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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr. 30/, Donnerstag den 22. December 1SS3«

Bestellungen auf die Nassauische Allgeineine Zeitung für das 1. Quartal k. I. werden baldigst erbeten.

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Die,,Naffaulsche Allgemeine Zeitung" mit Dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonnragS ausgenommen, täglich unt beträgt der PranumeranonspretS für Wiesbaden und , nach dem neuen Poftregulariv nunmehr auch 2r den ganzen Umfang deS Tburn- und TariS'schen BerwaltungsbezirkS mit Inbegriff des PostaufschlagS 2 st., tür die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Zollvereins , wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltige Petitjelle oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langpässe 42, auswärts bei den nächftgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Concession zur Vermittelung bes Trans­ports von Auswanderern.

Dem Nicolaus Kölsch zu Ems, als Haupt-Agent deS H. I. A. Felg Huys zu Antwerpen und des F. W. ® 0 e b e cf e r jun. zu Bremen, ist die Erlaubniß zum gewerbemäßigen Betrieb der Bermittelung des Trans­ports von Auswanderern aus dem Herzogtum den in den Verordnungen vom 31. Januar 1849 und 8. Juli 1853 enthaltenen näheren Bestimmungen ertheilt werden.

Wiesbaden, den 17. December 1853.

Herzogliche Ministerialabtheilung des Innern. Faber.

vdt. Grimmel.

Nichtamtlicher Theil.

Lord Palmerstons Rücktritt.

Der bekannte, gut unterrichtete Londoner Corresp. der A A. Z. gibt diesem Blatte einige interessante Details über den Rücktritt des Lord Palmerston und über seine künftige Haltung wie über die nun bevorste­henden Maßregeln des britischen Ministeriums, die wir in Nachstehendem mittbeilen. In den höher» politischen Kreisen Londons wußte man seit ungefähr 14 Tagen, daß sich sehr enstliche Schwierigkeiten zwischen Lord Pal­merston und seinen College» wegen der vorgeschlagenen neuen Reformbist erhoben, und in den letzten paar Ta­gen erklärte er seinen entschiedenen Widerspruch gegen diese Maßregel. Es ist, glaub' ich, vollkommen richtig, daß seine Einwendungen sich eben auf diese Maßregel beschränkten, und daß im Verlauf der Korrespondenz die zur Abdankung dieses Ministers führte kein Anspiel aus die orientalische Frage vorkam. Was die ParlamenM- reform betrifft, so widerstreitet Palmerston selbst der Er­weiterung deS grafschaftlichen Wahlrechts und der Dis- franchisirung (Wahlrechtsentziehung) bei den kleinen Burgflecken, welche Vorschläge in den Scheduln A und B des neuen Russell'schen Plans figuriren. Die Spe- culation wird sich natürlich mit Eifer auf die Frage werfen: ob die Reformbist der einzige, oder der eigent> licht, Beweggrund zu Palmerstons Rücktritt war, und daS europäische Publicum namentlich dürfte Mühe ha­ben, in einem und demselben Mann den Kämpen der Revolution auf dem Continent und einen Hochtory- Minister in England vereinigt zu finden. Aber Vis­conut Palmerston hegt wirklich und aufrichtig diese Ansichten, und niemand ist weniger geneigt als er, dem demokratischen Element in unserem Lande irgend Zugeständnisse zu machen. Was die orientalische Frage und die von Lord Palmerston gegen Rußland und die Türkei befolgte Politik aubelangt, io kann Pal- merston zur Zeit keine Einrede dawider erheben, denn kein Act'ist geschehen, keine Depesche ist abge­gangen, ohne daß er seine directe und positive Zustim­mung dazu gegeben hatte. Seine Hand war'S, welche die Wiener Note revidirte, und er hatte sogar die Vor- tzellungen gutgeheißen, die vom britischen Bolschafler der Pforte nach ihrer Kriegserklärung gemacht wurden. Wahr ist jedoch, daß St. Lordschaft beim Eintreffen der Hi­obspost von Sinope eine außergewöhnliche Gereiztheit (an exlraordinary degree of Irritation) zeigte, aber sein Entschluß zurückzutreten, muß schon vor diesem Moment gefaßt gewesen sein. Was auch immer der Vor­wand zu seinem Austritt gewesen sein Mag, dieß läßt sich mit Sicherheit voraussagen: er wird in mehr als einem Punct eine feindliche Haltung gegen die Regierung ein- nehmco. So entsteht die Frage: welche Bahn wird er einschlagen, und was ist sein Zweck? Seine Erkläruug gegen ParlamentSresorm schließt ihn von der Sympathie der Radikalen aus, sein Abfall vom jetzigen Miiiistcrinm ist eine tödtliche Beleidigung der Peelilen und der Whigs; nichts bleibt ihm übrig, als die toryistische Al lianz und eine Vereinigung mit Lord Derby , um ein resormfeindliches und kriegerisches Ministerium zu bilden, dessen faktisches Haupt er, Lord Palmerston, selbst sein wird. Eine solche Partei, mit energischen, beredten und unscrupulösen Staatsmännern an seiner Spitze, dürfte allerdings eine mächtige Bewegung ins Parlament brin­gen, und möglicherweise die jetzige Verwaltung stürzen; es ist aber kaum glaublich, daß irgend ein auf solchen Principien gebildetes Ministerium die Zügel der Gewalt,

falls es sie auch eroberte, lange behaupten könnte. In Betreff der auswärtigen Angelegenheiten würde es Eng­land in die Abhängigkeit von Frankreich und Ludwig Napoleon stürzen, denn Palmötston ist der erste Ver­bündete (dosest ally) des Grafen Malewski, und, wie kaum zu zweifeln, wär' er sogar im Stande sich zu Projecten auf Vergrößerung des französi­schen Reichs herzugeben. Selbst seine Entschließung zurückzutreten, hat er wahrscheinlich auf Verabrei- dung mit d cm fra n z ösische n H of g cfaßt. DieZeit wird enthüllen, auf welche sinistren Ziele diese Intrigue ge­richtet sind, aber mittlerweile wird Lord Aberdeens Ca- binct forlfahren, fest und folgerecht bei der bisher be­folgten Politik zu verharren. Sollte ja eine Aenderung darin eintreten, so wird es wahrscheinlich ein Vorgehen zu größerer Entschlossenheit und Energie sein, denn Lord Palmerstons Anwesenheit im Gabinet war eine stehende Apologie für die Mäßigung seiner College». Sie dürfte» jetzt veranlaßt sein, sich mit größerer Ent- schiedenheit von dem Vorwurf der Trägheit zu bereini­gen, den die Opposition so vielfach gegen sie erhoben hat. Ueber einen Punkt mag hier eine Erörterung am Platze sein. Man hat Beschwerde darüber erhoben, daß die britisch-franzöfischtz Flotte Nicht in das schwarze Meer eingelaufen. Die Wahrheit ist: vvr ungefähr einem Monat, Und ehe Hr. de la Cour Constantlnopel verließ, schlug Lord Stratfvrt de Redcliffe vor: ein Ge­schwader von drei französischen und drei englischen Dampfern solle im Pontus kreuzen. Der französische Botschafter stimmte bei, aber da er zu dieser Zeit be­reits abgerissen war und nur noch seinen Nachfolger erwartest, sv machte Admiral Hamelin einige Einwendungen gegen beh Vorschlag. Nach Ankunft des Gen. Baraguey d'HillierS wurde der Vorschlag erneuert und von diesem Diplomaten angenommen, aber Admiral Hamelin lehnte dessen Ausführung auch jetzt ab, auf den Grund hin: er könne nicht drei Dampfschiffe von hinlänglicher Größe Geschützkraft und Geschwindigkeit von seiner Flotte zur Begleitung der englischen Schiffe entbehren. Lord Stratford, welcher englische Kreuzer nicht ohne die fran­zösischen absenden wollte, stand sofort von seinem Vor­schlag damals ab. Doch um noch einmal, eh' ich schließe auf den innern Stand der englischen Politik zu- rückzukommen: man hofft Lord John Russell, bet jetzt b-kanntlich ein Cabiuetsinitglied ohne Portefeuille ist; werde das Staatssecretariat des Innern wieder über nehmen. Sollte er es ablehnen, so wird dieses Amt wahrscheinlich dem ehemaligen Staatssecretär des In­nern Sir George Grey angeboten werde». (Diese Vor- Hersagungen sind sämmtlich mittlerweile eingetroffen) Das Gabinet hat Dringe Woche keine Sitzung gehalten und Graf Aberdeen blieb gestern (16.) bei der Königin in Osborne. Aber die Minister werden nun zu einem CabinctSrath zusammentreten, und man erwartet eine früh zeitige Einberufung deS Parlaments.

Keutld)lonb.

if. Wiesbaden, 21. Dec. In bet heutigen öf­fentlichen Sitzung hat der Herzogl. Cassationshof auf die in diesen Blättern angezeigte Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsbehörde zu Dillenburg, in der Untersuchung gegen Friedrich Müller von Alpeurob wegen Raubs das Urtheil deS Assisenhoss vernichtet, und als RevisivnShof den Angeklagten in eine fünfjährige Zuchthausstrafe verurtheilt. (Das Urtheil des Assisen- Hofes lautete auf eine 14tâgige Gcfängnißstrafe wegen kinfachen Diebstahls, da die Geschwornen die Frage, ob bei Begehung desselben Gewalt angewendet wurde, ver­neint hatten.)

Wiesbaden, 21. Dec. Die Fabrication von Strohsohleii ist in der Ccntral-Flcchtschnle der Filanda dermalen die Hauptbeschäftigung. Im vorigen Jahr waren diese Sohlen noch wenig gefragt. Die preußische Garnison zu Luxemburg bezog damals die zahlreichste Quantität. Da sie der Armee nicht geliefert werden, so zahlten sie die Militärs aus ihrer Tasche, das Re- gimentscommando vermittelte aber den Ankauf. Der Vorrath dieser Sohlen war in vorigem Jahr dadurch im Magazin der Filanda so sehr ausgewachsen, weil eine arme jFamilie dawit beschäftigt wurde und dieser ein jeder andere Verdienst Mangelte. Dieser Vorrath ist dermalen nicht nur gänzlich verschwunden, sondern auch schon alle Strohgestechte,- welche seit dem 1. Oct. in bet Central-Flechtschule der Filakida gefertigt wur­den/ schoss dazu verwendet stttd Mit fWb schoss züt

Fertigung von Strohsohlen für 55 fl. Strohgeflechte aus dem Auslande von der Filanda bezogen worden. Schade, daß diesem schöne» Industriezweige in unserem Lande von so vielen Seiten Hindernisse bereitet wer­den ; die Filanda könnte jetzt viele Hände der Armen damit beschäftigen.

8 Wiesbaden, 22. Dec. Gestern Abend fand im Gasthaus zum Adler dahier eine stark besuchte Ver­sammlung bezüglich des Essenbabubaues von Wiesbaden nach NiederlahNstein statt, welcher auch der General­bevollmächtigte der englischen Gesellschaft, Hr. Ed. A. Moriarty, beiwohnte.

Die Anwesenden einigten sich dahin, dem herzogl. Staatsministerium eine Petition zu überreichen, worin die großen Nachtheile dargelegt werden sollen, welche die beabsichtigte Abzweigung der Wiesbadener Eisenbahn ân die Taunusbahn mit Umgebung von Biebrich, für beide Städte im Gefolge haben würden.

Y Hadamar, den 21. December. Auch in die­sem Jahre veranstaltet der Vorstand des Vereins für Arme und Kranke eine Weihnachtsbescheerung für die armen und würdigen Schulkinder hiesiger Stadt. Es sind für diesen Zweck durch eine Collecte 50 fl., durch ein Concert der beiden Gesangvereine 26 fl. 36 kr. und durch eine kleine Verloosung IO fl., im Ganzen 86 Gul­den 36 kr. zusammengetragen worden. Damit und sonst anderweitig unterstützt, findet sich besagter Vorstand in Stünd gesetzt 61 Paar Sckuhe, 10 weibliche Ueber- kleider, Mehrere Kittel und eine bedeutende Anzahl von Strümpfen, Palatine , Stauchen u. s. w. am Beschee- rungsabeUde zu vertheilen. Den armen Schulkinder» wird dadurch Dank dem WohlthätigkeitSsinn bet hiesigen Bewohner, Dank besonders den bereit- und opferwilligen Concertgebern, Dank auch der zeitigen Für­sorge der Vorsteherin der hicsigen Privat-Töchterschule! eine große Wohlthat und eine noch größere Weih- nachtsfrcude bereitet.

Frankfurt, 19. Dec. Wie demN. C." unter vorstehendem Datum berichtet wird, hat Se. Majestät dec König von Preußen einen huldvollen Brief an Hrn. Haffenpflug geschrieben, in welchem der Monarch, aus Anlaß des Vorfalls mit dem Grafen Isenburg, den be­leidigten Premier von Hessen Mtt den schmeichelhaftesten Beileidsbezeigungen beehrt.

Aus Baöen, 20. Dec. Auf den Grund hin, daß die Seelsorge im Mannheimer Bezitksgefângniß dahier die Freilassung des wegen Verlesung des erz- bischöflichen Hirtenbriefs inhaftirten CaplanS Siebter wünschenswerth erscheinen ließ, wurde derselbe aus dem Bezirksgekängniß zu Mosbäch entlassen.

Die in Freiburg erscheinende Breisgauer Zeitung schreibt: ,-Herr Domcapitular Haiz erklärte dem erz­bischöflichen Ordinariate mündlich und schriftlich, daß er die Gewalkmaßregeln, mit denim gegenwärtig gegen die Aiiordiiungen der großh. Regierung verfahrcn werde, nicht billigen könne und er sich jeder weitern Theilnahme hieran entschlage, worauf er durch bin Schreiben des Herrn Erzbischbfs aller fernern amtlichen Geschäfte vor der Hand enthöben wurde."

Karlsruhe, 18. Dec. Die längst versprochene General^ Concession für die Lutheraner ist nun endlich erschienen. Sie ist hinter den ErwartungcU der lutheri­schen Gemeinden weit zurückgeblieben. Dieselbe lautet wörtlich wie folgt:S. K. H. der Regent geruhen daS Ministerium des Innern nach seinem untcrthänig- sten Anträge vom 2. l. M. hiermit allergnädigst zu er­mächtigen, den Anhängern des gewesenen Pfarrer- Eichhorn eröffnen zu lassen, daß ihnen gestattet werde, sich durch einen von ihnen vorzuschlogenden und vott dem Ministerium des Innern für zulässig erklärten aus­wärtigen Geistlichen auf ihre Kosten pastoriren zu las* sen und von Zeit zu Zeit unter dessen Leitung Privat Gottesdienst zn halten, worüber alsdann von dem Mi- nisterium die nähern Bestimmungen zu treffen seien, daß jedoch auf deren Bitte, den gewesenen Pfarrer Eichhorn als Geistlichen anzunehmen, nicht eingegangen werden könnet Zn dem begleitenden Rescript deS Ministeriums des Innern wird dem Pfarrer Eichhorn bedeutet, daß er sich jeder Pastotation seiner Anhângct bei Strafvermcibung zu enthalten habe. Solltè Eich­horn gegen dieses Verbot handeln, so hat daS großh. Oberamt Durlach nach seiner Zuständigkeit gegen den­selben einzuschreiten.'

München, 19. Dec. Ein in der heutigen Sitzüng gestellter Antrag Rein Hard' S aus Herabsetzung der