Nassauische Allgemeine Zeitung.
^ S«S Freitag de» 23. December 1833.
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Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Poftregulariv nunntehr auch ür den ganzen Umfang deS Thurn- und Taris^schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Poftaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr, — Inserate werden die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
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Die Seeschlacht bei Sinope.
Nachstehend werden einige detaillirte Nachrichten über den bei Sinope erfolgten Sieg nach mündlichen Angaben in russischen Blättern mitgetbeilt:
An den Usern Anatoliens kreuzend, erblickte der Viceadmiral Nachimow vom Meere aus eine Abtheilung türkischer Kriegsfahrzeuge auf der Rhede von Sinope. Am folgenden Tage hinderte ihn ein heftiger, Sturm aus W., sich Sinope zu nähern. Er entsandte sogleich das Dampfschiff „Bessarabia" nach Sewastopol mit der Nachricht, daß feindliche Fohrzeuge auf der Rhede von Sinope lägen. Nach Empfang dieser Nachricht wurde den drei Linienschiffen von 120 Kanonen: Paris, Großfürst Constantin und Tri Sswjatitelja befohlen, unter der Flagge des Contreadmiral Nowossil'ski nach dem Meridian von Sinope abzugehen und zu dem Viceadmiral Nachimow zu stoßen. Unterdessen hatte der Vice- admiral Nachimow mit 3 Schiffen und einer Brigg, den günstigen Wind benutzend, die Rhede von Sinope recognoscirt und die Position des feindlichen Detachements besichtigt, welches auS 7 Fregatten, 1 Sloop, 2 Corvetten, 2 Transportschiffen und 2 Dampfern bestand. Diese Fahrzeuge waren bogenförmig längs dem Ufer ausgestellt, mit seitwärts ansgeworfene» Wurfankern, um bei jedem Winde eine Linie bilden zu können. Am Ufer waren, den Zwischenräumen der Schiffe gegenüber, 5 Batterien errichtet. Vom 15. auf dem 16. November (alten Styls) traf der Contreadmiral Nowossil'ski mit seiner Abtheilung bei der Escadre ein. An demselben Tage erließ der Viceadmiral Nachimow den Tagesbefehl, daß der Admiral beim ersten günstigen Wind den Feind anzugreifen beabsichtige, in zwei Colonnen, deren rechte der Viceadmiral Nachimow führen würde, mit seiner Flagge auf dem Schiffe Kaiserin Maria, und daß die Schiffe Großfürst Constantin und Tschesme ihm folgen sollten. Die linke Colonne, unter Befehl des Conlre- admirals Nowossil'ski, sollte aus den Schiffen Paris, Tri Sswjatitelja und Rustisslaw bestehen.
Am 18., bei leichtem günstigem Winde aus ONO., wurde der Escadre, um 10 Uhr Morgens, durch ein Signal des Admirals anbefohlen, sich zum Kampfe bereit zu machen und auf die Rhede vor Sinope zu gehen. Die Schiffe beider Colonnen, unter Leesegeln, nähercen sich dem Feinde, welcher des herrschenden Nebels und Regens wegen kaum eine halbe Meile entfernt sichtbar wurde. Der Viceadmiral Nachimow ging auf ungefähr 250 Faden an die beiden feindlichen Fregatten heran, deren eine die Viceadmiralflagge zeigte und hinter deren Spiegel sich am Ufer eine Batterie von 12 Kanonen befand, und warf Anker und Wurf, anker. Das Schiff Paris ging znr selben Zeit vor Anker, die andern Schiffe nahmen beim Herankommen die ihm angewiesenen Plätze ein. Kaum hatte das Admiralsschiff den Anker sinken lassen, als der Feind gegen unsere Schiffe ein heftiges Feuer von allen seinen Fahrzeugen und Batterien eröffnete; seine Schüsse thaten dem Masten - und Spierenwerke großen Schaden, die Schiffe wandten ihre Seite gegen den Feind und fingen an, ihn durch ihr ununterbrochenes und wohlgezieltes Feuren niederzuschmettern; das Schiff Großfürst Constantin rasirte, in nicht längerer Zeit als 5 Minuten, eine feindliche Batterie, die sich in seiner Schußlinie befand; die feindliche Fregatte, welche in der Nähe- stand und gegen die er vorzugsweise aus feinen Bom- benkanonen des unteren Decks feuerte, flog in die Luft. Bald darauf sprengte das Schiff Paris durch Bomben noch eine türkische Fregatte in die Luft. Nach einer Stunde wurde durch die wohlgezielten Schüsse unserer Schiffe das feindliche Feuer schwächer; unterdessen wurden auf den Schiffen Kaiserin Maria und Tri Sswjatitelja die Wursankertaue vom Feinde durchschossen, sie hatten jedoch ans ihren Barkassen Wurfanker mit Kabeltauen , welche sie auch unter dem feindlichen Feuer auswarfen. — Um 2 Uhr hörte das Feuer von den feindlichen Fahrzeugen fast ganz auf; drei Fregatten, darunter die des Admirals von 74 Kanonen, standen in Flammen und von zwei durch Schüsse durchbohrten und gesunkenen Transportschiffen waren nur die Masten sichtbar. Der türkische Theil der Stadt brannte an zwei Stellen; um 2% Uhr wurde auf das Signal des Admirals der Kampf eingestellt und zu gleicher Zeit ein Offizier als Parlamentair in die Stadt gesandt, um der türkischen Localobrigkeil wissen zu lassen, daß, wenn auch nur ein Schuß von den Batterien oder vom
Ufer fallen sollte, der Admiral die Stadt von Grund aus zerstören und abbrenneu würde. Dieser Offizier, welcher ungefähr eine Stunde am Ufer blieb, konnte nicht nur die Localobrigkeit nicht auffinden, sondern überhaupt keinen Türken; diese hatten sich in die nächsten Dörfer geflüchtet. Die Fregatten Kagul und Ku- lewtschi befanden sich beim Beginne des Kampfes, laut Befehl des Admirals, unter Segeln auf der Rhede, um, falls einige feindliche Schiffe sich durch die Flucht zu retten versuchen sollten, sie daran zu verhindern. Sie stießen gegen das Ende der Schlacht zur Flotte und agirten vorzugsweise gegen die Corvette und die Sloop, die sich hinter dem Spiegel des Schiffes Rostifflaw befanden.
Am 17, sobald die Dampfschiffe Odessa, Krim nnd Chersones zum Auslaufen bereit waren, ging der Ge- neral-Adjutant Kornilow mit denselben aus Ssewasto- pol nach Sinope ab, zur Escadre des Vice-Admirals Nachimow, Am 18. sah man, bald nach 12 Uhr, vom Dampfschiffe Odessa, auf welchem sich der General-Ad. jutant Kornilow befand, über der Landzunge, auf welcher die Stadt Sinope gelegen ist, den Umfang der Schlacht unserer EScadre, und die Dampfer begannen ihren Lauf so viel als möglich zu beschleunigen, um rascher die Rbede zu erreichen; als sie am Vorgebirge bei Sinope vorübergingen, wurde die türkische Dampf- Fregatte Taif, von 20 Kanonen, sichtbar, welche während des Kampfes geheizt hatte und bemüht war, durch die Flucht sich vor dem allgemeinen Untergänge zu retten. Der General-Adjutant Kornilow befahl seine Flagge auf dem Dampfschiffe Odessa aufzuhissen und dem türkischen Dampfschiffe den Curs abzuschnciden, welches, als es dieses gewahr wurde, seine frühere Richtung veränderte und längs dem Ufer hinlief. Als das Dampfschiff Odessa sich bis auf Kanonenschußweite ge- nähert hatte, eröffnete es das Feuer; nach einer Kanonade von einer Stunde überzeugte man sich zum großen Leidwesen, daß das feindliche Dampfschiff an Schucllig keit überlegen und ungeachtet dessen, daß es fast dreimal stärker als das Dampfschiff Odessa war, sich nicht entschloß, den Kampf anzunehmen, sondern nur zu entkommen suchte. Als es schon außer der Schußweite war, kehrte der General-Adjutant Kornilow von der Verfolgung zur Escadre des Vice-Admirals Nachimow zurück, indem er den Dampfern Krim und Chersones ibm zu folgen befahl. Den Dampfschiffen Krim und Chersones wurde sogleich vorgeschrieben, die Schiffe aus dem Schusse der Ufer-Batterie zu bugsiren, für den Fall, daß es dem Feinde einfallen sollte, in der Nacht das Feuer zu erneuern. Das Dampfschiff Odessa erhielt den Befehl, die Fregatte Damiette, welche am wenigsten von unsern Schüssen gelitten hatte, zu nehmen und vom Ufer fortzuführen; auf derselben fand man ungefähr 100 Mann der Bemannung und mehr als 50 Verwundete. Der Commandeur und die Offiziere halten die Fregatte schon im Anfänge des Gefechts verlassen , indem sie alle Ruderboote wegnahmen und sich in schimpflicher Flucht an's User zu retten suchten. Als am Abend auf den brennenden Schiffen die Geschütze glühend wurden, sendeten sie ihre Kugeln auf die Rhed hinaus, die unseren Fahrzeugen übrigens fast keinen Schaden verursachte». Als das Feuer endlich die Pulverkammern erreichte, flogen sie in die Luft; die brennenden Trümmer fielen auf den türkischen Theil der Stadt, und setzten ihn in Brand; gegen Mitternacht stand der ganze von einer steinernen Mauer umgebene Raum in Flammen; der von Griechen bewohnte Theil der Stadt blieb von der Feuersbrunst unversehrt. Am 19., bei Tagesanbruch, blieben von den 12 Fahrzeugen aus denen die türkische Escadre bestand, auf der Rhede die Fregatte Damiette im Schlepptau des Dampfjchiffes Odessa,'die Sloop und Corvette, ganz zerschossen , auf dem Strande am Süduscr der Bnchl. Nach aufmerksamer Besichtigung erwies es sich, daß die Fregatte Damiette 17 Kugeln unter dem Wasser erhalten hatte, der ganze Diumpf unterm Wasser, die Masten nnd Takelage waren in dem Grad beschädigt, daß ohne bedeutende Reparaturen, die viel Zeit gekostet hatten, es unmöglich gewesen wäre, sie bis Ssewastopol zu bringen, es wurde demnach befohlen, sie ans Ufer zu werfen und in Brand zu stecken.
Den Boten der Fregatte Kagul war der Bèfehl ertheilt worden, die Sloop und die Corvette anzuzünden. Die hiermit beauftragten Offiziere fanden aus der Sloop den Chef der türkischen Eöcadre, OSMan Päscha, am
rechten Beine verwundet, einen Fregatten-Commandeur, den Commandeur der Corvette und 80 Matrosen. Die türkischen Chefs und die Mannschaft wurden zu Kriegsgefangenen gemacht und abgeführt, erstere auf das Dampfschiff Odessa, letztere auf das Schiff Tschesme. Gegen Abend fand sich auf der Rhede von Sinope kein türkisches Schiff mehr auf dem Wasser. Kaum halte der Kampf aufgehört, so gingen die Mannschaften unserer Schiffe, die sich so ruhmvoll ihrer Geschütze bedient hatten, mit neuem Eifer an die Reparatur der uns vom Feinde zugefügten Beschädigungen, welche sich größtentheils auf die Masten und Takelage beschränkten. Am meisten hatten in ihrer Armirung gelitten: die Schiffe Kaiserin Maria, Tri-Sswjatitelja, Großfürst Konstantin und Rostisslaw. Die ganze Escadre des Vice- Admiral Nachimow lichtete am 20. auf der Rhede von Sinope die Anker, die beschädigten Schiffe wurden von den Dampfschiffen bugsirt, und am 22. langten die Schiffe Kaiserin Maria, Tri-Sswjatitelja und Großfürst Konstantin auf der Rhede von Ssewasto- pvl ein. ______________
Vie Einnahmen des Zollvereins im Lahr
1853.
Die provisorische Abrechnung zur Vertheilung der Reineinnahme des Zollvereins während der drei ersten Quartale 1853 hat bereits stattgefunden. Die Roh- einnahme bei den Eingangszöüen betrug 16,102,300 Thlr.; an Aus- und Durchgangszöllen 628,269 Thlr., zusammen also 16,730,569 Thlr. Als reine Einnahme blieben 14,223,901 Thlr. Setzen wir voraus, daß die Einnahmen der letzten drei Monate sich symmetrisch zu den ersten verhalten, so müßen sie 4,741,300 Thlr. tragen und die reine Einnahme des Jahres 1853 sich auf nicht ganz 19 Mill, berechnen. Nun betrug aber die Reineinnahme des Zollvereins
1840 . . . . 19,186,684 1845 25,123,112
1848 .... 20,092,497 1852 .... 21,844,057 1853 . . . . 19,000,000.
Das Jahr 1853 stände finanziell also noch hinter 1840, und wir hätten daher seit 1845, dem Glanzpunkte des Zollvereins, mehr und mehr Rückschritte gemacht. Indessen scheint hier eine vorübergehende Ursache zu wirken. Nach dem Septembervertrag werden die Hauptfinanzzölle bedeutend herabgesetzt. Die Kaufleute im Zollverein mußten daher ihre Lager von Colonialwaa- ren aufräumen, und im Laufe des Jahres nur soviel importiren als der Verbrauch forderte. Was daher 1853 ausfallen wird, muß das Jahr 1854 ergänzen.
Deutschland.
Wiesbaden, 22. Dec. Von dem hiesigen Kreis, amt ist eine Untersuchung gegen die Bürger von Biebrich eingeleitet, welche zur Unterzeichnung einer Petition an das Herzogliche Ministerium in der Eisenbahn- Angelegenheit am 15. d. M. zusammentraten ohne die nach dem provisorischen Vereins - und Versammlungs- gcsctz vom 13. Dec. 1851 erforderliche polizeiliche Erlaubniß zu der Versammlung eingeholt zu haben.
Frankfurt, 22. Dec. Das Jour«, de Francfort erzählt in seiner heutigen Nummer ein merkwürdiges Ereigniß, welches sich am vorigen Samstag im großh. Schlosse zu Karlsruhe zugetragen habe. Se. L Hoheit der Regent war in seinem Zimmer mit Schreiben beschäftigt. Da öffnet sich plötzlich die Thüre und ein Unbekannter tritt ein. Der Regent fragt ihn, was er wolle, und da er keine Antwort erhält, so steht er auf, um die Klingel zu ziehen. Der Unbekannte, vielleicht verblüfft durcv die Geistesgegenwart des Fürsten, verläßt rasch daS Zimmer und, von dem Regenten sich verfolgt sehend, springt er im Vorzimmer zum Fenster hinaus. Diesem Ereigniß wird es an mannigfachen Commentarien nicht fehlen; hier möge nur der Wunsch angefügt werden, daß in Zukunft der Zutritt zum Regenten nicht so leicht und unbewacht sein möge, wie im obigen Fall. ,
I* Aus Baden, 20. Dec. Im Laufe des gestrigen TageS haben in Karlsruhe und an anderen Orten Des Herzogthums Haussuchungen und in Folge deren mehrfache Verhaftungen stattgefunden. Näheres ist zur Stunde noch nicht bekannt, doch wird aus guter Quelle als die Ursache dieser Maßnahmen bei den Einen Mit-