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Nassauische Allgemeine 3

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Freitag heu 20. Januar

1SS4.

DieNaffamfcht HUgtmtine Zriwnq" mit dem beUeiriftisSen BeiblallDer Wanderer" ersckeini, Sonntag» ausgenommen, rägli» und belrâgr der PränumeralionSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen PoKreguIan» nunmehr a» für den ganzen Umfang des Lburn- und TaiiS'schen Verwaltungsbezirks mit Jnblgriff des Postausschlag« 2 st., für die übrigen Länder des dentsch.österreichischen Postvereins, mit für das Ausland 2 st. 24 kr. Inserate werden die vierspaltige Pest«, eile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. F i i e d r i ch, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

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Das schwarze Meer.

(Schluß.)

Scbastopol, die marine Felsenburg der Russen, liegt an der Westküste des taurischen Chersoneses der heutigen Krimm an einer nach ihr genannten Bai, welche wieder nichts anders ist, als der Liman eines Flusses: Czernaja »reczka. Am südlichen Eingang der Bai, wo die Ruinen der alten Hauptstadt der Cher« soneseS (in classischer Zeit) zu sehen sind, steht ein Leuchtthurm an dem Cap Chersonese; am nördlichen Eingang hingegen erbebt sich das Cap Constantin mit seinem langatmigen Telegraphen. Da das südliche Cap (Chersonese) weiter ins Meer hinausragt, als das nörd­liche, so ist in den Zwischenräumen zwischen beiden Caps an einem kleinen ins Land reichenden Liman die Quarantäne - Anstalt angebracht. An diesen Caps be­ginnt auch daS zusammenhängende System von Bat­terien, welches dem wichtigen KriegShafen seine Sicher­heit verleiht. Am Cap Constantin ist es ein rundes Fort mit einer doppelten Reihe bedeckter Batterien, an der andern Seite nächst der Quarantaine gähnen von zwei vorspringenden Feisenspitzen die ehernen Röhren den Vorüberfahrenden an; näher der Stadt zu, die aus der Südseite der Bai liegt, thront das Fort Alexan­der auf einer dritten Spitze, dem Fort Caps Constantin gerade gegenüber; durch diese schmale Straße, die durch eine mächtige Sandbank noch enger gemacht wird, müs­sen die Schiffe Jassiren, von denen Sebastopoi bedroht werden sollte. Diese Straße hat eine Länge von drei englischen Meilen, und von Pik zu Pik wiederholt sich die metallene Zierde der Höhen, bereit, in völliger Sicherheit auf die vorüberschiffenden Feinde ein ganze« Arsenal von Projektilen aller Art herabzusenden.' Der eigentliche KriegShafen, der sich gegen Süden von der Bai abzweigt, wird zuletzt noch von einem mächtigen Fort mit dreifachen Batterien beschützt, welches den Na­men des jetzt regierenden Czareu ,führt. In diesem KriegShafen beträgt die Wassertiefe, und zwar zunächst dem Lande, überall 411 Faden , der vollkommenste Schutz vor den Winden findet in ihm Statt, da von beiden Seiten felsige Gestade sich hoch in die Lüfte er­heben. Dort ruht in stolzer Sicherheit während des Friedens die russische Flotte des schwarzen Meeres, und hinter ihr am Ende des Hafens ankern die invaliden Fahrzeuge, welche zum größten Theile in Pontons für Verbrecher umgewandelt sind.

Was fehlt also dem Hafen von Scbastopol, um ihn zu einem unschätzbaren Kleinod für die russische Flotte zu machen? Diese mächtige Flotte hat in Sebastopol einen ganz kleinen, aber furchtbaren Feind den Holz­wurm. Hr. Taitbout sah einen neuen Kauffahrer aus dem asow'scheu Meere so spiegelblank, daß es für den ächten Seemann eine wahre Augenweide war. Leider war er nicht gekupfert. Nach einem Aufenthalte von 47 Tagen im Hafen von Sebastopol war er von den Würmern so durchstochen, daß er auSsah, wie ein Bade­schwamm. Am meisten hilft noch gegen diese Landplage ein Verfahren, welches Taitbout vorschlägt. Der Schiffs­körper wird in Feuer carbonisirt und dann mit Leder überzogen, dann soll ihm der Holzwurm nicht viel an' haben können.

Trotz dieses gewichtigen Nachtheils genügt ein Blick, auf den Situationsplan von Scbastopol, nm auch dem Laien in der Kriegskunst und in der Schifffahrtskunde recht eindringlich zu machen, wie ein Angriff desselben oder eine Aushebung der russischen Flotten im Hafen, mit einem Worte eme Wiederholung der Nelson'schen Heldenthat von 1807 (im Hafen von Kopenhagen) hier mit ungleich größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben würde.

Wir übergeben, als nicht zu unserm Zwecke gehörig die übrige Nordküste deS schwarzen Meeres, so wie den Küstenrand bei Kaukasien. Wir bemerken nur, daß bei Gelegenheit der Nennung deS Forts St. Nicolas an der Grenze des türkischen und russischen Gebiets in Asien gelegen, vom Verfasser gesagt wird:An der Mündung des Tchkötil Sou liegt das Fort St. Nico. laS, 16 (englische) Meilen südöstlich von Poti, welches die Grenzen Rußlands an dieser Küste bezeichnet. Sei» Ankerplatz ist eine so schlechte Rhede wie die benach­barten." Hingegen ist der Hafen von Datum nach Taitbout'S Versicherung der beste und sicherste an der ganzen Ostküste des schwarzen Meeres. Kein Wunder also, datz die türkische Flotte diescn Hafenort zur Ans- schfffung der nach Tscherkessien bestimmten HülfStruppen

Die Küste von Anatolien ist fast ohne einen ein­

zigen sichern Hafen, und die Schifffahrt längs dieses Gestades zu allen Jahreszeiten unsicher und gefahrvoll. So hat selbst Trapezunt, obwohl seit undenklichen Zei­ten ein Stapelplatz allerersten Ranges für den Ver­kehr des Orients mit dem Abcndlande, nur eine höchst mittelmäßige Anlände. Ebenso Kerasunt, die Vaterstadt der Kirsche. Hingegen erfreut sich die Bai von Sinopc durch ihre geographische Lage gewisser Vorzüge, die den Seeleuten des schwarzen Meeres gar wohl bekannt sind. Von welcher Seite man diesem Ankerplatz auch nahen mag, so ist der Ort desselben an der Form der Halb­insel Boze-tepe leicht erkenntkich, deren Spitze abge­plattet ist und deren Ufer felsig sind, beides auf sehr charakteristische Weise. Die Stadt selbst theilt sich in zwei wohl unterschiedene Hälften; eine derselben liegt auf der Halbinsel und ist von den Türken bewohnt, die andere an dem Verbindungspunkte der Landzunge mit dem Festlande dient den christlichen Bewohnern, meistens Griechen, zur Wohnstätte. Man naht dem Ufer mit Sicherheit, bis auf eine Tauläuge, wo man noch immer 5 bis 10 Faden Wasscrtiefe hat.

So schwierig cs für Schiffe mit viereckigen Segeln sein mag, bei nur einigermaßen ungünstigem Winde von dem Bosporus in's schwarze Meer auszulaufen, so leicht ist es für die aus dem schwarzem Meere kommenden Fahrzeuge, ihren Weg durch die Krümmun­gen der Ochsenpforte zu finden. Denn sollten sie selbst dem Südwind begegnen, der also gegen die Richtung ihres Laufes weht, so hilft ihnen doch die Eingangs erwähnte Strömung (aus dem Pontus gegen das Marmora- Meer) aus der Verlegenheit. Es genügt, dann nur das bekannte einfache Manöver mit den kurz gebraßten Segeln zu machen. Aber auch die entgegengesetzte Rich­tung (gegen den Pontus zu) einzuhalten, ist keine un­lösbare Aufgabe für ein Schiff mit sogenannten latei­nischen oder dreieckigen Segeln. Herr Taitbout will diese Aufgabe mehr als einmal mit seiner BriggJulie" gelöst haben, deren Namen man überhaupt oft in fei­nem Buche begegnet.

Ein mächtigeres und wirksameres Mittel, um gegen Wind und Wetter zu segeln, hat die neue Nautik in der Anwendung des Dampfes gefunden. Für Kauf­fahrer sind die Preise der wenigen Dampfer, welche im Bosporus zur Remorquirung der Fahrzeuge aufge­stellt sind, viel zu hoch, wie Tailbout bemerkt, und die große Mehrzahl der Handelscapitäne, die â laventure in die Häfen des Pontus segeln, zieht es vor, geduldig auf günstige Brise zu warten, die natürlich nichts kostet, wenn sie endlich eintritt. Diese Rücksicht der Oekono- mie fällt selbstverständlich bei Zwecken von hoher poli­tischer Bedeutung hinweg, und es unterliegt also selbst bei den ungünstigsten Verhältnissen keinem Anstande, daß die Flotten des Westens eine ihnen beliebige Auf­stellung im schwarzen Meere annehmen. In jedem Falle bleibt aber bei übrigens gleichen Umständen die Befahrung des Pontus wenigstens in so weit sein Littorale unter türkischer Botmäßigkeit steht schon deshalb mißlicher als die der andern Meere, weil es daselbst, Dank sei cs ottomanischer Indolenz, an allen jenen nautischen Nothbehefcn, wie z. B. Lcuchtthür- men, Ankerbojen u. s. w. fehlt, mit denen die Gestade christlicher Länder so reichlich versehen sind. Was von Leuchtthürmen aus byzantinischer Zeit noch übrig ist, wird auf echt türkische Weise verwahrlost. Einen fast komischen Eindruck macht cs daher, wenn der Verfasser als Kennzeichen der Einfahrt in den Bosporus einen Baum auf einer Felsenhöhe angibt, der, wie er sagt, bis 25 Seemeilen weit sichtbar sein soll. Es wird bei der Gelegenheit bemerkt, daß dieses Wahrzeichen aller- dings jeden Tag umgchanen werden könne, dabei aber der gewiß gescheidene Wunsch ausgesprochen, daß solches nicht geschehen möge. Dieser Baum hat eine solche Wichtigkeit, daß er auch wieder auf den Küstenprofilen erscheint, welche einzelnen Karten beigegeben sind.

Sur orientalische» Frage.

Die orientalische Angelegenheit steht jetzt bekanntlich so, daß die Pforte sich zu Unterhandlungen mit Ruß­land bereit erklärt hat, wenn dieselben in einer neutra­len Stadt und unter Mitwirkung der vier Mächte statt- findtn würden. Dieser Vorschlag ist, wie schon wieder­holt gemeldet, am 13. Januar von Wien nach Peters­burg abgegangen, und das nächst bevorstehende Ereigniß in dieser Verwickelung, so weit sie die Diplomatie be­trifft, ist die Antwort, welche der Kaiser von Rußland auf diesen Vorschlag ertheilen wird. Wir sind, bemerkt die N. P. Z., natürlich so wenig als Andere in die

Geheimnisse des russischen Cabinets eingeweiht. Wir wollen aber, da die Antwort wohl nicht lange auf sich warten lassen wird, noch einmal aussprechen, was wir schon tzu wiederholten Malen angedeutet haben. Wir glauben, daß Rußland den gemachten Vorschlag nicht annehmen wird. Nicht daß wir meinten, der Kaiser Nikolaus wünschte den Krieg und suche deßhalb die diplomatischen Unterhandlungen resultatlos zu halten. Im Gegentheil, wir sind überzeugt, daß kaum ein An­derer in Europa den Krieg so wenig herbeiwünschen mag, als der Kaiser von Rußland: seine welthistorische Stellung sein Cbaracter, die ganze intensiv so gewaltige Entwickelung des russischen Reiches weisen darauf hin. Aber wir sind ebenso sehr überzeugt davon, daß Ruß­land auf den Sätzen, die es nach langen Unterhand­lungen als seine äußersten bezeichnet hat, beharren wird; ja es muß darauf beharren, wenn eS seine Machtstel­lung nicht gefährden lassen will. Zu diesen Sätzen hat aber immer der gehört, daß Rußland mit der Pforte dircct verhandeln wollte, und wir glauben deßhalb, daß eS auf die vorgeschlagenen Unterhandlungenunter Mit­wirkung der vier Machte" nicht eingehen wird. Es wäre dieß auch den analogen diplomatischen Vorgängen wohl kaum entsprechend, und wir bezweifeln, daß daS Ministerium Ihrer Großbrittanischcn Majestät, oder deS Kaiser der Franzosen sich dahin engagiren lassen würden, vor und resp, unter dem Tribunal der andern vier Mächte ihre etwaigen Streitigkeiten mit einem andern Staate zu schlichten. Dieß ist der Grund, weßhalb wir zunächst auf eine verneinende Antwort von Peters­burg gefaßt sind. Ob dann die Diplomatie vielleicht die vorgeschlagene Mitwirkung der vier Mächte lediglich als eine Mitanwesenheit ihrer Gesandten interpretirrn wird, ist abzuwarten.

Die Assemblee National will wissen, daß die Diplo­matie einen Ausweg gefunden habe, welcher noch eine friedliche Beilegung der orientalischen Streitfrage hoffen lasse. Der Czar und der Sultan sollen nämlich jeder einen mit Vollmachten zurw'Anterhandeln versehenen Vertreter nach Wien senden, wo dann zwischen Beiden die Berathung der Bestimmungen dcs zu vereinbarenden Vertrages unter den Augen der Conferenz vor sich ge­hen würde. Auf diese Weise geschähe die Unterhand­lung direct zwischen Rußland und der Türkei. Die Conferenz würde dabei nicht direct eingreifen, aber ihre vereinigten Mitglieder wären da als die Zeugen deS Vergleichs, als die Bürgen der zwischen den zwei krieg­führenden Parteien bewerkstelligten Versöhnung, und ihre Anwesenheit würde derselben das Siegel Europa's auf« drücken. Man glaube, setzt die Assemblee Nationale hinzu, daß dieser Ausweg zu Petersburg Genehmigung finden könne, wie ibn die Türkei schon genehmigt zu haben scheine. Das Verlangen des Czaren, bloß direct mit der Türkei zu unterhandeln, werke dann erfüllt, und dcr Sultan andererseits bleibe auf dem Boden, wo er Verbündete gefunden habe; die Eigenliebe deS Einen und die wesentlichen Interessen des Ändern seien somit gedeckt, und deßhalb hoffe man auf den Beginn und ein gutes Ergebniß der Unterhandlungen.

De»tsch!a»v.

^ Wiesbaden, 19. Jan. Die in diesen Blät­tern seiner Zeit erwähnte Nichtigkeitsbeschwerde dèS Peter Ehl von Brcmthal, gegen das Verweisungs- urtheil des Criminalsenats dahier, hat der Herzogliche CassakionShof in seiner gestrigen öffentlichen Sitzung verworfen.

DieMittelrh. Z." bringt nebst einem anscheinend officiösen Artikel über die Kirchenfrage resp, das Recht, die katholischen Geistlichen anznstellen, die Nachricht von dem am 10. Januar erfolgten Ableben des Seniors der nassauischen Lehrer, des pensionirten 90jährigen Lehrers Fischer zu Neuweilnau, die Nachricht von der in Naffau erfolgten Verhaftung eines preußischen De­serteurs, und einen Artikelvon der Elb", durch wel­chen dargetban werden soll, daß die kalbolische Lan- dtsbevölkerung in einem Theile des Westerwalde» und selbst in den kurtrierischen Landestheilen für die Sache des Bischofs von Limburg durchaus nicht eingenommen sind und dasenergische" Auftreten der Regierung in der Kirchenfrage billigen. WaS diese auf einerGeschäftsreise" von dem Correspondenten hin und wieder zusammengelesenen Aeußerungen einzelner Leute beweisen sollen und ihre Richtigkeit vorausgesetzt zu beweisen im Stande sind, ist nicht abzusehen.

Frankfurt, 15. Januar. Herr G. S ch i r gt s , früher mit Herrn Tögel Redacteur dcs Vereinsblattes zum Schutze vaterländischer Arbeit, hat einen Ruf als