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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^ /« Donnerstag den 19. Jamar

DirNaffauischk MUgemfinc Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, leonnragd ausgenommen,^ täglich und betragt bei PrinumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postreguiauv nunmehr an sar den ganzen Umsang deS Lburn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Znbigriff deS Postausschlag« 2 st., für die übrigen Länder keS deutsch.österreichischen PostoereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 12, auSwärrS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Vas schwarze Meer.

Der Pontus Euxinus, auf welchen jetzt die Auf­merksamkeit einer Welt gerichtet ist, erfreut sich seit un- deutlicher Zeit deS übelsten Nachrufes. Der ehemalige königlich niederländische Generalconsul zu Odessa, Herr Chevalier Taitbout de Marigny belehrt uns in seinem im Jahre 1850 zu Constanlinopei gedruckten Werke über daS schwarze und das ihm benachbarte Asow'sche Meer, daß der PontuS, wie Vieles in der Welt, besser alS sein Ruf ist. Wohl bringt eS die östliche Lage dieses Beckens mit sich, daß die Wärmeverhältinsse sei­nes Küstenlandes ungünstiger sind, als sich nach den Breitegradeii erwarten ließe. Die kalte Jahreszeit und das Zufrieren der Häfen und Limane (unter welche auch das Asow'sche Meer, mare pigrum, zu rechnen ist) treten oft sehr rasch ein, denn gegen Mitternacht sind keine schützenden Gebirge und der rauhe BoreaS kann ungehindert vom Eismeer bis an die südrussischen Steppen wehen. Nichtsdestoweniger sind die Aequinoc- tialstürme der großen Meere kaum weniger gefährlich. Hingegen ist der ganze Pontus ohne geheime Klippen und er enthält an den Küsten der Krim, AnatolienS und RumelienS eine gute Anzahl sicherer Hafenplätze. Die herrschende Strömung im schwarzen Meere kommt von der Meerenge von Kertsch, welche das Asow'sche Meer von dem schwarzen trennt. Diese Strömung wird veranlaßt durch den Don, welcher seine Wassermasien in die Asow'sche See ergießt. Der erwähnte Strom zieht von der Straße von Kertsch aus westlich längs der Küsten der Krim und ist an gewissen Stellen ziem­lich reißend. Durch die Einmündungen der drei gewal­tigen Ströme Dnieper, Bug und Dniester wird er aber sehr nach Süden abgelenkt. Durch die Ochsenpforte (den Bosporus) tritt ein großer Theil dieser Strömung ins Marmoianieer, der Rest zieht sich an der Nordküste Anatoliens entlang bis nach Kaukasien. Von hier, wo der Phasiö und andere große Ströme sich ergießen, ge­langt er wieder nach der Anfangs erwähnten Meerenge zurück. Dieser allgemeine Gang der Strömung erlei bet, wie cs sich von selbst versteht, durch din Einfluß der Winde und örtlichen Hindernisse mancherlei Modi- ficationen.

Ueber diesen Einfluß der Winde erzählt Hr. Tait­bout nicht uninteressante Einzelnheilen.

Wenn ein Schiff von Constantinopel aus in's schwarze Meer cinläuft und dies ist ein Fall, der uns in diesem Augenblicke am meisten interessirt so hat eS zunächst die Ost- oder Nordostwiiide zu fürch­ten. Sobald dies die Richtung des Windes ist, kann das Fahrzeug die Häfen der Krim (Theodosia z. B. oder Kertsch) nur dann erreichen, wenn eS längs der Küste Kleinasiens bis auf die Höhe von Sinope segelt und erst dann die nördliche Richtung annimmt. Da in der letzten Zeit sehr oft von einer mit Hülfe der west-

Flotten zu ziehenden Demarkationslinie int schwär- jen Meere die Rede war, so ist die Mittheilung unse- res Verfassers überraschend, daß eine solche Linie, und zwar eine natürliche, besteht. Die aus dieser Linie so gelnren Schiffe sind von den he rschendcn Strömungen unabhängig und so sicher, als man es im schwarzen SWeer nur immer sein kann. Diese Linie geht vom Cap E ia in der Krimm bis an's Cap Kerempe in Sljien , und scheidet den Pontus in eine östliche und westliche Halste. Man kann diese Linie nicht Überschrei­ten, ohne eine merkliche Veränderung von Wind und Strömung zu vermerken. Der heftige Nordwind, wel­cher aus der Gegend von Anapa bis Soubachi in Kau­kasien kommt, ist derjenige, welcher im Winter vorherrscht und derjenige, welcher die Schiffe oft Monate lang in den Dardanellen und im Bosporus festhält, während beide Meerengen bei günstigem Winde leicht in achtnnd- vierzig Stunden passirt werden können. Während der Noidwestwind Nebel und Feuchtigkeit im Gefolge hat, bringt der gefürchtete Nordvstwind trockene Kälte. Cr­ist cs, dem das Kaukasusgebirge seinen griechischen Na­men: das Bett des BoreaS verdankt. Schiffe, welche während dieses Windes nach Odessa oder Scbastopol ziehen, können dieses Endziel nur auf großem Umwege erreichen. Der Weg führt sie keineswegs an der Küste RumelienS vorbei, sondern wie oben erwähnt, auf die Höbe von Sinope, von da nach Norden bis an die Westküste der Krim, von wo leichte Ostnordostbrisen sie ihrem Ziele zusührcn.

Die Winter sind strenge int schwarzen Meere," lögt der Verfasser,und vorzüglich an der Nordlüste; vann wird alk^, was Leinwand am Schiffe ist,-steif, le geseornen Segel werden zu gebrechlichen Planken,

das Verdeck bedeckt sich Mit Eis, und die von Kälte durchrüttelte Mannschaft Manövrirt nur mit Mühe. Man gibt den Monat December und die zweite Hälfte des Jänners als denjenigen Theil deö Winters an, der die wenigsten Gefahren darbietet. Die Mündungen des Dnieper, des Dniester, meistens auch die der Donau, der Hafen von Odessa und die Straße von Kertsch frieren zu. Selten erstrecken sich die Eismassen weit in die See hinaus, und oft genügt ein schnell einlreten- der Südwind, um die starre Decke mit Blitzesschnelle zu lösen. Die Winterkälte endet in der Regel mit dem Ausgang des Februar (neuen StylS), während sie um die Zeit des Winter-SonnenstiUstandcs (21. December) zu beginnen pflegt. Im Laufe von 20 Jahren war der Hafen von Odessa nur 3 oder 4 Winter vom Eise nicht geschlossen."

Es sind übrigens nur wenige Punkte dieses Pontus, welche im gegenwärtigen Momente für das große Pub­licum ausreichendes Interesse gewähren. Ueber Diese Punkte aber enthält das in Rede stehende Werk einige neue, der allgemeinen Aufmerksamkeit nicht unwürdige Angaben.

Vor Allem die zahlreichen Limane. Man nennt bekanntlilch so die durch die Auemündungen großer Ströme in's schwarze Meer veranlaßten Meerbusen. Während z. B. die Donau, der Po, die Rhone, der Nil u. s. w. an ihrer Mündung sich in Arme spalten und seichte Delta's bilden, münden die Flüsse der süd- russischen Steppen in geräumigen Busen. Kohl (in seinen Reisen in Südrußland 2. Land) entwickelt die Theorie dieser Limane auf anschauliche Weise mit Zu­hilfenahme von Holzschnitten , Die seine Erklärungsweise verdeutlichen. Letztere läuft daraus hinaus, daß alle großen und kleinen Flüsse, die sich in den Pontus ergießen, ursprünglich in CaScaden über den steilen Uferrand der Steppe herabstürzten und Die Gewalt ihrer Wässer nach und nach immer mehr diesen Rand zerbröckelte und.so endlich jene weitläufigen Wasfexpâ« etyugu, dr« man eben Limane nennt.

Das asow'sche Meer ist nach ihm der Liman des DouflußeS.

So liegt Akkierman am Liman des Dnicstcr, Odessa an den beiden Limanen des Kujalnik, Cherson am Lunau des Dnieper, Nikolajeff an dem des Lug, Azoff an dem des Don. Es ist klar, daß die genannten Orte der Konfiguration Der Küste an einem Liman unD der Genesis desselben gemäß keine Häfen mit sicherem Ver­schluß, sondern nur Rheden haben; so auch Odessa, dessen Rhede wie die von Triest durch einen noch un­vollendeten Molo in einen Hafen verwandelt worden ist.

(Schluß folgt.)

D entschwand

* Wiesbaden, 19. Jan. Wir vernehmen aus vollkommen zuverlässiger Quelle, daß Der Kuchen- conflict in Laden eine vollständige und erfreliliche Lösung gefunden habe. Der katholische Oberkirchenrath tritt zurück, Die Verordnung vom 7. Nov e mb er v. I. mit allen Konsequenzen wird zurückge­nommen, und werden hierauf sofort Die Untnhaud- langen mit Dem päpstlichen Stuhl über Die Definitive Feststellung Der Rechte deS katholischen Episkopates und der katholischen Kirche beginnen.

* Wiesbaden. 18". Jan. Die gestrige ^Mittelih. Ztg." bringt als Entgegnung auf eine imMainzer Journal" enthaltene Correjponkcnz aus Nassau über Die Kirchcnfrage resp, die Besitzung der kaiholijcheu Pfarreien einen anscheinend ofsicieUcn Artikel, der je­doch nur Die bekannten und oft wiederhollen Argumente enthält und ein neues Licht über die sragllche Angele­genheit nicht verbreitet.

Nach Dem von dem Vorstand der hier gebildeten SpargescUschaft veröffentlichten RechenschaftSbcrichk, wurde in der Sparperiode von 1853 durch wöchentliche Ein­lagen von mindestens 6 kr. eine Summe von 1984 fl. 6 kr. zusammengespart und nun vcrtheilt. Die Spar- gesellschafr zählt 147 Mitglieder.

x Ans dem Nheingau, 13. Jan. In Der gestern erwähnten Nummer desRheingaucr Bürger- freundes" finden wir noch einen anderen Artikek, wel­cher ebensfalls einige aus Anlaß der Kirchenfrage in Umlauf gefegte gehässige Gerüchte wiederlegt. Er lautet: Daß Die Haltung desBürgerfreunkS" mehr Regier- ungS- als Bischofs - freundlich ist, wird i h m Niemand verargen. Doch wird er, wie ich erwarte, seine Spat- ten auch nicht ganz Denen verschließen, die es mit der

Kirche und ihren Dienern gut meinen. Die oberrheinische Kirchenprovinz hat in ihrer Denkschrift das Wesen der Kirche, ihrer Gewalt und Befugnisse so deutlich und überzeugend dem willigen Verstände vorgetragen, daß es schwer sein dürfte, sie zu wiederlegen. Die betreffenden Staaten glaubten einmal, nicht darauf eiligeren zu kön­nen, und haben im Sinne der Verfassung, des Her­kommens und des bisherigen Verständnisses gehandelt. Ich möchte diesmal nur den Wunsch laut werden lassen, daß alle öffentlichen Organe Die Würde einer Institu­tion, wie Die Kirche ist, nicht nahe treten, überhaupt nickt solche Bemerkungen aufnehmen möchten, Die das sittliche Gefühl eines Katholiken offenbar empören müs- fem So las ich einetn Blatte, (Miltelrh. Ztg.) daß den Mittwochsabeud» Gottesdienst im Rheingaue nur einige alte Weiber besuchten. Daß ich und Die Leset vom Gegentheile überzeugt sind, bedarf keiner Erwäh­nung ; und wünschte ich sür meinen Theil , daß uns Rhclngauern ein solch schönes Wetter und ein solch schöner Verdienst baldigst werde, daß nur alte Weiber den Abcudgottesdicnst besuchen könnten. Im Bürger­freund geschah auch des Herrn Pfarrers K. in G. als Eiferers gegen denselben kürzlich Erwähnung. Wie sich diese Sache verhält, weiß ich nicht, urtheile deßhalb auch nicht darüber; das aber weiß ich recht gut, daß kein Priester des GaueS so mildthätig und hülfleistend den Armen ist, wie er. Täglich speist er viele arme Kinder; bisweilen schaaren sich 20 bis 30 arme Kin­der um seine mit Nahrung bedeckten Tische und dabei fühlt er mit innigem Weh, daß er zu schwach sei, allen seinen Pfarrkindern Helsen zu können. So hat die katholische Religion noch viele Diener, die nicht ihr eigenes Wohlergehen, sondern nur die Heiligkeit^ die Ehre und daS Göttliche ibrcr Kirche im Auge haben und ihr Alles bereitwilligst opfern. Wer will sie des Unrechts zeihen?"

(:) Limburg, 14. Jan. In derMiltelrheinifcheü Zerrung" Nr,, 3 uw 4. Januar ist in den Artikels Limburg, den 1. und 2. Januar" angeführt: kèr Grund Der Versetzung des Herrn Kreisamtmanns v. Lange» liege in den neuesten Schritten des Herrn Bischofs, welche jetzt erst zur Kennt, gelangt und von Ersterem höheren Orrs nicht gemeldet worden, sowie überhaupt in Der Nachsicht desselben gegen Die Maaßregeln deS Herrn Bischof. Wenn nun auch bei der treuen und gewissenhaften Ticnsiführnng dieses Beamten ein andrer Grund sür die Versetzung desselben nicht denkbar ist, als daS jetzige Verhällniß der katholischen Kirche zum Staate und seine Stellung zur Kirche als Katholik, so mögen doch der Versetzung wohl andere politische, mehr Der Zukunft entnommene Motive zu Grunde lie­gen, als Nachsicht gegen Den Herrn Bischof und unter­lassene Anzeige über dessen Vorschreiten in den kirchli­chen Angelegenheiten, da Der Herr Bischof nie der Nach­sicht des benannten Herrn Leamtcu bedurft hat, und wohl auch geeigneten Orts kein Geheimniß daraus ge­macht haben wird, was cr in der kirchlichen Angelegen­heit zu thun gedachte. Endlich ist die Stellung deS Krcisbcamtcn in Limburg keine solche, daß derselbe mit Dem Hochwüidigstcn Bischof irgendwie in dienstliche Be­rührung und in die Lage kommen könnte, Nachsicht oder Strenge- gegen Den letzteren zu üben.

Frankfurt, 14. Januar. Wie man aus gutün- tèrrichteter Quelle versäumt, hat der Marquis von Tallenay, französischer Gesandter bei dem deutschen Bund, im Auftrage seiner Regierung .dem Bundespräsidium eine Note übergeben, worin Der Text Der Circulardc- pcsche des Hrii. Drouyn de LbuyS vom 30. December communizirt wird. Det Marquis v. Tallenay hat dem Bundespräsidium ferner eine an den deutschen Lund gerichtete Note deS Herrn Drouyn de Lbuys überreicht, welche die friedlichsten und freundschaftlichsten Gesinnun­gen des Kaisers Der Franzosen für die Staaten des deutschen Bundes kundgibt:An Die Lundesversamm- lung ist dieser Tage eine Reclamation des Prinzen von Hessen Philippsthal gegen verschiedene Bestimmungen deS kurhtssischen Verfassungsentwurfs gelangt.

AuS Baben, 15. Januar. Dem frühern Vor­gehen der großherzoglich badischen Regierung zufolge, in Betreff Der Ausweisung Der Väter vom Orden Jesu auö badischem Gebiet, hätte man der Ansicht sein sollen, alt sei den Jesuiten überhaupt Der Aufenthalt im Groß- herzugthum Laden versagt; dem ist nun aber nicht so. Die Gensd'armerie entdeckte vor einigen Tagen^ zwei Patres von besagtem Orden auf Dem Gut deö Frhrn. v. Andlaw in Hugstetten bei Freiburg, und als man sich anschickte dieselben sofort auszuweisen, wurde von höherer Stelle bedeutet, daß den Jesuiten nur unter-