Nassauische Allgemeine Zeitung.
IV-. SOO Mittwoch des 21. December 1833.
Bestellungen auf die Nassauische Allgenieine Zeitung für das 1. Quartal k. I. werde» baldigst erbeten.
Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem bellettijlifcben Beiblatt „Der WanLerkr" erscheint, Sonntags ausgenommen, rag leck und betragt der Pr.inumeiatlvnsprel^ tur W>eödaoetl und , nach dem neuen Portregularrv nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Tdurn- und Taris'schen VerwaltUt'.gsbezirks mit Inbegriff des PostaufschlagS 2 6., für die übrigen Länder des dentsch-ofterreiclnschen Postke-eins, wre für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die vierspalligè yetit.V'if oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. ft r i e $ r i ch / Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Lue Situation.
Eine Note des Grafen Buol an Baron Bruck ist durch die englischen Blätter zur Oefsentlichkcit gelangt, die in kurzen Worten die Bedingungen für den Frieden, welche von Rußland gestellt werden, bezeichnet Nichts wird von jener Macht verlangt, das die Pforte nicht gewähren könnte. Von Constantinopel sind allerdings schon Nachrichten eingelaufen, daß die Pforte noch nicht Willens war zu unterhandeln. Nichts desto weniger ist jene Note zur Erfassung der Situation von großer Wichtigkeit. Außer der Herstellung des Status quo ante will Rußland Nichts, als solche neue Rechte für die griechischen Christen, welche ihnen die Pforte ohnehin bereits gewährt hat.
Seitdem jene Note in Constantinopel überreicht worden, ist die Schlacht von Sinope geschlagen worden, ein paar Schiffe der Westmächte sind in's schwarze Meer eingelaufen, die Russen haben in Asien, nachdem die Türken einige kleine Vortheile über sie errungen, einen großen Vortheil erkämpft, Lord Palmerston ist aus dem englischen Ministerium getreten, endlich scheint, Menn unser in Siebenbürgen sich befindende Berichter« ftattér verläßliche Mittheilungen erhalten hat, von russischer Seite ein Sturm auf Kalafat stattgefunden zu haben, der abgeschlagen worden. An alle diese Ereignisse find eine Masse Conjecturen für und gegen den Frieden geknüpft worden.
Es ist ganz unzweifelhaft eine grundlose Befürchtung gewesen, daß in Folge des Ereignisses von Sinope die Geschwader der Seemächte bewogen werden könnten, feindlich gegenüber der rusfischen Flotte aufzutreten. Es fehlte hiezu an jeder Veranlassung.
(Die „F. Bl." bringen folgende telegraphische Depesche aus London vom 20. Dec. D i e vereinigte Flotte ist nun in das schwarze Meer eingelaufen, um jeden Angriff auf türkische Häfen abzu weisen. — Am 17. brachte der Chronicle bereits folgende telegraph. Depesche: Wien, 16. Dec., Abends. Die türkische Gesandtschaft hat Berichte erhalten, die den Schluß erlauben, daß die vereinigten Flotten jetzt in'S schwarze Meer gegangen sind, um weitere Feindseligkeiten zu verhindern. Wir bezweifeln die Richtigkeit dieser Nachricht. Das Auslaufen der beiden Flotten in das schwarze Meer ist mehr als eine bewaffnete Vermittelung und selbst zu dieser sind die Westmächte nicht berechtigt, ebensowenig als sie gesonnen sind, die möglichen Consequenzen dieses Schrittes auf sich zu nehmen und Krieg gegen Rußland zu führen, das sich in seinen Seeoperationen gegen die Türken durch diese Demonstration wohl kaum beirren lassen wird.)
Die Flotten hatten sich nicht vor Constantinopel ge« legt, um die vor ihnen sich befindenden türkischen Kriegsschiffe zu beschützen. Die Westmächte'waren weder mit einander noch mit der Türkei übereingekommen, daß sie Rußland den Krieg erklären würden, so bald die rub fische Marine im schwarzen Meere sich der türkischen würde überlegen zeigen. Wäre daS der Fall gewesen, so hätte allerdings Osman Pascha einen Geniestreich begangen, als er seine Fregatten von den Russen zusammenschießen ließ So lange, wie Rußland sich bereit erklärt, Frieden mit der Türkei zu schließen, unb andere Bedingungen aufstellt, als diejenigen, welche die Westmächte als billig anerkennen, wereen diese außer Stande sein, der Türkei zu Hilfe zu eilen. Sie fön neu nicht einen Krieg führen, um das zu erreichen, was ohne Krieg bereits erreicht ist. Erst von dem Augen- blick, wann Rußland der Pforte eine unbillige Friedeus- bedingung stellt, waffner es selber Europa gegen sich.
Die Ereignisse auf dem asiatischen Festlande haben eine mindere, jedenfalls aber eine günstige Bedeutung. Es stand zu erwarten, daß die Nachrichten von den Niederlagen der Türken zur See und zu Lande die bisher in Constantinopel herrschend gewesene kriegerische Stimmung wurden herabgestimmt haben. Falls aber die kleine Walachei wieder zum Kriegsschauplatz geworden, so dürfte die Entscheidung, w a n n der Frieden ein« tritt, noch eine kurze, eine sehr kurze Zeit aus sich warten lassen. Wenn wirklich ein Sturm der Ruffc» auf Kalafat ohne Erfolg staltgefnnden , so folgt hieraus nur mit Bestimmtheit — falls nicht die Pforte in aller Eile einen Waffenstillstand schließt — daß ein zweier, ein dritter Sturm auf denselben Punkt binnen der kürzesten Zeit stattfinden muß. An ein Anfgcben dieser Unternehmung von Seite der Russen, falls sie
einmal begonnen worden, ist nicht zu denken Das Corps, welches vor Calafat steht, wird sich verstärken und verstärkt von Neuem stürmen. Zwei Möglichkeiten sind nun denkbar. Die Russen können Calafat nehmen und die Türken ganz auf das rechte Donanufer zurückwerfen. In diesem Falle werden sie ihre Position in den Fürstenthümern behaupten, und die gedemütbigte Pforte wird sich zu Friedensunterhandlungeu bequemen. Oder die Russen vermögen Calafat nicht zu nehmen, Omer Pascha geht dann über die Donau und erringt neue Vortheile. In diesem Falle, wenn die Türken iM Stande sind, selbst ihren Gegnern die Spitze zu bieten, ist natürlich an ein Einmischen anderer Mächte nicht zu denken, und der locale Krieg wird seinen Verlauf nehmen müssen.
In diesem Augenblicke ist das von den vier Mächten unterzeichnete Prolocoll bereits in Constantinopel. Lord Redcliffe und General Paraguay wissen genau, was sie zu thun haben. Ihre Aufgabe kann einzig i darin bestehen, vereint mit den Gesaudlen der deuischeu Großmächte die Pforte zum Frieden zu bereden. und i sich aller Rathschläge und Befehle zu enthalten, welche ! zum Kriege führen könnten. ..Es müßte in der That ; Unglaubliches geschehen, um den Frieden zu verhindern. I Nichts als ein kriegerischer Erfolg der Türken in der I Walachei von der entschiedensten Art vermag ihn fern j zu halten. Wir vermögen au einen solchen Erfolg nicht s zu glauben. Unsere Meinung ist, daß wenn Calafat wirklich bestürmt worden, es binnen Kurzem fallen wird, und daß mit ihm auch die Kriegspartei in Constantinopel rettungslos untergeht. (Ll.)
Deutschland.
$ Von der Lahn. Manches ist bereits für und gegen die Stockbücher geschrieben worden und man findet es der Mühe werth, diesem Gegenstand einige Aufmerksamkeit zu widmen. Wie bekannt sollten die^Stock- bücher Anfangs durch eigens "hierzu auserlesene quatffi- cirie Leute ausgestellt werden. Man kam von diesem Plane ab und übertrug zur Förderung beb Geschäfts die Aufstellung jener Bücher den betreffenden Feldgerichten. Diesen stand es dann frei, auf ihre Kosten ■ Leute anzunehmen und namentlich haben die Vvlksschul- ' letzter einen großen Theil der Stockbücher vollendet. [ Daß die Sache von vornherein zu sehr beeilt wurde I und dadurch manche Unrichtigkeiten eingeschlichen sind, ist nicht in Abrede zu stellen. Bei Vergleichung der Stockbücher mit den Sleuercatastern findet sich vorläufig, daß manche Artikel fehlen, daß in einer Gemar- j kung an dem Rnthenmaaß mitunter 100 und mehr ■ Morgen fehlen und die Steueibelräge ausgelassen sind. Die Sache wird und ist dadurch complicirr und namentlich sind die Stockbuchsabschlusse hierdurch schwieliges zeitraubeild. Was die Fortführung der Stockbücher selbst anbelangt, so hat man in jedem auch noch so kleinen Orte einen Mann ernannt, welcher das Ab- und Zuschreiben besorgen soll. Dadurch, daß sich nicht in jedem Dorfe eine qualificirte Person finden läßt, ist das Ab- und Zuschreiben meistens in die Hände der Schullehrer gerathen. Obgleich manche unter denselben die nöthigen Eigenschaften besitzen, um das Ab- und Zuschreiben zu besorgen, so sind dock auch wieder Manche, denen i die nöthige Umsicht und Kenntniß abgchen; zudem wer- • den namentlich die jüngeren Lehrer häufig versetzt und I es müssen dadurch wieder andere Personen zur Fort« I sührung der Stockbücher ernannt werden, was eben der Sacke nkckr förderlich ist. Mani könnte dem allen am besten vorbeugen, wenn man in jedem Justizamtsbezirkc ein auch zwei Personen mit einem mäßigen Gehalte am ! stellte, welchen die Führung und Leitung der Diiplicat- i stockbücher übertragen würde. Am Besten wäre eS übri- : gens, wenn wir statt unserer vielen nnqualistcirten Bürgermeister andere tüchtige Männer hätten, welche außer ihren übrigen Functionen das Duplicatstockbuch nock mitbesorgten: An den Laudoberschultheisereien wird gewöhnlich einer Person mitunter auch zweien vom Lanb- oberschultveiß das Stockbuckswesen, so weit er nicht selbst damit bethciligt ist, übertragen und man muß I erwarten, daß nur solche Perwne» hiermit betraut sind, welche die nöthigen Kenntnisse in diesem Fache haben, dem ist indessen nicht immer so. Zur Errparung eines entsprechenden Salairs hat mancher Landoberschultheiß junge Leute, welche die Steuerarbeiten beziehungsweise Ab- und Zuschreibcu in den Stockbücher besorgen und [ nicht viel' von der Sache verstehen. Die älteren Ge- * hülfen arbeiten vorzugsweise in den übrigen Landober-
schnlthciscrcigcsckäften als Inventar-, Theilungs- und R-ckuuugswcsen je. und sind wenig oder gar nicht mit den Steuerarbeiten beschäftigt, während gerade diese es sind, denen die Führung der Duplicatstockbücher mit Beruhigung, überlassen, werben könnte. Auf diese Weise könnte man auck diese älteren Gehülfen, welche Meistens tüchtige Leute find vorlheilbaft planten und ihnen überhaupt eine sichere und feste Existenz verschaffen. Bis jetzt sind sie nur der Laune und Willkür ihrer Chefs Überlassen und mancher brauchbare Mann muß einem jungen Menschen des Salairs halber Platz machen. Es wäre dieß ein wichtiger Schritt zu der so wünschens- wertbeii und bringen!) gebotenen Reorganisierung des Landoberschultheisereifache'', zur Heranziehung und Gewinnung tüchtiger, mit diesem so wichtigen Dienst vollkommen vertrauter Kräfte, ein Schritt , dem Überdieß noch die Analogie bei Anstellung der Rceepturgehilfen befürwortend zur Seite steht.
Frankfurt, 20 Dec. (F. Z.) Die Aussichten auf eine Versorgung sind für die invaliden Offiziere und die Wittwen und Waisen der gefallenen Offiziere der schleSwig-holstein'schen Armee die besten. Wie wir vernehmen, hat sich nicht eine Regierung dagegen ausgesprochen. daß dieselben zu unterstützen-seien unp lebt inan in unterrichteten Ärctieu der Hoffnung, daß man sich sehr bald über die Art und Weise der Unterstützung, über welche fast alle Regierungen einig sind, verständigen werde. Vollkommen irrig ist die Angabe eines preußischen BlatteS, nach welcher das Verhalten Dänemarks eine solche Berständigrlng hindere. Wir vernehmen vielmehr, daß der König von Dänemark erklären ließ, er fei nicht nur bereit, in gleichem Maße wie seine dentsche» Bundesgenossen an der Unterstützung der Offiziere, welche gegen ibn fochten, theilzunehmen, sondern auch, daß die invaliden Offiziere unb die Angehörigen von Gefallenen, welche Schleswig-Holsteiner sind, von ihm besonders bedacht werden sollen.
22 Darmstadt, 19. Dee. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer kam zuerst eine Interpellation des Wg. R e h zur Verlesung; ob das Ministerium gesonnen sèi, diesem außerordentlichen Landtag den Entwurf eines neuen Wahlgesetzes vorzulegen, oder welche Gründe dieser Vorlage entgegenftünben. Der Präsident verordnete die Abgabe dieser Interpellation an das Mini- ftertuiu des Innern. — Hierauf verkündete derselbe eine Reihe neuer Eingaben unb Anträge, unter welchen wir zwei, die als dringlich bezeichnet wurden, besonders her- vorbeben. Ein Antrag des Abg. v. Rabenau „auf Ermäßigung der Taxe für den Transport von Kartoffeln auf der Main-Weser-Bahn" , welcher vielseitige Uuteistützung erhielt nnd mit der Ausdehnung, auch eine Befreiung von Chausseegeld für dieselben eintreten zu lassen, einstimmig zum Beschluß erhoben wurde. Sodann ein Antrag des Abg. Metz und sechs anderer Mitglieder der Linken, „auf Einberufung eines ordentlichen Landtags statt dieses außerordentlichen und Mißbilligung sdeS Verfahrens de« Ministeriums." Zu namentlicher Abstimmung wurde die Dringlichkeit mit 28 gegen 8 Stimmen abgelehnt und der Antrag an den ÄuSscknß Nr. 1 verwiesen. — Hierauf stattete der Präsident des Finanzausschusses Abg. Zöppritz Bericht über die Präposition der Regierung, die »Prorogation der Steuern für das erste Quartal 1854 betreffend, und beantragte im Nacken des AuSsckusses Annahme der Proposinon. Abg. Metz sprach gegen die Proposition sich aus, indem er diese außerordentliche Stände- versammlung nickt mehr zu einer Verwilligung berechtigt hatte, da die Gründe, welche sie ins Leben gerufen, nickt mehr bestünden. Dann tadelte er das Verhalten des Ministeriums bei perschiedcueii Auläffen, namentlich in der MiUier-Melchior'schcn Angelegenheit, dem Conflict mit Preußen u. s. w., worauf der Abg. Frank, namentlich in Bezug auf das Verfahren gegen Müllcr-MelchiorS, entgegnete. Auch die Abgg. Mohr, Breidenbach, Zöppritz und Kraft von Gießen betheilig» ten sich an dieser Debatte, nach deren Schluß die Pro- position der Regierung in namentlicher Abstimmung mit 32 gegen 5 nnd der eventuelle Antrag des Ausschusses mit 29 gegen 8 Summen angenommen wurde. — Nachdem der Herr Oberst Schmidt Namens des Kciegs- miiiisteruims die definitive Rechenschaftsablage für die Periode 48—50 und den Voranschlag des Budgets für die Periode 54—56 übergeben, schritt die Kammer zur Bildung der Wbtbeihüigni unb zur Wahl eines Mitgliedes in den F-nanzaiisschuß an die Stelle des ausgetretene» Abg. George, welche aus den Abg. von