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Nassauische Allgemeine Zeitung.

IV* $08. Samstag den 31. December 1833.

Bestellungen aus die Nassauische Allgemeine Zeitung fit das 1. Quartal k. I. werden baldigst erbeten.

Die ..RaffomsHk ÄUgemettir Zeilung" mit dem bttkmitifdirn BeiblattDer Wanderer" erscheine, EonnlagS ausgenommen, täflUS unt driraal ree PranumeranvnSpreis iur Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaliv nunmehr auch ür den ganzen Umfang des kuurn, und TariS'schen BerwaliungSbeurl« mit Inbegriff des Poffaufschlag« 8 ff., für die übrigen bänder de» deuttch.oneereichischen PaffuereinS, wie für da» Ausland 2 ft. 24 kr. Inferale werden die einspaltig* Pefitieile oder deren Raum mit 3 fr. berechnek. Bestellungen beliebe man in der Buchdanblung von W. Friedrich, ganggaffe 42, auâmäris bei den nächstgelegenen Postämlern, zu machen.

=! Die Kirchliche Bewegung.

I.

Die religiöse und kirchliche Frage hat sich, wie in dem Leben, so in dessen Spiegelbild, der Tagesprcsse zu einer Bedeutung emporgeschwungeu, daß auch der Gleichgültigste unwillkührlich sich in ihren Kreis gezogen sieht, daß sie daS Interesse für alle sonstigen TagcSfra- gen zu absorbiren droht, und daß wohl kein denkendes Wesen cxistirt, welches nickt von der Nothwendigkeit ih­rer befriedigenden Lösung überzeugt ist.

Einige Worte über die Bedeutung, den Verlauf, die Hindernisse und den voraussichtlichen Erfolg die­ser wunderbaren Bewegung mögen daher hier ihre Stelle finden.

Der JndiffcrentiSmus, das Product der Afterphilo- sophie und Siltenverderbtheit des verflossenen Jahr- hunderts, welcher Hutter dem schönen Namen ckristlicker Duldsamkeit die aUerkläglichste Gleichgültigkeit gegen die Religion verbirgt, und deßhalb unvermeidlich die Ge­sellschaft der Auflösung aller göttlichen und menschlichen Bande eutgegensührt, hatte sein Sumpfwasser fast über die ganze civilisirte Welt ergossen, und jedes frische kirchliche Leben gelähmt. Alles, Erziehung und Unter­richt, Beispiel und Presse, Katheder und Kanzeln arbei­teten dafür.

Bereits galt die Kirche für ganze Schickten und Stände der Gesellschaft nur noch als eine Anstalt, die man eben duldete, gewisse Bräuche eines ehrwürdigen christlichen Herkommens durch sie abthun zu lassen, als eine Administration für pomphafte Leichenbegängnisse und Feierlichkeiten, als eine erkäuflicke Dienerin, die gegen baare Erkenntlichkeit Allen zu Dienst sei, wäh­rend sie jede Aeuß.rung der Selbstständigkeit und des eignen Lebens als ein Verbrechen gegen die allgemeine Q^dnulig büßen. mußte.

Schon. sollte die letzte Hand an das Wsxk gelegt werden, da ertönte ein allmächtiges: Bis hierher und nicht weiter! und siche, in der Zeit allgemeiner Ver­wirrung und Auflösung erhob die Kirche ruhig ihr Haupt, sammelte ihre Kinder um ihre Fahne, und wieS Blick und Herz ihrer Gläubigen aus dem Meere der Vereitelung und sinnlichen Betäubung zum Himmel hinauf.

Damals haben wir cs gesehen und die I a m, mergestaltcu stehen uns noch lebhaft vor der Seele trotz der jetzt wieder so stolz gehobenen Nacken und gewichtigen vornehmen Mienen wie, die bis dahin das große Wort geführt, und als Heilkünstler und Aerzte der Gegenwart sich erachtet, bei bem unerwarte­ten Tumulte zuerst Blick und Muth und Kraft ver­loren, und in der Angst ihres Herzens die lang vet* gebiete Kirche als Retterin in der Noth begrüßten, oder sie doch schweigend gewähren ließen. Diese Kirche ist im Kampfe alt geworden, aber das Alter hat sie nicht schwach gemacht; ihr Angesicht ist mit Narben be- beeft, aber die Narben haben ihre Würde erhöht; sie ist ihrer Reichthümer beraubt worden, und die Armen weinen darum, sie selbst aber fühlt sich noch eben so reich als in den Tagen ihres Besitzes; ihr Glanz ist verdunkclt, ihr Einfluß geschmälert, ihre Wuksamkeit durch künstliche Schranken beengt worden, und daS hat die Folgen gehabt, an denen wir jetzt leiden. Nicht Foltern, nickt Scheiterhaufen allein, auch Philosophen, Redner, Dichter, Politiker, Bureaukraten haben sie zu überwinden gesucht, aber sie sind ab­getreten von ihrem Schauplätze und die Kirche ist geblieben. Ihr Ende ist verkündet, ihr Grabgeläutc angcstimmt, ihre letzte Stunde mit Zuver­sicht erwartet worden, aber sie überlebt alle ihre Feinde. Viele kräftige StaatSkörper, viele mächtige Regenlenhäuser, viele blühende Völker und Nationen find an ihr vorübergegangcu ; sie aber st e h t n o ch eben so kräftig und fruchtbar ba, als in den Zeiten ihrer Jugend; und nach achtzehn Jahrhunderten zeigt sie uns noch dasselbe ruhige erhabene Antlitz, in dessen Augen wir wohl Thränen sehen kön­nen über die Verblendung der Menschen, aber keine Furcht vor den Gewalten dieser Welt!

Deutldjlonb.

C. Vom Taunus. Für das Jahr 1854 ist in Darmstadt ein sogen. Gustav - Adolphs - Kalender an's Licht getreten, der für die Folge alljährlich zu crsckci. neu gedenkt und den Zweck hat, daS evangelische Volk für den geringen Preis von 8 fr. mit bin jährlichen

Hauptergebnissen des VereinslebenS bekannt zu machen, und die Noth bedrängter evangelischer Gemeinden zu schildern. Dock will dieser Kalender auch einzelne merk­würdige Ereignisse auS der Vergangenheit der evangeli­schen Kirche berühren unb verspricht schließlich noch Ge- mcinnützlickcS, Belehrendes unb Erheiterndes in Ge­dichten , Fabeln, Anekdoten, SprüdWörtern u. s. w. zu bieten. Einsender ist schon seit Jahren Mitglied deS Gustav - AdophS - Vereins, findet cs darum nicht bloß sehr natürlich, sondern auch sehr erwünscht, wenn die" ser Verein alles auf bietet , um das evangelische Volk für seine Interessen zu erwäruicn. Ein rechter Gustav- Abolphs-Kalcnder scheint uns darum gar keine verfehlte Idee zu sein; aber wir sagen mit Nachdruck ein rech­ter, b. h. kein schlechter. Für einen schlechten müs­sen wir aber leider den 1854er erklären, selbst auf die Gefahr hin, daß wir zu denen gezählt werden, von de- n en cs pag. 4 heißt: Viele wollen den Dockt putzen, aber nur wenige wollen O e l dazu spenden. Wir haben, die feste Ueberzeugung daß mit einem solchen Kalender dem Vereine mehr geschahet, al» genützt wird. Mit Eckenstedcrwitzcn und trivialen Schwänken wird das Volk nicht für daS Evange­lium begeistert, und doch kann nur ein solches Volk dem Verein eine solide, dauernde BasiS geben. Wir würden kein Wort' zu erinnern haben, wenn dieser Kalender auch von einem recht kernhaften Humor durchzogen wäre, aber wer wagt die schäbigen Aneedoten pag. 33, 53 unb 54 Humer zu nennen? Was will ferner der Kaleuderman» durch die Erzählung von jenem meineidigen englischen Advocaten pag. 45 erzielen? Sieht es mit der Heilighaltung des EideS bei unserem Volke nicht traurig genug aué? Kann es gerecht­fertigt werden, wenn ein solche! Buch Gräuel der Art mit der größten Seelenruhe unter das Volk posaunt, und zwar ohne ein Wort flukd^r Entrüstung? Auch taö Glicht.pag- £4 ist so roh, bgp es ordentlich nach einer Kneipe riecht Ferner oft Schwank von Hans Sachs pag. 31 unpassend im höchsten G>ad, frivol und für oberflächliche Leser fast wie eine Apologie des Diebstahls Und endlich die Sprüchwörter am Schlüsse des Kalenders könnten auch die Herzen der Leser mit viel edlerem Golde bereichern. Summa, was soll dieß Zeug in einem Gustav-Adolphs-Kalender? Muß denn alles nach unserer blasirten Zeit schWecken, ehe man es dem armen Volk in die Hände gibt? Wer und aber einreben wollte, es sei auch viel Gutes in diesem Kalender enthalten, dem antworten wir, ja! aber weißt du nicht, daß ein wenig Sauerteig den gan­zen Teig versauert ? Wir wünschten eine Antwort auf die Frage: wird der Gustav-Adolphs Verein diesen und die jährlich zu hoffenden Kalender, wenn sie ihre Qualität nicht ändern, als seine Kinder anerkennen? Es wird davon abhängen, ob wir in den schon oft er­hobenen aber bisher immer von uus bekämpften Vor­wurf einftimmen: der Gustav - Adolphs ^ Verein baue Kirchen aber ruinire d i c K l r ch c.

Frankfurt, 28. Dec. (H. 6.) In den letzten Tagen hatte die Gothaer Partei hier im Hause des Ex- Schöffen Souchay große Versammlungen. Gagern, Reh, Bassermann, Welcker waren anwesend.

Frattkfurt, 31. Dee. DasFrankf. Journal" bringt als Beilage seiner heutigen Nummer den unuer« änderten Abdruck der vor hundert Jahren, anno 1753, Montags den 31. December erschienene» Nummer des damals mit Römisch Kaiserlicher Majestät Allergnä« digstem Privitegio herausgegehenen Franks. Journals. Das Original hatte sich vor dem Papierkotb geflüchtet und lag als Fließblalt in dem (Kassenbuch eines redli­chen Geschäftsmannes, der cs der Redaction zu einer neuen Auflage für All und Jung, Vornehm und Ge­ring mit einigen wohlgemeinten Randbemerkungen über­sandte.

* AuS Baden, 29. Dec. Die liberalen Blätter ergehen sich in den schärfsten Ausdrücken über die Flug- schristKatholiken paßt auf!" Man sollte wirklich meinen, schreibt man demMainzer Journal" vom Schwarzwald, wenn man diese Blätter liest, eS sei nie etwas gleich Verbrecherisches von der Presse erzeugt worden. Damit Ihre Leser doch erfahren, woran sie sind, lege ich ein Exemplar dieses Flugblattes bei, ba« ich ganz ober in den stärksten Stellen mit dem Schluß- vorschläge abzudrucknn bitte. Wenn wir auch nicht die ganze Fassung billigen, so vermögen wir doch dieses hyperserviUe Geschrei eines Frankfurter Journals und Genossen nimmermehr zu begreifen. Hätte diese Sorte

von Blättern nie etwas Extravaganteres geschrieben, eS stünde besser um ihren Rus bei den ordentlichen und ehrlichen Leuten, die mit großer Betrübniß wahrnehme», daß eine Zeit kommen konnte, in der dieselben Re» gierungSorgane werden konnten. (Das Flugblatt, be­merkt dasMainzer Journal" dazu: führt in herz­licher, populärer Sprache bem katholischen Volke die Leiden der Kirche seit mehr als fünfzig Jahren zu Ge­müthe unb mahnt eS an seine Pflichten, indem es zu Bittschriften an Se. Königliche Hoheit den Regenten, um dessen Weisheit und Herzensgute anzuflehen, und zum Gebete auffordert. Verbrecheriches ist nichts darin und wir können und den Herger gewisser Leute nur dadurch erstarrn , daß das meisterhaft, wenn auch viel­leicht bie und da etwas zu lebhaft geschriebene Blatt nicht ohne Wirkung vorübergegangen ist. Erlaubt es der uns angemessene Raum, so werden wir es nächster Tage abdrucken. Die Augsburger Postzeitung hat dieses, wie wir aus ihren neuesten uns verspätet zukommenden Niimmcrn ersehen, bereits gethan , die Pfälzer Zeitung gibt Auszüge daraus.)

Die kirchliche Bewegung in Baden hat nicht ver­fehlt, auch eine eigenthümliche Nomenclatur hervorzu- rufen. Der fragliche Conflict wird jetzt vomFrankf. I." als dashierarchische Attentat aus den badischen Staat" bezeichnet; während eine in unserer nächsten Nähe erfebeinenbe Zeitung, welche gegen ihre sonstige Ge­wohnheit in diesem Streit für die Regierung Partei nimmt in ihrer Abonnementsankündigung sichals Ver» fccbteriii der religiösen Aufklärung (sie!) anpreisct. Hier ist selbstredend nur eine religiöse Aufklärung « ls Ronge unb Eisighaus zu verstehen.

München, 27. Dcc. Gestern Abend erfolgte die Wiedereröffnung unseres HoftheaterS mit Goethe'S Faust. Als Se. Maj. der Kaiser Franz Joseph mit urffem beiden königlichen Majestäten in der Hosloge er­schien, wurden dieselben von der sehr zahlreichen Ver­sammlung unter Trompeten- und Paukenschall mit drei­maligem Hochrufen auf die herzlichste Weise begrüßt. Die pracht- und geschmackvolle, neue, höchst reiche Aus» ftattung des HoftheaterS, sowie die tagähnliche Gasbe» feinst ring, insbesondere durch einen großartigen herrli­chen Lüftre, erregten die Bewunderung aller Anwesen­den, und fühlte sich zum innigsten Danke gegen Se. Maj. den König verpflichtet, daß diese Kunstanstalt nun eine so höchst würdige Ausstattung erhalten hat. Wohl keine deutsche Stadt darf sich jetzt eines solchen Thea­ters rühmen, wie das unsrige, bas nun auch würdig in die Reihe der andern zahlreichen Prachtbauten unserer Stadt tritt.

Arolsen, 25. Dcc. Die Ständekammer ist heute, nachdem das Finanzgesetz zum Abschluß gebracht; auf unbestimmte Zeit gesetzlich zwei Monate ver­tagt worden.

Berlin, 29. Dec. Gestern Abend erfolgte die vorläufige Beisetzung der Leiche des Generals v. Rado- witz in brr GaliilsoiiSkirche. Obschon diese Beisetzung ganz in der Stille erfolgen sollte, hatten sich doch viele Freunde und Verehrer des Verewigten eingefunben, um den sterblichen Resten vom Sterbehause bis zur Gar- ussouskirche daS Geleite zu geben. In den ersten Ta­gen des neuen Jahres soll die Leiche auf der Auhalti- schtii Bahn nach Erfurt geführt werden. Nach dem Tode deS Generals v. Rabwitz wirb nun die Corre- spondenz des Königs, welche sich in dem Nachlasse des Generals findet, in das k. HauS - Archiv uiedergelegi werden.

Die Namen der preussischen StandeSherrn, um welche es sich bei dem Slahlschen Antrag vornehmlich handeln würde, sind nach der in der ersten Kammer ge< führten Liste, wie versichert wird, folgende: Am Rheir die Fürsten v. Solms - Braunfels, v. Solms - Hoheu> solms - Lich und v. Wied. In Westfalen : die Herzög« v. Aremberg, v. Looz und v. Croy; ferner die Fürster v. Salm-Salm, zu Sayn-Wittgenstein.Berleburg, Sayn Wi.'tgenstein-Willgcnstciii, Beiitbeiin-Tecklenburg-Rheda Leutheim-Slelnfurt, Salm-Horstmar; zu welchen zwöl StandeSherrn noch die beiden Fürsten v. Hohenzollerl gerechnet werden müssen.

Der von dem ReichSverweser zur Zeit der deulschti Ralivnal-Versammlung als Marinerath aogestellle Dr W. Jordan hat, wie wir vernehmen, jetzt begründet Aussicht, in Oesterreich eine Anstellung zu erhalten

Wien, 27. Dec. Durch Verordnung der oberste Polizeibehörde ist die Deutsche A l l g. Z e i t u n vom 1 I'"" i "' Oesterreich wieder erlaub