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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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M- ja. Montag hm 16, Januar 1834.

Dit,,Raffamscht Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und betrogt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch fjt 6tH ganzen Umfang deS Ldurn« und LariS'schen Berwattung«bejtrk« mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postverein«, wie für da« Ausland 2 ff. 24 tr. Inserate werden die vierspaltige P«it«eile »der deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Sanggaffe 42, auswärts bei den nâchstgeltgenen Postämter», zu machen.

Zeitungslchau.

Der Eonstitutionalisinus in Sardinien. Zum badische» Kirchenconflict. Die Hofmäntel und der Bonapartismus.

** Die Oest. Corr. vom 11. Januar bringt folgenden beachtenswerthen Artikel: Die Ehrsucht vor dem König- thnme, wie die schuldigen Rücksichten gegen einen un- ferem erhabenen Kaiierhause verwandten Monarchen haben uns zurückgehalten, Bemerkungen über einige Stellen der Rede Raum zu geben, welche Se. Majestät dem Könige von Sardinien bei der Eröffnung der neuen Legislatur von dem piemontesischen Ministerium in den Mui d gelegt wurden. Der sardinische Senat, man ist ihm diese Anerkennung schuldig, hat in seiner Antwortsadresse auf die Rede vom Throne mit mög­lichster Umsicht vermieden, die Hoffnungen der italieni­schen 'Revolutionäre, welche nur allzusehr auf Piemont gerichtet sind, durch Worte und Ausdrücke zu nähren, und dafür der Krone zur Erhaltung der Unabhängig­keit des eigenen Landes, so wie zu den nöthigen inne­ren Verbesserungen seine Mitwirkung in würdiger Form zugesichert. Die neugewählte Deputirtenkammer dage­gen hat in ihrer Antwortsadresse eine Richtung beurkun­det, die in der Antwortsrede ihres Präsidenten Buou- campagni eine weitere Ausführung fand, dessenßsie für keinen Mann bedurfte, welcher die Bedeutung der revo­lutionären Schlagworte kennt, mit denen man die Massen zu bethören sucht. Es ist eine seltsame Sache, um die Ruhmredigkeit der piemontesischen revolutionä­re» Liberalen. Nationen, deren Ruhm und Tapferkeit über allen Zweifel erhaben dastehl^ hören gern die Groß­thaten ihrer Geschichte, die Siege ihrer Könige, ihrer Feldherren und Armeen. Es beruht das auf einem natürlichen, achtungswerthe» Volksgefühle, auf dem na­tionalen Bewußtsein, daß der Ruhm des Vaterlandes «tken Angehörigen desselben zu Gute kommt. Dagegen wird man immer eine empfindliche Seite berühren und unliebsam erscheinen, erwähnt man mit besonderem Ac­cent der unglücklichen Tage ihrer Kriegsgeschichte. Führ« t«n wir Oesterreicher den Piemontesen gegenüber so oft dir Erinnerung an die für das ruhmgekrönte Heer un­sers Kaisers so unvergeßlichen Tage von Novara und Eustozza im Munde, wie würden dieliberalen" Her­ren darüber sich gekränkt und gedemüthigt glauben? Sie selbst aber können nie davon schweigen, geben sich die unglaublichste Mühe diecampi di baltaglia," wo unsere österreichischen Armeen sich unsterbliche Lorbeeren errungen, und wo jene revolutionärein- dependenza italiana," welche die völkerrechtlichen Ter- ritorialhoheiten mit frevler Hand nicderMreißen suchte, um ein unhaltbares Luftgebilde an ihre Stelle zu setzen, so recht gründlich zurecht gewiesen wurde, und alle Er­innerungen an diese Niederlagen ihrer Brstiebungen und ihrer Plane stets wieder im piemontesischen Volke ^zufrischen. Dieser Beharrlichkeit im Zurückrufen nationalen Unglücks würde eine gewisse Verdienstlichkeit Hißt abzujprechen sein, hätte sie die Absicht zur Grund- Ä s?Ot luftigen ähnlichen Fehlern zu bewahren. Soll sie aber, wie namentlich in der Rede des Herrn Buoncampagttie uiiverholen hervortrittdie Hoff» nungSvolle Jugend" Sardiniens in eingcstaudcnen Sym­pathien für die politischen Flüchtlinge, anspornen, um auch ihrerseitsuna sacra memoria" (ein heiliges An­denken) dieser Art gelegenheitlich der Nachwelt zurück­zulassen, so können wir nur eine Regierung beklagen, welche genöthigt ist, sich auf solche Elemente, auf eine solche Kammer zu stützen.

** Der N. P. Z. wird aus Karlsruhe über den katholischen Kirchenstreit geschrieben: Dieser traurige Con- Pict hat auch seinen großen Segen: er prüft die Gei- ster. Müssen wir in der menschlichen Beschränktheit unseres Blickes cs auch lebhaft bedauern, daß der sich offenbarende Gegensatz noch nicht in der Reinheit zu Tage treten konnte, deren wir in Baden so sehr bedür­fen, und finden wir auch auf der Seite der blinden Gegner der kathol. Kirche hier noch manchen uns sonst nahestehenden evangelischen Christen: so erfüllt eS uns doch mit großer Freude, einige Hauptnester deS Libera­lismus und der glaubenslose» Ohnmacht in Folge der neuesten Conflicte von unten auf erregt und bewegt zu sehen. DaS aufgeklärte Heidelberg, daS gewohnt war, an dem glitzerndem Hungertnche ferner literarischen Vor- trefflicbteiten zu nagen, muß sich aus einmal bequemen, die Realität auch anderer Jnterrssen aiizuerkcnnen, und Dieser Ort, welchem durch Gervinusdie welthistorische Mission der Deutschkätboliken" zuerst offenbart wurde, überzeugt sich, daß auch diealten Konfessionen" noch lhre Kraft haben. Der Spießbürger hat sich hier in

den jüngsten Tagen in seiner ganzen Höhe aufgerichtet. Als der Freiherr v. Uria, der bisherige Stadtdirector, vor Kurzem diese Stadt verließ, um an feinen früheren niedrigeren Posten als Regierung-rath nach Mannheim znrückzukehren, wo er seiner Zeit der Revolution in wahrhaft großartiger Weise Stand gehalten hatte, sag­ten die Abgeordneten der Stadt ihm ihren Dank, be­eilten sich aber zu gleicher Zeit» öffentlich zu erklären, da sie damit nur eine Form hätten erfüllen wollen, die ' sie gegen alle anderen abgehenden Staktdirecloren erfüllt hätten; sie billigten aber durchaus diese Versetzung des Herrn v. Uria, der bekanntlich die Regierung ersucht hatte, ihn von der Ausführung der ihm gegen die talho- lischeu Geistlichen anbcfvhlenen Maßregeln zu entbluten; Verlegen sind die Herren von Heidelberg um nichts, aber die Zeiten erlauben ihnen doch wenigstens nicht, die alte tiefe Gleichgültigkeit zu bewahren. Auch in das flache und todte Karlsruhe hat der Brand seine Funken geworfen, freilich sehr vereinzelte Funken; aber man darf doch auf eine Belebung der Geister wieder mehr als sonst hoffen. Denn die geistigen Verhältnisse dieses Landes waren wirklich verkommen wie selten wo anders, und eS ist als ein wahres Wunder zu betrach­ten, daß die katholische Geistlichkeit sich noch so gehor­sam und kräftig erwies. (Es ist dieß ein neuer Be­weis für die unverkennbare Gerechtigkeit der vom Erz­bischof vertretenen Sache.)

** Ma« schreibt der A. A. Z. aus Paris:Die Hofmäntel haben kein Glück gemacht. Die Frauen Der officiellen Welt, die in dieser Hinsicht ihre Erziehung erst zu vervollständigen haben, wenden sich nicht bloß an die Tauzineister, sondern an Die Schauspielerinnen. Fräulein Brohan vom Theatre francais gibt Lectionen in der Kunst Hofmäntel zu tragen zu 60 FrcS. Die Damen kommen zu ihr, und da sie ihren Hofstaat aus ' Furcht ihn zu beschädigen nicht mitbringen, so bedienen sie sich manchmal eines Tischtuè um den Faltenwurf 1 des Hofschlepps darzustellen' ,_M_ natürlich im Theatre francais viel zu lachen, aberallmählich wird man sich an Die neue Mode schon gewöhnen. So muß auch der schwarze Frack, der seit zwanzig Jahren all» gemeine, officielle und uichtofficieUe Tracht war, der gestickten Civiluniform mehr und mehr Platz machen. Ueberhaupt Pracht, Luxus, Aufwand, ja Verschwendung ist jetzt Die Losung. Man versichert die Kaiserin habe nicht weniger als für 200,000 Fr. Neujahrsgeschenke nach einem von ihr selbst verfertigten Verzeichniß aus­gelheilt, und die Slandeserhöhungen, ,die zu Neujahr erwartet wurden, sind höchst wahrscheinlich nur verlagl. Der altnapoleonische Adel war ein Geschöpf Der Schlacht- selber, der Neunapoleonische wird sich, ob er gleich nur Hofverdienste aufzuweijen hat, nicht weniger glänzend ausnehmen- Denkt man sich Die Hrn. v. Morny, v. Persigny gefürstet, St. Arnaud, Baroche, Trvplong, Den Finanzmann d'Audiffret als Herzoge, eine Menge Senatoren als Grafen, glaubt man gern, daß jeder Plâfect zum mindesten baronisirl sein müsse, so wird man vielleicht bloß neugierig fragen: welches Wappen wohl dem Staatsminister uiiD Banquier A. Foulb be- schieden sein möge. Wenn indeß auch die Familiären in Rang und Ansehen noch so sehr steigen, so nimmt doch der Hofstyl in Der Verherrlichung des von 8 Mil­lionen erfornen Selbstherrschers noch einen ungleich hö­her» Schwung. Hr. Vidal, Bureauchef im Ministerium des Innern und Herausgeber Der Bulletin de Paris, hat Die Bestellung erhalten ein biographisches Bild des Kaisers zu entwerfen, das allen Präfeeluren zugeschickl werden soll. Dieses Bild ist eine förmliche Äpolheose. L. Bonaparte ist Dargeftcllt als ein Karl der Große bei Europa in seiner Hand hält. Die geringste seiner Bewegungen, heißt eS, erregt ober beruhigt Den Welt- lheil, den seine Mäßigung in Staunen setzt, seine Festig­keit stützt und seine Klugheit mit Vertrauen erfüllt. Der Biograph, uneingedenk daß L. Napoleon feine re­volutionäre Vergangenheit selbst verläugnet hat, behauptet die Attentate von Straßburg und Boulogne seien Hand­lungen weiser Berechnung, der Würde und des Muths gegen eine antinationale R-gierung gewesen. Das Por­trait der Person deS Kaisers ist nicht weniger merk­würdig. Seine Stirn hat eine herrliche Erhabenheit, Breite und Größe.. Seine Nase ist stark vorspringend, wie bei allen Wimmern von energischem und entschlos­senem Charakter. Sein Mund, mit Schnurr- und Zwick- bart, ist fein. Seine Beine sind wie bei Den großen Geschlechtern gemacht für das Pferd- Le Prince est un type. Leute, welche den Kaiser oft gesehen haben, wollen die Portraitähnlichkeit einigermaßen bezweifeln, und eS kommt ihnen diese Zeichnung fast so wahr vor

I als wenn eine ministerielle Korrespondenz Se. Maj. nicht besser populär zu machen weiß als daß sie sagt: der Kaiser besuche fast täglich die Werkstätten und trage, wie die Arbeiter, Holzschuhe."

Deutschland.

Von der Lahn, 7. Jaiiuar. Die Allg. Ztg. vom 4. d. bringt eine derKasseler" entnommene Eor- respondenz, in welcher von Den zur Hebung unserer Bodenschätze flüssig gewordenen Capitalien fremdländi­scher Bergwerkâgesellschaften die Rede ist, und schließ­lich bemerkt wird, daß die hierdurch belebte berg- und hüttenmännische Thätigkeit unendlich größer sein würde, wenn wir eine Eisenbahn hätteu. Die Richtigkeit die­ser Bemerkung ist wohl nie tiefer empfunden worden als jetzt, Dénn während in den letztverflossenen Jahren ein ziemlich normaler Wasserstand die Schifffahrt selbst in den Wintermonaten begünstigte, erlebten wir dieß­mal das gerade Gegentheil; ällciwärts traten Untiefen und Saudbarren zu Tag, und zwar in einem Maß, daß uns der einzige Ausweg unserer Erzeugniffe, die Thalöffnung nach dem Rhein, wie mit einem Spund verschlossen war. Indeß scheint es als ob das kürzlich erwähnte Project einer Eisenbahn von Ems nach Nie­derlahnstein das erste Glied einer von Wetzlar oder Gießen zum Rhein führenden Lahnthalbahn der baldigen Verwirklichung entgegen gehe; es verlautet nämlich, daß das Herzogl. Staatsministerium mit näch­stem die Landstände einberüfen, und denselben in Be­zug auf auf jene Bahnstrecke eine Vorlage machen werde. Erwägt man nun, daß die nassauischerseits so sehr ge­wünschte Bahn von Wiesbaden über Limburg und Hachenburg nach Köln durch andere Projecte beseitigt ist, und daß die Wiesbaden^Niederlahnsteiner Bahn, ungeachtet, die betreffende Gesellschaft noch in den letz­ten Tagen thatsächlich bekundet hat, daß sie mit dem Bau vorangehen will, durch das vom Sliederrhein aus mit steigender Dringlichkeit verfolgte Bonn-Bingener Project mindestens als bedroht anzusehen ist, (?) TiTbürfte es der Regierung UM so mehr nahe gelegt sein, die innern Regionen des Landes durch eine Metallstraße aufzuschließen, die nach localen und allgemeinen Rück­sichten zwischen Taunus und Westerwald, in dem durch Fruchtbarkeit, Erzreichthum und Heilquellen ausgezeich­neten, das Herzogthum in eine nördliche und in eine südliche Hälfte scheidenden Rinnsal der Lahn zu bauen ist. Weiter ist durch die gewichtigsten Autoritäten an­erkannt, daß in Bezug auf die Wehrhaftigkeit Deutsch­lands ein Schienenweg, welcher von der Main-Weser­bahn in kürzester Linie nach dem Waffenplatz von Cob- lenz und Ehrenbreitstein führt, in hohem Grade wün- schcuswerth, ja nothwendig erscheint. Wo aber so viele und gewichtige Motive nach einem Ziel hindrängèn, da ist wohl nicht zu fürchten, daß dasselbe unerreicht btci- bleiben werde-

Dic herrschende Theuerung der Leben-mittel hat auch in unserer Nähe ein in seinem praktischen Erfolg höchst gedeihliches Beispiel von Fürsorge für die arbeitende Classe Hervorgernfen, dessen Mittheilung vielleicht zur Nachfolge anregt. Die Gewerkschaft der Obernhofer Gruben und Hütten bei Nassau, unter der umsichtigen Leitung des gcwerkschaftlicheii Bevollmächtigten Obcrt, hat nämlich nicht nur für ihre zahlreichen Arbeiter eine große Bäckerei eingerichtet, welche das Brod stetS um einen Kreuzer das Pfund billiger als Die Localtaxe lie» fert, sondern sie hat auch eine Speiseanstalt organisirt, an welcher jetzt' ungefähr 300 Mann theilnehmen. Für 15 fr. den Tage empfängt jeder 1 % Pfund reines Röggenbrov, Morgens 1 Quart Milchkaffee, Mittag- einen Teller fetter Reis- oder Gemüsesuppe, ein Stück Rindfleisch, einen Teller Gemüse und Abends nochmals einen Teller Gemüse. Verheirathete Arbeiter, die ihren Haushalt fortführeu, können ihren Bedarf ans den im Großen angetansten Vörräthcn der Speiseanstalt zum Einkaufspreis entnehmen. Verluste trägt die Gewerk­schaft, und etwaige Ueberschüsse sollen in eine in der Bildung begriffene Arbeiter-Pensions- und Uirterstütz- ungscasse gelegt werden. Es ist dies ein System, wel­ches Obert schon im Winter 1847/48 auf den^ Arn- sauer Gruben bei Neuwied etnzuführen im Begriff war, als die damaligen politischen Ereigniffe dazwischen traten.

Das zu Ems auf dem linken Labnufer neben der sogenanntenneuen Quelle" in neuitalienischem SM erbaute , von schönen Gartenanlagcu umgebene Bade­haus ist so gut wie vollendet, und wird mit seinen 44 Badccabinete» zu Anfang der nächsten Saison dem Pub­licum geöffnet werden. Eine auf drei Pfeilern aus nas­sauischem Marmor ruhende bedeckte Gitterbrücke verbin-