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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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JP: 303. Samstag den 24. December 1833.

Bestellungm auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für das 1. Quartal k. I. werden baldigst erbeten.

Dir,,Naffaugche gutgemeint Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonniagS ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postieguiaiiv nunmehr auch it den ganzen Umfang des Ldurn« und TarsS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbigriff deS PostauffchiagS 2 fl., für die übiigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. Anfrrate werden die vierspaltige Vetitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Vesterreich's Neutralität.

Wir haben wiederholt angedeutet, daß es den Eng­ländern bei ihrer jetzigen Parteinahme für die Türken nicht um die Türkei zu thun ist, sondern bloß um ihren Einfluß in der Türkei, den sie überwiegend zu begrün­den suchen, um den Einfluß Rußlands zu verdrängen. Sie besorgen, daß, wenn es Rußland bleibend gelingen sollte, den Orient politisch zu beherrschen, ihr Handel dabei leiden würde. England hat sehr wohl die Schwäche der Türkei zu erkennen gewußt; deßhalb hat es auch erkannt, daß zum Schutz derselben ihm noch andere Verbündete noth thun. Die Allianz Frankreichs war ihm nicht genug, theils weil dessen innere Zustände noch nicht hinreichende Verläßlichkeit bieten, theils auch weil Frankreich, gleich England, der Pforte nur zur See zu Hülfe kommen kann. Man wollte eine Landmacht mit in den Strauß ziehen. Daher wurde die neutrale Stel. lung Oesterreichs von der englischen Presse so arg au- gefeindet. Oesterreich sollte, ohne seine eigene Lage und seine politische Stellung zu berücksichtigen, mithel­fen den Einfluß Rußlands im Orient zu verdrängen, damit jener Englands an dessen Stelle sich festsetzen könne. In der Absicht, allgemein ein feindliches Ge­fühl gegen Rußland zu wecken, hatte man feit einigen Jahren unausgesetzt in allen möglichen Formen von des­sen Riesenkraft gesprochen. Es wurde zu beweisen ge­sucht, daß kein Staat für sich allein im Stande sei ihm zu widerstehen, daß daher alle sich vereinigen sollen, um jenes Uebergewicht, das alle Existenzen bedrohe, zu brechen. Rußland, ward beigefügt, habe den Stamm einer Marine vorbereitet, welche nur die Bezwingung deS Sunds und der Dardanellen erwarte, um sich über alle Meere zu ent­falten und weithin die Welt zur See wie zu Land zu beherrschen. Und diese Warnungen kamen anS Eng­land. Die unumschränkte Königin aller Meere, die in allen feste Punkte und Ansiedelungen, zu allen Meeren gleichsam den Schlüssel besitzt, führte diese ängstliche Sprache, die dem britischen Stolz so fremd ist, daß man sich abermals wohl erlauben darf, an deren Auf­richtigkeit zu zweifeln. In keinem Land hat man so viel über das Innere Rußlands geschrieben, wie in England mitunter auch gründlich und wahr. Die richtigen Verhältnisse der russischen Macht sind daher in England nicht unbekannt, und wenn man sie, wie cs jetzt jeden Tag der Fall ist, bald übertreibt, bald un- tcrschätzt, so geschieht eS in der Absicht, entweder En- ropa zu schrecken, oder der Türkei Muth cinzuflößen. Nun aber kann man sich aus den Ereignissen nicht nur den richtigen Maßstab dieser Verhältnisse ableiten, son­dern auch die wahren Absichten Rußlands erkennen. Offenbar ist es, daß Rußland den Krieg weder wollte, noch ihn erwartete; alle Porfallenheiten an der Donau gleich wie auch in Asien, beweisen zur Genüge, daß es nichts dazu vorbereitet hatte. Die bekannte stabile Aufstellung der ganzen russischen Streitmacht, deren Schwerpunkte im Westen und im Norden liegen, während die südöstlichen Theile von jeher immer sehr schwach besetzt waren, sollte jedem unbefangenen Be­obachter zum Beweis dienen, daß Rußland seit dem Frieden von Adrianopel keine Invasion der Türkei be­absichtigte. Die Armee-Abtheilungen abgerechnet, welche aus Gebieten die sie besetzen, wie Sibirien, den kauka fischen Provinzen, dem Oreuburg'schen Gouvernement, aus welchem Central-Asien und die zahlreichen Kirgisen beobachtet werden, nickt weggezogen werden können, bleibt der russischen Regierung für einen Krieg gegen die Türkei oder überhaupt für einen Krieg in Europa eine Truppenmacht verfügbar, die keineswegs den Ar­meen der großen Staaten überlegen ist. Und »diese Macht wird noch geschwächt durch den nickt zu besei­tigenden Nachtheil der großen Entfernungen und die Schwierigkeit, die Reserve der Armee bei der geringen Dichtigkeit der Bevölkerung schnell aufzubieten und zu vermehren. Dieser allgemein bemerkte Unter­schied zwischen dem Stand der russischen Truppen und ihrer im Krieg verfügbaren Zahl veranlaßt die Kurz­sichtigen oder Uebelwollenden zu sagen, daß bloß eine schlecht organisirte Verwaltung denselben herbcfführe, während er (bekannte Mängel der Verwaltung zuge­geben) die unvermeidliche Folge des Verhältnisses der Bevölkerung zum Raum ist. Diese Erörterung hat nicht zum Zweck den Begriff den man von der Macht Rußlands hat, zu schwächen, sondern diese auf ihren wahren Be­stand zurückzuführen. Denn seitdem Kaiser Nicolaus, jftfy Die nächste Nummer des

erhaben über kleinliche politische Rücksichten, seinen per- sönlichen moralischen Einfluß und seine materielle Kraft angewendet hat um den Revolutionen einen festen Damm entgegeuznsetzen, hat man, um das Vertrauen der Eon- servativen zu erschüttern absichtlich die Macht Rußlands vergrößert, und dem Czaar Eroberungsprojecte solchen Umfangs unterstellt, daß selbst wenn sie ausführbar wären, sie an und für sich dem russischen Reich nur Verderben bringen könnten, weil sie außer allen Ver­hältnissen mit der wirklichen Macht Rußlands ständen. Ein englisches Blatt (The Preß) sagte neulich, daß die Regierung des Kaisers Nikolaus auf die Grundlage der Autokratie, der Orthodoxie und der Nationalität sich stütze. Diese wahre Bestimmung der russischen Staatsautorität, bemerkt der von uns wiederholt citirte officiöse Korrespondent derA. A. Z."von der Do­nau", hat eine Tragweite, die von dem Verfasser der­selben entweder nicht geahnt oder verschwiegen wurde. Die Orthodoxie , so lange sie eine dogmatische Ueber­zeugung bleibt, beruhigt das Gewissen ihrer Bekenner, ohne ihre Gefühle aufzuregen. Sie strebt, wenn auch nach der friedlichen Thätigkeit des Apostolats nicht nach der krie­gerischen Ausbreitung? ihres Glaubens. Sobald die Re- gierug im Namen der Orthodoxie spricht, sobald die Ge­setzgebung den Zwang an die Stelle der Ueberzeugung setzt, lebt die Orthodoxie als ein Gefühl zugleich deS Glaubens und des Gehorsams im Volke auf. Dieses Gesühl, welches als ein überirdisches Härte in dem Ge­wissen bleiben sollen, wird dann eine Waffe zur Be gründung und Vergrößerung der Macht der Kirche, und je zahlreicher das Volk, um so größer wird diese Macht. Sie vereinigt sich dann mit jener der Natio­nalität, welche ebenfalls allein im Volke wurzelt. Diese zwei Mächte stützen sich wechselseitig. Ihre Thätigkeit bildet heute schon eine Strömung, welche so gewaltig wird, daß sie die Autokratie mit sich fortzureißen droht. Weil jedoch England viel daran liegt, diese Strömung aofzuhalten, wird sie einzig der Eigeumacht des Kaisers zugeschrieben, und alles, was das englische Volk dem russischen zu sagen hätte, aber zu sagen Anstand nimmt, wird an die Person des Czaren gerichtet. Oesterreich kennt die Tragweite dieser Verhältnisse, die Schwierig» feiten die der russischen Regierung daraus erwachsen und weiß, (abgesehen davon, daß die bündigsten Erklärn«» gen von Seite deS Ezaren in dem jetzigen concreten Falle vorlitgcn,) was - von den angesonnenen Erobe- rungsplänkn dieser Macht zu halten ist. Die Inter- essen Rußlands aus diesem böhern Standpunct betrach­tet, zeigen daher, wie tief begründet und gerechtfertigt die Neutralität Oesterreichs sei.

Sritth1)hi$ib.

X Dom Westerwald. So eben lese ich in Nr. 300 dieses Blattes einen Artikel von der Lahn, be­treffend die Stockbücher und deren Fortführung, welchem ich, da ich der Ausstellung derselben und dem bisherigen Fortgang nicht fremd geblieben bin, einiges zur Berich­tigung beifügen wollte. So viel in bisher Gegend bekannt, sind die Stockbücher allgemein in einem sehr befriedigenden Zustande, dieselben sind in hiesiger Gegend soweit gediehen, daß solche in den nächsten Tagen, nach­dem daS Ab- und Zuschreiben der seit dem 1. Januar d. I. vorgekommeucn Veränderungen von dem Land« oberschulthtiscreipersonal besorgt worden ist, auf. die Landobcrschultheijerei - Bürcans abgeheü, damit daselbst der Jahresabschluß erwirkt und demnächst die Heblisten über Gebäude-, Grund- unb Staat oft euer festgesetzt werden. Obgleich nun nickt zu verkennen ist, daß tii den Steckbüchern manche Unrichtigkeiten enthalten sind, so muß man doch auch bedenken, daß, ohne eine vor- hergegangene Konsolidation, dieselben ulchL zu beseitigen waren. Dock Gottlob! daß die Sache einmal so ist, wie sie gegenwärtig steht. Es, ist doch nun ein Buch vorhanden, worauf man fußen kann. Wie oft ist eS früher nicht vorgekommen, daß Jemand glaubte, er habe eine erste Hypothek und hatte kaum eine zweite oder Nachhypothek, oder daß Jemand Immobilien verpfän­dete, welche schon längst nicht mehr sein Eigenthum waren. Diesen und vielen andern Unannehmlichkeiten ist nunmehr durch das Stockbuck vorgebeugt. Was nun die fernere Führung des StockbuchS betrifft, |o legt der Korrespondent von der Lahn- welcher indessen am Fuß des WesterwaldeS zu suchen sein wird, (?) ein zu großes Gewicht darauf, daß dieselbe nur von qualtfieir- ten Gehülfen geschehe. Ist denn die Führung deS lattes erscheint Dienstag, am zweiten

StockbuchS wirklich sckwierig und sind zu derselben große Kenntniße erforderlich? Ich glaube nicht, daß Schwie­rigkeiten vorliegen und große Kenntnisse vonnöthen sind. Hat sich Jemand die 4 biS 5 Formen des Ab- und Zuschreibens eigen gemacht und schreibt Jemand eine le­serliche Hand, so ist er zur Fortführung des Stockbuchs zu gebrauchen. Ganz anders verhält es sich indessen mit den übrigen ungleich schwierigen Geschäften der Landober- sckultheisereien, wozu namentlich das Inventar-und Thei» lungö-Fach, das Vormundschafts-, Kitchen- und Gemeinde» rechuuugswescn, worunter die Cassenvisitation und Aufstel­lung der Recknungsüberschläge, und die freiwilligen und Zwangsversteigerungen gehören. Diese Geschäfte können und dürfen nur die eidlich verpflichteten Landoberschultheisc- rci-Gehülfen vornehmen, und um diese Geschäfte genau zu kennen und zu behandeln wissen, gehört jahrelange Er­fahrung. Die Führung der Stockbücher, eine rein mechanische Arbeit, den qualisicirten Gehülfen geben und die mit großen Kenutnißen und langen Erfahrungen verbundenen Geschäfte durch jüngere weniger befähigte Gehülfen besorgen lassen, wäre geeignet ein Stockung in das jLandoberschultheißcrei-Wesen herbeiführen. Doch wird sich hoffentlich kein älterer Gehülfe der noch Lust und Liebe zu den Landoberschultheißerei Geschäften hat, zur Führung des Stockbuchs bergeben. Was sodann den letzten Satz des erwähnten Korrespondenten hin­sichtlich der dringend gebotenen Reorganisation deS Landoberschultheißerei-Faches betrifft, so wäre dieses sehr, jedoch erst dann zu wünschen, wenn die Landoberschultheißerei mit ihrer Besoldung fixirt und die Gehülfen angestellt würden; doch für jetzt könnte, da bis zu der gedachten Reorganisation vielleicht noch Jahre vergehen, es so geschehen, daß im Regierungs- wege den Landoberschulthe'.fen die Gehülfen, wenn auch auf ihre (den Landoberschultheisen) Kosten mit einem entsprechenden Gehalt hingewiesen würden, der Gehülfe wäre nicht so der Laune und Willkür seines Chefs preis­gegeben und könnte ihm auch, wenn die Arbeit abnâhme nicht die Hälfte seines versprochenen Salairs nur auS- bezahlt werden, wie dieses bereits vorgekommen ist. Daß es auch gute Chefs gibt, welche ihre Gehülfen an« ständig behandeln und auf deren späteres Fortkommen eifrigst bemüht sind und den Gehülfen leid ist, wenn eine Veränderung des Landoberschullheisereiwcsens ein» treten sollte, brauche ich nur anzudeuten. Gute Ge­hülfen find für daS Landobcrschulthcisenwesen von großem Vortheil, und sollte deshalb auch die Regierung darauf Bedacht nehmen, d?ß gualiftcirte Gehülfen im Dienste bleiben und durch irgend eine Verfügung ihnen nur einigermaßen im Alter eine Pension in Aussicht stellen. Leider aber verlassen die Gehülfen, sobald sich eine günstigere Stellung darbietet, ihre gegegwärtige Lauf- bahn und so kömmt es oft, daß es an qualisicirten ®e« Hülfen fehlt.

Frankfurt, 23. Dec. In der gestrigen Sitzung des Bundestages wurden 40,000 fl. bewilligt, welche zur Deckung verschiedener laufender Dotationsbedürfnisse von Ulm und Rastalt für das erste Semester 1854 dienen sollen, In der lippeschen Verfassungssache hielt der Ausschuß einen Vortrag und wurde beschlossen, über die Antwort desselben die Erklärungen der Regie­rungen einzubolen. Bayern trat den früher vorge- legten Bestimmungen über das Vercinswesen bei. Brannsckweig theilte eine Uebersicht der bei ihm bestehen­den Eisenbahnen mit. Preußen legte den Muster- URgSberickt über einen Theil der Rcserve-Jufanterie- Division vor. Anhalt-Lernburg theilte mit, daß der Bundköbeschluß wegen deS hohen Adels der Bentinckscheu Familie von ihm publirrrt sei. Den BnndeSbcschlüs- fen über die gegenseitige Auslieferung gemeiner Ver­brecher ist Amburg bekan ittich nicht beigetreten; es kam daher diese Angelegenheit in der gestrigen Sitzung noch­mals zur Sprache. Man konnte sich jedoch über eine deßwegen nothwendige anderweitige Fassung des betref­fenden Bllndeöbeschlusfes nicht einigen, indem zu diesen Abänderungen die Genehmigung der Regierungen von mehren Seifén für nothwendig erachtet wird. Der knrhesstsche Gesandte hielt einen Vortrag über die bet - Bundesversammlung, kürzlich zur Prüfung mitgctheilte Erfindung eines neuen Kaffeesurrogats. Unter den Prwakei«gaben ist besonders die deS Landgrafen von Philippsthat zn erwähnen, der seinen früheren Protest in Betreff einzelner Bestimmungen der kurhessischen Ver­fassung in Erinnerung bringt.

Die Angabe, die belgischen Zollbehörden seien in-

Weihnachtsfeiertag wird Mittags eine