Nassauische Allgemeine Zeitung.
Wt ?9?. Samstag öen 17. December 1853«
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Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich deßhalb einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung und eignet sich dadurch besonders zur Veröffentlichung von Privat-Anzeigen aller Art. Inserate werden die vierspaltige Petitzcile oder deren Raum mit 3 kr berechnet.
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Ole,, Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Gonmaqs ausgenommen, raguch und betragt der Pr^numeiationSprelS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ ^nunmehr auch f jr den ganzen Umfang deS Xburn* und TariS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbtgrist des Postausschlags 2 fL, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Pystoere-lns, wie für das Ausland 2 st. 24 kr. v
Deutschland.
Wiesbaden, 11. December. In Beziehung auf die gegen den Herrn Bischof und Mitglieder des Ordinariats zu Limburg wegen Erpressung zum Nachtheil des Neudorfer Pfarrfonds von den Gerichten eingeleitete Untersuchung bestrebt sich ein Correspondenz- artikel aus Limburg vom 6. l. Mts, die Aufmerksam, kcit von den gravirenden Thatsachen abzuleiten, indem er sich, angeblich berichtigend, in Specialitäten ergeht die den Hauptpunkt zunächst nicht berühren. In wie weit diese angebliche Berichtigung mit der Wahrheit im Einklang steht, ist deßhalb bei Beurtheilung der. Sache von keiner besonderen Bedeutung. Die Thatsache, um die sich Alles dreht, ist nicht zu bestreiten:
* Der Herr Bischof, welcher eine mindestens zweifelhafte Forderung des zu seiner Verwendung stehen, den Corden'schen Fonds gegen den Neudorfer Pfarrfonds bei dem Gericht einklagt, verhindert mit Mitgliedern deS Ordinariats den Kirchenvorstand, den Vertreter' des beklagten PfarrfondS sich auf die Klage einzulassen, ein richterliches Verfahren und ein auf beiderseitige Verhandlung gegründetes richterliches Urtheil herbeizuführen; ja er schreckt den Kirchenvorstand unter Androhung kirchlicher ZwangS- maßiegeln von der Erfüllung seiner Pflicht zurück, sich der gegen das ergangene Contumacial-Decret zuläffigen Rechtsmittel zu bedienen.
Es wäre nun von entschiedenem Interesse gewesen, von dem Korrespondenten aus Limburg, der hierüber schweigt, zu erfahren, ob es nachdortigen Grundsätzen dem Kläger um zu einer zweise haften Forderung zu gelangen/ erlaubt ist, seinen Beklagten von der Rechts- Vertheidigung zwangsweise abzuhalten?
□ Wiesbaden, 15. Dec. Den Bürgermeistern ist von dem Herzog!. Krciöamte die Weisung zugegangen, vorerst Die Jagden einer Verpachtung nicht aus- zusetzen, weil dem Landtage ein neues Jagdgesetz vor- gclegt werden solle. — Wenn eines unserer Gesetze einer Umänderung bedarf, so ist eS gerade das Jagdgesetz vom 15. Juli 1848, welches die schreiendsten Unge- rechtigkeiten und Juconsequenzen aller Art enthält und dadurch mehr, als jedes andere Gesetz des Jahres 1848 den Geist der damaligen Zeil in sich trägt. Das Jagdregal, welches, wie überall in Deutschland, so auch, im Herzogthum Nassau, dem Regenten verfassungsmäßig und durch Herkommen, in dem bei weitem größten Theile deS Landes zusteht, wird demselben durch dieses Gesetz entrissen; und nicht allein dem Regenten die Ausübung der Jagd auf den Domänen (die Domanialwaldungen im Herzogthum betragen allein über 150,000 Morgen) sondern auch vielen Privaten, daS mit großen Summen erkaufte Jagdrecht ohne weiteres und ohne irgend eine Entschädigung weggeuvmmen, und den Gemcindecassen hiugewiesèn. Diese an Fürst und Privaten auögeübte Gewalt muß daher wieder gut gemacht, und überdieß durch strenge Jagdpvlizeigcsctze, die seit 1848 bei vielen Individuen zum Ruin ihrer Familie und zum Nachtheil der öffentlichen Sicherheit eingerissene Jagdleidenschaft gezügelt und auSgerottet werden.
2l Wiesbaden, 16. Dec. Die in diesen Blät- tern s. Z. an gezeigte Nichtigkeitsbeschwerde deS Johannes Leicher von Stockum hat der Herzog!. CasialionShof in seiner heutigen öffentlichen Sitzung verworfen.
Vom Mittelrheine, 13. Dec. Wie wir so eben auS guter Quelle vernehmen, schreibt die „Cobl. Zeitung", beabsichtigt die Direction der WieSbaden- Labnsteiner Eisenbahn, sich mit der Bonn - Koblenzer Eisenbahn-Gesellschaft zu verbinden, der Art, daß letztere Gesellschaft die Bahn nur bis Koblenz und nicht weiter auf dem linken Rbeinufer aufwärts bauen, vielmehr von hier aus der Anschluß an die Ebrenbreilstein- (Niederlahnstein-) Wiesbadener Lahn Statt finden würde.
Mainz, 16. Decemb. Einem hier circnlirenden Gerüchte zufolge soll Hr. Dr. M ü l l e r - M e l ch i o r ö
dieser Tage nach New-Aork abgereist sein, zu welchem Zwecke ist unbekannt Man glaubt, daß cs deßhalb ge. schehen, um dort die Erklärung atizugeben, daß er ame* ricanischer Bürger werden wolle. Hr. Müller-MelchiorS hätte somit die Aussicht, in etwa 5 Jahren nicht blos Konsul, sondern auch Bürger der americanischen Union zu sein. — Die auf heute angesetzte Verhandlung des Gr. Obergerichts gegen den Abgeordneten Joh. Baptist Müller-Melchiors von Mainz, welcher wegen Verbreitung einer von ihm in der zweiten Ständekammer zu Darmstadt gehaltenen Rede, in erster Instanz zu fünf Monaten CorrectionShaus verurtheilt worden war, hat nicht stattgefunden, weil eine von Seiten des Hrn. Müller- Melchiors gegen ein Mitglied deS Obergcrichlshofcs erhobene Einsprache (Recusation), vorerst erledigt werden muß. Hr. Müller-Melchiors war nicht anwesend, wohl aber sein Mitbeschuldigter, der Buchdrucker Jörg von hier.
Vom Main, 12. Dec. Die Nachricht, daß das großhcrzogl. hessische Ministerium Dalwigk sich auflösen, daß eS entweder gänzlich abtreten oder doch sehr wesentlich (d. h. durch Entfernung deS Hrn. v. Dalwigk) sich modificiren werde, ist gänzlich unbegründet.
Frankfurt, 16. Dec. Die wichtigste Angelegenheit, welche in der gestrigen Sitzung des Bundestags zur Verhandlung kam, betraf die Pensionirung der in- validen schleswig-Holsteinischen Offiziere. Wie man sich erinnern wird, hatte der Ausschuß im August d. I. darauf eingetragen, denselben die erforderliche Unterstützung auS BunbeSmitteln zu gewähren. - Zwar ist in dieser Sache noch kein definitiver Beschluß gefaßt, jedoch ein Ausschuß niedergesetzt, um die Höbe des vorhandenen Bedürfnisses zu ermitteln. — Württemberg gab seine Abstimmung in der Preßfrage ab. — In Folge deS neuerlichen Beschlusses über die Verminderung der Bundesbeamten wurde vom Präsidium die Entlassung mehrerer entbehrlicher Beamten beantragt und solche einstimmig beschlossen. — In der Lippe'sche» Ver- fassungSaugelegenheit gab der Gesandte der 16 Curie eine Erklärung ab, welche dem Ausschüsse überwiese» wird. — Ueber mehrere Militärangelegenheiten wurden Anzeigen erstattet. Unter den eingegangenen Reclama- tionen befindet sich eine Eingabe einiger Marineoffiziere wegen fernerer Pensionsgewährung, jo wie ein Gesuch wegen eines neuerfunkenen KaffeemrrogalS.
* Aus Baden, 14. Decbr. Zu den vielen Urtheilen über die ungerechte Bedrückung der Kirche in Baden und die Pflichtmäßigkeit der von dem Hochwnrdigsten Erzbischöfe von Freiburg befolgten Haltung haben sich jetzt auch bedeutungsvolle Stimmen auS Irland gesellt. Der Hochwürdigste Erzbischof von Dublin, Msgr. Cullen und insglMen der Erzbischof Johannes von Tuam haben ihre Zustimmung zu den Maßregeln des Erzbischofs von Freiburg ausgesprochen, während zugleich das Capitel von Dublin dem Domcapitel von Freiburg ein Beglückwünsch- ungsschreiben gesendet hat. Dasselbe ist auch durch Se. Eminenz den Cardinal-Erzbischof von Bourgeö und das dortige Domcapitel geschehen und aus Belgien durch den Bischof von Gent und sein Capitel. — Der Cardinal- Erzbischof von Bourges bat dem Erzbilchose von Freiburg augezcigt, daß er 10,000 Frcs. zu seiner Verfügung bereit hatte.
München, 13. Dec. Der Pfälzer Zeitung zufolge wird das neue L a n d t a g s w a h l g «s e tz, obwohl zur Vorlage noch nicht gereist, aus dem gegenwärtigen Landtage sicher noch eingebracht werden, und zwar in Verbindung mit den Gesetzen über Fidei - commisse und bäuerliche Erbgüter, deren Besitzern ein Antheil an der Vertretung zugedacht sein soll. — Die Kammer der R e i ch s r ä l b e hat nach dem dieser Tage abgegebenen Protocolle am 3. d. die Entschuldigungö- und Urlaubsgesuche vieler nicht er. schicnrncr Herren Reichöräthe beschieden. Unter An
deren war auch der Fürst v. Wrede nicht erschienen und zwar, wie im Protoeoü angeführt wird, „wegen seiner bekannten Streitsache." (Die Berufung, welche der Herr Fürst gegen seine Verurtheilung durch das königl. Kreis- und' Stadtgericht dahier ergriffen hat, ist zur Zeit vom kgl. Avpellationsgericht noch nicht beschieden.) Ueber diesen EntschuldigungSgrund heißt es in dem vom Referenten der betreffenden Commission, Hrn. Reichsrath Fürsteil Theodor von Thurn und Taxis, erstatteten Vorträge: „Die Verhältnisse, welche der Hr. Fürst Wrede als Grund angegeben haben, warum Sie nicht (in die Kammer) eintreten wollen, seien notorisch; auf der andern Seite habe aber der Fürst seist erklärt, daß Sie sich in München aufhielten. Referent glaube daher, daß die hohe Kammer allerdings den Beschluß fassen dürfe, der Hr. Fürst habe in die Kammer einzutreten." Ohne Debatte wurde diesem Antrag von der hohen Kammer einhellig beigestimmt. — Die Kreisintelligenz- Blätter enthalten das nunmehr in Rechtskraft übergegangene Conlumacialerkenutniß des Assisengerichts der Pfalz, durch welches der ehemalige Abgeordnete Kolb von Speyer wegen Preßvergehens zu sechs Monat Gefängniß und 100 fl. Geldbuße verurtheilt wurde.
Oldenburg, 12. Dcc. Die „Wes.-Z." meldet, daß die längst beabsichtigte außerordentliche Berufung des Landtags auf einen Tag in der ersten Hälfte des nächsten MonatS bevorstehe.
Berlin, 15. Tec. Nach der N. P. Z. ist in diesen Tagen die Ratification des Vertrags erfolgt, welcher im vorigen Monat zwischen Preußen und Waldeck über die {Übertragung der Verwaltung der Posten in den Fürstenthümerii Waldeck und Pyrmont an die preussische Postverwaltung abgeschlossen worden ist. ■— Die Preußische Corresp. bestätigt die schon gemeldete Resultatlosigkeit der mit Belgien über den Handelsvertrag gepflogenen Verhandlungen. — Wie man der Hamb. Börsenhalle von hier schreibt, steht der Schluß der hiesige» Z o l l c o n f e r e n z erst in der Mitte deS nächsten Monats bevor. Eine der wichtigsten Angelegenheiten, welche noch zur Berathung kommen wird, und zwar in einer der nächsten Sitzungen, ist, wie dasselbe Blatt meldet, die Leipziger C o n t i r u n g s a n g e l e g e n - b c 11 und in Folge dessen die Frage über die Conti überhaupt. —• Nach übereinstimmenden Nachrichten, sagt die Wehrzeitung, ist eine so wesentliche Besserung in dem Befinden des Chefs sämmtlicher Unterrichts- und BildungSanstalten der Armee, G. L. v. Radowitz, eiiigelreicn, daß der General das Bett bald wieder verlassen und eine stärkende Kur wird beginnen können.
Das Stadtgericht verhandelte am 13. d., unler Ausschluß der Öffentlichkeit, gegen den Buchhändler Hertz hicrfclbft wegen Schmähung von Staatseiuttchtungenzc. Die Anklage war erhoben auf Grund des bei Hertz erschienenen Werks: „Briefe über Staatökunst", dessen Verfasser, geheimer CadinetSrath Victor v. Strauß, sich als Ausländer nicht im Bereiche der richterlichen Gewalt befindet. Es wurde gegen Hertz auf 50 Thlr. Geldbuße, event, vier Wochen Gefängniß erkannt, auch die Vernichtung des iucrimirten Werks angeordnet.
Die langjährige Zuchthausstrafe, welche die der Ver- brechen der absichtlichen Brandstistung für den Kaufmann Miclitz nach sich gezogen, hat einen andern hiesigen Materialwaarenhändler (in der Friedrichsstadt) nicht abgeschreckt, eine ähnliche That zu begehe«. Vorgestern Nacht brach nämlich bei ihm Feuer aus, welches aber sofort duich die herbeieilende Feuerwehr gelöscht wurde. Die nach Erstickung des Feuers angefiedten Recherchen ergaben deutlich , daß das Feuer an drei verschiedenen Stellen absichtlich angelegt worden, und der Verdacht einer absichtlichen Brandstiftung erscheint hier um so dringender, als das sehr unbedeutende Lager erst vor kurzer Zeit mit nahe au 2000 Thalrii. versichert worden ist. Der Inhaber des Geschäfts ist verhaftet.