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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^ S/ Mittwoch heu 25. Inmwr I^»L

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Die ,,Nassamsche Slllfltmrinr Zeilunq" mit Vtrn belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, L-onniaqS au-genomine», täftliL und beträgt der PränumeraiionSpreiS für Wiesbaden und , naâ dem neuen Postrezulaliv nunmehr auch sâr den stanzt» Umfang des Tdurn» und Carii'fdben BerwaltungSbezirkS mit Jnbigriff desPostaufscklagS 2 fL, für die übrigen Länder deS deutsch-bsterreichisLen Zollvereins, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die iverniali ge Zettsteile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Vanggnife 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, fu machen.

Vom Bosporus.

DieA. A. Z." veröffeutlicht an der Spitze ihres Blattes vom 23. d. M. einen beacktenSwerthen Artikel vom Bosporus über die Stellung uud die letzten Schritte der Vertreter der beiden deutschen Großmächte in Konstantinopel aus Anlaß des Einlaufens der ver­einigten Flotten in das schwarze Meer. Nach diesem Artikel wäre den beiden Bevollmächtigten vou der belr. Bewegung der alliirten Flotten, als deren nächste große Folge' die vollständige Trennung der ferneren politischen Maßnahmen btr deutschen Großmächte von denen Eng­lands und Frankreichs bezeichnet wird , keine Nachricht zugegangen,vielleicht weil die bezüglichen Gesandten vermuthet haben, daß die diplomatischen Maßnahmen der vier Mächte sich gänzlich von demsecours maté- riel trennen ließen, welche der Sultan in seiner letz­ten Erwiederung an Lord Redcliffc'S Rebe von den Seemächten beansprucht hatte und jetzt also wirklich er­hielt." Oesterreich hat wie Preußen weder das Recht noch die Pflicht, ja nicht einmal ein Interesse, den Eng­ländern und Franzosen den Eintritt ins schwarze Meer zu verbieten. Abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit und Unmöglichkeit einer Protestatio» des Einlaufens der vereinigten Flotten in das schwarze Meer erforderte jedoch schon das Zweideutige der Floilc»bewegu»g und das falsche Licht in dem dabei die deutschen Großmächte erscheinen könnten, eine klare und unzweifelhafte Be­zeichnung der Stellung, welche die deutschen Gesandten zu der Flottendemouftration einnehmen. Eine Feind­seligkeit gegen Rußland liegt zwar in der Einfahrt der vereinten Flotten ins schwarze Meer unmittelbar nicht, weder der gesunden Vernunft noch den bestehenden po­litischen Verträgen nach. Es ist aber unmittelbar klar, daß der Charakter einer Handimig nicht blos durch die eigene Natur und Form derselben bestimmt wird, son« dein auch durch die begleitenden Umstände, besonders wenn dieselbe so gewichtig sind, wie im gegenwärtigen Falle. Diese begleitenden Umstände, sagt der Artikel, stempeln das Auslaufen der Flotten inS schwarze Meer wenigstens zu einer entschieden zweideutigen Maßregel, wenn nicht zu einer eutschieden feindseligen. Das Aus­laufen geschieht zunächst unmittelbar nach dem die Ant­worten auf die Depeschen über die Schlacht von Sinope von Paris und London eingetroffen sind; es geschieht ferner in Beziehung auf Zeit und Ort im Zusammen­hang mit dem Auslaufen der türkischen Flotte, welche Truppen und Kriegsbedarf nach dem asiatischen Kriegs­schauplatz zu bringen bestimmt ist. Bei der Bedeutung, welche diese Verbindung der kriegerischen Handlungen der Türkei mit der Bewegung der alliirten Kriegsflotten hat, ist es nothwendig, diesen Punkt weiter zu berück­sichtigen, um es unzweifelhaft zu machen, daß der Zu­sammenhang kein zufälliger, sondern ein nothwendiger ist, und um zu zeigen, von welchem Werth diese Ver­bindung für die Türkei ist.

Die fast vollständige Auflösung der türkischen Ar­mee auf dem kleinasiatischen Kriegsschauplatz unterliegt keinem Zweifel mehr. Ein Blick auf die Mobilmachungs- ?^>e der europäischen Armeen zeigt, wie streng geregelt überall der Nachschub und die Zuführung aller andern Bedürfnisse für die Truppen im Felde ist. Gerade in biefer Administration und innigen Verbindung mit den übrigen Kräften beruht wesentlich mit die Stärke euro­päischer Armeen; ich habe Sie schon früher davon un­terrichtet, wie diese Verkettung aller Staatskräfte zu ge- meins amen Zwecken gerade in der Türkei fehlt. Die wenigen Trümmer der von den Russen total geschlage­nen Hauptarmee, welche bis jetzt vielleicht noch genüg- ten, um eine Art Vorhang zu bilden für die vollstem- dige militärische Unmacht dahinder, würden sicherlich bin­nen kurzem ganz verschwunden sein, wenn nicht die Seeverbindung mit der Hauptstadt wieder gewonnen würde, denn die Route zu Land setzt dem Marsch von Truppen, zumal im Winter, unübersteigliche Hindernisse entgegen. Selbst im Winter wie jetzt, obwohl unzweifel- hast die ganze kriegerische Thätigkeit der Hauptsache nach in Asien aufgehört hat, ist cs daher von höchster Bedeutung für die Pforte, wenn sie Truppen und Kriegsbedarf nach Trebisonde und Batum zu senden vermag, denn der schwächste Widerstand und gar keiner sind ungeheuer unterschiedliche Dinge für den Verlauf der kriegerischen Thätigkeit, Schnelligkeit und Kühnheit des feindlichen VordringerS. Daß man int Krieg, selbst in verzweifelten Fällen, nichts thut, waS gar ferne Aus- W auf Erfolg hat, ist unmittelbar klar, denn selbst die Verzweiflung unterliegt dem Calcul; noch deutlicher str, daß in weniger hohem Spiel stets ein Gleichgewicht

zwischen Gefahr, Verlust und Gewinn sein muß, um das Spiel darauf zu wagen. Daß 5 türkische Dampfer, welche die nach Batum oder Trebisonde bestimmte Trans­portflotte begleiten, nicht genügen, um ihr auch nur einen Schein von Aussicht auf Erfolg zu gewähren, liegt auf der Hand, um so mehr da ein genuesischer Capitän, der am 3. d. hierf eingetroffen, einem russischen Geschwader sechzig Seemeilen von der Mündung deS Bosporus begegnet ist. Die ganze Flotte würde also im Fall eines höchst wahrscheinlichen Zusammenstoßes mit dem Feind unbedingt verloren sein. Unter diesen Umständen würden selbst die fatalistischen Türken keine Expedition, welche sie um sechzehn Transportfahrzeuge und fünf Dampfer mit 12,000 Mann Landungstruppen ärmer machen könnte, unternehmen, wenn nicht ihre Aussicht auf Erfolg durch andere Kräfte als die in ihr liegen gesichert wird. Diese Aussicht kann nur die sein, daß sie gedeckt durch die Flotten, hinter dem Vorhang derselben verborgen, den Ort ihrer Bestimmung zu ge­winnen vermögen. (Aus dem Journal von Constanti- uopel und aus andern Quellen ergibt sich, daß die französische Flotte in auffallender Zahl Dragoma uS ge­fordert und an Bord genommen hakte. Es ist danach möglich, und sogar wahrscheinlich, daß französische und englische Seeoffiziere an Bord -ber türkischen KriegS- dampfer zur Leitung derselben übergehen werden.)

Betrachtet man daS Auslaufen der alliirten Flotte von diesem Standpunkte, b. h. nicht bloß als nackte Thatsache, sondern in Verbindung aller begleitenden Umstände, so liegt daS fast direct Feindliche des sonst schon zweideutigen Schrittes auf der Hand. Da es sich aber im vorliegenden Falle um eine völkergcschicht- liche Frage von welthistorischer Bedeutung handelt, so kann kein Staatsmann Maßregeln billigen, deren Cha­rakter auf der Spitze einer Nadel balaneirte. Der österreichische JntcrnuntiuS konnte dres um so weniger, da am 31. Decbr., also gleichzeitig rillt dem Bekannt­werden der betreffenden Befehle für die vereinten Flot­ten, die Antwort der Pforte auf die Note vom 12. Dec. eingetroffen war.

In jenen Noten versuchten bekanntlich die vier Groß­mächte im Einverständniß und in gleichartiger Weise noch einmal eine friedliche Ausgleichung der Beilegung der türkisch-russischen Differenz zu ermöglichen. Allen Vertretern soll eS natürlich höchster Ernst mit diesem Bemühen gewesen sein, denn vom staatsmännischen, dem rechtlichen wie dem moralischen Standpuickt aus ist der Vertreter einer Nation so lange verpflichtet jede andere Entscheidung eines Conflictes der durchs Schwert vor­zuziehen , so lange nur irgend eine Hoffnung zu einer solchen Austragung vorhanden ist, zumal wenn, wie hier, ungeheure Konsequenzen an die durch letzteres sich knüpfen und die Verantwortung daher eine unermeß­liche ist. Die Pforte hat nun die betreffenden Anträge der vier Großniächte keineswegs in ihrer Erwiderung abgelehut, sondern sie ist wie bereits mitgetheilt in modificirter Weise auf die Anträge eingegangen. Wie man nun auch individuell über den weitern Erfolg denken mag, der beauftragte politische Vertreter hat die Verpflichtung, an diesen Faden friedlicher Hoffnung an- zuknüpfcu. Vielleicht war eine Lösung in diesem Sinne, wenngleich bei höchst unsolider Basis, immer noch mög­lich, denn die Gemeinsamkeit der Maßregeln der vier Großmächte, trotz ihrer ganz verschiedenen Interessen, sickerte ihren Schritten ein großes Gewicht nach beiden Seiten. Aber natürlich war dieses Zusammengehen, das von so großer Bedeutung ist, nur dann denkbar, wenn die vier Großmächte genau in der Stellung zu Rußland blieben, welche sie bei Abgabe der Note inne hatten. Rechtlich haben die Seemächte die offenbar ge­troffene Verabredung zu ferneren gleichartigen Schrillen also dadurch aufgehoben , daß sie ihre bisherige Stel­lung zu Rußland einseitig veränderten, und zwar durch Maßregeln, deren Charakter Rußland kaum verkennen kann, welche Auslegung ihnen auch die Seemächte ge­ben, und die also die Art des Elnflnsses der Seemächte bei den beabsichtigten Friedcnsveimittelungcn total ver­ändern. Der österreichische JntcrnuntiuS mußte auS ben oben mitgctbcilten Gründen natürlich diese Maß­regeln im gegenwärtigen Augenblick für höchst unpoli tisch halten, und er mußte jeden Schein vermeiden, wel­cher der Vermuthung Raum gegeben hätte, die bespro­chenen Maßnahmen der alliirten Flotten wären im ge­meinsamen Einverständniß geschehen. ES versteht sich von selbst, daß zunächst die Pforte selbst, seitens des österreichischen Gesandten, in einer besonderen Note über die veränderte Stellung Oesterreichs zu den See­mächten aufgeklärt werden mußte. Den Seemächten

gegenüber wäre ein solcher Act unpassend gewesen, da sie die betreffenden Maßregeln der deutschen Gesandten nicht mitgetheilt haben. Für sie genügte also, wenn ih­ren Vertretern von dem betreffenden Schritte in offi» cieller Weise Kunde gegeben wurde. Da die Ansichten des Vertreters der südlichen deutschen Großmacht von denen der nördlichen in diesem Falle vollständig getheilt werden, so sind von Seite des preußischen Gesandten dieselben Acte vollzogen worden, um die Interessen sei- ncs Landes zu wahren.

Der Schluß deS Artikels lautet: Bei der außer­ordentlichen Bedeutung, welche die Entwickelung der Dinge im Orient, namentlich auch für unser Vaterland hat, ist es von höchstem Werth, daß die Vertretung der deutschen Großmächte im Gegensatz zu der zweideutigen Politik der übrigen Betheiligten sich eben so offen und würdig als frei und unabhängig in ihren Handlungen erweist. Nur so ist es möglich, die wichtige Stellung einzuhalten, welche die deutschen Großmächte bisher ein* nahmen, und weder dem Osten noch dem Westen wird es gelingen, sie aus derselben zu vertreiben. Deutsch­land kann überzeugt sein, daß, wenn seine Interessen, von welcher Seite und in welcher Art es immer sein mag, bedroht werden, nicht bloß mit Noten die Ver­theidigung derselben geführt werden wird, sondern» thigenfalls auch an den Ardennen und den Vogesen, wie an den trauSjylvanischen Alpen und den baltischen Höbciizügeu Hunderlausende von Streitern dafür in'S Gewehr treten.

Dentschland.

* Wiesbaden, 24. Jan. Den in einigen Tagen wieder zusammentrctendeii Landständen soll der Entwurf eines neuen Jagdgesetzes vorgelegt werden, nach welchem die einzelnen Jagdbezirke nicht mehr nach den einzelnen Gemeindegemarkungen, sondern nach den Bezirken der bestehenden Oberförstereien eingekeilt werden sollen. Dadurch fällt eine der wichtigsten Bestimmungen beS Jagdgesetzes vom I. 1848 wie auch das demselben zu Grunde liegende Princip. Die "Mittelrh. Ztg." er­klärt sich auf das entschiedenste gegen dieses Gesetz, sie führt der Regierung in das Gedächtniß zurück, wie un« getheilt und kräftig das Volk, dem dadurch die Ausübung des Jagdrechtcs entzogen werden soll, in dem jetzigen Kirchencoiiflict ihr zur Seite gestan­den. Sie stellt die Fortdauer dieser Unterstützung und des guten Einvernchmens zwischen Regierung und Re­gierten in der Erwartung und unter der Bedingung in Aussicht, daß die ihr mißliebigen Bestimmungendes Jagdgesetzes zurückgezogen werden. Sie wünscht nämlich aufrichtig, daß das gute Einvernehmen zwischen Regie­rung unb Regierten sich immer mehr befestigen und die zu erwartenden Gesetzesvorlagen keine Bestimmuu» gen eiskalten möchten, welche diese schönen Früchte auch nur im Entferntesten beeinträchtigen könnten."

Wir waren bis jetzt der Ansicht, daß in dem Kir- kenconflict nur innige Ueberzeugung ihre Parteinahme für die Regierung veranlaßt habe. Jetzt werden wir darüber belehrt, daß sie aus ihre Parteinahme nicht nur Werth legt, sondern auch einen Preis setzt. Wie Hock indessen ihre und des Volkes moralische Un­terstützung angeschlagen wird, geht daraus hervor, daß mit dürren Worten gesagt wird, welch einenverzwei­felten Standpunkt die hohe Regierung gehabt hätte, wäre der kirchliche Conflict von dem I. 1848 ansgebrochen, bis wohin die Bevölkerung durch Ausschluß von den VerwaliungSzweigen in totaler Unwissenheit gehalten war." Also keinen Eingriff in die Autonomie der Ge­meinden , kein Znrückgeden auf die Zustände vor dem Jahr 1848, sonst---geht daö Volk nicht mehr mit der Regierung und ihr Standpunkt in der Kirchen- frage wird ein verzweifelter. DaS heißt doch deutlich gesprochen!

* AuS Baden, 23. Januar. In einem Artikel aus Karlsruhe vom 22. b. bringt dasMainzer Journal"die Bestätigung der von uns milge- theilten Dlakricbt über die Ausgleichung des Kirch c n c o n fli ctes. Dem genannten Blatt wird folgendes hierüber geschrieben: Sie werden von dem neuesten Stande unseres Conflictes das Wesentliche schon wissen. Der Hochwürdigste Bischof von Mainz soll durch sein persönliches Erscheinen den besten Ein­druck auf Se. K. Hob. den Prinzregcnten und auf seine Minister gemacht haben. Er wohnte im Pfarrhaus- und machte nur dem Priuzregenten seine Aufwartung; die beiden Ministcrialchcfs Herr v. Rüdk und v. Wechmar kamen zu ihm in daS Pfarrhaus uud con- serirte» dort mit ihm. Auch der französische Gesandte