Nassauische Allgemeine Z
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Dienstag de» 24. Januar
6854.
Die,.Nassauisch« Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich nur betragt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr ar* für Mn ganzen Umfang deS Zourn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbigriff des Postausschtag« 2 fl., für die übrigen dânder deâ deulfch-bsterreichjschen PoftvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. — Anserate werden die dierspalt^ge -«tltiril« oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwâriS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu mache».
Die badische Thronrede.
(Schluß.) .
Die Thronrede fährt sodann fort: „Vertrauen Sie mir, daß ich unter Wahrung der Würde und der Rechte der Krone fortwährend bemüht sein werde, auf dem Wege freundlicher Verständigung die obwaltenden Mißverhältnisse zu beseitigen und den Trägern der Kirchen - gewalt auch diejenige äußere Stellung zu sichern, welche geeignet sein wird, ihre segenreiche Aufgabe zu fördern." So sehr wir uns dieser herzlichen und aufrichtigen Zusicherung erfreuen, und so sehr wir darin ein Zeichen erblicken, daß Se. Königliche Hoheit. sich bereits davon überzeugt habe, wie die bisherige äußere Stellung der Träger der Kirchcngewalt nicht geeignet war, ihre' segenreiche Aufgabe zu erfüllen, mit so großer Besorgniß erfüllt uns die hinzugesetzte Klausel: „unter Wahrung der Rechte und Würde der Krone."
Das ist der verführerische Sirenengesang, womit d ie Bureaukratie die Herzen gewissenhafter und pflichtgetreuer Fürsten mit Verdacht gegen die Klrche zu erfüllen sucht.
Unter dem Vorgeben: für die Rechte der Krone zu streiten, sind sic eben deren gefährlichste Gegner. Wenn sie von den Rechten der Krone sprechen, so meinen sie etwas ganz Anderes. Sie meinen damit die Rechte des „Staates". Nach ihrer Ansicht ist der Staat nicht nur der Inbegriff, sondern auch die Quelle alles Reck- teS. Der Staat gibt Reckte und nimmt Rechte, je nachdem es ihm gut dünkt. Dem Staate gegenüber hat Niemand ein festes, uncntziehbares Recht. Kein Einzelner, keine Corporation, auch die Kirche nicht, und — auch die Krone nicht. Heute freilich schenkt dieser sogenannte moderne Staat den Fürsten alle Rechte, diejenigen sowohl, die ihnen von Gottes und Rechts wegen ein- für allemal zukommen, und die ihnen von Niemand aberkannt werden können, als auch alle Rechte, gjL ■-----die Anderen gehören und überhaupt nur möglich sind. Die Fürsten nehmen dieses trügerische Geschenk an, ohne zu bedenken, unter welcher gefährlicher Bedingung sie dasselbe antreten. Einstweilen freilich überträgt der omnipotente Staat seine Omnipotenz auf den Fürsten; aber auf wie lange? Nur auf so lange, wie cs ihm gefällt. Dasselbe unbedingte Recht, welches der Staat auf Eigenthum, Freiheit und Leben der Einzelnen, der Corporationen und der Kirche hat, dasselbe Recht hat er auch auf das Recht der Fürsten, auf das wirklich ursprüngliche sowohl, als auf das übertragene. Mit diesem omnipotenten Staate läßt sich kein Vertrag schließen, diesem omnipotenten Staate gegenüber, dem unbeschränkten Reckte gegenüber gibt cs kein Recht. Nur der Fürst steht sicher, der sein Recht und die Würde seiner Krone nickt aus der Hand dieses Alles vcrscklin- genden, dieses abstracten Begriffes, unter dem sich die rechtlose und unmoralische Willkür der Volksgewalt und der augenblicklichen Majoritäten versteckt, empfängt. Durch das volle Recht der Kirche wird das auf einem
I ganz anderen Gebiete liegende volle Recht des Fürsten keineswegs gefährdet; es wird vielmehr dadurch erst ein eigentliches, unumstößliches Recht. Jedes Recht setzt eine gesonderte Rcchtösphäre voraus; wer die Grenzen der Rechtssphären verwischt, hebt die Möglichkeit des Rechtes auf. Der Wall, der daS Reckt der Kirche schützend umgibt, und es völlig abschließt von dem Rechte der Krone, er dient zu gleicher Zeit in demselben Umfange auch zur schützenden Mauer für das Recht der Krone selbst. Die Krone ist durch die Lehre von der Staatsomuipotenz weit mehr gefährdet, wie die Kirche. Durch die Lehre von der StaatSomnipo- tenz wird die Lehre von dem Rechte der Fürsten vollständig zerstört, und wenn die Fürsten sich zu jener bekennen, so haben sie in ihren eigenen Untergang gewilligt. Die Kirche dagegen kann nie vermittelst des ihrem innersten Wesen eingepflanzten Rcâstes durch irgend eine Ausgeburt menschlicher Verstandeswillkür überrumpelt werden. Sie bleibt, wenn auck die Kronen zerschellen. Die Lehre von der Omnipotenz des Staates belästigt das Recht der Kirche, aber sie besiegt es nicht. Jedes weltliche Recht dagegen und auch das des Fürsten wird von dieser Lehre vollständig und widerstandslos verschlungen.
Lur Situation.
Wir haben, sagt die „N. Pr. Z.", schon wiederholt amtlich gemeldet, daß die Gesandten von Preußen und Oesterreich in Konstantinopel dem englischen und französischen Bevollmächtigten schriftlich mitgcthcilt haben,
daß sie das Auslaufen der Flotte in's schwarze Meer- bedauern und sich dagegen aussprechen müßten. Noch immer stellen aber verschiedene Zeitungen theils diese unsere Nachricht als unbegründet dar, theils sagen sie, jene Aeußerung der beiden deutschen Gesandten sei durchaus unrichtig, und die preußische Regierung habe das in Rede stehende Verfahren ihres Bevollmächtigten, deS Hrn. ". Wilbenbruch, mißbilligt und deSavouirt. Wir können versichern, daß all' dieses Gerede durchaus unwahr ist. Der preußische Gesandte hat in der Thal seine Bedenken gegen das Auslaufen der Flotten geltend gemacht, und die preußische Regierung hat dieses Benehmen ibreS Bevollmächtigten auch durchaus gebilligt.
Die schließliche Entscheidung Sr. Maj. des Kaisers Nicolaus auf die jüngsten Wiener AuSgleickuugsvor- schlage wird, wie man der „A. A. Z." auS Berlin unterm 19. d. berichtet, in einigen Tagen dort erwartet. Inzwischen wollen Privatbriefe von hochstehenden Personen aus der russischen Hauptstadt bereits mit Bestimmtheit versichern, der Kaiser werde die Vorschläge der Mächte ablehnen. Derselbe verharre bei der Ansicht, daß der obschwebende Streit ohne fremde Dazwiscken- kunft oder Mitwirkung nur auf dem Wege der directen Verhandlung zwischen den beiden betheiligten Staaten ausgetragen werden dürfe. Auf die Anzeige vom Einlaufen der Flotten wird eine förmliche Kundgebung von Seiten deS St. Petersburger CabinetS nicht erfolgen. Namentlich soll für jetzt keine russische Kriegserklärung zu erwarten stehen. Der Kaiser wird sich dem Vernehmen nach, damit begnügen, England und Frankreick seine Antwort durch seine Gesandten in London und Paris zukommtn zu lassen. In Warschau hatte nach Mittheilungen von dort die Nachricht von dem unzeitigen Schritte der besten Seemächte große Aufregung erzeugt. Es zeigte sich in den militärischen Kreisen eine entschiedene .Kampflust, und man erwartete mit Ungeduld den Erlaß einer Kriegserklärung aus der Hauptstadt des Reichs. Fürst PaSkewitsch hatte eine Berufung nach St. Petersburg erhalten, und bereitete sich zur Reise dorthin. Man glaubte hierin ein kriegerisches Anzeichen erblicken zu dürfen. Befestigt wurde diese Auffassung durch den Umstand, daß auf Befehl deS kaiserlichen CabinetS 25 Mil' Honen Rubel Grundcapital der polnischen Bank dem Gouvernement übergeben worden waren, und für unvorhergesehene Fälle diese Summe zur Verfügung zu haben. Unsere Mittheilung, setzt der Correspondent hinzu, stammt aus sonst sehr bewährter Quelle. — Die telegraphische Nachricht der zufolge die Pforte vierzig Tage auf die Rückantwort Rußland warten wolle, erklärt sich deS nähern dahin, daß die Türkei sich während dieser Zeit an die von ihr eingegangenen Friedensbe- dingungen für gebunden erachtet. Ist bis zum Ablauf derselben von Seiten Rußlands keine zustimmende Erklärung erfolgt, so will man alSdaun auch in Constantinopel die gegenüber den Mächten übernommenen Verpflichtungen als wieder gelöst betrachten.
Eine dritte Ausgabe der Times vom 21. Januar bringt eine Depesche aus Wien, Freitag Abends, worin es heißt: „Die Wiener Vorschläge sind unbedingt verworfen; doch will der Kaiser feine Friedensliebe zeigen, indem er den Fürsten Gorlsckakoff zu sei- 'nem Bevollmächtigten ernennt; an ihn habe die Pforte sich zu wenden. Dock müsse die Pforte verstehen, daß Rußland keine der Menczikvff'schen Forderungen fallen läßt, und in dem Firman ihres Bevollmächtigten die Ueberzeugung auSfprcchcn, daß die Differenz zwischen Rußland und der Türkei allein schwebt und ohne Intervention einer dritten Macht zu schlichten ist.
Deutschland
/ Wiesbaden, 21. Januar. Den zahlreichen Schülern, Freunden und Verehrern deS großen Anatomen und Physiologen, Herrn Gebeimrath Professor Dr. Fr. Tiedemann, der seit seinem Rücktritt vom Lehramte in Heidelberg in Frankfurt a. M weilt, wird es gewiß von Interesse sein, zu hören, daß dic Senckenberg'sche naturforsckende Gesellschaft in Frank- furt a. M.' beschlossen hat, daS auf den 10. März d. J. fallende fünfzigjährige Jubiläum dieses Cvrvphâcu der Wissenschaft festlich zu begehen. Die Grselbckaft läßt eine von H. v. Lanitz modellirte, von H. Voigt in München angefertigte Ehrcnmedaille mit dem Bildnisse Tiedemanns in Bronze und Silber jedem Theil nehmer zustellen, und beabsichtigt ein dem Andenken F. Tiedema nn'S gewidmete wissenschaftliche Stiftung zu gründen. Da von jeher die nassauischen Mediciner mit Vorliebe zu Heidelberg studirten, und da der Ju
bilar ganz in der Nähe jetzt wobut, so ist die Betheiligung an dieser Feier für die Nassauer besonders leicht.
Bingen, 22. Jan. (F. P-Z.) Gestern hat der neue Gemeinderath mit großer Stimmenmehrheit den Beschluß gefaßt, die Berufung der barmherzigen Schwestern zur Krankenpflege im hiesigen Hospitale bei der Regierung zu beantragen.
Frankfurt, 23. Jan. Vorgestern Abend von 7 bis 10 Uhr tot unser Main ein hier noch nie gesehenes Schauspiel dar, indem viele Händerte Schlittschuhläufer, mit Pechfackeln in der Hand, die Nackt zum Tage machten, während viele Tausend Zuschauer jeden Geschlechts und Alters sich auf dem Eise herumtummel- ten. Den Höhepunkt dieser Wintervergnügungen erreichten dieselben unstreitig gestern Mittag wo man wenig' stens an 15,000 Menschen in bunter Mischung auf der Eisdecke des MaineS lustig sich herumtrcibcu sab. ES war ein wahres Volksfest. Hier sah man zwei SckiffS- caroussel, wo Harleguins „zur Fahrt nach Kalifornien" einluben, dort Schlitten mit Pferden bespannt, ebenfalls zu einer kleinen Vergnügungsreise anffordcrnd, hier viele Hundert Schlittschuhläufer, ihre Kunstfertigkeit entfaltend und das schöne Geschlecht zu einer Schlittenfahrt einladend, dort Tiscke mit Glücksspielen, hier viele Stände mit allerlei kalten und warmen Getränken, dort Louti- teil mit verschiedenen Eßwaareu ii. s. w. Indessen haben wir auch leider einen UuglückSfall zu beklagen, indem ein Knabe von 12 Jahren, der vorgestern Nachmittag in der Nähe der Gerbermühle Schlittschuh lief, an eine offene Stelle kam und unter dem Eis verschwand. Gestern Nackmittag soll der Leichnam desselben von sei- neu Angehörigen unweit der UuglückSstclle aufgefunden worden sein.
Darmstadt, 20. Jan. Der Landgerichts-Assessor Purgold in Zwingenberg, Inquirent des Rittergutsbesitzers Auspack, von dessen Verhaftung ii. s. w. vor einiger Zeit in den öffentlichen Blättern zu lesen war, bat in Bezug auf die verschiedenen Ungehörigkeiten im Dienst, welche er sich zu Schulden kommen lassen, nunmehr vom Hofgerickt in Darmstadt sein Urtheil erhalten. Er ist auf ein Jahr vom Dienst und Gebalt suspendirt: eine Strafe, welche, wenn Purgold nach Verbüßung derselben neue Vertehlungen sich' zu Schulden kommen ließe, voraussichtlich seine völlige Eiitlas- sung aus dem Staatsdienste ohne Pension zur Folge hätte. Unter jenen Ungehörigkeiten befindet sich auch, Anspach betreffend, die, daß als Purgold diesen Mann aus der Haft entließ, er sich in trunkenem Zustande bc- fand. J n Bezug auf das v o r a » s g e g a n g e n e Verfahren selbst traf P u r g o l d kein Tadel.
Dom Neckur, 14. Jan. Dem „D. V." wird unter vorstehendem Datum geschrieben: In hiesiger Gegend herrscht viel Rührigkeit. Unter den Geistlichen? Nun ja, die halten die angeordnetcn Predigten vor zahlreicher Zuhörerschaft. Oder unter dem Volke? Nein! das verhält sich ruhig, was reckt ist. Oder unter den Beamten? Ja, da ist Eifer und Verkehr, als sei Kos- suth und Mazzini mit hellen Haufen im Anzuge. Besonders zeigen sich die protestantischen Bürgermeister thätig. Da werden katholische Bürger anf'S Rathhaus entboten und bewegliche Reden gehalten, bald Flugblätter durch den RathSdicner in den Häusern herumgettagen. Neulich hielt ein solcher Gemeinbcobcrst an seine Mitbürger eine Ansprache, die mit folgendem Argumente schloß: Wenn der Erzbischof es gewinnt, was wird dann geschehen? Er wird eine Menge fremder Priester in's Land kommen lassen, — Franzosen, Schweizer, Italiener re. Er selbst ist alt und wird bald sterben. Was hat eure Kircke dann gewonnen? Nichts als daß wir die vielen Fremden dasitzcn haben, die der Staat unterhalten muß. DaS bedenket! Die Leute bedachten sich's und meinten, ihr Pfarrer hätte die Sache doch anders erklärt. — Wie dem „Deutschen Volksblatte" aus dem badischen Odenwalde geschrieben wird, sind Briefe, die aus Baden nach Frankfurt an gewisse Personen gingen, geöffnet worben.
Aus Freiburg, 18. Januar wird der „Aagsb. Allg. Zrg." geschrieben: Die Mitglieder des erzbischöflichen Domcapitels zu Freiburg baden in Nro. 4 der „AllgkM. Ztg." eine Berichtigung von Zeitungsartikeln, welche der Hrn. Domcapitular Dr. Haiz betrafen, zu geben sich geuötbigt gesehen, da dieser zu einer Berichtigung ersterer sich nicht selbst herbcilasseii wollte. Auf die hierauf gefolgte, in Nro. 11 der „AUgem. Ztg." abgedruckte Erklärung des Herrn Dvmcapitulars Dr. Haiz muß erwiedert werden, daß gedachte Berichtigung keinerlei Uitheil enthalte, sondern lediglich actenmägia