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deraufnahme der Unterhandlungen über den Handels­vertrag betreffe, und daß der Fürst v. Chimay von Seiten der belgischen Regierung mit der Mission betraut sei, für die Beseitigung der auf dem commcrciellen Ge­biete und anderweitig obwaltenden Schwierigkeiten zu wirken. Der mißlungene Versuch, den Handelsvertrag mit dem Zollverein zu erneuern, scheint diesen Schritt zu einem Gebot der Nothwendigkeit gemacht zu haben.) DerConstitutione!" bringt heute einen Artikel über das Circular des Hrn. Drouyn de Lhuys. DaS mini­sterielle Blatt spendet dieser Arbeit des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, sowie der französischen Regierung überhaupt für ihre Haltung, welche zugleich umsichtig und kühn sei, die größten Lobsprüche, und kündet am Schluß das ernsteste Auftreten gegen Ruß­land an, wenn dieses seine Verblendung nicht fahren lasse. Die Speculation war vor Beginn der Börse sehr zum Steigen geneigt, und erkaltete erst, nachdem die englischen Cousols mit einem Fall von %% notirt waren. 3% 71, 4%% 99. 50, 3% Span. 38, Span. 20% / Nordb. 811'/., Straßb. 767%. Per Telegrapb. London, 9. Jan. Consol 92% â92%. Madrid, ' 5. Jan. 3% 41%, 1% 21%. Man spricht hier in wohlunterrichteten Kreisen von dem nahe bevorstehenden Abschluß eines Handelsvertrags zwischen Frankreich und dem Zollverein, wodurch gegenseitig be- deutende Zugeständnisse einer Zollverminderung auf die rohen und Jndustrieproducte erzielt würden.

Ueber die kriegerischen Operationen im Süden von Algerien sind neuere sehr günstige Berichte eingegangen. Der Kalifa-Si-Hanga, der Uled-Sidi>Chikh hat über den Häuptling von Rouissat einen glänzenden Sieg da­von getragen, in dessen Folge er Ouargla cinnahm, welches gegenwärtig von einer kleinen Abtheilung fran­zösischer Truppen besetzt ist. Alle benachbarten feind­lichen Stämme haben sich nun der französischen Herr­schaft unterworfen. Der vorjährige Feldzug in Algerien kann mit dieser Waffenthat als geschlossen betrachtet werden. Der Proceß, der sich selbst unter dem Namenwahre Rächer der Demokratie" bezeichnenden geheimen Gesell­schaft ist in Dijon zur Entscheidung gekommen. Drei der Angeklagten, der 20jährige Vernier, der 17jährige Benoist und der 18jährige Nenucci sind jeder zu 3jähri- ger Gefängnißstrafe, 200 Fr. Geldbuße und 5jähriger Einstellung im Staatsbürgerrecht verurtheilt worden. Ueber drei andere wurde 1jährige Einsperrung re. und über die letzten vier Angeklagten ömonalliche Haft rc. verhängt. Ucbermorgen kommt hier der Proceß des Complotts der komischen Oper und des Hippodroms zur Aburtheiluug. Von den 44 Angeklagten sind mehrere ---abwesend.

Der Neuen Preußischen Zeitung" meldet man aus Paris vom 5. Januar: Für heute nur We­niges aber ganz Zuverlässiges über den Stand der orientalischen Frage: Aus Petersburg sind noch keine Nachrichten eiugetroffeu; man zweifelt überall immer mehr daran, daß der Kaiser von Rußland sich auf Uu- terhaudlunge» Einlässen werde; selbst Louis Napoleon hat fast alle Hoffnung, den Frieden erhalten zu können, aufgegeben; Oesterreich und Preußen sind nicht aus der Wiener Convention ausgetreten, (mau hat mehrfach be­hauptet, dies wäre geschehen wegen des Befehls an die Flotten, in's schwarze Meer einzulaufen) es wird auch nicht eher etwas in ihrer Stellung verändert werden, bis der erste Kanonenschuß gefallen ist. Die Hauptsache ist, was werde» daun Oesterreich und Preußen thun? Frankreich und England werden ohne Zweifel Oesterreich zwingen wollen, sich zu erklären, Oesterreich ist gefaßt darauf und entschlossen, alsdann mit seinem Ultimatum auszutreten; es wird, wie man glaubt, von Preußen gestützt, zu Rußland und den Seemächten sprechen:So will ich, und wer dasselbe will, auf dessen Seite trete ich,".

Morgen Abend (am 4. Januar), schreibt man der A. J. Z. , ist großer Ball in den Tuilerieu. DaS Losungswort bei Hofe ist: was liegt am Kriege in der Türkei? Der Pariser läßt sich darüber keine grauen Haare wachsen. Frankreich ist stark genug um die Ka- nonen abzubrenuen, ohne daß der öffentliche Wohlstand erschüttert wird! Daher gilt noch, was man am alten westfälischen Hofe gesagt hat: morgen wieder lustig! In dieser Weise hat sich Persigny vorgestern gegen das Syndicat der Wechselagenten geäußert, indem er'bemerk­lich machte, die Börse habe unrecht sich zu fürchten, sie solle der Regierung vertrauen u. s. f. Die Wechsel- agenlen schienen von dieser Mahnung betroffen und Tags darauf fiel die Rente um 1% Fr. Heute ist dem Sin­ken durch kräftige Anstrengungen Einhalt gethan, 5ber man ist nicht beruhigter. Es bedürfte entscheidender Ereignisse, um den öffentlichen Geist zuversichtlich zu machen. DiePatrie,, hat gut sagen: Frankreich hat Gruben an seinen Kaiser und billigt alle seine Ent­schließungen. Ich erkenne an, daß Frankreich nichts auffallend mißbilligen wird, hat dazu gute Gründe, ich bezweifle aber, daß sein erzwungenes Stillschweigen besage, es sei zufrieden. Nie ist die Geschäftsstockung größer gewesen. Die Krämer haben ein abscheuliches Neujahr gehabt. Sie haben nicht halb so viel verkauft als das vorigemal. Von Armen wimmelt's und wenn man auch noch so ost sagt, man müsse Aufwand machen, mnzen, damit die Unglücklichen zu essen bekommen, so

hat doch die Bourgeoisie kein Herz zum Tanze. Aus dem Lande sind die Zustände kläglich. Ich kenne einen großen Grundeigenthümer in Berry, der hat Ateliers de Charitö errichtet, die haben einen Zulauf von 40 Kilometer in der Runde. Die zuletzt Gekommenen er­bieten sich, für ein Pfund Brod den ganzen Tag zu arbeiten. Der Neujahrsempfang in den Tuilerieu hatte ein düsteres Gepräge. Der Kaiser hat nicht ein Wort von Bedeutung gesprochen. Cest bien! war die ein­zige Antwort auf alle Ansprache». Bloß zu dem Nun­tius hat er drei oder vier Worte gesagt, deren Sinn ungefähr war: Laßt uns hoffen! Jedermann fühlte sich unbehaglich, daher der Zug der Aufwartenden sich schnell vorüberbewegte. Briefe aus Madrid ver­sichern, daß Herr v. Turgot verloren sei. Es scheint, die Kugel konnte nicht herausgezogen werden und nun soll der mit Gicht behaftete Fuß vom Brande ergrif­fen sein.

Der berühmte Chirurg Dr. Guyot ist durch den Telegraphen zum französischen Gesandten in Madrid, Hru. v. Turgot, berufen worden, dessen Zustand wohl schlimmer ist, als die osficicllen Korrespondenzen glau­ben lassen wollen.

Belgien

Brüssel, 7. Jan. Wir befinden uns in einer Ministerkrisis. Es handelt sich nämlich von der De­mission unseres ganzen Ministeriums. Der Grund . war folgender: Der Posten eines bevollmächtigten Ge­sandten in Paris konnte bis jetzt, ungeachtet, seit dem 2., verschiedene Candidaten alle Triebfederu der In­triguen in Bewegung setzten, dem Hrn. Firmin Rogier nicht entrissen werden. Kürzlich that der Prinz von Chimay abermals Schritte in diesem Sinne beim Kö­nige , welcher ihm, in Folge dessen, ein eigenh ndiges Schreiben an den Kaiser der Franzosen übergab. So­bald Heinrich de Brouckere, der Präsident des Mini­steriums, die Sendung vernahm, welche man dem Prin­ze» von Chimay anvertraut, begab er sich augenblicklich zum Könige und zeigte ihm den förmlichen Entschluß des Cabinets an, sich zurückzuziehen, wenn man von ihm die definitive Ernennung des Prinzen von Chimay verlangen würde. In Gegenwart dieser Entscheidung, welche die politischen Angelegenheiten unseres Landes augenblicklich sehr verwirren würde, soll der König das osficielle Schreiben des Prinzen in ein osficiöses umge­wandelt haben. Während dessen ist der Prinz von Chimay nach Paris abgereist, von wo aus er seine De­mission als Bürgermeister von Chimay und als Mit­glied der Repräsentanten-Kammer eingeschickt hat.

Aus einer Brüsseler Korrespondenz derVolkshalle" entnehmen wir die folgende Stelle , welch« auf Stör- ungen im Brüsseler Cabinet hinweist:Wir stehen, es ist zu fürchten, am Vorabende wichtiger Ereignisse. Bei dem feierlichen Empfange am Neujahrslage schienen der Blick und die Haltung des Königs ernster und sorgen­voller, wie jemals. Man erfuhr gestern (am 2. d. M.) daß in einem Minister-Conseil Se. Majestät einen un­erwarteten Widerspruch, und zwar in schneidender Form, mit Bezug auf die Stellung zu Frankreich, gesunden habe, und daß das Ministerium im Begriff gewesen, seine Entlassung anzubiete». Man erwartet dessen Schritt auch noch heute. Wie verlautet werden den Kammern gleich nach ihrem Zusammentritte die nöthigen Eröff- nungen gemacht werde». Fürst Chimay wird Herrn Firmin Rogier in Paris ersetzen (?).

öroßbrthnintnt

London, 5. Januar. Die Times bringt eine be­ruhigende Auslegung der scandinavischen Neutralität. Nach ihrer Angabe lassen Schweden und Dänemark ihre Häfen sowohl den Handels- wie den Kriegsschiffen aller Nationen offen. Ausgenommen würden bloß Ka- perschiffe und geschlossen unter allen Bedingungen würde der Hafen von Christiansöe bleiben. Die Times wider­spricht ferner der Behauptung, daß Rußland einendi- recten Versuch" gemacht habe, die scaudiuavischcn Staa­ten zu einer so feindseligen Maßregel wie die Hafen­sperre gegen England und Frankreich zu bewegen.

Der Herald veröffentlicht ein merkwürdiges Schrei­ben von einem M. P. (Parlamentsmitglied) zeichnen­den Correspondenten über dieunconstitulionellen Ein- Mischungen" des Prinzen Alben in die Leitung innerer wie auswärtiger Angelegenheiten.Erstens, sagt der Korrespondent, ist es buchstäblich wahr, was früher ge­rügt wurde, daß Se. k. H. stets zugegen ist, wenn die Königin ihre Minister empfängt. Der Prinz bleibt kein schweigender Zuhörer, sondern spielt bei den Berathun­gen eine thätige , oft die Hauptrolle. Dieser Usus ist nicht neuern Ursprungs, fonbern wurde zuerst von Sir R. Peel zugelassen und ausgemuntert. Lord Melbourne gestattete dieß nie und zog sich dadurch das dauernde, obgleich ohnmächtige Mißfallen des Prinzen zu. 2) Der Prinz correspöndirt mit den britischen Gesandten im Auslande hinter dem Rücken des jeweiligen Staatöjecretärs des Ausimärtigen. Mehrere Diplomaten erhielten solche Privat-Instructionen, denen die mini sterielle Gegenzeichnung sehlte; ein Diplomat weigerte sich, denselben zu gehorchen, indem er sie für verfas­sungswidrig erklärte. Wo Hof und Ministerium ver­schiedener Ansicht sind, wie im Falle Lord Palmerston's, ! liegt die Bedeutung dieses ungesetzlichen Verfahrens auf

der Hand. 3) Der unwürdige, Lord Palmerston, als er dem Auswärtigen Vorstand, angethane Zwang, ist wohlbekannt. Er durfte keine irgend wichtige Depesche absenden, bevor dieselbe die Sanction des Hofes, d. h. des Prinzen Albert erhalten hatte. Diese Sanction ließ sich zwar nicht vorenthalten, wenn der Minister fest blieb und die öffentliche Meinung für sich hatte, aber der da- durch verursachte Zeitverlust schadete dem Erfolge der Unterhandlungen mehr als einmal, und da Lord Pal­merston dem Parlamente die Ursache des Aufschubes nicht erklären konnte, so trug er die Schuld, wo in Wirklichkeit Andere verantwortlich waren. Niemand, welcher Partei er auch aiigchöre, kann wünschen, daß die Minister dem Volke für die Wirkungen eines ge­heimen, unverantwortlichen und unerbittlichen Einflusses verantwortlich seien. Man muß die Interessen der Krone selbst gegen die ihr am nächsten stehenden vertheidigen. Ich erkenne des Prinze» Verdienste um die Ausstel­lung, die Fortschritte der Kunst und die arbeitenden Classen an, aber daß Ein Mann noch dazu kein Engländer von Geburt zugleich Secretär des Aus­wärtigen, Generalissimus und Premier unter allen Mi­nisterien sei Dieß ist aber doch wirklich zu viel ve» langt."

Die Königin wird, wie es heißt, am 31. Januar nach London kommen, um das Parlament in Person zu eröffnen, sich aber nach kurzem Aufenthalte wieder nach Windsor zurückbegeben.

Die Zwistigkeiten zwischen dem Gouverneur von Gibraltar, Lord Gardiner, und den spanischen Behör- den, die bereits am 2. Novbr. eine Unterbrechung der Laud-Communication zwischen Gibraltar und den Linien von San Roque zur Folge hatten, haben seitdem wei­tere Maßregeln von Seiten des englischen Gouverneurs veranlaßt. Durch eine Verordnung, deren Datuni nicht angegeben wird, sind sämmtliche sich verübergehend in Gibraltar aufbaltende geschäftsreisende spanische Unter­thanen, 34000 an der Zahl, aus diesem Platze aus­gewiesen worden. Der Zweck dieser auffallenden Maß­regel, die sich aus den bisher obwaltenden Meinungs­verschiedenheiten wegen der strengen spanischen Quaran- täue-Gesetze nicht wohl erklären läßt, ist wahrscheinlich, dem großen Schmuggel zu steuern, über welchen Lord Gardiner sich bereits im März des vor. I. bitter ge­äußert hatte.

Italien.

Turin, 5. Jan. Aus Anlaß der nächstens im Senate beginnenden DiScusfionen über Militärdienstbe­freiung der Geistlichen laufen zahlreiche Adreffen mit der Bitte ein, diesen Gegenstand in einer der Würde und den Interessen der Kirche zusagenden Weise zu er­ledigen.

Rußland.

Kalisch, 5. Januar. (Lloyd.) Während gegen­wärtig die Friedcnshoffiiungen wieder in gegründeter Weise auftauchen und die Nachrichten selbst aus Con- stantinopcl friedlich lauten, suchen verschiedene Blätter durch falsche Nackrichten und oft durch tendenziöse Un­wahrheiten die Wahrscheinlichkeit eines bevorstehenden furchtbaren, oder wohl gar eines allgemeine» europäi­schen Krieges in Aussicht zu stellen. DeSbalb wird eine allgemeine Mobilisirung im ganzen russischen Reiche gemeldet, die Garden selbst und die Grenadiere werden ui Bewegung gesetzt, und die im Königreich Polen ste­hende Besatzung wird gleschsam als ein Veteraiicncorps geschildert, daS durch strepituöses Hin- und Hermarschi' reu an der Grenze dem Nachbarlande daS Dasein von Truppen anbeuten soll. Selbst unsere neuliche Notiz, daß mit dem Eintritte der milderen Jahreszeit die Di­vision Szcpelieff ausmarschiren dürfte, wird zur Bestä­tigung obiger Nachrichten beigebracht, während wir nur ein Gerückt brachten und unsere Muthmaßung bezüglich der Berufung deS Divisions-Generals nach St. Peters­burg aussprache». Bis jetzt haben die Truppen in Polen noch keine Marschordre erhalten; wenn Marsch- ordrcs »»gekommen wären, so würden dieselben ja mar- schircu, so aber stehen nach wie vor die zur activen Armee gehörenden drei Divisionen des zweiten, und eine Division des ersten Infanterie - Corps^ im Königreich. Unsere Berichtigung, daß kein Secretär des Fürsten Gortschakoff erschossen worden ist, wird nun auch aus Bukarest bestätigt. Sehr naiv ist die von einigen Zei­tungen gebrachte angebliche Aussage des Kaisers Ni­colaus, daß er nicht unterhandeln werde, so lange sich noch ein Türke auf dem linken Donauufer befindet, während cs doch in der Macht des Kaisers steht, diesel­ben von dort zu entfernen.

Petersburg, 3. Jan. Der General-Adjutant Fürst Woronzow berichtet, daß längs der ganzen asiati­schen Gränze Transkaukasiens, vom 30. November bis. zum 4. (16.) Dec., nichts Besonderes vorgefallen ist. Nach unterdeß eingelaufenen glaubwürdigen Nach­richten besteht der Verlust des Feindes, in den Schlach­ten vor Achalzik und bei Basch-Kadyk-Lara, an Gctöd- teten, Verwundeten und Davongelaufencn aus mehr als 12,000 Mann, die Miliz ungerechnet, welche sich zerstreut hat und nach Hause gezogen ist. Die bei­den in diesen Affairen geschlagenen türkischen Corps zäh­len 28,000 Mann regulärer Infanterie, 7000 Mann regulärer Kavallerie und gegen 19,000 Mann Milizen. Dagegen beläuft sich das feindliche Corps, welches sich