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Nassauische Allgemeine Zeitung

Dienstag den 17. Jamar

1834.

Dte,,Naffau>scke Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erschklni, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt bei PränumerotionSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch Ci, ren ganzen Umfnng des Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlag« 2 ff., für die übrigen Länder des deutsch-osterreich,scheu PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Leituttgslchau.

Zur orientalischen Frage. Die Sendung deS Fürsten

' von Chimay.

** Der Lloyd schreibt in seiner Nummer vom 13. Ja­nuar : Die Nachricht, welche seit langer Zeit verbreitet worden, daß die russischen Gesandten London und Pa­ris in dem Momente verlassen sollten, wann die ver­einigten Flotten den Befehl zur Einfahrt in das schwarze Meer würden erhalten haben, hat sich nicht bestätigt. Baron Briinnow ist noch in London, Herr von Kisseleff noch in Paris. Es ist überhaupt befremdend, daß die europäische Presse sich einen Begriff von dem Cabinet von St. Petersburg gebildet hat, als wäre cs ein Ca­binet von Teheran oder von Peking. Der Beherrscher des himmlischen Reiches, welcher sich die Welt als ei­nen Teller vorstellt, dessen Fläche ihm gehört, dessen Rand aber von einigen nichtswürdigen Barbaren bewohnt wird, mag vielleicht jeden Widerspruch der Randbewoh- ner gegen seinen erhabenen Willen als eine Meuterei betrachten, auf welche durch ein Ausrottungsdecret ge­antwortet werden muß. Er hat keine Pairs, er kennt keine Gleichberechtigung. Aber in St. Petersburg hat man Geographie studirt so gut wie in Paris, kennt man die Statistik des Welttheils so gut wie in Lon­don. Man wird dort nicht durch chinesische Selbstüber­schätzung oder durch asiatischen Hochmuth zum Kriege verleitet werden. Wird dieser beschlossen, so wird ein politisches, nicht ein persönliches Motiv ihm zum Grunde liegen. Ohne Aussicht, als Sieger aus dem Kriege hervorzugehen, wird Rußland diesen nicht beginnen. Je weniger bei der anzustellenden Berechnung die Chancen für den Sieg hervortretcn, desto geringer dürfen die Besorgnisse sein, daß der allgemeine Friede gestört werde. Drei Factoren können nach unserer Ansicht am kräftig­sten zur Anfachung einer Kriegsflamme mitwirken: eine hartnäckige Friedensabneigung der türkischen Regierung, unbillige Forderungen der Westmächte an Rußland, Ler- stärkling der russischen Macht durch active, oder auch durch passive Bundesgenossen. Die erste Gefahr scheint nach den jüngsten Nachrichten aus Constantinopel besei­tigt: das türkische Cabinet läßt sich durch Vernunft- gründe leiten. Die zweite Gefahr existirt nicht: Eng­land und Frankreich ziehen den Frieden dem Kriege vor und werden nicht unabänderlich auf solchen Friedensbe- dingungen bestehen, welche Rußland nickt annehmen kann und wird. Die dritte Gefahr ist gewiß eine illu­sorische : es gibt in ganz Europa nicht eine einzige Macht, deren Interesse mit dem Rußlands in einem Kriege gegen die Türkei zusammenfiele. Wenn, was wir vermuthen, die Einfahrt der Flotten in das schwarze Meer von Rußland "keineswegs als ein casus belli ge­deutet wird, so sind die Chancen für den Frieden wie­derum besser als sie seit Langem gewesen. England und Frankreich dürfen sich nun eine Weile ruhig verhal- ten, und können durch eine feste und würdige, aber friedliche Sprache, wiederum ein besseres Einvernehmen mit dem Cabinet von St. Petersburg anknüpfen. Die deutschen Cabinele gewinnen dann auch eine neue Ge­legenheit für ihre diplomatischen Bemühungen. Es mag allerdings woh^ der Fall sein, daß einige unangenehme Zwischenfälle sich noch ergeben. Interimistische Ge­schäftsträger mögen während einiger Zeit die Functio- nen der Gesandten zu vollziehen'haben. Graf Nessel­rode wird vielleicht den Handschuh, welchen ihm Herr Drouin de l'Huys hingeworfen, sehr energisch aufneh­men. Aber bis die Pforte unvernünftig, bis die West- mächte unbillig, bis Rußland durch irgend eine offene oder geheime Allianz noch mächtiger geworden, als cs bereits ist, lassen wir uns in der Zuversicht nicht irre machen, daß Noten und nicht Kanonen dem orientalischen Streite vorläufig ein Ende machen werden.

** Die Sendung des Fürsten v. Chimay hat nach der A. A. Z. durchaus nicht die Wichtigkeit, die man ihr beigelegt, und der Brüsseler Correspondent der Kölnischen Zeitung zumal hat sie mit Absichten in Zu­sammenhang gebracht, die nichts mit der Wirklichkeit zu thun haben, und auch an sich aller Wahrscheinlichkeit entbehren. Es ist nicht richtig, schreibt man diesem Blatt aus Paris, daß die französische Regierung seit Gott weiß wie lange dahin strebt, Hru. V. Rogier durch einen andern Gesandten ersetzen zu lassen. Gesetzt aber, die französische Regierung hätte wirklich zu diesem Zweck in Brüsselintriguirt", so ist es doch schlechterdings unzulässig anzunehmen, der König Leopold, der von jeher so streng und gewissenhaft den constitutionellen Erfordernisscn nachgekommen, habe einen Gesandtenwech- >el ohne Vorwissen seines Ministerrathes

beschlossen, nur in Folge einer in Masse eingcreichten , Entlassung seiner Minister auf dieses Vorhaben verzich­tet, und dem Fürsten v. Chimay statt des Beglaubi­gungsschreibens ein bloß officiöses Schreiben zur Ueber» gäbe an den Kaiser Napoleon III. eingehândigt, etwa zu dem Zweck, um sich zu entschuldigen, daß der beliebte Ge­sandtenwechsel noch nicht vorgcuommen werden könne. Da wir in einer Zeit leben, wo das Unwahrscheinliche oft das Wirkliche ist, so halte ich es für nothwendig, nach verläß­lichen Erkundigungen von neuem alle Gerüchte über eine Mißhclligkeit zur Ehre der französischen und belgischen Re­gierung als rein aus der Luft gegriffen zu bezeichnen. Diese Mißbelligkeit hnt^cit der Regierung der commer- cieilen Beziehungen und der Flüchtlingsfrage völlig auf­gehört, und es ist keineswegs eine Uebertreibung, daß Frankreich mit keinem andern Staat in friedlicherem Wechselverkehr stehe. An die vorgeblichen antifranzö­sischen Bestrebungen des Königs Leopold in England glaubt man nirgends weniger als in hiesigen amtlichen Kreisen, weil man sehr gut unterrichtet ist und weiß, waS es für ein Bewandtnis; damit hat. Der König der Belgier hat bei seinem Aufenthalt in Windsor einer friedlichen Beilegung der orientalischen. Angelegenheit das Wort gesprochen, ganz offen, ohne Hehl, sowohl in seiner Unterhaltung mit der Königin Bictoria als mit den Ministern. Daß eine neue Dynastie an der Spitze eines kleinen, überdieß durch seine geographische Lage in einem europäischen Krieg am meisten auögesetzteikLandes, dessen Unabhängigkeitsich von gestern herschreibt, vor allem die Aufrechthaltuug des Friedens in Europa wünscht und dafür thätig ist, das kann ihr niemand verargen, am wenigsten Ludwig Napoleon, der Kaiserthum und Frie­den gewissermaßen für gleichbedeutend erklärt hat. Man wundert sich in der That hier, daß nicht Lord Palmer­ston längst die hieraus bezüglichen Gerüchte und das Geschrei der englischen Oppositionspreffe durch ein einziges Wort der Wahrheit uiedergeschlaâ hat. Um aus den Fürsten v. Chimay zurüctzutvmMen muß ich noch hinzusügen, daß derselbe keine eigentliche Sendung hat. Derselbe ist in Frankreich wie in Belgien Grund» besitzer, bringt gewöhnlich in Paris einen Theil der Saison" zu, und der König hat ihm zu keinem an dein Zweck als um ihm eine um so ausgezeichnetere Aufnahme am Hofe der Tuilcrien zu sichern, ein eigen­händiges Schreiben an Napoleon III. mitgegeben, worin von Politik durchaus keine Rede, sondern daß bloß der Ausdruck srcunbnachbarlicher Gesinnungen für Frankreich nnd dessen Staatsoberhaupt ist. Daher auch der Em­pfang des Fürsten im nichtamtlichen Theile des Moniteurs angezeigt wurde.

Deutschland.

Gamberg, 13. Jan. Auch in linferem Nach- barorte Schwickershausen ist dieser Tage die Beschlag­nahme der Pfarr-Cnssen und Obligationen versucht wor­den. Herr Pfarrer Zimmermann weigerte sich auf das entschiedenste, der an ihn gestellten Forderung zu ihrer Herausgabe zu entsprechen, so daß die damit beauf­tragte Commission unverrichteter Sache den Ort verließ. Als sie darauf am 9. wieder erschien, confiScirtc sie un­geachtet des Protestes des Pfarrers und Kirckenvotstan- des sämmtliche beim Kirchenrechner befindlichen Pfarr- papiere. Als der Pfarrer sich hierauf sogar weigerte, dem Kreisamtmann eine in seinen Händen befindliche dem PfarrsondS angehörige Hypotheke zur Einsichtnahme vorzulegen, erklärte derselbe, daß er überhaupt von der Mitnahme der Pfarrobligationen abstrahire.

Oberlahttstein, 14. Jan. Wie in den an­dern neu besetzten Pfarreien ist auch in der Pfarrei Filsen die Beschlagnahme und Wegführung der Pfarr- Câsse und der Obligationen von Seiten des Herzog!. Kreisamtes erfolgt. Dasselbe hören wir von der Pfarrei Laufenselten, woselbst sich jedoch der Herr Pfarrer Weber sammt seinem Kirckenvorstandc auf das entschiedenste weigerte, das Protokoll zu unterzeichnen, indem er auf die deßfallstge Aufforderung deS Kreis- amlmannö erwiederte, daß er rechtmäßiger Pfarrer von Laufenselten sei, und man ihm nicht zuMuthen könne, sich selbst den Strick zuzuziehen, den man ihm um den HalS gelegt habe.

t Caub im Rheingau, 16. Jan. Die Bewohner der hiesigen Stadt wie der Nachbarorte sind durch den vor einigen Tagen stattgehabten Eisgang nur noch mehr der Gefahr auSgcsctzl, da sich daS EiS der gan­zen Rbeinstrecke von Caub aufwärts von der Loreley bis hierher festgestellt und haushoch aufgethürmt hat. Geht, wie zu erwarten steht, dieser EiSthurm nicht lang« sam weiter, so werden die Bewohner hier und abwärts

i durch den hohen Wasserstand (ähnlich dem in 1850) außergewöhnlichen Schaden leiden, welcher um so fühl« 'barer werden wird, da alle Lebensmittel die höchsten Preise erreicht haben. Neben dieser traurigen Schil­derung füge ich noch bei, daß nach vielseitiger Bestätigung der Steuermann I. L. zu Bingen einen äußerst reichen Fund (mehrere Pfund Preuß. 50 Thaler Kassenscheine) gemacht haben soll.

* Aus Nassau, 16. Januar. In verschiedenen Blättern einer gewissen Richtung wird die Verurthei» hing des katholischen Pfarrers Vogt von Obertiefen­bach wegen Majestâisbeleidigung mit dem jetzt be­stehenden Kirckcnconflict in der Art in Verbindung ge­bracht , als hätte dieses Zerwürfniß den Pfarrer Vogt zu der erwähnten Unbesonnenheit die Veranlassung ge­geben. ImMainzer Journal" wird nun diese zu gehässigen Auslegungen Und Schlußfolgerungen stattsam ausgebeutete Annahme als gänzlich ungerechtfertigt be­zeichnet und daran erinnert, daß das Vergehen des Pfarrers Vogt noch aus dem Jahre 1848 berrühre und daß erst in neuerer Zeit die fragliche Untersuchung in Folge der Denunciation einiger Obertiefenbacher Demokraten eingeleitet wurde. Durch die Ent­fernung des Frühmessers Giesen von Rüdesheim nach seiner gesperrten Pfarre Neudorf ist, wie dasFrank­furter Journal" derMittclrb. Ztg." entnimmt, ein Theil des Gottesdienstes in ersterer Gemeinde ausge­fallen. Die Bemerkung derMitlelhr. Z.", daß sich darob nicht viele Gemüther erzürnen, hat sogar das Frkf. I." (!) unpassend gefunden und weggelassen.

Frankfurt, 16. Jan. DieH. N." theilen den Antrag mit, mit welckem der in der 34. Bundestags- 11 Illing vom 22. December v. I. über die Lippesche Verfassungs - Angelegenheit erstattete Auöschußbericht sckli.ßt. Er lautet:Hohe Bundesversammlung wolle beschließen: 1) Daß die Beschwerde der Ausschuß«

Deputaten dcö Aufhebung der die Wsthl der von demselben Landtages und

Fülstenthums Lippe wegen einseitiger Lerordnung vom 16. Ian. 1849 über Landtags-Abgeordneten und derjenigen Tage über die Zusammensetzung des die Ausübung der ständischen Rechte,

so weit letztere die Zusammensetzung des Landtags und den AbstnnmungSmodus betreffen , als unbegründet zu verwerfen, im Üebrigen aber die fürstlich lippe'sche Re­gierung zu veranlassen sei, den nach Maßgabe der Ver« fassung vom 6. Juli 1836 jeinzuberufenden Ständen, zur näheren gesetzlichen Bestimmung des den Landstän­den vereinigten entscheidenden Stimmrechtes in Gcsetz- gebungssachen und der ihnen in Finanz-Angelegenheiten juerkannten Rechte, die erforderlichen Gesetzentwürfe verlegen zu lassen. 2) Den AuSschnßdeputirten des Fürstentbunis Lippe, in Erledigung ihrer Beschwerde­schrift und der dazu nachträglich übergebenen Anträge, hiervon Nachricht zu geben." Dem Bunde soll, nach der Behauptung desN. C.", eine Note der franzö­sischen Regierung zugekommen sein, des Inhalts, daß dieselbe in allen Fällen, die sich an die Wirren im Oriente knüpfen könnten, die Neutralität des Bundes rcspecliren werde. Man behauptet in gut unterrichteten Kreisen, daß die beiden deutschen Großmächte demnächst eine Neutralitätserklärung für den Fall eines Krieges im Orient in größerem Maßstabe abgeben würden (?), der sich alsofort eine Neutralitätserklärung des Bundes anschließen würde.

Freiburg, 14. Jan. DemMainzer Journal" wird geschrieben: In unseren kirchlichen Angelegenhei­ten ist eine bedeutsame Wendung eingetreten. Der Hoch- würdigste Herr Bischof von Mainz, welcher auf den Wunsch des Hochwürdigste» Herrn Erzbischofs von Frei­burg eingetroffen war, begab sich in Folge höherer An­regung als der Mann des besonderen Vertrauens un- ferefc ehrwürdigen Oberhirten am 11. d. Mls. nach Karlsruhe, und ist gestern Abend von dort hierher zu« rückgekehrt. Wer die Persönlichkeit des Hochwürdigsten Bischofs von Mainz kennt, mußte erwarten, daß bei der immer steigenden Spannung aller Verhältnisse im Lande, und bei einem Zustande, der an das Unerträgliche grenzt die Vermittlung eines so weisen und zugleich für die Sache Gottes so begeisterten Prälaten nicht ohne dis glücklichsten Folgen sein werde. Um indessen voreiligen Gerüchten vorzubeugen, beeilen wir uns Ihnen mitzu- theilen, daß Unterhandlungen zwar angeknüpft wurden, allein von einem endlichen, selbst nur von einem vorläu­figen Abschlusse noch weit entfernt sind. Hoffen wir in* dessen, daß bet endliche Friede ohne weitere, zuverlässig Noch viel unseligere Folgen auf der Grundlage abge. schlossen werde, welche hier allein möglich ist: auf bet C ^e nämlich der Gerechtigkeit für die katholisch.