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Nassauische Allgemeine Zeitung

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Donnerstag heu 26. Jamar

1854.

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Dit ,,Naffauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags auSgenomn>en, täglich und beträgt der PränumerationSpreiâ für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch fit den ganzen Umsang deS Ldurn- und TariS'schen BerwaliungSbezirkS mit Inbegriff des Postausschlags 2 fL, für dse übrigen Länder des deutsch-österreichischen PoswereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 kr. Anferatt werden die vterspaluge Patitseiie oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Die Floltendemonstratio« der Westmächte.

* Die so vielfach vcrclausulirten Instructionen, welche den Slbmmikii der verbündeten Flotten in baS schwarze Meer mitgegcben wurden, tragen den Stempel des Be­wußtseins, daß die Regierungen von Frankreich und England durch ihre Flottendemonstration sich den übri­gen bei der orientalischen Frage zunächst betbeiligten Mächten gegenüber in eine durchaus falsche Stellung versetzt haben. Halbheit und innerer Widerspruch charac- terisirt diese Instructionen. In der Proklamation, in welcher Lord Redcliffe am 5. Januar den englischen Nationalen in Constantinopcl das Einlaufen der Flotten anzeigt, heißt es:Ich halte es für nöthig, bekannt zu machen, daß der Admiral Dundas ledig beauftragt ist, die legitimen Interessen der Pforte, wenn möglich, zu schützen, jedoch ohne die zwischen Ihrer Majestät der Königin von England und dem Kaiser von Ruß­land noch bestehenden friedlichen Verhältnisse zu ver­letzen."Es saat dies endlich mit deutschen Worten, bemerkt die D. A. Z., waS man eigentlich möchte, d. h. nichts eiiisetzcu, und doch gewinnen, nichts wagen und doch kühn, eine zweideutige Rolle spielen und doch eine ehrliche Politik verfolgen. Zu welcher erbärmlichen Rolle gibt sich doch der britische Löwe her! Vielleicht in der Hoffnung, daß der nordische Bär einstweilen im Winterschlaf liegt und an den Tatzen saugt." Man hat nicht den Muth alle Conscquenzen der verfügten Maßregel zu wollen und auch nicht den Muth von einer halben Maßregel abzustehen, zu welcher vielleicht manche triftige der eigentlichen Frage aber fernliegcnde Veranlassung durchaus aber keine Berechtigung vorlag. Die vier Großmächte haben sich bekanntlich im Laufe des verflossenen Sommers über eine Vermittelungsnote vereinigt, durch deren Annahme, ihrer Ansicht nach, der Streit zwischen Rußland und der Pforte geschlichtet werden konnte. Diese Note wurde Rußland zuerst mit- getheilt, und Rußland beeilte sich, dieselbe pure anzu­nehmen. Damit hatte Rußland also allen Wünschen der vier Großmächte entsprochen. Es hatte sich Allem gefügt, was die Großmächte als billig, gerecht und sach­gemäß erklärt und vorgeschlagen hatten. Jetzt wäre also die Reihe an der Türkei gewesen, diese Note eben­falls pure anzunehmen. Hätte sie dieses gethan, so war der Streit, wenigstens für den Augenblick, beige­legt. Die Russen hätten die Douaufürstenthümer ge­räumt, und die Sache war für jetzt abgemacht. Aber die Türkei nahm nicht an; sie verlangte Zusätze zu der Note, die einer Verwerfung derselben gleich waren. Sie war cs also, und nicht Rußland, welche sich dem Vor­schläge und den Absichten der vier vermittelnden Mächte entgcgenstellte. Bei dieser Gelegenheit trat nun die Doppelzüngigkeit Englands und Frankreichs zum ersten Male deutlich hervor. Sie selbst hatten ja die Ver­mittlungsnote für annehmbar erklärt; sic hatten damit ausgesprochen, daß dieselbe nichts enthalte, was dem Rechte und der Ehre beider Theile zuwider sei und die einfachste Consequeuz hätte demnach verlangt, daß sie diejenige Macht, welche allen ihren Vorschlägen zuge- ftlmnrt hatte, unterstützt, diejenige Macht dagegen, welche sich als renitent bewiesen, auf alle mögliche Weise auch ferner zum Aufgeben ihres Widerstandes veranlaßt hätten. Von s:eite Englands und Frankreichs geschah aber gerade das Gegentheil. Kaum hatte die Pforte die Vermittlungsnote verworfen, so erklärten die beiden Westmächte, daß sie daran ganz recht gethan habe. Sie liehen also der Pforte ihren diplomatischen Beistand gegen die von ihnen selbst unterzeichnete Note. Gewiß ein Verfahren wovon die Annalen der Diplomatie nur wenige Beispiele aufführen können; und ein Verfahren, über welches sich nicht allein Rußland, sondern auch die beiden anderen vermittelnden Mächte mit Recht beschwe­ren können. Indessen ließe sich doch immer eine Art von Entschuldigungsgrund anführen. Die Note war in der That ein so ungeschickter Vermittlungsversuch, wie er noch nie dagewesen war. Jedes Wort derselben war doppeldeutig, und wiewohl diese Doppeldeutigkeit auch von England und Frankreich mit Absicht in dieselbe hineingebracht worden war, und sie eben es verlangt hatten, daß beide streitende Mächte sich mit dieser Dop- peldeutigkeit begnügen möchten, ohne eine nähere In­terpretation zu verlangen, so ließ es sich doch noch im­mer einigermaßen verstehen, daß, nachdem einmal die Note von Seiten der Türkei einer genauen Interpreta­tion unterworfen worden war, bei der nun unvermeid- "^"i weiteren Auslegung derselben sich die Westmächte wieder mehr zu der Pforte hinncigten. Allerdings war es die Pforte, und nicht Rußland, welche den Vermit­

telungsversuch vereitelt hatte, und die sich also nicht für, sondern gegen das eigene Werk der Westmächte erklärte. Allerdings war auch die Auslegung, welche die Pforte verlangte, eine derartige, daß auch die klarste und ge­rechteste Forderung Rußlands dadurch abgewiesen wurde. Allein die Möglichkeit jeder Vermittelung auf dieser nebulösen Basis war Nun einmal vollständig von dem Augenblicke an gescheitert, als eine von den beiden strei­tenden Mächten die Indiskretion beging, die leeren Phrasen der Note näher zu beleuchten. Wir können cs daher verstehen, wenn Frankreich und England ihrs Vaterschaft an dieser Fehlgeburt der Diplomatie augen­blicklich verläugneten, als sie sich als lebensunfähig er­wiesen hatte; wenn wir es auch immer nicht rechtfertigen können, daß man den Versuch machte, Rußland, welches sich völlig willfährig gezeigt hatte, als den schuldigen Theil zu bezeichnen, an dessen Verfahren die Vermitte­lung gescheitert sei. Denn nachdem die Pforte zuerst eine Interpretation der Note in ihrem Sinne verlangt hatte, konnte Rußland gar nicht anders, als auch seiner­seits seine Auffassung derselben den Cabineten mittheilen.

Das Einlaufen der Flotten in das schwarze Meer dagegen läßt durchaus keinen nur einigermaßen honet- ten Erklärungsgrund zu. Die vier Mächte hatten sich nämlich abermals über eine neue FriedenSnote verstän­digt. Diese Note ist ebenfalls wörtlich und offieiell be­kannt geworden. Sie wurde diesmal aber nicht Rnß- land, sondern der Pforte zuerst zur Annahme vorge­legt, und zwar, nach Angabe der Blätter, am 15. De­cember. Erst wenn die Pforte ihre Zustimmung ertheilt hätte , würde sie auch nach Petersburg zur Annahme geschickt worden sein. Wenn nun das Erstere wirklich geschehen wäre, wenn die Pforte sich mit der neuen Note einverstanden erklärt hätte, und wenn alsdann Rußland diese Vermittelung zurückgewiesen hatte, dann, sreilich, aber auch keinen Augenblick eher, hätten die Friedensunterhandlungen als gescheiqW betrachtet wer­den können. Dann könnkestdl-^Wèstmächte allerdings sagen: nachdem Du unsere eigenen FriedenSvorschläge verworfen hast, und demnach jede Aussicht auf Beile­gung verschwunden ist, sind wir gezwungen, die Pforte, welche unsere Vorschläge angenommen hat, mit kriegeri­schen Mitteln zu unterstützen. So aber stand die Sache nicht, als der Befehl zum Einlaufen der Flotte in daS schwarze Meer ertheilt wurde. Die Pforte hatte bis dahin keineswegs die Vorschläge der vier Großmächte bereits pure angenommen (sie hat cs auch bis diesen Augenblick noch nicht gethan); noch weniger war die Note bereits nach Petersburg abgegangen, und der Kai­ser von Rnßlaud war noch gar nicht in der Lage ge­wesen , die Note zu verwerfen. Ja, noch mehr, nach dem Inhalte der Note war es die größte Wahrscheint lichkeit, daß der Kaiser von Rußland die Note an neh­men würde- Der Widerstand, der zu brechen war, lag also abermals zunächst wieder in dem Willen der Pforte, während von Seiten Rußlands auch noch nicht das min­deste geschehen war, woraus man auf eine Renitenz gegen den Inhalt der Note schließen durfte. Und den­noch entschließen sich Frankreich und England wenige Tage nachher, unchdem sie eine FriedenSnote entworfen und bevor Rußland sich auf dieselbe geäußert hat, zu einer kriegerischen Parteinahme gegen Rußland, Denn daß das Einlaufen der Flotte in das schwarze Meer eine kriegerisch-feindselige Handlung gegen Rußland ist, in­dem die Kriegsoperationen der Tücken dadurch mit Gewalt geschützt werden sollen, wird Niemand in Abrede stellen kön­nen. Durch den kriegerischen Beistand, den die beiden Westmächte der Pforte leisten, bevor dieselbe der Note zugestimmt und bevor Rußland dieselbe abgelebt hat, widerrufen sie faktisch diese ihre eigene Note, bestärken die Pforte in Ablehnung derselben und machen Ruß­land die Annahme derselben unmöglich. Alle furchtba­ren Folgen, die daraus entstehen können, fallen einzig und allein auf ihre Verantwortlichkeit. Und der Schlüs­sel zu diesem Verhalten ? DieD. VH." versucht, ihn in Folgendem zu geben. Lord Aberdeen meinte cs ohne Zweifel ehrlich, als er diese Note mituutcrzeichnete. Der Kaiser von Frankreich konnte allein keinen Widerstand leisten. Sein ganzes Verbalten läßt sich dahin deuten, daß er einen Krieg mit Rußland wünscht; aber nur im Herein mit England. Je weiter England geht,, desto lieber ist cs ihm, er geht auf alle Fälle mit; aber allein will er nicht cxpoiiire». Nachdem England der Note zugestimmt hatte, blieb ihm nichts übrig, als ebenfalls der Note beizustimmen, wenn es auch gegen den Wunsch seines Herzens. , Jetzt kommt die Schlacht von Sinope. Daß Rußland zur Lieferung dieser Schlacht berechtigt war, nachdem zwischen ihm und der Pforte der Krieg

vollständig erklärt worden, kann niemand bestreiten. Außerdem aber war dieser Erfolg der russischen Waffen ganz besonders geeignet, die Pforte zur Nachgiebigkeit und zur Annahme der Note zu bewegen. Der Sieg bei Sinope arbeitete der Vermittlungsnote der vier Mächte, falls sie ehrlich gemeint war, mehr in die Hand, als irgend ein anderes Ereigniß. Jetzt aber erwachte die nautische Eifersucht von John Bull. Diese ganz unverständige Aufregung benutzte Lord Palmerston, um kurz vor Eröffnung des Parlamentes den friedliebenden Lord Aberdeen, ganz im Widerstreit mit der eben be­schlossenen Vetmittelungsnote, zu einer aggressiven, feind­seligen Handlüng gegen Rußland, zum Einlaufen der Flotte inö schwarze Meer zu treiben, und Lord Aber­deen war so schwach, aus Furcht vor dem Parlamente, nachzugeben. Es ist die parlamentarische Regierung Englands, die Herrschaft der leidenschaftlichen Massen, welche an dieser plötzlich veränderten Haltung des Ca- binets Schuld ist. Daß der Kaiser von Frankreich nichts Eiligeres zu thun häkle, als so schnell wie mög­lich sich diesem Siege seines Freundes Lord Palmerston über Lord Aberdeen anzuschließen, versteht sich nach dem oben Gesagten von selbst-

Deutschland,

Wiesbaden, 25. Jan. Ueber den Stand bet im Bau begriffenen Frankfurt-Wiesbaden-Kölner Eisen­bahn erfährt man durch eine derF. P. Z." zugegan- geue Berichtigung aus guter Quelle folgendes; Es ist wahr, daß die Aktien dieses Unternehmens bald nach ihrer Emission bedeutend heruntergingen, und so zwar, daß die Gesellschaft mit der Mehrheit nur einer einzigen Stimme die Ausführung des Unternehmens beschloß. Es ist aber auch wahr, daß die Aktien alsbald bedeu­tend in die Höhe gingen, als es der Gesellschaft ge­lang , nachträglich so erhebliche Concessionen von der nassauischen Regierung zu erlangen. Zu letzteren ge­hörte die unentgeltiche Abtretung alles Grund und Bodens, der in die Baulinie fällt und Eigenthum der Domänen ist, Steuerfreiheit auf 25 Jahre und so wei­ter Concessionen die in ihrer Gesammtheit die Ren­tabilität der Bahn außer Zweifel stellten. GS ist ferner unwahr, daß die auf den 10. d. M. ausgeschrieben ge­wesene zweite Einzahlung ungenügend erfolgt sei; eS befinden sich dicsc Aktien zumeist in den Händen eng­lischer Capitalisteii, und eS erfolgte die Einzahlung ohne alle Schwierigkeit. Es ist ferner nicht wahr, daß die ErdarbèiteN nur auf den von der Domäne überlassenen ParccUen betrieben werden, sondern cs werden vielmehr dieselben gerade dermalen auf solchem Terrain betrieben, welches auf dem Expropriationswege in die Hände der Gesellschaft überging. Ebenso wenig ist es wahr, daß die Gesellschaft die beuöthigten Grundstücke nur aus Widerruf ankauft; dieselben werden abgeschätzt, und wenn sich die Gesellschaft bei der Taxation zufrieden gibt, so wird ihr die betreffende Parcelle definitiv zuge» schrieben, wobei es dem früheren Besitzer überlassen bleibt, alleufallsige Beschwerden auf dem Rechtswege geltend zu machen, ohne daß dadurch der Bahnbau be­hindert wird. Ein Verfahren, wie es überall bei Ex­propriationen üblich ist und auch nur in Anwendung kommen kann. Die Bauten wurden bereits vor vier Wochen mit sehr ansehnlichen Arbeitskräften i» Angriff genommen, erlitten später dcS starken Frostes wegen eine Unterbrechung und werden nunmehr wieder mit mäßigen Arbeitskräften fortgesetzt, um später mit aller Energie betrieben zu werden.

/ Limburg, 23. Jan. Hr. Vicar Zeh in Ober­tiefenbach, ein Priester unbescholtenen Wandels ist zum Unterhalte seines Lebens einzig auf die Liebesgaben der genannten Gemeinde angewiesen, die diese ihm um so freundlicher und bereitwilliger reichet, als er in der Seelsorge daselbst freiwillig aneikcnnenSwerthe AuShülfe leistet. Vor Kurzem nun, da er in üblicher Weise die ihm zugedachkeN Gaben sammelte (ein Gebrauch, der auch anderwärts, z. B. in der Schweiz, besteht) wurde er DeS Bettels angeklagt, vor das Kreisamt zu Hada­mar belieben , dort in einem harten Tone eingelassen und zu drei Tagen Haft und in die Kosten veruitheilt. Wir wollen über dieses Verfahren gegen einen würdi. gen Geistlichen kein Wort verlieren, auch nicht untersu­chen, ob die Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen zur Hintanhaltung bcS Bettelns im vorliegenden Falle gerechtfertigt war. Wir wollen nur, da eS sich um eine kräftige Durchführung dieser Gefetzbcstimmutigcn zu han­deln scheint, auch unsererseits auf einen Unfug auf­merksam machen, der eine Abbestellung dringend erheischt. Um die, Größe dieses Mißstandes zu ermessen, braucht