fes, und wie weit sie gehen werde, ist ungegründet. Nichts ist wahr, schreibt man der „N. Pr. Ztg." aus Paris, als daß auf officiösem Wege die französische Regierung die Ansichten deS Wiener CabinetS zu crfor> scheu und es sogar für ihre Politik zu gewinnen sucht. Aber von einer officielleN Anfrage, von Drohungen und dergl. ist keine Rede. Die französische Regierung weist, daß sie auf ihre officielle Anfrage die officielle Antwort erhalten würde, die Frage habe keinen Lercchtiguugs- grund, da der Kaiser wiederholt versickerte, er strebe keine GebictSvcrgrößerungen an. Das Wort des Kaisers von Rußland aber genüge dem Oestcrrelchischcn 6a bin et und macke eS überflüssig, die einzige Eventualität zu berathen, welche die Haltung Oesterreichs verändern könnte. — Es ist zum Lachen, bißt eS weiter, wenn man hört, wie von unsern Kriegslustigen die preußische Kammerrede gedeutet wird. ES gibt hier Leute, welche sich in allem Ernste einbilden, Preußen und Oester- reich werden Rußland din Krieg erklären, und seit einigen Tagen wird mit einer offenbaren Absichtlichkeit daS Gerücht verbreitet, die französische Regierung „sei ungemein zufrieden" mit den deutschen Großmächten. Und wenn sie nicht zufrieden wäre, wo würde daS Unglück sein?
Schweiz.
Aus der Schweiz, 5. Dec. Die Angabe, daß vier ungarische Deserteurs den Ocsterreichcrn ausge. liefert worden seien, bestätigt sich nicht. Allerdings sagt die Basler Zeitung werden die Deserteurs in der Regel wie Heimatlose behandelt, d. h. nicht anfge- nommen, wenn sich dieselben jedoch schon mehr als 24 Stunden auf Schweizergebiet aufgehalten haben, so werden sie auf einer andern Gräuzstehe laufen gelassen, wo sie ihren Verfolgern entgehen können.
Großbrtta»mrn.
London, 5. December. Aufsehen macht hier folgende Geschichte: Sechs Matrosen der russischen Fregatte Aurora in Portsmouth gelang es, ans Ufer zu kommen und nach London zu flüchten, wo sie sich sicher glaubten, da es keine russisch englische Ueberciukuuft zur Auslieferung von Deserteuren gibt. Als sie beinahe Guildford erreicht hatten, wurden sie von einem russischen Offizier, den ein englischer Polizei Inspeclor begleitete, eingeholt und mit Gewalt per Eisenbahn nach Portsmouth und an Bord des Kriegsschiffes LictoriouS gebracht, welches dem Capitän der Aurora während der Ausbesserung der letzteren gastfreundlichst eingeräuml worden war. Hier erhielten die russischen Deserteure eine nicht geringe Anzahl Peitschenhiebe. Mehrere Gentlemen in London, die von diesem ungefttzmäßlgen Verfahren hörten, begaben sich nach Portsmouth und erlangten vom Richter Wightman eine Habeas-Corpus- Acte, worin Coutre-Admiral Marlin, Capt, Scott, Capt. Iwan Nicolajewitz Szelmetiew und andere Per- fönen „im Namen der Königin" anfgefordert wurden, besagte Matrosen sofort vor den Lord-Oberrichter von England zu stellen. Admiral Martin erklärte, sich erst milder Admiralität in Verbindung setzen zu müssen. Capt. Scott war abwesend. Der russische Capitän weigerte sich, das Aktenstück, dessen Geltung ihm erklärt ward, von einem Anderen als seinem Gesandten oder Consnl in Empfang zu nehmen. Man wandte sich in Abwesenheit deS CousulS an den Vice-Consul ; allein auch dieser verschanzte sich hinter seinem abwesenden Vorgesetzten. Darauf wurde der „Wiit" noch einmal an den Capitân der Aurora gesandt, allein der Ueber, bringer wurde nicht an Bord gelassen; als er daher die SchiffSlreppe hinabging, schob er den Schein in eine der Stückpforten. Der Lieutenant bemerkte dies kaum, als er den Schein nahm und über Bord warf, so daß er in ein Boot fiel, daS nebenan lag. Die Sprache der englischen Blätter bei diesem Anlaß läßt sich denken.
Der Londoner Correspondeut der „Nat.Z." rega- lirt heute das genannte Blatt mit folgendem Geschichl- chen: Ich erwähnte gestern, daß die „Times" eine Cor- respondenz auS Hirsova enthalten habe. Weßhalb „our own“ auf der türkischen, anstatt auf der befreundeten russischen Seite sein Quartier genommen hat, darüber circulirt in den Clubs folgende hübsche Geschickte. Als die „Times" fand, daß der „mächtigste Strom in Europa" keine unüberwindliche Scheide für die Armeen war, wie sie zuversichtlich behauptet hatte, entschloß sie sich, einen Berichterstatter abzuschicken. Hr. v. Brunnow wurde um Empfehlungsschreiben angegangen und cr- theilte mit der größten Bereitwilligkeit Einführungs- schrcibeu zu dem Fürsten Gortschakoff und andern Au- toritäten. Sie verfehlten natürlich auch ihre Wirkung nicht. Der Höchstcommandirende empfing den Vertreter der „Times" mit der ganzen unübertrefflichen Artigkeit vornehmer Russen. Er freut sich unendlich, er steht ganz zur Disposition, er ist ganz Sorge für das Wohl, befinden seines neuen Freundes, er warnt ibn vor dem Clima und der Nachtlust, er beruft sich auf seine Erfahrungen, unter andern auch auf die, daß wiederholt die Korrespondenten fremder Blätter auf eine unerklärliche Weise aus dem russischen Lager verschwunden seien. Our own verstand den Wink und versügte sich ohne Säumen auf das andere Ufer, zu den Barbaren, die «och so uncivilisirt sind, das Gastrecht zu achten. — Ein anderes Geschichtchen. Die neuesten telegraphischen Depeschen sprechen von dem russischen Kriegsschiff „Wla
dimir^. Das Schiff, daS einzige seetüchtige der russischen Flotte auf dem schwarzen Meere, ist hier wohl bekannt. Vor zwei Jahren wurde auf einem Privatweift in Blackwall eine kolossale „Macht" für den russischen Kaiser gebaut, 1200 Tonnen groß, 400 Pferdekraft/ Die „Times" brachte einen Artikel darüber und einsichtsvolle Cockneys berechneten, wie groß die Macht des russischen Kaisers und seine Schatzkammer sein müsse, um sich ein so großes Luftfahrzeug zu halten. Die Erbauer schwiegen. Heute sprechen sie. Als Macht wurde das Schiff durch die Dardanellen geschmuggelt. In Sebastopol angekoMmen, wurden die Verkleidungen der .Kanouenlucken weggerissen und die im Raume verpackten Geschütze aufgestellt. Die Regierung wollte dock Ein seetüchtiges Schiff haben; auf ihren eigenen Wersten kann sie es nicht dazu bringen. Das alte Eichenholz, das sie bezahlt, verwandelt sich, ehe es den Stapel er- reicht, in grünes Fichtenholz.
Nufrwtld.
Die russisch-polnischen Blätter enthalten auch nach offi- cieden Berichten des Fürsten Menczikoff von Sepafto- Pol die Bestätigung, daß zwei feindliche Schiffe nebst 130 Gefangenen von den russischen Schiffen „Wladimir" und „DZsarabia" sn Sebastopol am 19. Nov. eingebracht worden sind. lDie tapfere Vertheidiger des ägvptischen Dampfers ist dabei gefallen; ebenso ein russischer Offizier und Gemeiner.
Worraufürkirttttzümer.
Dem „Siebend. Boten" wird aus Bukarest vom 26./14. Nov. geschrieben: Schon seit fast einer Woche sind wir ohne Machrichten vom Kriegsschauplätze an der Donau. ES scheint somit einige Waffenruhe ciugctre- ten zu sein. Nur heute vor acht Tagen fand ein unbedeutendes Gefecht bei Giurgewo Statt. Drei türkische Donau Segelschiffe, mit Truppen, Waffen und Munition beladen, wollten, von Sillstria kommend, nach Rustschuk passiren. Da die Russen dies hindern wollten so entspann sich eine beiderseitige einstündige Kanonade. Die türkische Schiffe landeten ruhig in Rustschuk und debargiurten ihre Ladung. Giurgewo hatte, keinen wei- lern Schaden, als daß einige sich in die Straßen .verirrende türkische Kanonenkugeln in ihrem Dahinkollern das Pflaster der Straßen etwas hart berührten. Daß sich diese Zustände in Giurgewo bereits bedeutend cou» jolidirt haben dürften, ist schon daraus zu entnehmen, daß der dortige k. k. österr. Consularagent Knobloch seine sich früher geflüchtete Familie vorgestern mittelst Eilwagens wieder zurückkommen ließ. — Schon seit dem ersten Emrücke» der Russen war der Mangel gewöhnlichen TijchbrodcS bei uns sehr fühlbar. Die walachischen und deutschen Bäcker waren genöthigt, für die Russen Brod und Zwieback zu backen. Später trat Mehimangel ein, da aus Ursache der Austrocknung unsere Flüsse unsere Mühlen nicht hinlänglich genug Mehl mahlen konnten. Um nun dem Lrvdmangcl abzuhelfeu hat der Magistrat (Sfat oreßauesk) eine amtliche Kund- machn ng folgenden Inhalts erlassen: „Es steht einem Jeden frei, von nun an die Bäckerei zu betreiben. Personen, die sich damit befassen wollen, denen cs aber an pekuniären Mitteln mangelt, erhalten die Gewölber vom Magistrat sowie auch einen nöthigen Geldvorschnß gegen Leistung einer Bürgschaft für die seinerzeitige Zurückerstattung der empfangenen Beträge." — General Budberg, der General Gouverneur der beiden Fürstenlhümer, soll heute hier eintreffen. Gerüchtweise aber heißt eS, daß sich seine Ankunst bis zum Mittwoch verziehen werde. — Einem on dit zu Folge, für das ich jedoch nicht bürgen kann, soll eine Compagnie walachischer Truppen in Jbraila nach dem jenseitigen Ufer deserlirt und zu den Türken übergegangen sein. - Laut aml. lieben Nachrichten aus Jassy hat daselbst die Cholera aufgehört, epidemisch aufzulreten. ES ist uns somit hier ein großer Stein vom Herzen gefallen. Bei uns ist der Gesundheitszustand unter dem Civile der befriedigendste. — Beerdigungen von Offizieren finden fast täglich Statt, die in dem Gefechte bei Olteniza verwundet und in Folge der erhaltenen Blessuren in den hiesigen Hospitälern verschieden sind.
Nach einem andern Berichte aus Bukarest vom 27. Nov., fangen die russischen Truppen bereits an ihre Winterquartiere zu beziehen. Der Abgang des Fürsten Gortichakoff nach Giurgewo galt lediglich der Jnspection der dort stehenden Truppen. Die Türken machen wiederholte Versuche, sich der Mokauiusel zu bemächtigen , die dem Hafen und der Stadt näher liegt, als die sogenannte Smurdainsel, allein ohne Erfolg; sie müssen ihre Position jedesmal in der Früh räumen. Der Zweck der Osmanli scheinl kein anderer zu sein, als die Russen zu verhindern, von der Mokauiusel aus eine Brücke auf das rechte Ufer bei Rustschuk zu schlagen. Die Brücke haben die Russen bereits fertig; sie ist in drei Theile zerlegt, und kann, wenn erforderlich, in einer Stunde zusammeugesügt werden.
Eine Corrcspoudei z aus Paris, die nach einem Privatbriese aus Bukarest, 24. Nov^, meldet, daß der russische General Engelhardt einen Courier des dortigen britischen CousulatS, der Depeschen von Lord Claredou beförderte, verhaften ließ. Der Mann ist ein Albanese und war daher türkisch gekleidet, trug jedoch auf der
Brust das englische Wappen und ein silbernes Abzeichen, das ihn als britischen Courier legitimirte. Mit ihm wurde ein Diener des Vice Eonsuls verhaftet; die Depeschen hatte er glücklicher Weise im Vice Consulat gelassen. Der Vice Consul, Herr Cunninghame, erwirkte mit großer Mühe die Freilassung der beiden Personen, konnte aber keine Gciiuglhunng für den der britischen Regierung angethanen Schimpf erlangen.
Türkei.
Von dem Terrain, das der Schauplatz des gegenwärtigen asiatisch-kaukasischen Krieges ist, wird man auS iiachstebendeu 23 einer hin gen eine Vorstellung bekommen. Die nördliche russische Occupationslinie am Kuban und Terek vom schwarzen bis zum ka'pischcn Meer von der Straße von Jeni Kale biS Kislar ist über 90, die Linie am kaspischen Meer entlang von Kislar bis Baku über 60 Meilen lang. Mosdok im Mittelpunkt der Kabu- und der Tereklinie ist über Wladikawkas und TifliS von Eriwan, der südlichsten russischen Hauptstadt, über 50 Meilen entfernt. Der Kaukasus dehnt sich von Nordwesten nach Südoften, von Anapa bis Baku, 150 Meilen lang, aus. Der am meisten östlich gelegene be- festigte Punkt in Türkisch - Armenien nach der russischen Gr-nzc zu, ist Bajazet; 16 Meilen in gerader Richtung nordwestlich von da liegt Toprack Kale; von da etwaS über 11 Meilen nördlich daS stark befestigte Kars am Flusse gleichen Namens, das im Jahr 1828 zum ersten- mal genommen wurde; von da 9 Meilen nördlich Ar- dagan am mu; von da 7 Meilen westlich Ardanndsch; von da 8 Meilen nordwestlich endlich Latum, der feste türkische Hafen am schwarzen Meer, von wo das von den Türken genommene russische Grenzfort St. Nikolai 5 Meilen entfernt ist. Das ist ein Gürtel von festen Plätzen der Türkei gegen Rußland. Bajazet ist von Latum entfernt etwa so weit wie Kassel von Berlin. Erzcrum, die von den Türken behauptete Hauptstadt von Großarmenien, eine Stadt von 80,000 Einwohnern, schon zu Röliierzeitkii eine Festung, ist von Ba- tum 26 Meilen, von Kars 18 Meilen. Eriwan, daS die Russen erst in dem Paskewitsch - Feldzug von 1828 —1829 eroberten, ist von Tiflis, der Hauptstadt von Georgien und dem Sitz der kaukasischen Regierung, dem HauptmuuitionSmagazine mit Zeughaus, Artillerie- und noch mehreren anderen militärischen Werkstätten, 24 Meilen entfernt. Acdalzik, die bedeutende Festung von etwa 12,000 Einwohnern, die Paskewitsch 1829 den Türken nahm, und die im Frieden von Adrianopel an Rußland abgetreten werden wußte, ist 21 Meilen von Tiflis entfernt.
AuS Consiantinopel vom 21. Nov. wird der „Triester Zeitung" beliebtet. Wie bekannt, hat die „Allg. Z." hier einige Korrespondenten, welche sich eben nicht durch ihre Sympathien für die Türken auszeichnen. Die deutschen Handelsleute, besorgt für ihre Interessen, da derlei Nachrichten in Deutschland das Vertrauen in den levantittischen Handel erschüttern mußten, haben sich vereint und eine Adresse an die „Allg. Z." im Journal de Constantinople abdrucken lassen, in welcher sie alles verneinen, was in jener über die innern Zustände der Türkei gesagt wird. Wenn cs auch unstreitig ist, baß die „Allg. Z." in ihrer Schärfe gegen die Türkei bisweilen zu weit gebt, so ist dort der Kern der Geschichte, die traurige Lage der Provinzeu, namentlich der Chri- sten, doch ganz naturgetreu geschildert. Jedes Consulat konnte die besten Belege aufweisen; auf die mögliche Richtigkeit jener Mittheilung nimmt aber der deutsche Handelsstand keine Rücksicht, und trägt aus leicht erklärlichen Motiven mit Hrn. NogueS (der französische Nedactenr des Journal de Constantinople) dazu bei: die beimatblichen Gauen über die wahren Zustände deS türkischen Reichs in den Piovinzen zu mystificiren. Von Constantiuopel aus kann man sie nicht erfassen; da wird Person und Eigenthum geschützt, die Pforte thut alles mögliche, um Scandale zu verhüten und Klagen zu vermeiden, Dank den europäischen Gesandtschaften! Man entferne sich jedoch nur 10 Stunden von der Stadt, und sehe zu, wie dort gewirthschaftet wird.
Nach Privatmitthcilttngen aus C on sta n t i n op el vom 21. November, welche die „Pr. Corr." mittheilt, lagen an jenem Tage 25 Linienschiffe im Bosporus zwischen Bujukdere und BeikoS. Darunter gehörten 7 der englischen, 9 der französischen und 9 der türkischen Flotte an. Aus dem Arsenal von Constantiuopel waren eben 2 neue Linienschiffe hervorgegangen , welche später, zur Flotte stoßen sollten. — Die Tbeuerung der Lebensmittel hatte bedeutende Fortschritte gemacht, obgleich die Regierung alles aufbot, um Brod und Fleisch bei mäßigen Preisen zu erhalten. Zucker, Caffec, Kâse, Oel, Lichter, Holz, Kohlen unb dergleichen waren bereits auf das drei - und vierfache ihrer früheren Preise gestiegen. Die Gclbnotb machte sich immer fühlbarer. Die neu geprägten Münzen von besserem Metallgehalt sind bereits ans dem Verkehr völlig verschwunden, während die alten schlechten Münzen, deren Metallgehalt kaum der Hälfte ihres Normalwertbes gleich kommt, fortwährend im Coursc sinken. — Die Fahrten der türkischen Post- dampsschiffe nach und von Trapezunt und Batum dauerten regelmäßig fort, als wenn man mitten im Frieden wäre.
Dem „Journal des DebotS" wird aus Constanti