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Nassauische Allgemeine Zeitung.

JP: ZO, D-»mchaii örn 12. Januar im

SieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint^ Sonntag« angenommen, täglich und beträgt der PränumerationspreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr au fir den ganzen Umfang des Tburn. und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fi., für die übrigen Sünder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die vierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämter», zu machen.

Deutschland und der Krieg im Orient.

* Die gestern erwähnte officielle Erklärung der Oesterreichischen Korrespondenz" , daß für Oesterreich aus der orientalischen Frage sich durchaus k e ht e Kriegsverwickelung ergeben könne, lautet wört lich wie folgt:Die Nachricht von dem bevorstehenden Einlaufen der französisch-englischen Flotte in daS schwarze Meer beunruhigt die Gemüther, und seit das amtliche Blatt der Kis. französischen Regierung sie verkündigte, ist die Besorgniß um die Fortdauer des europäischen Friedens in gewissen Kreisen allgemein geworden. Die bloße Möglichkeit eines Conflictes zwischen einigen Großmächten erfaßt die Phantasie eines Geschlechtes, welches, ausgewachsen unter den Segnungen des Frie­dens in der Erhaltung desselben mit Recht eine große Bürgschaft für Recht und Ordnung, für Sitte und Volköwohlfahrt erkennt. Erblickt der ruhiger Forschende auch jene Phantastegebilde nicht, mindestens so drohend nicht, wie sie den aufgeschrccktcn Interessen sich darstel­len, so wird er deßhalb noch nicht verkennen, daß diese Zeichen allgemeiner Besorgniß für theuere Güter der Menschheit zugleich eine Aufforderung zu verstärkten An­strengungen zur Erhaltung des Friedens wie eine be­redte Hindeutung auf die Solidarität der Volkswirth- schaftlichen und moralischen Interessen aller Länder un­seres Welttheils in sich schließen. Wir sind weit ent­fernt, die Bedeutsamkeit des von dem Moniteur ver­kündigten Schrittes der Regierungen von England und Frankreich gering anzuschlagen, oder in Abrede zu zie­hen, daß er zu schweren Consequenzen führen kann, daß er namentlich das Werk der Fricdensvermittlnng för­dern, zu welchem Oesterreich und Preußen gemeinsam mit Frankreich und England am 5. deS vor. Monats eine glückverheißende Grundlage eröffneten, vermögen wir, zu unserm lebhaften Bedauern, nicht zu glauben. Wie zur Stunde noch keine Veraulasfung vorliegt, ir­gend welche Zweifel in das Wort Sr. Maj. des Kai­sers Nikolaus LU se^ew, keine Eroberung machen, und M-Jntegrität und Souvcrämtäl der H. Pforte unan­getastet zu lassen, so steht, unseres Erachtens, auch die offene Erklärung der kais. französischen und der königl. großbritannischen Regierung, die Absendung der Flotten nur zur Beschleunigung des Friedens, zur Begrenzung des Krieges zwischen Rußland und der Türkei innerhalb möglichst engen Raumes befohlen zu haben, über allen Zweifel erhaben. Geht diese Maßregel allerdings aus einer, von dem Gesichtspunkte d.-r deutschen Großmächte verschiedenen Anschauung aus, so werden die guten Be­mühungen des k. k. Cabinets doch zu keiner Zeit feh­len, sei es um gefährdete Einverständnisse zwischen den uns befreundeten Mächten wieder herzusteUeu, sei es um den Frieden zwischen Rußland und der Psorte auf eine für beide Theile ehrenvolle, das gesummte Europa zufriedenstellende Weise zu vermitteln. Wie aber auch diese Verhältnisse sich gestalten mögen, so siebt zur Zeit mindestens die Thatsache fest, daß für Oesterreich kein genügender Grund vorliegt, an einem kriegerischen Vor- schreilcn gch zu hecheiligen. Die Integrität der Türkei und ihres i mittelbaren oder unmittelbaren Tcrritorialbe-

1)011 ân Seiten, wie auch die Wechselfalle des Krieges sich gestalten mögen; die sreundschafllichen Verbindungen des Kaiserreiches mit allen Großmächten sind ungetrübt und wie das kais-rl. Cabmet sich d,e Erhaltung derselben angelegen sein laßt, so ist auch keine von allen übrigen Mächten, welche die Freundschaft Oesterreichs z erhalten nicht innere und äußere Gründe von enitzbâner Bedeutung hätte, keine, welche irgend Veranlassung gäbe, ihre auf­richtigen Gesinnungen gegen dieses Kaiserreich zu'be­zweifeln. Es ist somit, so weit menschliche Voraussicht reicht, aus den gegenwärtigen, allerdings kritischen Con- juncturcn nicht abzusehen, daß Oesterreich in einen Krieg verwickelt werden sollte, vielmehr aller Grund an- zunehmen, daß unser Vaterland den Frieden bewahren wird, dessen Erhaltung alle Patrioten wünschen, obwohl ste wissen, daß durch die weise Fürsorge unseres erha­benen Kaisers und Herrn, daS Kaiserreich schon jetzt unv ohne weitere Opfer und Anstrengungen vollkom­men ist rem Stande sei, seine Ehre, seine Machtstel- ung und seine Interessen nach allen Seiten hin zu vertreten."

<> ®n 01,8 W i e n an der Spitze der heutigen 4>-;S- beweiset, daß bei der jetzigen Konstellation r orientalqche» Frage sür Deutschland wenigstens, Haltung der beiden deut- bande^r^"^^^ zur Besorgniß nicht vor.

,a Gs ist möglich, heißt es dort, daß der nach

dem Circularschreiben des französischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten vom 30. v. M. den Ad­miralen der im Bosporus liegenden Flotten ertheilte Befehl zum Einlaufen ins schwarze Meer und zu dessen maritimer Besetzung (wie Graf Nessellrode das Vorha­ben schon bezeichnete) eine Kriegserklärung Rußlands gegen Frankreich und England zur Folge hat. Was Alles sich dann begeben kann, gehört nicht in die Com­bination, weil es außrr dem Kreise menschlicher Berech­nung liegt. Die Stellung Deutschlands läßt sich aber wohl vorhersehen, und darüber zu reden ist man berech­tigt. Die Stellung Deutschlands kann vernünfngcr- weise wohl nur unverändert eine neutrale sein. Un­ter den deutschen Staaten ist Österreich zunächst und allein unmittelbar in der russisch-Dkischen Frage interessirt. Oesterreich kann und wird, wie wir glau­ben, nicht zugehèn, daß die Integrität des Pfortenge­biets in Europa verletzt werde. Es hat dem Worte des Kaisers von Rußland vertraut, daß die Donaufür- stenthümer geräumt werden würden, sobald den billigen Begehren genug gethan sei. Eine Einverleibung der Fürstcnthümer in Rußland wsirde Oesterreich die äußersten Entschlüsse aufgenöthigt haben. ES kann sich nicht von Rußland, von Krakau an bis Sem- Hn umMten lassen. Eine andere Stellung, als wäh­rend des letzten Sommers, hat Oesterreich auch heute nickt. Seine eifrige Vermittelung hatte insofern die Förderung seines eigenen Machtintcresses zum Zwecke, als der ungeschmälerte Territonalbestand der Türkei von seiner eigenen Politik kategorisch verlangt wird. Zur Vertretung seiner Ansichten in St. Petersburg hat Oesterreich Gründe aufgeboten , und sein Vertrauen in die Weisheit und in die Mäßigung des Czaren ge­zeigt: es ist in der Wahl dieser Mittel nicht über­holt worden durch die kurzsichtige Tagesmeinung, noch durch eine rabbiatc Presse. Die Sache, welche es ver­trat, und die Gesellschaft, in der cs üch befand, hat in Petersburg wahrscheinlich. mcht-grfMw; die Zügelung in Mitteln und Wegen, die seine Gemeinschaft den See­mächten auflegte, hat die englische Presse erbitert, die vor keiner Verunglimpfung und Verdächtigung erröthct, wenn ein unabhängiger Staat cs wagt, nach eigenen Eingebungen zu handeln und nur sein Interesse zu be­fragen, was jedes englische Cabinet immer thut, so­gar sehr ost ohne die entgegenstehcndcu Ansprüche der Gerechtigkeit und Billigkeit mitzüwiegen. So wenig aber die Rücksicht auf Beifall oder Mißfallen Oesterreich seine Stellung bis zu diesem Tage angewiesen hat, so wenig wird es sich zum Verlassen derselben durch das Vorge­hen der Seemächte im schwarzen Meere oder durch eine etwaige Kriegserklärung Rußlands in Folge des letzteren bestimmen lassen. ES kann beklagen, daß um so nich­tiger Veranlassung willen, wie die ursprünglichen in der orientalischen Frage, das Schicksal von Ländern und Völkern auf das Spiel gestellt werde: cs kann aber da­raus nur die Lehre ziehen, daß eS um so sparsamer mit dem Vermögen und mit dèn Lehreu der ihm an­vertrauten oder verwandten Völker umzugehen habe. Keine andere Auffassung können wir bei ,P reu« ß e ii vorauSsctzen. Preußen hat sich allerdings freien Entschluß vorbehalten, wie jeder selbstständige Staat cs thun kann und thun wird und wie es ohnehin dem Begriffe der Neutralität cuispricht, der nichts an­ders ist, als die Erklärung, sich weder auf die eine Seite zu neigen, noch auf die andere, so lange die Le- dingliugen dieses Entschlusses bestehen. Aber wir irren nicht, wenn wir annchqicn, daß eS, jo wellig als Oester- reich, ohne Ursache die neutrale Stellung Deutschlands gefährden lasse, die für jetzt den Frieden mitten unter Stürmen und in weiterer Eniwickelung die Möglichkeit gewährt, das letzte Wort zur Wiederherstellung der Ordnung in Europa zu sprechen. Darum kann Deutsch­land wohl beruhigt sein, daß es nickt in den Strubel hiueingezogeu werben wird. Die Störungen, welche der Handel erfährt, so bald irgendwo das Schwert herrscht statt des Gesetzes, mögen nicht ganz zu ver­meiden. und nicht ganz zu verschmerzen sein, aber un­mittelbar werden die Quellen unseres Wohlstandes nicht bedroht werden. Es ist darum auch nicht zu begreifen, « alb das Vertrauen im Verkehre so erschüttert wer- ben konnte, als wenn das Signal zum Lichten der Au- ker int Bosporus für Deutschland das Signal zum Kampfe gäbe. So lauge die Cabiuete von Wien und Berlin in ihrem Eutjchlnsse der Neutrgjität ver­harren und fürwahr eS ist kein Grund zum Con- vertiren abzusehen, so lange sann Deutschland gewiß sc in, daß der Krieg seine Grenzen verschonen werde.

Deutschland.

((Aus der Vèaingegrud, 11.Jan. In jung« stcr Zeit sind mehrere Artikel über die Fortführung der Steckbücher in diesen Blättern erschienen. Manche sind dafür, die Fortführung beider Exemplare ganz den Land» oberschulthcißereicn zu überlassen und Einsender dieses kann sich nur mit dieser Ansicht einverstanden erklären. Wenn man auch recht vielen Bürgermeistern und na­mentlich den Lehrern Fähigkeit genug zur Fortführung der Tuplicate zutrauen kann, so ist eben wohl hier weit mehr zu beobachten, als die in der Verordnung vorge- sckricbene Form, ganz abgesehen davon, daß bei der Fortführung durch die Lehrer die Schule leidet, und daß jetzt schon Eltern genug nicht sehr zufrieden damit sind und sein können, daß ihre Kinder 8 bis 14 Tage ohne Beschäftigung zu Hause herumgehen, während der Lehrer auf dem Rathbause mit dem Ab- und Zuschrei- ben beschäftigt ist. Originale und Duplicate der Stock­bücher sind öffentliche Urkunden und müssen daher, wenn sie solches für die Dauer bleiben sollen, von Wort zu Wort übereinstimmen; es können indessen Fälle Vorkom­men , wo kiese Uebereinstimmung aber nicht sehr an­schaulich ist, wenn nicht ein - und dieselbe Behörde Vie Fortführung beider Exemplare besorgt. Es werden;. B. von 30 bis 40 Grundstücken kleine Parcellen zu einem Wege, einem Todtenhofe u. s. w. genommen und hier ist nicht allein ein richtiges Ab- und Zuschreiben, son­dern auch eine Vertheilung von Grundzinsen, Zehnten und Steuern nöthig, und es kommt hierbei, wenn Ue­bereinstimmung statt finden soll, auf den Heller an. Weiter wird ein Grundstück vermessen und eS stellt sich ein Mehr oder Weniger in dem Ruthengehalte heraus, wodurch eine Vermehrung oder Verminderung der Steuer nöthig wird, und auch in diesem Falle können sehr leicht Abweichungen stattfinden. Wie leucht ist cs ferner nicht möglich, daß die Items nicht in der gleichen Reihen­folge bleiben, wenn nicht eine Behörde die Arbeit ganz besorgt, und so könnte man noch verschiedene Fälle aus­finden, welche die Fortführung, wie solche projectirt ist, nicht wünschcnswcrtb machen. Soweit über die Fort­führung der Stockbücher und nun noch einige Worte über die Löschung der Eigenthumsvorbehalte. Wann die Löschung derselben und auf welche Weise solche er­folgen soll, wenn ein gekauftes Grundstück ausbezahlt' ist, ergibt die Verordnung hierwegen; wenn indessen Jemand Haus und Güter verkauft, die Kaufbriefe nach empfangenem Kaufpreise quittirt und nach America über­zieht, ohne daß eine Beglaubigung der Quittungen Statt gefunden hat, so kann eine Löschung der Eigenthums- vorbehalte nicht mehr erfolgen und die betreffenden Grundstücke würden in diesem Falle allzeit mit den EigeuthumSvorbehaltcn belastet bleiben und die neuen Eigenthümer könnten nie frei über dieselben verfügen. Hier wäre demnach eine große Lücke, welche nur da­durch (ungesüßt werden könnte, daß wegen der Löschung der EigcnthnmSvorbchafte die Verordnuug erweitert, und nebenbei besondere Tagebücher über diese Löschungen geführt würden. Ucberhaupt wird noch Manches- ge­schehen müssen, ehe die Stockbüchec ganz ihrem Zwecke entsprechen; wir sind zwar dem Ziele näher gerückt, haben solches jedoch noch lange nicht erreicht.

Mtiirrz. 10. Jan. Ein hier vorgckommencr Selbst- moib bildet das Tagesgespräch. In einiger Entfernung von der Stadt fand man heute, vom Schnee begraben, die Leiche eine8 noch jungen Mannes, welcher sich mit­telst einer neben ihm liegenden Pistole den Tod gege­ben batte. Nack den bei ihm gefunden^ Spieren zu schließen, scheint derselbe ein Handlungsreisender zu sein, welcher erst vor wenigen Tagen hier angenommen war. Ueber die Motive'dieses Selbstmordes konnte bis jetzt nichts ermittelt werden, es scheint aber außer Zwweisel zu sein, daß Mangel und Noth die Ursache abgegeben'haben. Die ganze Baarschast, welche der Todte bei sich trug, bestand in zwei Kupferkrcuzern. Herr Bischof v. Zettelet zu Mainz ist nach Freiburg abgereiü.

* Aus Baden, 7. Januar. Nach derA. A hatte der Besuch des Oberst Schuler bei dem Erzbischof zum Zweck, die Glückwünsche, welche der Herr Erz­bischof in einem eigenhändigen Schreiben Sr. könig­lichen Hoheit dem Regenten und der großherzogsicheu Familie zum neuen Jahre dargebracht hatte, zu erwie­dern. Der Besuch desselben, über den sieb, der Erz­bischof sehr besricdigt aussprach, dauerte länger als eine Stunde. Ueber denjelben Gegengand wird dem D. Bolöbl." aus Karlsruhe vom 7. Januar geschrie­ben : Der Erzbischof hatte, wie er dies jedes Jahr zu thun gewohnt 'ist, Sr. k. Hoh. dem Prinzregenten in'