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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M S. Dienstag Le» 3. Januar isä4i

Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für das 1. Quartal l. I. werde« baldigst erbeten.

Die,»Nassauische Allqemeine Zeitunfl" mit dem heilem ih(eben BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonnkagS ausgenommen, taqüü unr betraat^er Pränumern;-»' ni-kprel^ für ^oresdaren u-d . naD . : . aum cur auch

irr den ganzen Umfang des Lvnrn- und Tar-S' Hennal7ung«denrfs nur Zndigns des HossäuffDiags 2 N., nlr die übrigen ' äoen res deutich-össerreia'isbrn ^vivtre.;;/, n-ie ' ^ da> Ausland 2 5. 24 tr. , v. :.: ne vrerspalk-g« Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Fb r edr i ch, ^anggasse -12 r auswärts bei den nächstgelegknen Postämtern, zu melden.

Zeitunasscham

Die FriedenSaussichten. Herr von Uria.

** Wenn auch nicht zwischen Frieden und Krieg, doch zwischen Waffenstillstand und Krieg liegt ein Zeitraum von höchstens ein paar Wochen. Die Periode der i langsamen Eimvickelung der orientalische» Frage ist i vorüber. Die Westmächte sind nicht langer im Stande, den Moment, wann sic ihre Stellung zu definire» ha­ben, zu verschieben. Das Ministerium Aberdeen hat sich durch seine Friedensliebe in die Lage gebracht, dein Parlamente entweder den Frieden, wenigstens den er­sten Schritt zu demselben, den Waffenstillstand, oder den Krieg anzeigen zu müssen. Es ist nicht mehr Herr seiner künftigen Entschlüsse. Eine unerbittliche Noth» Wendigkeit drängt es vorwärts. Hat es sich nicht täu­schen lassen, so ist der Friede seine einzige und glän­zendste Rechtfertigung. Ist cs dupirt worden, so muß es nach dem Schwerte greifen und durch eine energi­sche That und seine Unentschlossenheit sühnen. Es läßt sich nicht verkennen, wie auch in conservativen Kreisen die Besorgniß rege wird, daß Rußland eS mit dem Frieden nicht ehrlich gemeint habe. Das geschloffene Bündniß jener Macht mit Persien läßt viele Personen, die dieser Meinung früher nickt waren, vermuthen, daß das St. Petersburger Cabinct durch die Sendung des Fürsten Menczikoff lange vorbereitete Pläne zur Reife bringen wollte, daß jener Admiral keine Wallungen ge­zeigt, als die ihm vorgeschriebenen, keine Indiskretionen begangen, als die ihm aübUohlenenen, und daß ein höchst kunstreicher, diplomatischer Operaiionsplan in der russischen Hauptstadt ausgearbeitet und später auöge- führt worden , der nur den Uneingeweihten in seinen zusammenMngendcn Kundgebungen hier als eine Ueber- euung, dort als ein Zufall oder als Bcrhängniß er­schienen ist. DerLloyd" bezweifelt die Wahrheit sol­cher Darstellungen entschieden, schon darum, weil Ruß» land bisher durch den schleppenden Gang der orienta­lischen Angelegenheit keinen Bortheil gezogen. Eine glückliche Zufälligk.it im Kriege, wie die Schlackt von Sinope, kann als solcher nicht gelten; sie konnte nicht im Voraus in irgend eine Berechnung gezogen werden. Aber man wolle nur bemerken, daß in allem Wesent­lichen die Lage Rußlands nicht verbessert worden. Die Allianz der Westmächte ist nicht gelockert und die Un Möglichkeit für die deutschen Großmächte, im orienta­lischen Kriege Partei für Rußland zu nehmen, scheint von Woche zu Woche stets deutlicher hervorzutreten. War cs wirklich die Absicht Rußlands im Frühlinge dieses Jahres gewesen, einen EröbeiungSkricg gegen die Türkei zu führen, so ist der Plan, der den Angriff fast ein Jahr lang verzögerte, in der That ein sehr schlech­ter gewesen. Wir zweifeln, fährt das genannte Blatt fort, darum auch nickt au der aufrichtigen Neigung des St. Petersburger Cabincts, Fiedensvoischläge, falls sie von türkischer Seite gemacht werden, zur Herstellung des Friedens zu benützen. Von der Stimmung in Con- stantinover und von dem Eindrücke, welchen die Vorstel­lungen der vier Gesandt,» auf dcö Sultans Regierung hervorbringen werden, hängt zur Stunde die Ausgleichung der orientalischen Differenz ab. Die Bestrebungen der Ge­sandten der WcstmâW für den Frieden werden übrigens auf­richtig genug sein. Die Politik ihrer Regierungen kann nur durch diesen eine volle Rechtfertigung vor ihren Völ­kern finden. Das Ministe. inm Aberdeen kann einen Krieg beginnen, aber daS englische Volk wird kaum zu­lassen, daß es denselben auch beende. Die Seem ckte werden, daè scheint unS die heutige Situation, den Krieg nicht provociren wollen. Rußland wird auch nach sei­nem Vorwand suchen, um sich die Feindschaft der See­mächte zuzuziehen. ES dürfte nickt gar zu begierig sein, irgend eine nothwendige Demonstration derselben als einen casus belli zu erklären; cs hätte die Gelegenheit hiezu ja viel früher, bei dem Einlaufen der Flotten in den Bosporus, finden können, wenn cs diese überhaupt gesucht hätte. Aber so gespannt ist die Situation gc. worden, daß die schwache Türkei für den Moment eine Macht geworden, welche in der wichtigsten europäischen Frage den Ausschlag gibt. Will sie den Krieg, so kann sie die Westmächte mit sich in den Krieg ziehen. Daß es so weit gekommen, dürfte kaum als ein Triumph der russischen Diplomatie gelten. Indessen, wir stehen noch immer auf festem Boden, obgleich nahe seinem Rande. Eine einzige günstige Nachricht aus Constanti- nopel kann den Himmel über unsern Häuptern blau er­scheinen lassen.

Die VermittelungSvotschläge Preußens, Oesterreichs, Frankreichs und Englands, welche in der Wiener Note vom 5. Dec. enthalten waren, sind nach derN. Pr Z." in Constantinopel nicht, wie hie und da versichert wurde, überreicht worden. Es haben aber die Gesand- tni dcr vier Mächte in Constantinopel eine von ihnen gemeinschaftlich abgefaßte Note überreicht, die im Gro­ßen und Ganzen zwar den Inhalt des Wiener Acten- stückeS wideWbt, jedoch einige weitergehende, der Pforte günstige Bestimmungen enthält. Diese Note der vier Gesandten in Constantinopel ist von der Pforte angenommen worden, und darauf allein gründen sich die aus Wien und Paris kommenden Friebensnachrick- tcm Es liegt indeß auf der Hand, daß, wenn in ei­nem Streite auch die eine Partei den Frieden will und Vermittelung zuläßt, der Streit doch so lange nicht als geschlichtet angesehen werden kann, als nicht auch die andere Partei dieselbe Gesinnung an den Tag gelegt hat. Ruhland aber hat schon nach erlangter Kenntniß von der Wiener Conferenznote seine ganze Waffenmacht aufgcboten, und jetzt wird es bestimmt nicht dcmobili- siren, Angesichts der sehr wenig rücksichtsvollen Jnstrnc- tionen, welche den Admiralen der vereinigten französisch- englischen Flotte im Bosporus von ihren betreffenden Regierungen zugegangen sind. Anfänglich wollten diese Regierungen flch begnügen, eine Demarcationslinie im schwarzen Meere zu ziehen, über welche hinaus russische und türkische Schiffe sich nicht bewegen sollten, und auch das würde sich Rußland nicht habcn bieten lassen. Jetzt aber heißt eS in gleichlautenden Instruction für den englischen und französischen Admiral, dieselben hät­ten sich unverzüglich nach deren Empfang ins schwarze Meer zu begeben, dort die ausschließlich unbedingteste Herrschaft zu üben, jedes russische Schiff nach dem rus­sischen Hafen zu weisen und im. Weigerungsfälle Ge^ walt zu gebrauchen. Da an der Richtigkeit dieser In­struction nicht gezweifelt werden darf, ist zunächst eine russische Kriegserklärung an England und Frankreich wahrscheinlicher, als ein baldiger Frieden zwischen Ruß­land und der Pforte.

Times, Chrvmcle und Post sehen das Sckeitern der Unterhandlungen ans Grund des Wiener ProtocoUes als beinahe unvermeidlich an und bereiten daS Publicum auf kriegerische Kundgebungen vor. Einerseits soll die Pforte im großen Divan, der am 18. stattfand, kühnere Forderungen gestellt haben, als die westlichen Mächte sich träumen ließen: Abschaffung der alten Verträge und sofortige Räumung der Fürstenthümer; anderer­seits scheint man in amtlichen Kreisen zu wissen, daß der Czar die Annahme selbst der mäßigen, von Eng­land und Frankreich vorgeschlagenen Bedingungen unter seiner Würde hält. Ueber die Haltung Oester­reichs, namentlich über den letzten Artikel der öster­reichischen Korrespondenz äußert sich dcr Wiener Corre- spondent des Mvrniug Cdrouicle folgender Maßen: Obgleich ich die diplomatische Tendenz dieses Halb- officieUkn Leitartikels vollkommen zu würdigen weiß, muß ich doch hinzufügen, daß die Scklußzcilcn des­selben meine oft ausgesprochene Meinung über den Ge­genstand nicht im Mindesten ändern. So lange Kaiser Nicolaus der Türkei keinen Zoll breit Gebiet nimmt, in Europa wenigstens, oder besser gesagt, so lange Rußland keinen Versuch macht, die Donau Fürstui- lbümer sich einzuverleiben oder sich irgendwie zum Nach­theile Oesterreichs im Osten zu vergrößern; weiden, glaube ich, die Kaiser von Oesterreich und Rußland die besten Freunde bleiben, und dies in der Tbat nur natürlich und recht; allein darüber hinaus gibt es eine Scheidelinie, einen Nubicon, der nicht überschritten werden darf. Ich habe genug gesagt."

** Ueber den bekanntlich in Folge seiner Hallung in dem kirchlichen Conflicte von der Stelle eines Siadt- directors zu Heidelberg auf jene eines:ü g. ningSracheS zu Mannheim zurückversetzten Freiherr« von Uria gibt dasDeutsche Volksblatt" folgende Characterscizze: Herr von Uria war es, der seit dem Jahre 1844 bis zum Auübruch des offenen AufrnhiS unablässig gemahnt hatte, mit den Alles nivellirenden Concessionen cinzu- Halteu und die bestehenden Gesetze in ernster Gcrechtig-

zu handhaben. Er war es, der bis zur letzten Stunde der wühlerischen Presse mit wüthigem Scharf- bliese entgegentrat und damals in dem Feuerh erde Mannheim dem verbrecherischen Trclven des von Struve und Genossen sicherlich ein Ziel gesetzt hätte, wen II das geängstete Ministerium nicht so schwach gewesen wäre, dem Geschrei der Hetzer nachzu-

geben und ihn der Aussicht über dieselben zu entheben. So kam eS, daß Herr von Uria, als die Saat aufge­gangen , als das souveräne Volk losgelasseu war, von letzterem als sein größter Feind angesehen und wohl auch angefchrieèn wurde. Allein der Muthige und charakterfeste Mann hatte nie nm die Gunst der Menge gebuhlt und als eines TageS der damalige Bürgermeister in Mannheim mit einer Deputation von Bürgern zu ihm kam , um ihn zu beschwören die Stadt unverzüg­lich zu verlassen; weil der versammelte Pöbel die schreck­lichsten Drohungen gegen ihn auSstoße, da bedeutete er demselben, zuvörderst im ernsten Vorwurfe, ob er nicht wisse, daß er v o r dem R e g i e r u n g s r a t h v. Uria stehe, der seine Pflicht und die Stelle behaupten werde, an welche ihn sein Fürst gesetzt habe; er möge sich eine solche Zumnthung nickt mehr beigeren lassen und ge­hen, woher er gekommen, sey ; er fügte aber dann, auf zwei Pistole deutend, hinzu: sie sind geladen und sollen mir nicht versagen, wenn die Freunde von der Straße zu mir heraus kommen wollten. ES ist keiner ge- komme ii, und von Uria war am Morgen jenes 13. Mai, wo die Nachricht von dem AuSbrucke der offenen Empörung und von der Flucht des GroßherzogS nach Mannheim gelangt war, als der erste im Negicrungs- gebäude erschienen, um mit seinen Collegen unverzüglich die nicht aufzuschicbcndcm Verfügungen zu treffen. Als 1 diese nach und nach zusammkügekommen waren, und auch die höheren Offiziere der Garnison sich eingefunden hatten, war cs wieder von Uria allein, der zeigte, daß Kopf und Herz ihm am rechten Flecke sitze. Er schlug damals vor: die beiden Neginieiiter der Garnison ver­lassen die Stadt, beziehen jenseits /)es Neckars ein Lager sämmtliche Mitglieder der Regierung begeben sich eben dahin und erlassen eine Proctamalion, worin der Auf­ruhr verdammt, die strengsten gesetzlichen Strafen ange­droht und alle gutgesinnten Bürger zur thätigen Unter­stützung der Behörden aufgcfordert werden sollte». Wäre dieser Rath befolgt worden, so war es, das kann.mau jetzt mit Gewißheit sagen, der Aufruhr gebrochen, Fürst und Land gerettet. Allein man wagte es nicht, einen männlichen'Entschluß zu fassen; man schwankte hin und her, und mit dem verlorenen Augenblicke war Alles verloren. 9iad) Bändigung des Aufruhres war es wie­der von Uria, der vor allen Anderen die zur Wieder- Herstellung der Ordnung geeigneten Maßregeln schnell erkannte, die entsprechenden Bciordnungcn verfaßte und dem landesherrlichen Commissäre deS unteren Rhein» kreises zur Verkündigung verlegte. Und diese Verord­nungen wurden nicht nur für den Unterrhcinkrcis ver­kündet , sondern wenige Tage darauf fast alle wörtlich von dem damaligen Ministerium nachgeschrieben und für daS ganze Land mit Gcsctzkraft erlassen. Wie dann später von Uria als Stadtdirector in Freiburg und Heidelberg in diesen von dem Geiste des Aufruhres so tief in ficirten Stadien dem Gesetze und der Obrigkeit Acktung zu verschaffen, und die vollständigste gesetzliche Ordnung zu begründen wußte; wie ihm diese schwere Aufgabe gelungen ist, das sind allgemein bekannte That­sachen neueren Datums, welche kurz erwähnt zu haben genügt." Und was pkt? Nnn, es ist ihm der Lohn der Welt zu Theil geworden, aus den wir Alle gefaßt sein müssen !

NuS Vaden, 27. Dec. Unter vorstehendem Da­tum schreibt man dem D. BoliSbatt: Als Beleg für den dermaligcu Stand unsrer inländischen Presse dürfte, seitdem die Tagesblätker ihre Spalten für die Kirchen- frage geöffnet haben, besonders das Gebahreii unserer amtlich n Localblätter dienen. Der bet uns erscheinende Höhgauer Erzähler glaubte auch in dieser TageSaugele- genbeit nunmehr auf das Profceniuiy treten zu sollen, iiud bat in voriger Woche vor seinem Publicum mir dem Prolog:Was will der Bischof?" begonnen. ES konnte nicht auffallcn , daß der .Schreiber dieses Auf­satzes iie Feder für die Regierung in die Hand nahm; aber was wir geglaubt haben, mit Recht erwarten zu dürfen, daS ist: eine billige Rücksichtsnabme dieses Blat­tes darauf, daß sein Leserkreis ein durchweg katholischer ist, und daß die Geistlichen und Bürgermeister von fünf. Bezirksämtern gehalten sind, dasselbe wegen der amt­lichen Annoncen auf. Gemeinde» und Kirchenfondskosteir hin zu beschaffen. Wie greift es nun aber dir Sache an? Gerade wie jencr Kaleuderbauer, der mit der Thüre in das Haus des Apothekers fällt, d. h. der erste An­lauf ist die gröbste Juvective gegen den Herrn Erzbi*