NaMuische Allgemeine Zeitung.
â,M W"WN H Mnlag Seu 2. Jamar 1834.
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Bestellungen aupWWWiuische Allgemeine Zeitung für das 1. Quartal l. I. werden baldigst erbeten.
Dir,,Raff«Ulsche AUftcmemk Ztilung" mit vtm'beiieini»!»«» ’-öriblatr „!>« Sßantiertr" erförini, èuiintoqis aueHciipinin-^. r^uiiu ^i: ieitoqi ^er Pr,uli»icralivuSprk>s ,ur Wi^Sbaoeii und, naiv Km ntiirn Hon m,i> auch ür den ganjtn Umfanfl de« Ltiurn» und L,n«'sch«n »itru>aUiing#btvrfe mit Zn »«griff dr« P»a-nischlag« 2 fl., für die Löugrn rinder den drutsch-naerrrichischen rnftvrrrlnS, wie nr baf Ausland 2 fl. 24 kr. — Auftrag r >-r fttge
PrNtjrile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. —' Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffk 42, «uSiväri- ■ erp n rffgeleqenen Han mtrrn, tu mache .
Amtlicher Theil.
Veüanntmachung
(Die Einführung eines billigen Viehsalzes betreffend.) Höchster Entschließung zufolge kann zur Erleichterung der Anschaffung von Salz zur Viehfüttcrung oder zum Gebrauch als Lungmittel vom 1. März 1854 an von Landzvrrthcn des Herzogtums Viehsalz unter folge,iden CoÜnolmaßregeln bezogen werden:
1) Der Bezug vird nur Landwirthen auf vorgängige Anmeldung les jährlichen Bedarfs gestattet:
2) Als höchster Jahresbedarf werden vorläufig angenommen :
a. für Rimvieh über 2 Jahre, Esel, Maulesel und Pfede pr. Stück 25 Pfund,
b. für Rindrieh unter 2 Jahren, Schaafe, Ziegen, Schweiir pr. Stück 10 Pfund.
2) Die Abgabe erfolgt in plombirte» Säcken, welche bis zur Wanung der Salzempfänger nicht geöffnet werden dürfen.
4) Der Preiß eines Sackes Viehsalz, wozu 200 Pfund Kochsalz vrwendet werden, beträgt einschließlich der Vergüdng sür die VermischnngSsubstanz 5 Gul- deu 27 Kruzcr.
5) Der Detaigandel mit Viehsalz ist verboten, dagegen wird gestalet, daß Landwirthe, welche nach ihrem Viehstande zum Bezüge eines vollen Sacks nicht berechtigt sind, gemeinschaftlich mit andern Landwirthen Lehsalz beziehen. Der Gesammtviehstand Aller, mu aber dgnn die Abgabe des verlangten Quantum nach Maßgabe ' der pos. 2 zulässig machen. “
Annüdung des Bedarfs erfolgt jährlich. Der für das Hhr 1854 bereits angemeldete Bedarf ist übrigens wn Salzmagazinsverwaltungen zur Abgabe bezchnet worden.
Zu bei Anmeldungen für die künftigen Jahre werden Frmulare durch die Bürgermeister unent- geldlich «gegeben. Die Anmeldungen des Bedarfs für cdcS der folgenden Jahre müssen, wenn darauf Rcksicht genommen werden soll, bis zum Schluffe is Monats September des vorhergehenden Jahre bei den Bürgermeistern eingegangen fein. In denAnmeldcscheinen ist der Viehstand, welchen die jndwirthe durchschnittlich jährlich besitzen, sowie die üiantitât Viehsalz, ibelche sie zu beziehen wünschen.unter Angabe der Anzahl der Bezüge, ferner dieperson , welche das Salz abholen und endlich dalMagazin, woraus solches abgeholt werden soll, iitlid) elnzutragen. Die Anmeldescheine sind hicrnyst von den Landwirthen zu unterzeichnen.
*7) Die Bürgmeister haben zu prüfen, ob gegen den angegebene Viehstand nichts zu erinnern ist, und werden ersderlichen Falls für die Berichtigung sorgen. T Anmeldescheine sind hiernächst unter BeidrückunjdcS Gemcindesiegels mit der im Formular vorschriebenen Bescheinigung des Bürgermeisters zuoersehen und nachdem solche in ein Register ci Miragen und mit der Register»ummer versehen wgcn sind, den Declaranten ziiznsleUcn, um sich dqt bei dem Bezug von 'Viehsalz zu legitimiren.
8) Die von Bürgermeistern zu führenden Viehsalz- register, welg die Angaben in den Anmeldescheinen enthalten mün, sind am Ende des Monats September jeden ihres abzuschUeßen und in den ersten Tagen des stualS October derjenigen Salzmaga- zinSverwailuh mitzuthcilcn, welche das Viehsalz abgeben soll.
9) Die Salzmagtnsverwaltung, für welche der Schein lautet, wird c Vorzeigung desselben die Bezugs- quantität «aMaßgabe der pos. 2 feststeUen. Die Salzempfängc haben den Empfang der jeweilig bezogenen Qutität auf dem Scheine zu beschein - gen ; der jetzige Bezug ist gleichfalls auf dem Transportschei welcher dem Salzcmpfängcr vou der Salzmaga,sverwaltung zugestellt wird, anzu- schreiben und der den dafür entrichteten Betrag zu quittiren.
10) Diese TeanSptscheine sind bei den während eines Jahres weitevulässigen Salzbezügen der Maga- zinSverwaltungedcSmal vorzulegen, weil letztere nur alsdann eiächtigt ist, Viehsalz abzugeben.
11) Diejenige Pers, welche den Tranöportschciii er
bringt, wird von der Salzmagazinsverwaltung als Beauftragter des Berechtigten betrachtet.
12) Wer bei dem Transport mit dem Transport- schein nicht versehen ist, hat neben ConfiScalivm deS Salzes eine Strafe von 5 bis 30 Gulden zu erwarte» unb außerdem den Betrag bis zum vollen Verkaufspreise drö Kochsalzes nachzuentrichten.
13) Landwirthe, welche das Viehsalz zu andern Zwecken, als zur Fütterung ihres eigenen Viehs oder als Dungmittcl, verwenden, trifft neben Nachent- richtung des vollen Verkaufspreises für das Kochsalz eine Strafe von 5 bis 30 Gulden, sowie die Einziehung der Erlaubniß zum Bezug des billigen Viehsalzes.
14) Die Ausfuhr von Viehsalz ist unter den in der Verordnung vom 1. Juni 1836 bestimmten Strafen verboten.
15) In allen Fäll, n, wo die Bestraften zahlungsunfähig sind, wird statt der Geldstrafe auf entsprechende Freiheitsstrafe erkannt.
16) Die Untersuchungen werden von den Herzoglichen Jüstizämtern geführt, welche auch, soweit es deren Strafbefugnisse nicht überschreitet, die Erkenntnisse zu fällen, andernfalls aber die UntersnchungSacten dem Criminalscnate des eiiiWagtnden Herzoglichen Hof - und Appellationsgericht vorzulegen haben.
Die Herzoglichen Justizämtcr haben von jeder Anzeige alSbald dem Herzoglichen StaatSministeunm, Abtheilung der Finanzen, mittelst Berichts Kenntniß zu geben.
17) Die Bürgermeister und alle mit der Handhabung der Polizei- und Steuergesetze beauftragten Diener haben die Befolgung ' dieser Verordnung zu überwachen und jebe Hebettretiuig benesben alsbald dem einfeblagenbcn Herzoglichen Justizamte zur Anzeige zu bringen.
18) Denjenigen, welche Uebertretungen dieser Verorb- .nung zur Anzeige bringen, wird die Hälfte der eingehenden Geldstrafe als Belohnung zugesicheit.
Landwirthe, welche Viehsalz im ersten und zweiten Quartal 1854 beziehen wollen, werden darauf aufmerksam gemacht, den Tag, an welchem das Salz in dem Magazin abgeholt werden soll, der cinschlagenden Salz inagazinSverwaltung einige Zeit vorher milzukhstteu, damit dieselbe bei dem voraussichtlich starken Andrang in den Stand gesetzt wird, die verlangte Quantität bereit zu halten.
Wiesbaden, den 28. December 1853.
Herzoglich Nassauisches StaalSmlnistcrium.
W l t t g c n st e i n.
vdt. Bièmark.
Diensinachrichte».
Seine Hoheit der Herzog haben den Oberkammerherrn uiib Gehcimeuralh Freiherrn v o » Bo ck- Hermsdorf zu Höchstihrem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Niederländische» Hofe zu ernennen geruht.
Lehrer Buchner zu Mudenbach ist in den Ruhe- stand versetzt und Schulcandidat Gros von Idstein mit Vorsehung der basigen Schulvicarstelle beauftragt worden. Die Schulcandihstteu Leonhard zu Driedorf Uiid Gasser zu Arfurt sind zu Lehrergehülfen und der Schulcandidat Rech zu Seilhofen zum Schutvicar, an den von ihnen bisher provisorisch versehenen Schulstel- leu ernannt, der mit Versetzung der Hehrgetzülfenstelle zu Langendernbach beauftragte Schulcandidat Reifen- berg er ist auf sein Ansuchen von seinen Functionen entbunden und der Schulcandidat Reusch von Klein- Holbach mit deren Versetzung beauftragt worden.
(DcrorvnuugSblatt Nr. 38 vom 30. Dcc. 1853.)
Nichtamtlicher Theil.
Der Glaube unserer Leit.
Jede Zeit spiegelt ab ihren Glauben; und aus ihren Thaten erkennt man ihren Glauben. DaS, was man den Charakter des Menschen nennt, seine WillcnS- riebtung geht ganz allein aus dem hervor, was der Mensch für anstrebuugSwerth hält, was er glaubt daß mit der Aufgabe, mit dem Zweck seines Lebens zusammenhänge ; die Rückwirkung aber der unmittelbaren, natürlichen Auffassung des werthvollen, zwcckvoUcn im
Leben auf das Bewußtsein ist eben der Glaube. Mit diesen Worten leitet Prof. Leo in Hall, im „Volksb. f. St. ii. L." seinen geschichtlichen Monatsbericht für November ein. Er zieht daraus den Folgesatz, daß man aus dem Charakter einer Zeit ihren Glauben erkennen, rcspective erforschen könne. Prof. Leo versucht nunauS dem Charakter der Zeit darüber ins JRum zu kommen, was denn eigentlich unsere Zeit nun glaube. Daß bei einer solchen Forschung vom Einzelnen nicht die Rede ist, daß wo von allgemeinen Zuständen acjprochcii wird, auch nur de poliere die Gbarafterifhung gelten kann, versteht sich von selbst. Unsere Zeit sagt Prof. Leo liebt es von ihrem Glauben zu reden, — dabei aber hat sie die Art alles was wiiklich aus dem Glauben kömmt für dumm oder schlecht zu erklären.
In früherer Zeit (Prof. Leo führt ein schlagendes Beispiel aus einem unserer deutschen Länder an, wo im löten und 17tcii Jahrhundert viermal hinter einander ein Wechsel der Religio» ftattgefunbeu auf Befehl bei Landes Herrn, lind bei jedem dieser Wechsel Hunderte von Pfarrern und Schullehrern von Amt und Brod und in'S Elend gegangen sind, während sic durch eine einfache Erklärung Amt und Brod retten konnten) gab es noch Heroismus, ohne daß irgend Jemand etwas besonderes dabei fand, beim damals glaubte man wirklich noch — cs verstand sich von selbst. Wir haben dafür gar kein Analogon mehr in unserer Zeit, denn deren Scheu vor GlaubenSopfern imb Martprn geht soweit, daß sofort, wie etwas ähnliches werden will, sich Affecuranz-Gesellichaften bilden — ^b gewissermaßen dem, der vor dem nahenden grün aus dem Fenster springen muß, ein Berg von Beti-n untergebreitet, daß der Glaube in Entreprise genommen wird. Es hat für die Phantasie unserer feigen Zeit .uv-^ so beängstigendes, sich einen Menschen von den gewohnten Bc- ^iiemtto fetten des Lebens entblößt zu Mixn, daß mau sogqr Leute von ganz anderem Glauben als man selbst hat, oft unterstützen hilft, um nur Cie Entsetzlichkeit der Entblößung nicht zu Ende denken zu dürren. Wo aber irgend ein Mensch molu proprio in duh r Weise zum Fenster hinauSspriugt, ohne daß man iu gränzendes äußeres Feuer bemerkt, kehrt man sich voll Widerwillen ab — er ist ja nur dumm oder schlecht.
Diesen kritische» Maßstab der Verträglichkeit einer Tbal mit dem bürgerlichen Verstände legi man an alle Triebe des Geistes, nach diesem Maßstabe beschneidet man sie alle — folglich ist der endliche, berechnende Verstand eigentlich der Gott unserer Zeit mib der Glaube an diesen Verstand im Grunde der herrschende Glaube. Bilde sich doch feiner ein, wir seien den Rationalismus los; im Gegentheil, während er wissenschaftlich besiegt scheint, so daß sich auf diesem Gebiete niemand zu ihm bekennen mag, regiert er in der Gestalt der negircudea Vornehmigkeil und Gescheidigkeit, in der Gestalt des sich keine Blöße vor dem vornehmen Pöbel b. h. vor den Hlaubensivsen Vvriiehmcn geben wollens in einem Umfang über unser ganzes Leben, daß durch ihn wie durch ein schleichendes Gift alle «mitlctdare Lebensrc- gung gehemmt, alle wirkliche GlanbenStzethätigung gelähmt, daS ganze Mark des Lebens, alles wahre Pathos gewissermaßen aufgcsogeu und aufgetrocknetwird.
Zu dieser Ptzilisterrcligion bekennt sich in Wahrheit die weitaus, weitaus Mehrzahl unserer Zeitgenossen, Christen und Juden, zwar nicht aus e i u c m Munde aber aus einem Muthe. Wir sind ein sattes Volk — und deuuoch wird der Fluch dieser Sattheit als ein Fluch der V mgcnmcilc und des unbefriebigtseins gefühlt; — wie eine lechzende, ausge- dörrte Flur sehnen sich die Herzen unserer Zeit nach befruchtendem Regen, so daß wir den Scanbai er- - lebt haben, daß Claviervirtuoseu und deutsch katholische Prediger oder besessene Demokraten sie auf Momente in verrückten Enthusiasmus versetzt haben. weil ber Mensch daS Bedürfniß erhöhter Jntcreijenabmc hat und wenn wirklich höhere Interessen fehlen, es an niederen zu befriedigen sucht. Unsere Seele dürstet nach dem Genuß, ein göttliches Siegen außer nn» zu empfinden, so daß wir sogar Gespenster, die uns <^\m der Art verspiegeln, auzubelen vermöge»; und dabei sind wir so elend ermattet, daß wir keinen Eindruck bis zu wirklicher Opferfreudigkeu festhaltm können. — Wie elende LiebeSsrevler sind wir in unseren Empstudungen abgenutzt, daß wir die Hände ringen nach wirklicher Liebe, und doch sie zu geben, wo Gelegenheit dazu wäre, zu miserabel geworden sind. Das ist die wahre sig-» natura iemporis, nn^r der wir leben: Unser«