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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TVt SSS Montag den 12. December 1SS3.

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Dir,,Raffauischk Allgemein? Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Eanntag« ausgenommen, täglich und beträgt der Prän»meraii»»«pr<i« iv Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nuUmehr auch ir »r« ganzen Umfang des Lbur«- und TariS'scheu Verwaltungsbezirk- mit Znb«griff de« Postausschlag« 2 fl., für die übrigen Länder de« deutscheösterreichischen PostvereinS, wie für da« Sk»«laad z st, 24 fr. Inserate werden die eierfpattig Prtitteil« oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in b'r Buchhandlung »on W. Friedrich, Langgaise 42, aulwärt« bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Vienstnachrichten.

Der mit Vorsehung der Lehrvicarstelle zu Bergebers- bach beauftragte Schulkandidat Hof ist zum Lehrvicar daselbst ernannt worden. Der mit Versetzung derLehr- getzülfenschule zu Hasselback, Kreisamts Idstein beauf­tragte Schulcandidat Joseph Brück ist zum Lehrgetzül- fen daselbst ernannt worden. Der mit Versetzung der Lehrvicarstelle zu Lochum beauftragte Sckulkandidat Kern ist von diesen Functionen entbunden und Schulkandidat Ortmann von Weidelbach mit deren Versetzung be­auftragt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Vie Fusion.

* Die französische Regierung hat darauf verzichtet, eine Erklärung über die Fusion im Moniteur abzugeben. Sie begnügt sich mit einem halbofficieUcn, gleichzeitig imConstitutionnel" wie imPayS" veröffentlichten Artikel deS Grafen de la GuerroMre über den erwähn­ten Gegenstand. Es ist unmöglich, den ganzen Artikel, der mehr als 8 Spalten der erwähnten großen Jour­nale einnimmt, wiederzugeben, wir können aber nicht umhin, die bedeutendsten Pasjagen unsern Lesern vorzu- führen. Der Artikel ist ausgezeichnet geschrieben, klar, logisch und tief durchdacht, man kann in demselben eine höchste Inspiration kaum verkennen. Hr. de la Euer- ronnière beginnt damit den bereits bekannten Verlauf der Zusammenkunft des Herzogs von Nemours und des Grafen von Chambord zu erzählen. Er sagt in dieser ersten Partie seines Artikels:Ein großer Schriftsteller, desfen Talent wir bewundern, Hr. Guizot, hat uns in einer bemerkenswerthen Schrift gezeigt, wie1 die Repu- bliken endigen. Das Genie des Schriftstellers hat dem Hochmutbe deS Staatsmannes nichts gelehrt, denn Hr. Guizot scheint nicht zn wissen, wie Monarchien fallen und sich wieder erheben. Nachdem er die traditionelle Monarchie durch die Uebertreibung deS Liberalismus, dessen Organ er war, zum Sturze gebracht hatte, nach­dem er das konstitutionelle Königthum, dessen erster Minister und beredsamster Rathgeber er war, bis zur Fatalität einer Revolution hingerissen, vereinigt er Beide in Eile zu einem Selbstmord. Die Monarchie war nur besiegt 1830 und 1848; heute ist sie in ihrem Principe entstellt, in ihrer politischen Existenz vernichtet durch die Fusion........ Leben oder sterben mit ihrem Principe, das ist das von der Natur der Mo­narchie bezeichnete Schicksal. Und dieses Schicksal ist groß, denn cS läßt der französischen Monarchie die Al­ternative, zu triumphiren, wie es dem unveränderlichen Charakter ihres Dogma zukommt oder zu sterben , wie ,S des unvergänglichen RuhmeS ihrer Vergangenheit wür­dig ist. Die Fusion, wie sie in FrohSdorf vom Grafen von Cbambord und vom Herzog von Nemours ge­zeichnet worden, nimmt der Monarchie diese doppelte Alternative; sie erlaubt ihr nicht mehr, sich mit der Macht ihres Princips zu erheben, oder mit Ehren zu fallen. Wir werden das beweisen......Die Fusion entstellt dieses edle und heilige Banner deS Dogmas, welches die Weihe von Jahrhunderten besitzt. Wir werden durchaus gerecht sein für den Grafen v. Chambord. Bei dieser Aussöhnung der beiden Familien hat er ohne Zweifel den schönsten Theil. Er ist es, an den man sich wendet, er ist es, der verzeiht. Aber wie würde dann die Lage sein, wenn er jemals nach Frankreich zurückkehren könnte mit der Familie LouiS Philipps als einem Theil der feinigen. Würde er feine Regierung vom Tode Carls X datircn? würde er die 15 Jahre einer Monarchie zurückwerfen , in welcher die Prinzen, die ihn umgeben und die Staatsmänner, welche ihn unterstützen, ihren Namen, ihre Hand und ihre Der- antwortlichkeit gehabt haben? Würde er in Spanien das Werk Louis XV., vernichtet durch das Testgment Ferdinand VII. wiederhcrsteUrn ? Würde er in Portugal die den Orleans so nahe verwandte Dynastie stürzen? Nein, er würde es nicht können. Sein Princip wäre also verfälscht. Erbe Carls X. würde er der Nachfol­ger Louis Philipps. Er müßte dieselbe Negierung «h= erkennen, welche daS Alter seines Großvaters pröscri» birt und versucht hat, die Ehre seiner Mutter zu be­stecken...... Und wenn er wieder auf den Thron stiege, getragen durch die doppelte Anstrengung der Le- gitimität und der Revolution, welche würde seine Regie­rung sein? Von welcher Partei würde er König fein?

von der Noblesse, von der Bourgeoisie? Würde er eine Charte geben? erhielte er eine solche von der Nation? Diese Charte, würde sie einen Artikel 14 enthalten, welcher ihr einen Ausweg durch einen Staatsstreich übrig läßt oder würde sich wie 1830 das Königthum zwischen der Revolte ober der Servilnde placirt finden ? ..... In Wahrheit, die Monarchie des Grafen Chambord repräsentirt entweder die alte Gesellschaft, oder gar Nichts. . . . Alle neuen Interessen sind außer Dersel­ben gegründet und entwickelt wie organisirt worden.... Würde sie sich z. B. auf die Gleichheit vor dem Ge­setze beziehen? Aber es ist die Revolution, welche die­selbe proclamirt, der Code civile, welcher sie organisirt hat...... Würde sie sich die politische Einheit Frankreichs arteigne»? Aber es ist die Hand der R-pu. blik, welche die Feudalität in dem alten in Provinzen getheilten Frankreicht vernichtet; eS ist das Genie deS ersten ConsulS, welches dieselbe durch die bewunderungS. würdige Organisation der Eiubeit in der Verwaltung des Landes vervollständigt har. Würde fieMackt und Popu­larität vom National-Ruhmefordern? Aber der Ruhm, den wir weder verringern noch vergessen wollen, auf den wir vielmehr als die schönsten Erinnerungen unserer Geschäfte stolz sind, ist von einer andern Zeit. Er ist ein modernerer, lebhafterer, dessen Echo in allen Gauen wiederhallt und der Frankreich achten und bewundern macht und dieser Ruhm ist nicht der Ihrige . ~ . . . . Zwilchen dem älteren Zweige, der sein Princip ver­fälscht .und der jüngeren Linie, welche ihre politische Situation aufgiebt, bleibt nur eine starke, ernsthafte, populäre, nationale Repräsentation der monarchischen Institution die Dynastie Bonaparte. Diese Dynastie repräsentirt weder Aristokratie noch Bourgeoisies, noch Demokratie, sie repräsentirt alle Welt; sie ist nicht das Spiegelbild einer Partei, sie ist das Spiegelbild des ganzen Volkes. Das ist sein Recht, sein Cbarakter, seine Legitimität! Männer des monarchischen Principes, die ihr daS Beispiel einer edlen Treue gegeben habt, ihr habet keine Fahne mehr! Männer des revolutionären Principes, die ihr eure Ueberzeugungen und eure Hoff- innigen auf die jüngere Linie gesetzt hattet, ihr habet keinen Zweck mehr! Aber Der Patriotismus, welcher alle Enttäuschungen überlebt, wird die Zufluchtsstätte aller verrathenen Treuen, aller betrogenen Uebbrzeugun- gen sein. Denjenigen, welche keine Partei mehr haben, nur ihr zu bienen bleibt daS Vaterland, um cS zu lie­ben und zu vertheidigen. Die Fusion beunruhigt das Kaiserreick nicht; sie befestigt dasselbe, wenn es nöthig hätte, befestigt zu werden, denn indem sie die monar- chischcii Situationen angreift, läßt sie als Princip des Gouvernements nur eine Macht übrig: das ist da» Princip aus dem daS Kaiserreich hervorgegangen ist, das ist die Macht, welche cS in Händen trägt . . . . . WaS ist denn die Fusion? ein Wort, nichts weiter; es ist keine Macht, kein Princip, nicht einmal eine Partei; es ist weder Monarchie noch Revolution; eS ist das Resultat der entstellten Monarchie und bet desavouirten Revolution, etwas unbestimmtes, welches nichts ähnliches in der Geschichte, keine Wurzeln im Lande hat, ein Bastard-Königthum mit doppeltem Gesicht, vön denen das eine die Vergangenheit, daS andere die Zukunft an« schaut .... Ja wir sagen eS mit tiefer Trauer, wenn die französische Monarchie sterben soll, so hätten wir gewollt, daß ihr Tod ihres Lebens würdig gewesen wäre, und daß sie mit ihrem letzten Sprößlinge in der Reinheit ihres Principes, in dem Rubin ihres Banners, welches das deS alten Frankreichs ist, erloschen wäre. Die Einrichtungen, Regierungen und Männer, welche auf diese Weise sterben, vergehen nicht, denn sie leben in der Nachwelt wieder aus.

Ventschland.

AuS Baden, 8. Dec. Wie das Berliner Correspondenz-Bureau" wissen will, sind in Karlsruhe mehrere Bemerkungen derNeuen Münchener ßeitunö* über die Conflicte mit dem EleruS übel ausgenommen worden und dürfte dies in München schon angedeutct worden sein. In Bezug auf den Conflict selbst hebt das genannte Blatt noch hervor, daß alle badischen Be­amten sich streng zur Regierung gehalten und nur ein Fall vorgekommcn ist, in welchem ein Beamter die Anordnungen der Regierung seinem Gewissen wider­streitend fand. Diese GesinnungStrcuc nimmt nuS nicht Wunder, cs gebt ja gegen die katholische Kirche, der so mancher gern etwas am Zeuge flickt Es fragt sich, ob die badische Rcgierung ihre Beamten eben so treu und an­hänglich fände, wenn sie eine Dèmokralenjagd verfügt«.

Nach demSckw. Merkur" soll der Vorstand deS öandamts in Freibürg, Hr. v. Chrismar, in eine Un­tersuchung verwickelt sein, weil er ein Erkenntniß abge­geben , daß er keinen Grund finde, gegen diejenigen Geistlichen, welche den Hirtenbrief verlesen, mit Strafe vorzulckreiten. Die Acten dieser Untersuchung sollen be­reits als bau Ministerium abgegangen, das genannte Erkenntniß jedoch schön umgeändert worden sein. Die St. Augustin Pfarrei in Konstanz, berichtet ferner derSchw. Merkur" , befindet sich jetzt gewissermaßen im Zustande des JnterdictS. Seit Sonntag Nackmit­tag hat aller Gottesdienst daselbst aufgchör't, und die Schlüssel der Pfarrei sind dem Dcèan, Pfarrer von St. Stephan überantwortet. Hr. Pfarrer Hensler ist vor seiner Ausweisung von hier noch mit 50 fl. bestraft worden. Er wurde polizeilich in den Ort seiner bis­herigen Pfarrei instradirl, die ibm aber, weil er sie ohne Erlaubniß der Regierung verlassen, genommen ist. Das grozherzogl. Anzcigeblatt des llntertheinkrcises ent­hält vierzehn Bekanntmachungen und Erkenntnisse, be­treffend die Beschlagnahme folgender Zeitungsnunimern: Deulscke VolkSbaUe" 264, 268, 270, 272, 273; Mainzer Zeitung" 271, 272, 276, 279, 280;Deut­sches VolkSblatt" 274, 278, 279, 280;Pfälzer Zei­tung" 285;Katholisches Sonntagsblatt für Stadt und Land" 48;Volksbole" 279 und dessen Beiwagen 47. DaSMannheimer Jou nal" wird, wie eS in einer Beilage zu Nr. 293 erklärt, die kirchliche Frage als eine offene behandelt,da es sein Grundsatz ist, der Wahrheit und dem Recht allein zu dienen." Wahrheit und Recht sind also nicht ausschließlich auf Seite der Regicrung. Dieser Tage hat, wie derSchw. M." meldet, der Prinz-Regent ein Schreiben an den Hrn. Bürgermeister Wagner in Freiburg gerichtet, worin in | den huldvollsten Ausdrücken das ruhige und loyale Verhalten der Freiburger Bürgerschaft in dem Kirchen- Conflict lobend anerkannt wird. Die wiederholten drin­genden Ermahnungen des Erzbischofs haben somit voll­ständige Beherzigung gefunden.

Bom Rhèin , 7. Dec. Die Ermäßigung der Rheinzölle, wie sie seit dem 1. October 1851 zu Gun­sten der Schiffe badischer, bayerischer, hessischer, nas- säuischer und preußischer Flagge auf der dcutscheN Slromstrecke in Geltung ist, wird auch nach dem Ab­lauf bcS gegenwärtigen Jahres (sie war ursprünglich nur bis zum 31. Dec. 1853 festgesetzt) in Kraft blei­ben. In Bezug auf die Gleichstellung der französischen Flagge ist zwar in der diesjährigen Sitzung der Cen- llalrhkinichiffsahrtSconiniission noch kein definitiver Be- schlug gefaßt worden , indem die deiiischen Ufcrstaatcn noch immer die Benutzung des Hüninger Kanals als Aequivalent beanspruchen; allein immer' steht zu erwar­ten, daß die Begünstigung provisorisch fortdauern werde.

Offenbach, 9. Dec. Gestern Abend wurde die hiesige, unterm 3. dieses wegen Treibeises im Main ab­gefahrene Schiffbrücke wieder ausgefahren.

München, 6. Dec. Nach einer achttägigen Pause hielt die Kammer der Abgeordneten heule ihre zweite (bereits kurz erwähnte) Sitzung, in der vier Gesetzentwürfe zugleich eingebracht wurden. Zunächst legte ber Justizminlster ein neues Strafgesetz­buch vor, dessen allgemeiner Theil allein 371 Artikel enthält. Nach dicscm Entwurf werden das Strafgesetz­buch vom Jahre 1813 und der strenge Code pönal für die Plalz aufgehoben und für das ganze Königreich gleiche Bestimmungen eingeführt. Ferner übergab der JustlznUnincr den Entwurf ciiics DieciplinargësctzeS be­züglich der Beamten. Dcr Ministerpräsident machte hierauf eine Vorlage über den Bau einer Eisenbahn von München über Freising nach Landshut znm An­schluss« an die Regensburg - Passaucr Bahn. Dieses Unternehmen wollte zwar eine Actiengcscllschaft auS- führen; allein die Regierung will von dem Grundsatz: der Staat baue, nicht abgehen. Nach dem betreffende« Entwurf müssen die Vorarbeiten dieser Bahn gleich­zeitig mit denen der Nürnberg-Amberg-Regcnsburger- Bahn vollendet werden, damit dann über den Bau beider Bahnen am nächsten Bubgetlänbtag ein defini­tiver Bcichluß gefaßt werden kann. Endlich brad te der Minister deS Innern noch einen Gesctzcntwtuf ein, wo­nach der §. 47 des rcVibutcn GemeindccdlctS dahin ' abgeändert wird, daß in den größern Siadten des Königreichs nöthigen Falls die Zahl der rcchlsknndigen MagistrütSläihe vermehrt werden darf. Dieser Gesetz- eiitwurf scheint sich auf die Vereinigung Münchens mit der Vorstadt Au zu beziehen Schließlich erstattete der Abgkorduete Neusser Vortrag über Die in letzter Sitzung eiugckommeneli Handels- und Zollvtlträge; Die