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Nassauische Allgemeine Zeitung.

JV' 3. Mittwoch dm 4. Januar ts»4.

Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für das 1. Quartal l. J. werden baldigst erbeten.

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Leitung- lchau.

Die kirchlichen Wirr?» in Baden. Der Beginn einer großen Krisis.

Der Ausbruch ter Kirchenwirren ist für Baden ein öffentliches Unglück. Das scheint für alle Tbeile fest- zustehen. Kaum hat die Heilung der Wunde begonnen, die eine,rn^c Vergangenheit kein Lanke schlug, so kommt fchen wieder ein neuer Schlag, der betäubend auf,, kwBevölkciuiig nicbcrbiHL Für die Meisten ist der eigentliche Grund deS Streites nicht klar, denn er spielt in einer schwierigen Lebre der LandeSgesetzgebung und so bleibt für daS Volk leider nur die Thatsache übrig, daß die höchsten Würdenträger deS StaateS und der Kirche mitten in demselben Staate in offenem Kampfe begriffen find. In Ermangelung der Einsicht in daS Innere der Gegensätze, wird das Volk von der Macht der Ereignisse getrieben, Partei für oder gegen zu ergreifen, ohne dabei von etwas auderm als von unklarer Neigung oder Abneigung geleitet zu werden, die nach kaum getroffener Wahl zur leidenschaftlichen Parteiuebmung und damit zu Haß und Abneigung sich gestaltet, welche sich bald über die Grenzen deS Landes hinaus verbreiten. Anstatt die badischen Wirren von dem allgemeinen Standpunkt deS christlichen StaateS ans zu betrachten, u. d von ihm aus an deren Bei­legung zu arbeiten, scheu wir die Presse größtentheiis die schroffsten coufejsioncllcn Gesichtspunkte in absoluter Unversöhnlichkeit festhalten, und der politische und reli­giöse Radikalismus hat bereits mit Freuden die Gele­genheit ergriffen, um sich breit zu machen. Vergebens sieht man sich nach einer gerechten Prüfung deS Prin­cipiellen deS Streites um, in welcher allein die Ver- jöhuurrg Möcht werden darf, mit welcher, wenn man ficfchon früher vorgenommen hätte, die gegenwärtigen Zustände gewiß vermieden worden wären. Tie LanbeS- gejctzgebUng unterließ dies in Baken ter kath. Kirche gegen­über, daher daS Verhalten der Kirche, die schwierige Lage, in welcher die Negierung sich der Kirche gegenüber befindet. 3" Bezug auf daS Principielle deS Streites hebt ein Artikel im Lloyd aus Mitteldeutschland alS beson­ders wichtig hervor: Die Gegner des Erzbischofs und die Parteigänger der badischen Regierung in ter Presse erklärten den Erzbischof, nachdem er in der bekannten Weise bei der Besetzung von Psarrsteüen vorangcgangen war, für einen Verbrecher, gegen welchen mit der rück­sichtslosesten Anwendung der Strafgesetze vorgeschritten werden müsse. Ter Erzbischof ist der mittelbare und unmittelbare Urheber, er will alS solcher und als selbst- verantwortlich behaudclt sein, und während feine Kir­chendiener, die mit Strafe belegt werden, nur seine Wil- lenSvolljieher sind, die ihm gehorche» müssen, tritt er überall als selbsthandelnd auf. Dennoch hat die Regie­rung sich jeder Einschreitung gegen den Eizbischos enb halten. In dieser Thatsache liegt daS Zugeständniß, der Fall mit ihm unmöglich vom Elantpuncte des in Baden geltenden Strafrechts behandelt werden könne. Es kommen hier Rechte gegen Rechte, Pflichten gegen Pflichten und von Seite deS StaateS noch rein uii« übersttigliwe Rücksichten in Betrachtung, welche die Re­gierung dclWpltn müssen, das g wöhnliche Verfah­ren gegen Verbrecher nicht in Anwendung bringen zu sonnen. Der Srlat findet in dem Wesen der Religion eine Grenze und stößt hier trotz sonstiger Allmacht auf einen Gegenstand, den er mit seinen Mitteln nicht mehr bemeistern kann. Alle StaatSaciivn kann nur äußerlich wirken, und während der Staat in dem äußern Lrlen frei schalten und walten kann, besitzt er koch keine Möglichkeit, irgend eint 'NellgionShandlung begehen zu können. Kann aber der Staat sich ki« christliche Rep. gion nicht machen, während er doch ohn« diese RZ». giou nicht bestehen kann, so muß er mit der Religion ein Abkommen hissen, durch welche« der Smat der Religion in der Religion freie Bewegung zu gcstat- ten hat, wenn er selbst sich seine eigene Religion nicht schaffen kann. Aus diesem Satze ruht und wird

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erst klar zu machen suchen, ehe man über M in« nett Wesen und die Tragweite der badischen Wir­ren zu irgend einer richtigen Auffassung kommen kann. -- Die Staaten des Alterthume nahmen die Religion ganz in sich aus nnd indenlifletrien sich in der Art mit der Religion, daß die Religio« staatlich, die Staaten religiös waren. Deshalb stürzten auch diese Siaalfn, al« das Christenthum nicht sie, wohl

aber ihre Religion durchbrach. Von allen neuern cu« ropäischcu Staaten nähert sich tiefer autikcn Form am meisten England, daS in seiner Hochkirch« eine StaatS- religio» hat und ki« staallichru Elurichtuugen von dieser Religion durchdringen läßt DaS völlig loutgcgeng«- srtztc Srstcm befolgt Nerdamtrica, daS in seinem Staate nur staatlich ist und die Religion dem Einzelnen alS eine Sache höchsteigener Angelegenheit bis jetzt über­läßt. Wir sagenbis jetzt", weil die Geschichte über dieses System ihr letztes Urtheil noch nicht gesprochen hat. Den übrigen Staaten deS neueren Europa be­ruhen alle ohn« Ausnahme auf einem Vergleiche, den diese Staaten bewußt oder unbewußt, gezwungtN oder ungezwungen abschloffru, und Dieser Vera l eich selbst wie­der ist in seinen allgemeinen Um firn auf Den vom Rc- ligionèstifter ausgestellten Grundsatz gebaut: Gebet Golt, waS Gottes und Dem Kaiser, was des Kaisers ist.

* * Es handelt sich also um eine Entscheidung! Frankreich, schreibt Der Freiherr v. Eckstein aus Paris DerA. A. Z." unterm 29. Drc. v. I., will mit Eng­land Dirrct zwischen Die kriegführenden Mächte treten. Es will nicht mehr Die Zeit in fruchtlosen Protocollen verschleppe» lassen, während daS Uceel immer ärger wird, Die Geschäfte im Laude stocken,' die Roth sich mehrt, Der öffentliche Geist sich veischlechtert, die Ro­then einen neuen sehr bedeatcnderi Umfang in Den Mas­sen gewinnen. (DerKöln. wird, wie eiwädnt, von einem am 29. Der. nach P.terSburg abgegaugentH Ultimatum Der Weltmächte beichtet.) Ist's Krieg? Iil's Frieden? Das werden wir in Kurzem erfahren. Tie Stellung war für Europa unerträglich. Euglanh siebt sich im fernen Cften bedroht, Der K.ru firner Macht wird augefreffen. Fra» trelch sieht sich' von neuem uulermühlt durch die Rerali.riou, TeuNchlaud ist zwischen Der Revolution und der russischen Mnchl in Der Schmid«. Wären Die 'fg fertig, u- gen, so würde eS bald nur einen Doppelten Thalbestai d Da Tinge gegeben haben: Rußland uud Die Revolution. Durch daS entschiedene Auftreten von England und Frankreich ist eS noch möglich, Der Revolution Herr zu werden. Freilich könnte auch Die Revolution als HilfS- mach Der Franzosen Dienen, wenn ehrgeizige Wunsche in ihnen aufsUigen sollten, davor aber scheint man durch Die Allianz von England fürs erste gesichert. Tie Par­teigänger Der Rufjeu sind vier nicht populär. Bei Den Katholiken nicht, weil sie Die Ueberzeugung hegen, Ruß­land wolle ein christliches Ehallfat im Esten gründen, teil Katholicismus mit Gewalt iu Den slavischen». Dem auSmerzen, für immer auS Dem Qn-ut verscheu­chen, und sich Den Weg einer geistlichen Wellherr- schajl ai'.bahuen. Bei Den friedlich Gesinnten nicht, weil sie Den Russen vorwers»«, sie in ihrer Ruhe ge­stört, und Die Revolutionäre wieter auigestachelt zu habe«. Btt de» Bauern und Handwerker, i nicht, weil mau lhutu Die Kosaken in Pari« zeigt, so wie den so sehr schmachvoUtu Uuleigaug der französischen Heere in den russischen Ebenen. Eigentlich sind Die Revolutionäre cs allein, welche Rußland segnen ihnen Den Anlaß gegeben zu haben für Die erlittenen Nieder­lagen Ersatz zu suchen, Frankreich, Italien, Die Rhein- gegenden, Ungarn, Polen, einen Theil Der Welt wieder vulkanisch umzumälze«. Taö Jahr 1853 endet also mit hem Beginn einer großen Krise.

vcutlchliiid.

Wic^budoi«. 4. Jänner. Heute haben wir einen so bedeutenden Schneefall, daß sämmtlich« von hier abgegangtne Postwagen mietet umkehren mußten, da ungeächttl der afpommene» Vorspann (gestern ging der Limburger Postwagen ebenfalls mit fech« Pferde» bsspauul ab) au ein W«,teikomm<» nicht zu beuten war. Ebenso ist die Eisenbahuveiblnkung zwuchen hier und Frankfurt resp. Castel und Biebrich uuierdrochcn und werben seit beute Morgen weder biebpuä noch jenseits Züge adgeseiligt. ES sind deßhalb im Laufe des heu­tigen Tage« die sonst «intreffeude» Blatt«« nicht zu er« waileii und sind wir selbst außer Staube, unser Blatt nach auSwâU« zu nerfenben. Eines ähnlichen Schnee» falle« weil man sich hier nicht zu erinnern, der Schnee liegt fußhoch in Den Straßen und mit Mühe machen sich di« Wäg«,, Bahn.

J kimdnrg, l Januar. Die Versitzung bei H"" Äteiaamimannl v hangen ist H«« da« Tage« gespräch j beifeih hatte sich durch feint milde und ge« "chl, Am,4j,chkug allgemein« Hiebt und Achtung et« worben Zu einet ficengtrtn Amlsv«,wallung hat btt I

hiesige Stadt keine Ursache gegeben; Die Limburger Lür- gcr haben in den R.volutiouSjahren bewiesen, daß sie eS versieben, selbst Ordnung zu halten, wenn auch Die Behörden keine Kraft mehr haben, w,ßhalb Limburg damals als Die n 11er g etre ue fie Stadt geprie« fen wurde und bis in die neueste Zeit hat stets Gesetz­lichkeit hier geherrscht. Jene Versetzung wird natürlich Mit dem kirchlichen Conflict in Zusammenhang gebracht, und hieraus auf bevorstebende Ereignrjse geschlossen. Heute Vormittag ist Herr Krr:samtwaun v. Laugen durch einen Erpresse« zu Sr. k. k. Hobelt Dem Erzher­zog Stephan nach Schaumburg befdiebni worden.

Ludwigshafen, 31. Tcc. I er' gestern Abend über die ganze Linie der pfälzischen Lukwigèbahn ver­breitete heftige SchnceMlm hat Dem legren geladenen Kvhlcnzug Abends zwischen Neustadt m o Haßloch ein beklagenSwertheS Unglück zugezogta. Unmittelbar vor dem Herannahen deS Zuges wurde auf offener Bahn eine so hohe Schnerwasse »usammengetti rea, daß Der Bahnwärter jener Stelle dem Zuge D 1 Signal zum Halten gab. Bei dem plötzlichen Lremieu' und Anhal­ten deS ftarfbelaheuen ZugtS wurden einige Wagen aus deu Sctieucn geworfen und leicht bcjchädigt. Ei­ne» der Bremser fand man sogleich todt; wahrscheinlich wurde er durch Die Gewalt deS Sturze« von btt Höhe deS Wagens herab getoDtet; außerdem uurDt uoch der Zugführer, jedoch nur leicht, verwundet.

Lveyer, 27. December. Der Stadtrath von Sperer hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig zur Wiederherstellung bet Vorderseite Del K serdomeS Die Summe von 6OOO ft, aus städtische» Mitteln bewil­ligt, und bei Der durch die Mitglieder M provisorischen Ctiilralcomite s zu»« glesch,» Zweck 6ab:er vorgc uom- menen Sammlung wurde Der vedevteude Betrag von 4000 fl. gereiebnet. ferner hat, wre r? - ns, Se Maj. Der König Lodwig jüngst schon 10,000 ff. in f^m Zweck, mit einem besonders Dem jetzigen Präsikcritrs des provisorische» Eomitè's schmelchelho!..» Schreiben, gesendet.

Heidelberg, 31. December. Gcst.rn wurde dem gewesenen hiesigen StahtDirector, Herrn v. U r i a, eine Auerkenniing von Seite Der hiesigen Bârgerfchasl zu Theil, welche unter den obwaltenden Umfländeu um io bcm.lkeuswetthcr und um so ehrenvoller ist Es er» schien nämlich bei Demselben eine Deputation, bestchentz aus den beiden Bürgermcisterii, auS Mitgliedern heb Gcm.iudcrathS und des BürgerauSschusi-S und sprach ihm im Namen Der Gemeindebehörden und der Bürger. schaff Den Tank für feine Veidienste um Die hiesige Stattgemklnde und daS Bedau«,» über seinen Abgang auS. Tw Trputatio» sagte unter Anker»: Herr v. Una sönne überzeugt fei», daß ihn bei seinem Scheiben Die allgemeine Achtung begleite; daß Stadt und Land nie vergessen werden, welche große Verklcnste er um Dit öffentliche Ordnung und um die Regelung der Gemtinkc» Verhältnisse, sowie überhaupt durch feine gerechte und humane Tienstsührung sich erworben habe. AuS Dem, waS Herr v. Una hierauf mrrterte, bürste Folgendes von allgemeinem Interesse sein: Wenn Ihne« jemand, meine Herren, sagen sollte, waS gewisse Leute Dem Ver­nehmen nach verbreiten, daß ich bezüglich Der Ai Wen­dung Der Verordnung vom 7. Rom v. I. der Regie­rung ungehorsam gewesen sei, so erwltccn Sie düsen Leuten: ich hätte sie versichert, daß das eine Lüge sei. Ich war Der Regierung nie ungehorsam; ich war eS in Diesem Fall, nicht, nnd ich werbe e< nie fein. Sie wer» bcii mit bestätigen, daß nsimanb listiger als ich zu Dem Gehorsam gegen Die Regierung stell aufgefotbert hat. Sie wissen daS, und ich glaube, das vicmaud im Lande Die Stirne haben wird, daS Gegentheil zu behaupten. Was meine Versetzung veranlaßte, besteht einfach Darin, daß ich wiederhol« Die gioßh. Regierung gebeten habt, mich persönlich von bet Vollziehung her fragliche« Ver­ordnung zu bi«pe«fire». Wenn bub ein Ungehorsam ist, so wäre je bi» AblchnungSgesuch ein Ungehorsam. Die Regierung selbst hat in meiner Handlungswets« (einen llngebiHam erblickt und nie von einem lolcheu gesprochens dieselbe hätte sonst auch zu einer andern Maßregel als zu einer einfachen Vclf'tzuog schreiten müssen, w

Bon einigen Seiten wird her frühere Rekaet-m der Ulmer Sdinellpost, Joseph Cbvwanetz cIulia« Cbownitz) eil V«,fass«, bei in Baden von Der Pal's« Uh« streng verfolgten Flugschrift.K^lbositen, daß l ans !* ge­halten.

ftnttfiAvt. 3 I'». M« der ftaatianieigei für