihm selber unthunlich erscheinen mochte. — Da die Korrespondenten der antiroyalistischen Blätter auf der Echtheit des Machwerkes trotz alledem bestehen werden, so ist es nicht überflüssig, zu bemerken, daß selbst die Quelle ihrer Weisheit und Wissenschaft, der „Siecle", heute erklärt, nur der pure Unverstand könne glauben, daß ein solcher Brief aus der Feder der Frau Herzogin von Orleans geflossen sei. Auch die „Gazette de France" ergibt sich den vielen Gründen gegenüber in das Unvermeidliche und gesteht ein, sich geirrt zu haben. Aber von den gouvernemen- talen Blättern ist auch nicht einziges anständig genug, um der Unechterklärungen zu erwähnen. Das ist übrigens ganz natürlich.
Paris, 24. Januar. Der russ. Gesandte Hr. v. Kisseleff wohnte gestern Abends dem Balle in den Tuilerien bei. — Anfangs der Börse stand die 3pCt. Rente 68 Fr. 65 C.. in Folge vieler Ankäufe hob sie sich bis 69 Fr. 10 C.; da zu diesem Course viele Verkäufe geschahen, wich der Cours zuletzt bis 68 Fr. 75 C., doch schloß die Börse fest. (69)
Dänemark.
Kopenhagen, 21. Jan. (N. Pr. Z.) Unvergessen sind die bösesten Tage des Reiches Dänemark, der 2. April 1801 und der 7. September 1807; die bösen Tage waren ans England gekommen, daher die Sorge vor einem Ostseekriege, für dessen Schauplatz die schwedischen und die dänischen Küsten den Rahmen abgeben dürften Es gibt hier eine notorisch englische Partei, ihre Andecedentien lassen sich auf Neison's Sturm auf Kopenhagen zurückdatiren, sie wurden genährt durch den unverkennbaren Einfluß, den England bis heute auf die Haudelsgeschichte Dänemarks ausübt, genährt durch die Sorge, ähnlichen Verwüstungen ent- gegensehen zu müssen, wenn der britische Orlog wiederum den Sund zu forciren, oder sich durch panische Freundschaftsversicherungen eine joyeuse entrée in die Ostsee zu verschaffen gedächte; sie ist von Neuem zu eifriger Agitation gestachelt, seitdem die diplomatischen Noten der letzten' kritischen Monate mit Pulver und Blei inlerpretirt worden. Von wirklichen Sympathien für England kann füglich keine Rede sein, wenigstens von keinen andern, als von der Zärtlichkeit, welche der Rheder für seine auf englischen Gewässern fahrende Brigantine, der Großkaufmann für die Comödien des Börsenspiels, der kleinere Händler für eine friedensfrohe ausgiebige Kundschaft besitzt. Gerüchte sind unvermeidliches Gefolge dieser Zustände. „Aarhuus Avis" wußte sogar in diesen Tagen von Rußlands Antwort auf die schwedisch-dänische Neutralitätserklärung; von deren ent- schiedener Verwerfung und Mißbilligung und von der Forderung, daß Dänemark Partei ergreifen solle. — In unterrichteten Kreisen weiß man nichts davon, aber die Phantasie der englischen Partei ist einmal unerschöpflich. Eine partielle Mobilisierung unserer Bataillone auf den Inseln liegt übrigens eben so wenig für daö Frühjahr außer Berechnung, wie die in Schweden vom Könige befürwortete. Die Forts am Sund und in den Belten werden stark armirt; auch ist beschlossen, mit einer mobilen 84pfündigen Küstenbatterie den Weg zum Herzen
Dänemarks, Kopenhagen, zu einer schwierigen und g# jährlichen Eroberung zu machen.
Großbritannien.
London, 21. Jan. Der „Herald" versichert, daß auf der Admiralität wie in den Kriegsdepartements eine große Thätigkeit herrsche. Gelänge es, bis zum 1. März die erforderliche Mannschaft zusammen zu bringen, so wäre man im Stande, 30 Linienschiffe und eben so viele Fregatten segelfertig aufzustellen. Man ist mit der Vorbereitung des Budgets beschäftigt, das in Folge der Rüstungen Veränderungen erleiden wird. 4 Regimenter haben Marschordre, wovon eines dieser Tage absahren wird. Die Offiziere glauben, Constantinopel wäre der Bestimmungsort.
London, 23. Jan. Obgleich die Wiener Friedensvorschläge erst am 13. abgingen und folglich früheste ns erst am 19, in Petersburg ankommen konnten, hält doch die „Times" den Inhalt ihrer vorgestrigen Depesche aus Wien, daß der Czar nur direct mit der Pforte durch feinen Bevollmächtigten Gorlschakoff, und zwar auf der Basis des Mcnczikoff'schen Ultimatums, unterhandeln wolle, für authentisch. Ohne Zweifel habe die österreichische Regierung den Czaren längst von jedem diplomatischen Schritt der vier Mächte unterrichtet, um ihn allmählich auf die Wiener Coliferenzbejchlüsse vorzubereiten und ohne Zweifel habe Rußland die österreichische Regierung von seiner Absicht im Voraus m Kenntniß gesetzt.
In Dublin soll morgen Abend ein großes anti- russisches Meeting stattfinden.—Endlich hat die Friedens- GeseUschast von den orientalischen Wirren Notiz genom- men und den löblichen Entschluß gefaßt, die Welt zu retten. Eine Friedensdeputation ist vor Kurzem von hier nach Petersburg abgcretst, um dem Kaiser ihre schiedsrichterliche Vermittlung anzubieten. Sie besteht aus den Herren Joseph Sturge aus Birmingham, Henry Pease aus Darlington und einem Gentleman aus Bristol, dessen Name uns unbekannt ist. Sie sollen eine ganze Schiffsladung von Elihu Burritt's „Olivenblättern" mit sich führen.
London, 24. Jan. Cons. 90.
Italien.
Vom Po, 20. Januar. (St.-A. f. W.) Man war gespannt auf die Interpellation des radicalen Abgeordneten Mellana über den öffentlichen Unterricht. Der Berg aber gebar eine Maus, und Herr Mellana beschwerte sich nur darüber, daß man hier einige Nonnen, dort ein Paar Pfarrer als Schulvorsteher und zwar ohne examina angestellt habe. Nichtsdestoweniger war die Debatte hitzig, zumal Hr. Mellana dem Ministerium den Vorwurf machte, daß viele Gesetze versprochen, aber wenig von diesem Versprochenen gehalten werde. Darauf ging man zu dem Gesetzesvorschlag über Mo- dificationen der Getreidezölle über. Derselbe wurde ungeachtet der Einwendungen des Grafen Cavour aufgehoben. Man redet fortdauernd von allerhand militärischen Rüstungen und Vorkehrungen. Unsere Presse druckt den Artikel der „Oest. Corr." ab, welcher die Thronrede, die Kammereröffnungsrede Boncompagni's und die Antworten des Senats und der Deputirten- kammer bespricht. Die radicalen reiben sich die Hände, daß Oesterreich die „revolutionäre" Parole Boncom- pagni's richtig zu verstehe» scheine! — Ein Kilogr. des besten Weißbrods, (grissini), kostet diesen Augenblick 7 Cts., (also das Pfund 36 CtS. — 10 fr.), Hausbrod 50 Cts.
Genua, 17. Jan. Die Regierung läßt im Stillen KriegSrüstunaen betreiben. Die Militär-Magazine werden mit Lebensmitteln und mit allem möglichen Bedarf für die Soldaten angefüllt. Man bemerkt eine große Annäherung zwischen unserer Regierung und dem französischen Gesandten.
Livorno, 17. Januar. Andauernd sehr lebhaftes Getreidegeschäft zu steigenden Preisen, meist auf Lieferung.
Rußland.
Nach einer Cor. der „Köln. Ztg." aus Petersburg hätte der Kaiser von Rußland Menczikoff den Befehl zugehen lassen, „im schwarzen Meer so zu handeln, als wären die vereinigten Flotten noch im Bosporus.
DaS englische Wochenblatt „The Preß" bringt die Aufzeichnung eines Gesprächs, das der Kaiser von Ruß- land unlängst mit einer einflußreichen Person" gehabt haben soll. ' Wir sind natürlich außer Stande, für die Richtigkeit deS Inhalts einzustehen, sind aber unsern Lesern die Mittheilung des Artikels schuldig. Die „Preß" bürgt für die Authenticität des Actenstücks. DaS Gespräch fand in Gartschine statt und zwar- ehe das Rund- fchreiben von Drouyn de Lhuys in Petersburg angekommen war: — „Der Kaiser wiederholte sein Vertraue», das englische Volk werde, im Falle eines Krieges, einsehen, daß der Krieg nicht durch die russischen Uebergriffe, sondern durch den Wankelmuth und die Unaufrichtigkeit deS englischen Ministeriums Herbeige- führt worden ist Niemand habe größeres Interesse als Rußland au der Aufrechthaltung des Status quo in der Türkei; vor 20 Jahren habe er (der Kaiser) Constantinopel in der Hand gehabt; er hätte es gegen die Welt behaupten oder auf das Ersuchen des verstorbenen Sultans (?) für immer dort bleiben können, aber aus Staatsrücksichten, die sein Schreiben au den Grafen