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stimmung berufen, so dürften sie dann ihren unnützen Widerstand ausgeben.

Spanien.

Madrid, 23. Nov. Zwischen dem Ministerium und dem Senat ist es bereits wegen der Eisenbahn- frage zu einem Conflict gekommen.

Marschall Narvaez hat dem Kriegsminister nun of- ficicll seine Absicht angezeigt, sich ans Gcsuudbeitsrück- sichten und zur Ordnung ans Privatverhältnissen auf unbestimmte Zeituach seinem Geburtsorte Loja zu begeben.

Portugal.

Der Times - Korrespondent aus Lissabon gibt Näheres über den Tod der Königin an. Zwei Tage vor ihrem Verscheiden war sie noch in der Oper (bei Ernani) gewesen, und 24 Stunden vor dem unvorher, gesehenen Ereigniß lustwandelte sie mit ihren Kindern im Palastgarten und war ungemein wohl und heiter, so daß man ihrer Niederkunft ohne Besorgniß entgcgcu- sah, obgleich die Facultät das vorigemal erklärt hatte, daß eine künftige Entbindung von großen Gefahren be­gleitet sein würde. Die Trauer im Lande ist allgemein und aufrichtig, denn die häuslichen Tugenden der Kö­nigin wurden auch von ihren politischen Gegnern aner­kannt. Der Correspondent des Herald erwähnt als eine wichtige Thatsache, daß unmittelbar nach dem Tode der Königin, als die 8 Mitglieder des Staatsraths sich versammelten, eine herzliche Aussöhnung zwischen dem Herzog von Terceira, dem Grafen Thomar und dessen Bruder, M. Silva Eabral, staltfand. Das Publicum kam der Proclamation, die eine allgemeine Landestrauer vorschrieb, zuvor, und einige Stunden nach der Todes Nachricht sah man selbst die ärmsten Bewohner in schwar­zer Tracht und alle Läden geschlossen. Der König, Dom Pedro V., wurde am 16. Septbr. 16 Jahre alt und wird daher erst im Jahr 1855 großjährig. Er soll ein sehr intelligenter Jüngling sein.

Niederlande.

Haag, 25. Nov. In der heutigen Sitzung der Generalstaaten erklärte der Minister des Auswärtigen u. A.: Bezüglich Limburgs werde die Regierung, ob-' gleich dasselbe zum deutschen Bunde gehöre, doch nie zugeben, daß dort Gesetze eingcfnhrt würden, welche die öffentlichen Freiheiten zu beschränken geeignet wären.

Großbritannien.

London, 26. Nov. Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, daß die großen Goldsendungen, die im Laufe dieser Woche nach Petersburg gemacht worden sind, dircct in den kaiserlichen Staatsschatz geflossen und entweder dazu bestimmt sind, den Türken heiß zu machen, oder den Londoner Capitalisten den Brodkorb Höber zu hängen. Gestern wurden wieder 300,000 bis 400,000 L. aus der Bank genommen, um heute den Weg nach Rußland anjutrcten, und die Gesammkausfuhr dieser Woche nach Petersburg allein ist mit 800,000 L. nicht zu hoch angeschlagen. Davon sollen 550,000 L. der russischen Regierung zufließen, die im Ganzen 800,000 L. auf den Namen Baron Brunnow's in der Bank liegen haben soll. Das Haus Baring Brothers leitet die Verschiffungen für den russischen Gesandten, und wenn wir recht unterrichtet sind, wird in den nächsten Tagen auch der Rest (250,000 L.) aus der Bank hcrausge- zogen werde». Die hiesigen anti-russischen Blätter, die von diesem Factum Notiz nehmen, ziehen daraus vor­eilige Schlüsse auf die Fiiianznoth des russischen Schatzes und sprechen, als ob diese in der englischen Bank depo- nirtcn 800,000 L. die letzten Geldmittel des Kaisers wären. Die Times, welche in Finanzsachen sonst am besten unterrichtet ist, sagt nur, daß gestern 80,000 L. nach Petersburg verschifft wurden, erwähnt kein Wort davon, daß die russische Regierung den größten Theil ihrer hier deponirten Fonds eingezogen hat, und glaubt im Gegentheil, daß die nach Rußland gemachten Rimes­sen in Kürze wieder hierher zurückfließen werden. Das Anlehen von 280,000 L., das vom Hause Baltazzi u. Komp. für den Sultan abgeschlossen wurde, verdient, nebenbei bemerkt, nicht die große Beachtung, die ihm beigelegt wird, da die Pforte in den letzten Jahren re­gelmäßig ungefähr dieselbe Summe gegen Verpfändung des ägyptischen Tributs ausgenommen hat. Im vorigen Jahre war es die Peninsular and Oriental Sream Com­pany die das Geld vorstrcckte.

Jimten.

Venedig, 26. Nov. Wegen genügender Getreide- vorrâthe finden stilles Geschäft unv mäßige Preise in diesem Artikel statt. Handelsberichte auö Friaul melden zunehmende Beliebtheit und steigendes Consumo unga­rischer Weine.

Neapel, 23. Novbr. Ein I Vertrag wegen Haft­nahme uns Auslieferung flüchtiger Matrosen ist mit England abgeschlossen worden.

In Rom ist der Bandit Genuaraccio, welcher we­gen seiner früheren Theilnahme am Aufstande und we­gen seiner bewiesenen Tapferkeit sehr populär geworden ist, zum Tode verurtheilt worden.

Rußland. -

St. Petersburg, 20. Novemb. Die Meinun- gen in Betreff des Krieges an der Donau sind, wie dieHamb. Nackr." melden, hier sehr getheilt. Wäh­rend die einen glauben, und dies dürfte das wahrschein­lichere sein, daß die russischen Truppen in den Donau­fürstenthümern überwintern und die diplomatischen Un­

terhandlungen dadurch wieder Zeit gewinnen, wünschen die Kriegslustigen, daß den Türken eineLection" für ihrtollkühnes Wagniß", die Russen vom Territorium der Pforte durch einen Kongreß verdrängen zu wollen ertheilt werde. Glücklicherweise denkt der Czar anders. Die dem Fürsten Gorlschakoff von hier aus übersandten Befehle sollen sich darauf beziehen, gegen die Türken, welche sich auf dem linken Doiiauuser blicken lassen, euer, gisch die Offensive zu ergreifen. Von England und Frankreich wird behauptet, sie hätten die nöthigen Aufklärungen über etwaiges Einlaufen der vereinigten französisch-englischen Flotte» ins schwarze Meer der rus­sischen Regierung communicirt.

An die am 22. d. erfolgte Abreise des G.-L. Usch- kow (Verfasser des Werkes über die Feldzüge des Felb- marsckalls in Persien) von Warschau nach Bukarest wer­den nach demselben Blatt allerlei Vermuthungen geknüpft. Einestheils wird behauptet, derselbe sei auf Befehl der OccupationSarmce beigegeben, anderntheils will man wissen, er sei der Träger von Instructionen behufs Er­greifung energischer Offensive.

Die russische Fregatte, welche bei Cbevkctil (an der asiatischen Küste) unter den Mauern dieses Platzes zu Grund gegangen (und zwar durch das Feuer der türki­schen Artillerie) soll dasselbe Schiff gewesen sein, welche den Fürsten Menczikoff nach Konstantinopel gebracht hatte und daselbst zu dessen Verfügung während der ganzen Dauer feiner Anwesenheit geblieben war.

Daß der russische Kaiser sich zu einem ernstlichen Kriege rüstet, ist wieSwenSka Tidningen" (ein für Halbofficicll geltendes Stockholmer Blatt) ganz gewiß, und daß er sich auf eine allgemeinere Ausdehnung des Krieges gefaßt macht, davon zeugen die Berichte aus den Ostsee-Provinzen. Reval und Riga haben 12,000 M. von dem Elite-Grenadier-Corps erhalten. Nach Finn­land, wo gewöhnlich 12,000 Mann liegen, sind noch 16,000 verlegt, wovon 8000 zu Bomarsund auf Aland. In HelsingforS sind 10,000 Matrosen angekommen; 9 Linienschiffe sind dahin verlegt, natürlich um im Früh­ling zeitiger auslaufen zu können, da Kronstadt bis lief ins Frühjahr mit Eis belegt ist. Dampfmaschinen mit Schrauben sind in großer Menge bestellt.

Donanfürttenlhümet'.

Nach einem Schreiben aus Belgrad ist in Ser­bien das Aufgebot publicirt. Ein Haufe türkischen Ge­sindels , das bei Uschiza die serbische Grenze übcrschrci- ken wollte, wurde von den Serben zurückgewiesen, wobei einige Gewchrsalvcn gewechselt worden sein sollen. Bei 1000 Mann serbische Truppen sind gegen die Drina dirigirt worden. In Belgrad klagen die Serben, die Türken hätten ihre Verträge nickt gehalten. Die Tür­ken erheben aber auch dieselben Klagen. Einem Ge­rüchte zu Folge hätte sich Arap Pascha, dessen Namen in dem montenegrinischen Kriege oft genannt wurde, nach dem Rückzüge bei Oltenitza durch einen Pistolen- schuß selbst entleibt.

Der kleine Kriegen dem Ufer der Donau dauert ununterbrochen fort und beweist die Absicht Omer Pa­schas, den russischen Truppen keine Ruhe zu gönnen, so weil es die Verhältnisse der Jahreszeit nur immer ge­statten. Außer dem Versuche von Nicopoli und der abermaligen Occupirung der Donauinsel Mokan von Seite der osmanischen Truppen, sind letztere bei Piova Petri, unterhalb Hirsova, wo die Jalomnitza in die Do­nau mündet und welcher Punkt die zweite Passage nach Braila ist, vor einiger Zeit gelandet. Die Anstrengungen der Russen, sie aus ihrer Stellung zu vertreiben, waren wie man derF. P. 3 " aus Bukarest vom 19. d. meldet, bisher fruchtlos geblieben. Die ausgestreute Nachricht, daß das Osten-Sackensche Corps bereits im Marsche gegen die Walachei begriffen sei, wird von Reisenden, welche aus der Moldau kommen, als eine Unwahrheit bezeichnet. Aus Galatz dagegen ist eine Privatstafette mit der Kunde eingetroffen, daß das 4. und 5. Corps der Reservearmee aus Bessarabien sich auf dem Marsche über Reni dorthin befindet. Fürst Gorlschakoff hat der Regierung den Befehl zukommen lassen, mehrere tausend Wagen in Bereitschaft zu halten, um die kranken Soldaten nach Tckuisch in der Moldau zu transportiren. Auch sollen die Lieferanten der Spi­täler bereits angewiesen worden sein, ihre Lieferungen dorthin zu spediren.

Nach einer Korrespondenz ans Widdin vom 11. November sind in der ganzen Donangegend die Straßen und Wege durch Regen, Wolkenbrüche und Scknce so zugericktet, daß von Truppentransporten in Massen gar keine Rede sein kann. In den türkischen Lagern herr­schen Krankheiten in hohem Grade. Mangel au Allem wird täglich fühlbarer. Bei 3000 Mann Türken sind 'Krankheiten erlegen, 8000 Mann sind in Spitälern.

Türkei

Constantinopel, 14. Nov. Der WienerPresse" wird geschrieben:Die bei Bcykos liegende vereinigte Flotte verproviautirt sich für längere Zeit. Man erzählt hier, daß die Avantgarde derselben schon in's schwarze Meer hätte ein laufen sollen, sicher ist aber, daß bis­her nicht geschehen, und die guten Türken glauben, daß die ziemlich starken Stürme das Hinderniß gewesen. Das Wahre an der Sache ist aber Folgendes: Als man hier im französischen GesandtschaftShotel von der baldigen Ankunft des Generals Baraguay d'HillierS

hörte und zugleich vernahm, daß die französische Regie­rung von nun an in der orientalischen Frage sehr ener­gisch vorzugeben gedenke, wird Hr. de la Conr plötz­lich auch energisch und begehrte die sofortige Einiahrt der vereinigten Flotten. Aber jetzt war es Lord Red- cliffe, welcher zur Mäßigung rieth und bei der Konfe­renz, welche in dieser Angelegenheit abgehalte» wurde, die Erklärung abgab, daß die Westmächte zu jeder Zeit stark genug wären, um einem Vorgehen Rußlands, welches das europäische Gleichgewicht stören könnte, mit Erfolg entgegen zu treten. Die Ansicht Lord Redcliffe's drang durch, und es wurde nur eine kleine Abtheilung von zwei englischen und zwei französischen Schiffen be­ordert, im Vereine mit einer türkischen und einer ägyp­tischen Fregatte sich am Eingang des schwarzen Meeres aufzustellen. Und selbst diese Abtheilung hat jetzt im­mer mit dem ungünstigen Winde zu kämpfen, welcher von dort in den Bosporus hineinwebt. Aber auch in den andern hiesigen politischen Kreisen scheint jetzt nicht mehr der alte Wind zu wehen. Ich glaube nicht falsch zu berichten, wenn ich Ihnen melde, daß die Friedens- Partei hier im Steigen begriffen ist. Vom asiatischen Kriegsschauplätze nichts Neues von Bedeutung, als daß ein Courier hier augekommen, welcher die Mel­dung machte, daß, im Falle der Schnee eine Fortsetz­ung der Operationen erlauben wird, am 24. Ismael Pascha von seiner Seite und Sckamyl von seinem Punkte aus einen combinirten Angriff auf die russischen Linien machen werde». Hier versichert man, daß dem türkischen Oberbefehlshaber in Asien von hier ans Se- rim Pascha als diplomatischer Leirath zugetheilt wer­den wird. Scrim Pascha würde alsdann dort diesel­ben Functionen auSzuüben haben, wie Fuad Effendi bei Omer Pascha."

Die letzten Nachrichten aus Konstantinopel meldeten die Abberufung der ^Repräsentanten von Oe­sterreich und Preußen der HH. v. Bruck und Wil- denbruch. Ein Grund ist nicht angegeben. Ist dieNach- richt gegründet, so scheint die Bildung von Fremdenle­gionen in Konstantinopel die Veranlassung dazu gege­ben zu haben. Die Pforte hatte früher Oesterreich ausdrücklich zugesagt, ihrem europäischen Heer solle keine Flüchtltngslegion beigegeben, und die an der Donau befindlichen Flüchtlinge sollten ins Innere deS ßaubeS gewiesen werden. Diese beiden Versprechungen wurden gebrochen. In Konstantinopel wurde Kiapka an die Spitze einer aus Italienern, Polen und Ungarn sich bildenden Fremdenlegion gestellt, und im Heer Omer Pascka's an der Donau wimmelt cs^vou fremden Versprengte» und Abenteuerern. Während also die Pforte sich g.rziz in die Hände Englands und Frankreichs gegeben hatte, und Lord Rcdcliffe die Komödie der Fri.deiiSNiiterbaiikliin- gen ernsthaft fortzusetzen schien., uiid sich dabei von den Vertretern Oesterreichs und Preußens unterstützen ließ, leitete man die Maßregel ein, welche Oesterreich anj's empsindlichste verletzen mußte. Oesterreich konnte und durfte diesem Spiel englisch-türkischen Verratbs nickt länger guthmütbig znsehii. Hat cs wirklich den kaiserl. königl. Jnternuttllus abberufe», so hat es damit nur ge­than, was feine Würde so sehr als sein Interesse for. berte, und was England und Frankreich in gleichem Fall ebenfalls zu thun nickt gesäumt hätten.

Die türkische Regierung hat im Hafen von Kon­stantinopel zwei besondere Werkstätten für die Re- paratton der Dampfmaschinen eingerichtet. Dieselben sind zur Verfügung der englisch-französischen Flotte ge stellt worden.

Vorgestern ist ein CabiiietS-Courier auf dem Land­wege eingetroffen, der eine Depesche in dem Sinne überbracht haben soll, daß die vermittelnden vier Mächte übereingefommen seien, an beide kriegführende Parteien die peremptorische Forderung eines WaffenstiUstaudes zu stellen.

Bei dem Abgänge der letzten Konstantinopler Post hatte der Sultan auf seine wiederholte Anfrage noch nicht die Zusage erhalten, daß England oder Frankreich der Pforte im Kriege beistehen und Hülfe leiste» wer­den. Nach den Instructionen, welche die Flolten-Ad- mirale haben, ist cs verboten, die Schiffe zu irgend einer Operation zu verwenden, und die Pforte kann in diesem Augenblicke über kein einziges Schiff der franz.» engl. Flotte, am wenigsten aber über die Flotte selbst verfügen. Für jede Eventualität muß die Entscheidung von London und Paris eingeholt werden.

Den letzten Briefen aus Konstantinopel zu­folge hatte ein türkisches Linienschiff von 82 Kanonen, welches zu Sinope im Bau begriffen war und gegen Ende des Monats vom Stapel gelaßen werdcu sollte, den NamenOltenitza" erhalten.

Ueber das Treffen bei Gumri schreibt man der N. M. Z." aus Wien vom 21. Nov.:Die hiesige russische Gesandtschaft hat Bericht über einen Sieg, den Fürst Barjatinsky, der Chef des Generalstabs der 2. activen Armee, bei Gumri über die von der türkischen Grenze her angerückte Hanptarmee erfochten hat. Fürst Barjatinsky hatte die Türken unangefochten die Grenze überschreiten und einige kleine Forts uiib Blockhäuser nehmen lassen, bis er eine vortheilhafte Stellung bei Gumri zu benützen wußte. Er meldet, dem Fcind eine entschiedene Niederlage beigebracht und 1000 Gefangene gemacht zu haben. Zu beachten ist, daß dieses russisch«