Nassauische Allgemeine
^ 305. Mittwoch den 28. December 1883.
Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für das 1. Quartal k. I. werden baldigst erbeten.
Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem beUelristifSe» Beiblatt „Der Wanderer" crimeini, Sonntag» ausytimmmrn, lägt>a> unc betragt der PranumeraUonSpieiS rur Wiesbaden und , nach dem neuen Kostregularid nunmehr auch är den ganzen Umfang des Lduin- und Talis'schen BerwaltungSdeurkS Mit Inbegriff des Pogauifchlags 2 ft, für die übrigen bänder des deuifib.oüerreicbisMen Pdüdereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die Vierspaluge Petitjeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Lauggaite 42, auswärts bei den nächstgelegene» Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Verordnung
Wir Adolph, von Gottes Gnaden Herzog zu Nassau rc. rc. haben zur Bestreitung des Staatsaufwandes für das Jahr 1854 mit Zustimmung Unserer Ständeversammlung einstweilen die Erhebung zweier Simpeln directer Steuern eintreten zu lassen beschlossen , und verordnen demnach wie folgt:
8- 1-
Ein Simplum Grund-, Gebäude- und Gewerbsteuer soll am 15. Januar 1854 und ein weiteres Simplum am 15. März 1854 erhoben werden.
§. 2.
Die Recepturbeamten haben die Erhebung nach der von Unserem Staatsministerium, Abtheilung der Finanzen , ergehenden Instruction den bestehenden Vorschriften gemäß zu besorgen.
8. 3.
Gegenwärtiger Beschluß soll durch das Verordnungsblatt öffentlich bekannt gemacht werden.
So gegeben Wiesbaden, den 24. Dec. 1853.
(L. 8.) Adolph.
Wittgenstein. Lex. Faber. Hadeln. Vollprscbt.
(Verordnungsblatt Nr. 37 vom 27. Dec. 1853.)
Dienstnachrichten.
Seine Hoheit der Herzog haben den Land- oberschultheisen Hofrath Kröber zu Idstein in den Ruhestand, den Landoberschulthcjsereiverwalter S e Y. berth von Wehen in gleicher Eigenschaft nach Idstein zu versetzen, dem Justizamtssecretär Hörten von Idstein die Verwaltung der Landoberschultheiserei zu Wehen zu übertragen und den Kreisamtssecretär Schellenberg von Höchst zum Justizamtssecretär zu Idstein zu ernennen geruht. .
Höchstdieselben haben den Kreisamtssecretär Anthes von Nassau in gleicher Eigenschaft nach Höchst zu versetzen, den Kreisamtsaccesststen Amman von Hadamar zum Kreisamtssecretär zu Nassau und den Hofgerichtsacccsststen Petri zu Wiesbaden zum Acces- flsten bei der Ministerialabtheilung der Finanzen zu ernennen geruht.
Seine Hoheit der Herzog haben den Landbaumeister Hoffmann zum Kreisbaumeister für den Baubezirk Wiesbaden gnädigst ernannt.
Psarrverwallter Ohly zu Cleeberg ist zum Pfarrer daselbst ernannt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Vom Kriegsschauplatz
Nachrichten aus Bukarest vom 7. Dec., welche der „Pr. Corr." zugekommen sind, bestätigen die Fortdauer der thatsächlich eingetretenen Waffenruhe, welche in der letzten Zeit nur durch den von uns bereits gemeldeten Angriff auf die kleine türkische Festung Matschin und durch ein unbedeutendes Gefecht zwischen einem zum Fouragiren auSgcschickten Detachement unregelmäßiger türkischer Reiterei und einer Kosakenab- thcilung in der Nähe von Calafat unterbrochen worden war. Zu Bukarest vermuthete man jedoch, daß in Kurzem ein ernsterer Angriff auf die türkische Stellung bei Calafat stattfinden werde. Der in der kleinen Walachei commandircude russische General Fischbach war nämlich durch einen Theil der bei Budeschti in der Nähe von Bukarest zusammengezogenen Truppen verstärkt worden, und am 7. sollte General Anrep von Bukarest nach Krajowa abgehen, um dort den Befehl über die in der kleinen Walachei befindlichen russischen Streitkräfte zu übernehmen. Die walachischen Milizen zu Krajowa, die 1200 Mann stark, dem General Fischbach vorgestellt waren, sollen sich beinahe gänzlich aufgelöst haben und theils in ihre Heimat, theils in die Gebirge an der siebenbürgischen Grenze desertirt sein. Zu Giurgewo wurde von russischer Seite fortwährend an der Verstärkung der Befestigungen gearbeitet. AuS dem Umstande, daß auch Sturmleitern in beträchtlicher Zahl angefertigt wurden, schloß man, daß vielleicht noch vor dem Eintreten des Frühlings ein Versuch zum Ueber- gange über die Donau gemacht und die Belagerung von Rustschuk eröffnet werden könne. Die Avantgarde
des Osten-Sackenschen Armeecorps sollte am 7. in Jassy einrückcn.
Aus Bukarest wird vom 12. geschrieben, daß in den letzten Tagen die Truppenzuzüge sehr stark zugenommen haben. In manchem Hause sind 25 Mann bequartirt. Alle Ortschaften in der Umgebung sind stark mit Truppen besetzt. Die Theuerung aller Lebensmitteln nimmt zu. Getreidemangel ist fühlbar geworden, obgleich über Reni fortwährend Proviantwägen kommen. Die Witterung ist wieder schlecht geworden; es regnet stark, wodurch das Marschiren sehr erschwert wird. Auch bei Giurgevo hat Treibeis die Donau Passage gesperrt. Am 20. wurden Truppen des Osten-Sacken'schen Corps in Bukarest erwartet.
Nach Berichten auS Bukarest vom 16. d. M. sind etwa 34,000 Mann von den einrückenden Corps für die kleine Walachei bestimmt worden. Der Marsch geht (wie bereits gemeldet) seit dem 12. d, M. ununterbro chen vor sich, und werden täglich circa 1000 bis 1500 Mann in Bewegung gesetzt. Auf der Straße von Bukarest nach Krajowa sind drei große Verpflegsmagazine errichtet worden, und zwar zu Babic, Tempeni und Slatine, aus welchen den Truppen ihre Verpflegsbedürf- nisse verabfolgt werden. Die schlechten, durch Schnee und Regen verdorbenen Straßen sind den Märschen sehr hinderlich, doch glaubt man, daß die Truppencon- centrirung in der kleinen Walachei bis Neujahr vollendet sein werde.
Aus Jassy schreibt man vom 15. d., daß der Ueber- gang der russ. Truppen des Corps Osten-Sacken über den Pruth nur langsam vor sich gehe. Es passiren täglich nur einige lOO Mann, meist Kosaken. Ein Bataillon Scharfschützen, deren Flinten in Lüttich gekauft wurden, ist ohne Aufenthalt nach Bukarest marschirt. Offiziere und Soldaten scheinen kriegsmuthig und begeistert. Die Verpflegung der Occupationsarmee erfor- dert jetzt einen täglichen Aufwand Don 150,000 S- R. Die Dorpostenpikets an der Donau erhalten Verpflegs- zulagen, eben so die.im Marsche befindlichen Truppen. Die Nachricht, daß Persien der Türkei den Krieg erklären werde, war in der Moldau bekannt und hat unter den Russen großen Jubel hcrvorgerufem
Einem Handelsbrief aus Jassy zufolge haben die Russen Befehl, b i e Donau am 2 0. d. Mrs. z u überschreiten; das 3. Armeecorps wird bis dahin in der Linie eingerückt sein, da der Rest dieses Corps am 15. und 16. in Jassy durchging; am 6. (18.) ist daselbst großer Ball, 1200 Personen sind dazu geladen beim Fürsten Woronzoff.
Aus Galacz schreibt man vom 14., daß daselbst noch immer neue Truppenzuzüge aus dem Norden eintreffen. Je nach der Zahl derselben gehen dann wieder Truppen von Galacz nach Braila ab, so daß ein ununterbrochener Truppenwechsel stattfiudet. Der Krankenstand in Galacz ist sehr bedeutend und wurden zwei Filial-Militärspitäler eingerichtet. In Braila wird sehr viel Artillerie postirt.
Ueber Triest find in Wien telegraphische Auszüge aus Briefen von Constantinopel eingetroffen, welche das Datum vom 12. d. tragen. Die Pforte hat in bet That den materiellen Beistand der englisch-französischen Flotte verlangt; die betreffenden Gesandten antworteten ausweichend, vvrschützcud: sie müßten die Instructionen ihrer Regierungen abwarren. Am 12 b. vor Abgang des Dampfers nach Triest hielten die Gesandten der Großmacht eine geheime Conferenz im -votcl des Baron Bruck. Einer andern Depesche zufolge wäre das Einlaufen der englisch-französischen Floite ins schwarze Meer eventuell zugesagt worden, wenn nämlich die Russen an der westlichen bulgarischen Seeküste oder an der südlichen bev Pontus Euxinus Truppen ausschiffen ober Operationen ausführen würden, welche als eine Diversion gegen Constantinopel zu betrachten wären: Wie der A. A. Z. aus Wien vom 22. December aus guter Quelle berichtet wird, gedenkt General Lüders die Donau zu überschreiten und die Türken bis an den TrajanswaU zurückzuwerfeu. Jener Rayon bildet, wie bekannt, außen den zwei Linien an der Donau und dem Balkan die dritte türk. Verthcidignngslinie, deren Basis die Donau mit der Straße von Malschiu über Hirsowa und Czernawoda, der Trajanswall und das schwarze Meer ist. Es ist wahrscheinlich, daß die Operationen des Generals Liders durch eine Flottenadthei- lung werden untestützt werden. Die englisch-französische Flotte würde sich dann, wie man vermuthet, in
Baltschik, fünf deutsche Meilen von Schumla, festsetzen (zwischen Varna und dem Vorgebirge Kali Akra), um dergestalt die Operationen Omer Pascha's zu „prote- giren." Man hofft aber hier und in Stambul, daß der Donauübergang des Gen. Lüders nicht stattfinden werde, wiewohl hiezu alle Vorbereitungen getroffen wurden. Seine Brückenequipagen stehen mit 16,000 M. vor der Mündung des Pruths in die Donau. Briefe ans Bukarest wollen auch wissen, dclß die Russen in jenem Rayon an demselben Tage (am 18 Dec.) die Donau passiren wollten, für welchen auch der Angriff auf Calafat bestimmt wurde. Dort stehen die von Karakol vorgedrungenen Russen schon in Radowan, wo sie sich mit der aus Krajowa vorgerückten Colonne verbanden, um in Gemeinschaft auf Calafat vorzugehen.
Nach auf außergewöhnlichem Wege aus Constantinopel vom 16. in Wien eingelaufenen Nachrichten ist der Courier mit der Wiener Collectivnote bereits dort. Neschid Pascha, auf selbe durch früher eingetroffene telegraphische Depeschen auS Semlin bereits vorbereitet, hat den Vertretern der vier Großmächte die feierliche Zusage gemacht, er werde im Divan mit der vollen Macht seines Ansehens und Wortes dahin wirken, daß der Weg zu einer Verständigung in befriedigender Weise «„gebahnt werde. Auch ist man bereits in Kenntniß, daß eine bedeutende Anzahl der Divansmitglieder einer ehrenvollen Aussicht auf Frieden das Wort reden wird. Das Begehren, die Flotten auslaufen zu lassen, wurde abgeschlagen und dies damit motivirt, weil die zerstörte türkische Flotte beauftrag war, nach Tscherkessien Munition zu bringen und die russischen Unterthanen zum Aufstande zu verleiten. Die große Rathsversammlung, in welcher über die Wiener Collectivnote berathen werden sollte, wird am 20. statlfinden.
Uebereinstimmend mit diesen (über Wien) eingelang- ten Nachrichten vom 16. meldet man den Franks. Bl. (über Paris) auS Coustanlluopel vom 15. Der Man versichert, der Divan habe die Wiederaufnahme der Verhandlungen genehmigt- — Die Flotten sind noch nicht in das schwarze Meer eingelaufenj, auf welchem durch die heftigen Stürme achtzig Handelsfahrzeuge, verloren gingen. Die Gctreideprcise sind um 25 bis 50 Piaster gestiegen. Zahlreiche Schiffe werden befrachtet. — Dcr persische Krieg ist officicll erklärt. Der Schah hat mit England gebrochen.
Die tiirl Admiralität beschäftigt sich neuerdings mit dem Plane, eine Schiffsexpedilion gegen die russische Halbinsel Krim auszurüsten. Die Gesandten Frankreichs und Englands haben von diesem, bei der jetzigen Jahreszeit sehr gewagten Plane abgerathen, und waren der Meinung, es sei sich darauf zu beschränken, den türkischen Hafenplätzen kräftigen Schutz angedeihen zu lassen. In Constantinopel war das, muthmaßlich für diese Zwecke erfundene Gerücht verbreitet, die Bergvölker an der Küste der Krim hätten große Sympathien für die Pforte an den Tag gelegt. Der türk. Gesandte in Persien befindet sich bereits auf der Reise; auch Mohamed-Khan, der persische Gesandte in Constantinopel, wird sich vorläufig nach Bagdad begeben.
Was das asiatische Kriegstheater anbetrifft, welches von dem ost genannten Fort St. Nicolas bis an den Ararat läuft, und in drei selbstständige Kriegsschauplätze zerfällt, den des Küstenlandes, den des Alagos-GebirgeS und jenen des Ararat- ober MassiS-Gebirges, so haben die glänzenden Siege der Nüssen und die neueste Haltung der Peiser die Stellung der türkischen Armee ganz verrückt. Es unterliegt keinem Zweifel, das Fürst Wo- ronzoff aus der Defensive treten und mit allen disponiblen Truppen am zweiten Kriegsschauplatz erscheinen wird. Briefe aus Odessa bestätigen dieß. Die Rusien gedenken mit dem rechten Flügel über Achalzik, mit dem GroS über Gumri trotz aller Hindernisse vorzudringen um Erzerum zu bedrohen; gleichzeitig hab das im dritten Kriegsschauplatz auf der Gränze ausgestellte russ. CorpS den Befehl erhalten eine Offcnsivbewegung gegen Bajazid zu unternehmen, offenbar um später eine Verbindung mit der persischen Armee zu suchen. Welche Folgen unter diesen Umständen für die türkisch-asiatische Armee eintreten müssen, ist einleuchtend. Die astatische Truppen sind nur bis zur ersten Niederlage muthig, dann aber gränzenlos zaghaft. Sollten die Perser über die Gränze rücken, und einen Kriegsschauplatz bilden, so dürste in den türkischen Winteranartieren große Verwirrung einreißen — eine Verwirrung, deren Ende wohl Zersprengung und Aufreibung wäre.
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