Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Samflag Den 10. December
1833.
D>e „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch 6r den ganten Nmfang des rvurn- und TariS'schen BerwaltungsbetirkS mit Inbegriff des Postausschlags 2 ff., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postoereins, wie für das Ausland 2 ft 24 fr. — Inserate werden die »iersPaltih Yetitheile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Lauggasse 42, auswärts bei den nächstgelegeneii Postämtern, tu machen.
Die erneuerte Thätigkeit der Wiener Touferenz
*Der bereits nach einer tel. Depesche kurz erwähnte Artikel der „Oestcrr. Corr." über den Wiederbeginn der Vermittlung lautet: Die nunmehr feststehende Thatsache, daß Frankreich, England, Oesterreich und Preußen auf'S Neue sich verständigt haben, nm durch gemeinsame Schritte das Zerwürsniß zwischen Rußland und der Türkei zu einer befriedigen Lösung zu bringen, kann von den conservativen und patriotischen Männern aller Länder nur mit großer Befriedigung vernommen werden. Die weit verbreiten Besorgnisse, eS konnte der Krieg im Oriente in seinem weiteren Verlaufe auch den allgemeinen Frieden Europa'S bedrohen, müssen in den Hintergrund treten, nachdem die Uebereinstimmung der vier Großmächte vor aller Welt die Ueberzeugung der Cabinete constalirt, daß die großen und überwiegenden Interessen Europa'S allen Staaten gemeinschaftlich sind, und zu ihrer Erhaltung und zu ihrem Schutze eine nothwendige, in der Natur begründete Solidarität besteht. Eben ist deßhalb das erneuerte gemeinsame Vorschreiten der vier Mächte nicht nur eine Bürgschaft für die Erhaltung des Weltfriedens überhaupt, sondern zugleich eine Darlegung der aufrichtigen und freundschaftlichen Gesinnungen der vermittelnden Höfe gegen die beiden Krieg führenden Mächte. Entsprechen diese nun — wie wir hoffen — dem an sie ergangenen Ansinnen , so werden die zur Verhandlung des Friedens vo» ihnen zu ernennenden Bevollmächtigten ihre schwierige Aufgabe, durch die auf Versöhnung und Ausgleichung gerichteten Bestrebungen der vermittelnden Mächte, leichter und befriedigender lösen können. Der Erfolg der eingeleiteten Unterhandlung liegt — wie alle Dinge — in der Hand der Vorsehung und wir maßen unS nicht an, ihn als gewiß vorauszusagen. Daß aber die Bemühungen Europa'S nicht nur im Zwecke, sondern auch in der Wahl der Mittel nunmehr wieder gemeinschaftliche sind, dürfen wir immerhin schon jetzt als ein günstiges Omen begrüßen.
Der Moniteur vom 9. d. M. enthält einen analogen Artikel über den gegenwärtigen Stand der orientalischen Frage. Sein Hauptinhalt ist folgender: „Die Ereignisse haben die am 27. Mai ausgesprochene Voraussicht gerechtfertigt. Die Solidarität, welche die gemeinsamen Interessen und die Achtung der gleichen Grundsätze zwischen den großen Cabiuetcn begründeten, ist jetzt eine vollbrachte Thatsache (un fall accoinpti). Das offen zugestandene UebcrcEkvmmen Oesterreichs und Preußens mit den Sabineten von Paris und London ist genügend, um von jetzt an die Besorgnisse zu beschwichtigen , welche seit einem halben Jahr Europa in der Schwebe gehalten haben, da die wirkliche Gefahr der Lage nur in der Möglichkeit einer Sonderung der Mächte'in zwei Lager bestand. Diese Besorgniß ist jetzt verschwunden. Dieselben Ansichten, die gleichen Wünsche beseelten die vier Mächte. Das Protocoll, welches am 5. December in der Konferenz zu Wien die Vertreter der vier Höfe unterzeichnet haben, gibt ein deutliches Zeugniß von ihren Beschlüssen.
Dem „Drcsd. Journal" wird hierüber aus Wien unterm 6. December geschrieben: Die Nachricht von der durch die hiesige Gesaudteu-Confercnz erfolgten Ab- seudung einer Kollectivnote der vier Mächte nach Con- stantinopel bestätigt sich. Die ersten verläßlichen Mit- theiluugcn über den Inhalt dieser Note brachte die „Augsburger Allgemeine Zeitung" hierher. Der bc- treffende aus London vom 29, November datirte Artikel des gedachten Blattes hat hier anscheinend sehr überrascht und mag die Kunde wohl etwas früher gebracht haben als erwartet wurde; seine Mittheilungen sind jedoch im Allgemeinen als authentisch zn betrachten, wenn dies auch von allen einzelnen Angaben, wohin.namentlich der Passus in Bezug auf die Einverleibung der Donaufülstenthümer an Rußland gehören dürfte, nicht gesagt werden kann. Nach den ungünstigen Erfolgen,
1 welche die frühern Vermittelungsprojecte zu Tag gciör- dert haben, könnte es auffallcn, daß Oesterreich und Preußen dem von den Cabineten zu London und Paris an sic gelangten Vorschläge zu einem nochmaligen Vcrmittelungsvnsuche sich so ohne Weiteres aiigescllos- sen haben. Es wird aber versichert, daß die deutschen Großmächte bezüglich beä neuen Vermutelungsvcrsuchcs ihre Stellung vollkommen zu wahren gewußt haben, und ich glaube gut unterrichtet: zu sein, wenn ich diese Version als vollkommen richtig bezeichne. Wie man in unterrichteten Kreisen vernimmt, haben nämlich Oesterreich und Preußen dem neuen Entwürfe, welcher mit den
wesentlichsten Punkten der frühern Wiener Note der Pforte bündige Zusicherungen hinsichtlich ihrer Integrität und Selbstständigkeit bringt, nur dann erst förmlich zugestimmt, nachdem England und Frankreich die ausdrückliche Verpflichtung übernommen, neben der abgesandten Collectivcrklärung durch ihre Gesandten bei der Pforte energisch auf Annahme des neuen Entwurfs zu dringen. Bei dieser Lage der Sache hat allerdings die nach Konstantinopel abgegangene Note gegründete Aussicht auf Annahme bei der Pforte, und da andererseits namentlich das kaiserlich österreichische Sa bin et fortwährend bemüht gewesen ist, auch in St. Petersburg der angestrebten Ausgleichung ein günstiges Terrain zu bewahren, so gibt man sich der Hoffnung hin, daß der neue Versuch, sobald ihm die zuerst einzuholende Zustimmung der Psorte gesichert ist, an den Intentionen des russischen Cabinets nicht scheitern weide. Der Eintritt eines Wrffenstillstandcs und die Einleitung directer Unterhandlungen zwischen Rußland und der Türkei behufs eines auf die Wiener Vorschläge basirteti Friedensschlusses würden die unmittelbare Folge dieses Resultates sein. (Nach der „Times" ss. uZ weigert sich der Sultan den Waffenstillstand cinzugchcu)
Die „Hamb. Rachr." bringen dagegen folgendes aus St. Petersburg vom 1. Dcc. Ueber den Stand der orientatichen Frage erfährt man hier so viel, daß auf die Erklärung deS hiesigen HofeS, „Friedens- und Aus- gleichungsvorschläge müssen bircct von der Türkei auS gehen", aus Wien deßfallsige Einladungen hierzu nach Stambul gesandt worden wären. Nachdem der Sultan und auch eins der dem Czaren befreundeten Cabinete diesen Vorschlag abgelehnt, habe man den Westmächte» Vorstellungen gemacht, welche die Anwendung von Cocrcitivmaßregeln gegen die Pforte bezweckten. Indeß auch diese Vorstellungen seien erfolglos geblieben. Hiernach weise nun der russische Hof jeden Versuch, ihn zor Nachgiebigkeit zu bewegen, damit zurück: daß er die Mächte einladet, der von ihnen entworfenen Wiener Confcrcnznote bei dem Sultan Annahme zu erwirken , da der Kaiser von Rußland dieselbe bereits angenommen habe, oder aber, daß sie diesem eS überlassen sollen, den Streit über die an die Türkei gestellten russischen Forderungen auszufechten, einen Streit, in welchem das Recht Rußlands durch die übernommene Ver Mittelung indircct anerkannt worden sei. Nach diesem wird niemand die in fremden Blättern enthaltene Angabe gegründet halten wollen, daß Nnßland die Wiener Note sammt den Modistcatioucu an. nehmen und selbst die Interpretation des sletzten Circulars deS Reichskanzlers zurückziehen wolle. Unter diesen Umständen, scheint es, kaun Man die.Fürsttuthümer „vorläufig" als russische Eroberung betrachten.
Die „A. Allg. Z." bringt abermals einen officiöscn Artikel über die orientalische Frage mit Rücksicht ans die Haltung der Westmächte und Oesterreichs Neutrali- tät, aus welchem zugleich Oervorgeben dürfte, wie Oe. strrreich sich bei Ablehnung des neuen VcrmittclungS- vorfchlagcS verhalten wird. Wir entnehmen demselben folgende Sätze: Die Westmächte wollen, daß Europa sich Rußland gegtnübersttllt, als ob der Czar mit der Herculcökeulc den Sultan mit seinem gejammten Volk meuchlerischer Weife hätte todtscblagcn wollen. Haben diese Mächte denn nicht selbst früher dem Sultan und seinem Volk so tiefgehende Wunden versetzt, daß sie noch nicht vernarbt sind, und daß ano diesen noch offe. neu Geschwüren die Lebenssäfte fortwährend ausfließen? Aus den Ergebnissen einer uns noch nahen Vergangenheit ist man berechtigt anzunehmcn und offen zU sagen, daß alle Mächte schon lange her das türkische Reich auf gegeben hatten, daß aber jetzt mehrere unter ihnen sich in der Besorgniß vereinigen, daß Rußland den Todtschlag in der Absicht führen wolle, Constantiuopcl für sich zu erobern. Um konsequent und aufrichtig zu sein, müßte daher die Aufforderung, die solche Mächte an Rußland erlassen sollten, nicht dahin lauten: daß es aufhören solle, den Sultan zu bekriegen, daß es den früher coulractmäßig begründeten Zustand wieder her- stellen solle, weil die Interessen Europa'S es so verlangen. Eine solche Sprache, welche, abgesehen von dem Werthe der politischen Bestimmung, schon in der Form alle Rücksichten verletzen würde, welche große Staaten sich gegenseitig schuldig ftifb, enthält in sich die Drohung eines gefährlicheren Krieges, als der ist, den sie verhindern wollen. Sie sollen sich vielmehr mit einer andern Frage befassen, mit der nämlich: was Rußland am Ende des Krieges, den es führe, sich zum Zweckc^ vorgesetzt habe? Staaken, welche vermöge ihrer Lage, ihrer Stellung und ihrer innern Verhältnisse neutral
bleiben wollen, können sich schwer mit dem Benehmen vereinigen, das die Westmächte einhalten, weil cs, wie gesagt, zu einem Kriege führen muß, an welchem sie sich nicht beteiligen wollen, oder weil sie sich, auch wenn dèr Krieg unterbliebe, doch so zweifelhaft stellen würden, daß ihre Sprache das Gewicht einer neutralen, freundschaftlichen VerMittlüng verlöre, kein Gehör mehr fände. Bemcrkeuswerth ist der Schluß des Artikels. Während dort zwei sich zankten, stellte sich ein Dritter lächelnd zur Seite; nicht ahnend, bis wohin dieser Hader führen könnte, sprach er den ÖSmanen Muth zu; in dem unheilvollen Zwiespalt schien Hoffnung für sie und für ihn zu liegen; er stellte sich als Rathgeber. Da er aber den Mangel an .practischcm Lebènsstoff recht gut erkannte, nahm er alles, was aus deM großen europäischen Revolutionskessel als Abschaum hinauSsiedcnd abfloß unter seinen Schutz: er sammelte es in Konstantinopel ; und Menschen, unfähig im eigenen Lande etwas anderes als Unvrdnuug zu schaffen, in welcher sie selbst uutergingeii, sollten auf einmal, von dem fremden Helfer geleitet und empfohlen, das sinkende Reich retten! Man will mit den Zerstörungselementen der alten Staaten wieder neues Leben einem Staate geben, in einer Zeit, wo er an dem Brand bet altert Wunden zu Grunde geht!
Deutschland.
■ * Wiesbaden, 10. Dcc. Unser heutiges KreiS- blatt enthält eine dem Sitzungsprotocoll des KreiS- btzkrkSratheS vom 8. December l. I. bemerkenswerthe Aeußerung deS Herrn KreisaMtmanneS Fer q er bezüglich der Wiesbaden-Niederlahnsteiner Eisenbahn und der wegen Führung derselben von dem KreisbezirkSrath I. G. Ruß angeregten Bedenken, auf welche Erklärung Mir Unsere Leser hiermit besonders aufmerksam machen.
• Biebrich, 8. Dec. An dem hiesigen Herzogl. Resideuzschloß werden umfassende Veränderungen vorgè- ■ nommen, deren Zweck es ist, daS Gebäude in seiner vollen architectonischen Schönheit hervortreten zu lassen, und die nicht wenig zur Verschönerung des Herzogl. Schlosses und des NesidenzorteS selbst beitragen werden. Die PrivakgebäUde auf der rechten Seite der Schloßgasse wurden angckauft und sind nun nebst der herzoglichen Bescbließcrei, Waschküche, den Remisen und den kleinen MarstaUbau bereits bis auf den Grund abgetragen. Der sogenannte große Marstallbau bleibt stehen und wird in der Fac^ade Nach der Schloßgasse Mit Risalitban so hergestellt, wie der sogenannte Neubau nach der Schiersteiner Seite. Die Seite nach der Schloßgasse wird einen Anstrich erhalten, wie im vorigen Jahre der untere Pavillon restaurirt wurde. Der durch die Abtragung der erwähnten Gebäude gewonnene Raum wird zu Gartenanlagen benutzt, mit einer niedrigen die Aussicht in dcn Garten nicht hemmenden von iU» neu mit Gesträuch maskirten Mauer umgeben, dit Straße wird ansehnlich erweitert und die Schloßwache an die Giebelseite des Marstallbaues an das neue Ein- fahrtSthor verlegt und die Balustrade am Rhein bis zu diesem Thor verlängert. Der Stall für die Wagenpferde kommt in dcn Karpfeuhof, der Reitstall iu dett Burghof. Auch die Fahrwege im Park werden verlegt, so daß man aus der größcn Kastanien - Allee beim Maistall nnv andererseits durch die Allee am Neubait anfährt und im ersteren Falle an der Wache v0rbeikommti Die ganze Arbeit, so wie die Einrichtung der verloren gegangenen Räumlichkeiten wird bis zum 1. April kommenden Jahres, au welchem Tage, die große Blumen- auSstcllung ihren Anfang nimmt, beendiget fein. Der Bau der im Alhambra- Scyl auszuführenden Ausstellungsr Halle, welche mit den Gewächshäusern in Serbinbung gebracht werden soll, wird ebenfalls bald in Angriff genommen werden.
V Aus einem najsauischett Badeovt, Anfangs Dee. Es ist zuweilen gut zu erfahren, wie matt es in gewissen Dingen anderwärts hält. In den naf* säuischen Badeorten scheut man sich, eine Kurtaxe ein/ jufübren, in der Meinung, daS Publicum würde Klage führen über die Auferlegung einer solchen Abgabe unb über die Beschränkung suueS freien Willens.' Man höre, wie in dieser Beziehung die Gäste CatlSbad gestellt sind. Hesekiel sagt am Schlüsse seiner kürzlich cischic<i urnen Schrift über diesen Kurort: Die ankommenden Gäste werden vom StadttbNrme aus mit einer Trom- petenMnfik begrüßt. Darauf erscheint die Frau deS Stadttbürmers unb wünscht Glück zur Kur. Sie er* hält bafür ein beliebiges Trinkgeld, in Carlöbad „DiS- crction" genannt; Dann melden sich die Abpaker,