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Freiburg 24. Nov. DerA. A. Ztg." weiten unter vorstehendem Dalum folgende Mittdeilungen ge« macht: Die batike Regierung hat beschlossen, alle gefangene Geistliche in Freiheit setzen und künftig keine mehr verhaften zu lassen. Die Lerfügung ist diesen Abend hier emgetroffen, und wird, wenn sie in Vollzug tritt, ein allgemeines Staunen erregen. Man hat viele (ich höre gegen fünfzig) Priester vielfach auf ziemlich schonungslose Weise verhaftet und durch ein sehr sum. marisches Verfahren zu längerer Gefängnißstrafe veru» theilt; man hat an einzelnen Orten vorsichtige Strenge bis auf die Schulkinder ausgedehnt, welchen verboten worden ist, am Gefängniß vorüber zu gehen; man hat sehr energisch gedroht und von unbeugsamer Kraft und Entschiedenheit gesprochen und darum hat niemand diesen Rückzug so gar schnell erwartet. Wird der Erz­bischof dadurch zur Aufhebung des Kirchenbannes be­stimmt werden? Ist in dem jetzigen erfreulichen 23 C' schluß die Folge eines Zwiespaltes zwischen den Mii- gliedern der Regierung zu erkennen? Ist der Beschluß der Einwirkung anderer Staaten zuzuschreibcu^ Mög­licherweise haben die Bevollmächtigten in Karlsruhe darauf aufmerksam gemacht, daß'die düstere Stimmung der katholischen, d. d. der großen Mehrzahl der Bewoh­ner des Landes noch weiter aufznregen, die Unordnun­gen verbreiten könnte, welche im Odenwalde stattgefunden haben; Bewegungen in einem Nachbarland will jetzt keine Regierung. Indeß wird durch die Freilassung der ge­fangenen Geistlichen der eigentliche Stand des Streites nicht geändert. DaS Gerücht, daß Oesterreich dem Erz­bischof seine Vermittelung angeboten habe, ist durchaus unbegründet. Es besteht nicht der kleinste Umstand, wel­cher daS Gerückt hätte veranlassen können. Ob aber Oesterreich der badischen Regierung nicht etwa in gehö­riger Form Vorstellungen gemacht, daS ist eine an­dere Frage.

München, 28. Nov. (Per Telegraph.) H Ute, am Geburtstage des Königs, wurde die Stiftung eines neuen Ordens verkündigt, derMax milianSorde» für Kunst und Wissenschaft." 30 Gelehrte und Künst­ler Deutschlands sind damit ausgezeichnet.

Kassel, 27. Nov. (Fr. P.-Z.) In der hiesigen katholischen Kirche wurde heute Morgen nach der Pfarr- messe und vor Beginn der Predigt eine Ansprache des Bischofs von Fulda in Betreff des baden'schen Kirchen- couflicts von der Kanzel herab verlesen und darin, un­ter Darlegung des Streitpunktes, die Gemeinde aufge­fordert, für ihren Erzbischof und um Abwendung der Kirchenverfolgung zu beten; welches auch nach Anleitung der bischöflichen Anordnung sogleich laut geschah.

Hamburg, 27. Nov. Auf den Schultern unse­rer drei oberen Ofsiziere erblickt man plötzlich nicht mehr die früheren goldenen, sondern silberne Epaulettes, welche Veränderung eine Folge der Bundesiiispection sein soll. Vielleicht hat sie es für unzuträglich gehal­ten, daß unser kleiner Staat eine höhere militärische Valuta habe, als die großen Staaten. So mindestens scherzt man hier.

Berlin, 26. Nov. Der telegraphisch vom Mini­ster des Innern berberufene Oberpräfldent der Provinz Posen, Herr v. Puttkammer, ist von dem Könige em­pfangen worden. Die mit den Ministern gepflogenen Conferenzen bezogen sich auf die bekannten klericalen Verwickelungen in der Provinz Posen. Für die mehl' fach ausgesprochene Vermuthung, daß durch die orienta­lische Frage eine strengere Ueberwachung der polnischen Landcstheile geboten fei, und daß dieß auch in den in Rede stehenden Conferenzen zur Sprache gekommen, fehlt nach derLith. C." die Bestätigung.

Die neuesten Nachrichten von den Schauplätzen des orientalischen Krieges, sagt die Pr. Cor., bestätigen die von uns jüngst ausgesprochene Erwartung, daß das erste Hereinbrechen der rauben Jahreszeit einen einst- »eiligen Waffenstillstand unvermeidlich macht. Mit großer Genugthuung erfahren wir ferner, daß die Diplomatie darauf bedacht ist, diese Pause im Interesse des von dem gestimmten Europa ersehnten Friedens zu benutzen, und neue Anstrengungen machen wird, um eine Ver­ständigung der streitenden Parteien herbeizuführen. Wenn es nicht zu verkennen ist, daß die kriegerische Aufregung des Divans und das schnelle Vorgehen der türkischen Truppen die damals schwebenden Unterhandlungen ge­waltsam zerrissen und das Gelingen neuer Vermittelungs­versuche wesentlich erschwerten, so ist durch die gegen­wärtige Wiederherstellung des Status quo vor Eröffnung der Feindseligkeiten wieder eine günstigere Lage geschaf­fen, welche dem russischen Gabinet verstattet, ohne Ver­letzung seiner Würde und Machtstellung auf billige Aus- glcichnngsvorfchläge eiuzugchcn. Was die Haltung der westlichen Mächte betrifft, so versichert man in wohl­unterrichteten Kreisen, daß das englische Cabinet sich noch neuerdings entschieden für die Wahrung deS europäischen Friedens ausgesprochen und sich zur Unter­stützung aller Schritte bereit erklärt hat, welche dem er­wünschten Ziele näher zu führen verheißen. ES ist da- her nicht unwahrscheinlich, daß die Wiener Gon» ferenz ihre Thätigkeit wieder aufnehmen und den Ver­such erneuern wird, die Grundlagen für eine nach allen Seiten hin befriedigende Lösung der vorliegenden Streit­frage zu gewinnen.

In der heute stattfindenden Versammlung der hier

anwesenden Mitglieder deS Ordens pour le mérite wirb, wie man hört, der Dichter Uhland von vielen Seiten zum Mitglied vorgeschlagen werden. Einzelne Mitglieder deS Ordens sollen, wie dieElberf. Ztg." bemerkt, Anstoß daran nehmen, daß Uhland dem Rumpf. Parlament in Stuttgart angehört habe. Nach der officiosenPreuß. Corr." läßt sich jetzt schon mit Ge­wißheit sagen, baß der Ausfall der Ernte keinen Noth­stand bedingt, und eS steht daher aller Wahrscheinlich­keit nach kein Steigen, sondern vielmehr ein Sinken der LebenSmittelpreife zu erwarten. In dem Befinden deö Hrn. v. Radowitz ist wieder eine Verschlimmerung cingctrcten, welche den Freunden dcS Generals ernstliche Besorgnisse einflößt.

Einer im Hurlcr'schen Verlage in Schaffhausen erschienenen Schrift:Ueber die Einheit der katholi- fchen Kirche, ein Sendschreiben an Seine Majestät den König von Preußen," welche von Rendu verfaßt und von Singer in's Deutsche übersetzt worden, ist der Vertrieb in den preußischen Staaten untersagt.

Die westphä l i sch e protestantische Gene­ralsynode hat einen äußerst heftigen Hirtenbrief ge­gen die gemischten Ehcn erlassen.

DieNational-Zeitung" sagt dieN. Pr. Ztg." wird nicht müde sich und ihr deutsches Nationalgefühl (ihr preußisches ganz bei Seite gesetzt) für die Herrlich­keit, für die Toleranz, für die Liberalität und wer weiß für was noch deS Halbmondes in die Schanze zu schla­gen. Um ihre lange Brühe zu würzen, pfeffert sie ne. benbei mit Vorliebedie confervative Partei des Mos- kowilerthumS." Auf dem Rechtsbodeii stehend, beweist dieNationalzeitung" das Zutreffende ihrer Ehrfurcht vor dem Halbmond durchein wichtiges Acten stück", in- dem sie einenkaiscrl. Ferman" citirt, aus dem ihrer erleuchteten Meinung nach erhellt wie gut cs eigentlich die Giaurs in der Türkei haben. Daß aber der Sul­tan erst neulich auch in einem solchen Aclenstück selbst da­rüber geklagt hat, wie wenig ein ähnlicher Ferman befolgt worden, daS verschweigt die Natztg. natürlich, weil ihre Leser sonst auf die nahe liegende Vermuthung gerathen könnten, daß die Wichtigkeit dieserwichtigen Aktenstücke" wesentlich darin bestehe, ad acta gelegt zu werden. Als damals die Griechen gegen die Türken aufstanden, galt Wilhelm Müller, der Sänger der berühmten Griechen,icdcr, für einen der liberalsten Dichter. Jetzt erscheint dieser Sän­ger der Freiheit als entschiedener Reactionär. Denn ärgere Schandthaten hat den Türken Niemand nachge- fun gen , als jener Modedichter des damaligen liberalen Deutschlands.Allah ist groß!" und derdeutsche Mi- 'chel" ist heutzutage feinProphet".

DieNat.-Ztg." bemerkt: Als einen Beweis für das noch nicht geregelte Postwescn in Süddeutschland darf man wohl den Umstand ansehen, daß wir die Nachrichten aus Stuttgarter Blättern, demSchwäb. Merkur", demWürtemb. Staatsanz." rc. um volle 20 Stunden früher in den Frankfurter Blättern abge­druckt vorfinden, als sic uns durch die gedachten Blät­ter selbst zugeben.

Der Berliner Zuschauer schreibt:Wir säßen so fröhlich beisammen und hätten einander so lieb wenn" . . . ja wenn! DieKölnische Zeitung" singt heut dies alte schöne Lied und blickt dabei wehmüthig auf die sentimentale Freundin, auf dasPreußische Wochenblatt".Einem sich auf dasallpreußische" Programm (des Wochenblattes) stellenden Ministerium gegenüber," schreibt dieKölnische Zeitung,würden wir zwar noch immer in der bescheidenen Stellung von Sr. Maj. aUergetreucster Opposition bleiben können; aber die Opposition würde noch immer eine sehr freund­liche und sehr bedingte fein und dann könnten wir fest und gemeinschaftlich gegen die junkerliche Ultra- reaction zusammeiistehen." Ach ja, wir könnten aberdie angeblich versöhnliche Majorität des Ministe­riums hat sich bisher der zur äußersten Rechten halten­den Minorität unterworfen." So ist keine Hoffnung vorhanden, und der Kölnischen bleibt nurder muthige Gebrauch des freien Wortes", von dem sie z. B. in dem badischen katholischen Kirchencouflicte einen treff­lichen Gebrauch macht. Noch in keinem Worte hat sie einer Ansicht über denselben Naum gegeben.

Berlin, 28 Nov. (F. Bl.) Der Minister­präsident hat heute Mittag um 12 Uhr die Ses­sion der Kammern mit einer Rede eröffnet, deren erster Theil den innern Angelegenheiten gewidmet war. Hinsichtlich der L eb e ns mi tt e lfra ge in der gegenwärtigen Zeit der Theuerung wird an dem Grund­satz freien Verkehrs frstgehailcn. Am Schluß fei­ner Rede bemerkte der Ministerpräsident: DieBerathun- gen der Kammern begännen in einem Zeitpunkte, wo Besorgnisse sich geltend machten, cs könnte der seit­her erhaltene Frieden Europas durch die orienta­lische Verwickelung gestört werden; die Regierung könne und wolle nicht verhehlen, daß diese Besorgnisse sich auf Thatsachen gründen; dennoch blicke sie mit Zuversicht in die Zukunft. Preußen, gestützt durch seine eigene Kräfte, und derselben sich vollkom­men bewußt, werde, wie bisher, so auch fernerhin seine thätigen Bestrebungen sortsetzen, um der Sache deS Friedens und der Mäßigung in dieser folgenschweren Frage seine so unabhängige, wie unpartheiische Sprache zu leihen. Welche Wendung die Ereignisse aber auch

nehmen mögen: die Vorsehung habe den König an die Spitze eines wehrhaften, durch Vaterlandsliebe gehobe­nen , einigen Volkes gestellt und die Regierung werde bei Allem, was sie vorzunehmen berufen sei, das wahre Landesintercsse, welches von dem der Krone unzertrenn­lich sei, zur ausschließlichen Richtschnur ihrer Handlun­gen nehmen.

Breslau, 25. Novbr. Durch eine an den Ge« werbcrath ergangene Zuschrift der k Regierung ist dessen Auflösung ausgesprochen worden.

Vsien, 26. Nov. (F.P.Z.) An der Börse war auch heute die Nachricht von einem bereits abgeschlossenen Waffenstillstand verbreitet; anderseits meldet man, daß die dcßfaUs eingeleiteten Unterhandlungen noch zu kei­nem Abschluß gediehen seien, und daß dieselben auf türkischer Seite von Fuad Effendi, auf russischer von dem im Hauptquartier des Fürsten Gortschakoff weilen­den kaiscrl. russischen Staatsrath von Kotzebne geführt würden. Der Abschluß des Waffenstillstandes soll an die Bedingung geknüpft sein, daß Fürst Gortschakoff die Versicherung gebe, die Donau nicht zu überschrei­ten. In dieser letztern Beziehung kann ich Ihnen aus authentischer Quelle melden, daß Fürst Gortschakoff durch einen Courier aus St. Petersburg den Befehl erhalten hat, alle Anstalten zu treffen, um mit einem Armee­korps über die Donau gehen zu können, falls eine solche Bewegung von St. Petersburg aus angeordnet würde. Sie sehen hieraus, daß der Kaiser Nicolaus den Donauübergang sistirt und ihn von einer neuen Weisung abhängig gemacht hat, jedenfalls ein Beweis, daß man in St. Petersburg nicht so dringend den Krieg wünscht, wie man von verschiedenen Seiten darzuthun bestrebt ist. Die Nachricht von dem Einlaufen eines Theils der vereinigten Flotten in das schwarze Meer bat nun auch aus officlellem Wege eine Widerlegung erfahren; an der hiesigen Börse hatte man ihre Rich­tigkeit gleich anfangs bezweifelt, daher sie auch keinen besondern Einfluß auf die Notiriingen ausziiüben ver­mochten. Wie man vernimmt, beschränkt sich die ganze Nachricht darauf, daß drei oder vier englische Dampf- boote sich am Eingang des schwarzen Meeres aufstell« teil und eines derselben nach Varna beordert worden ist, um den daselbst stationirten ronigl. englischen Consul abzuholen.

Mehrere Morgenblätter, schreibt die Oester. Corr., berichten heute über Abänderung in der Abjustirung und Bewaffnung der k. k. Cavallerie, so daß man glau­ben könnte, eS handle sich um eine Maßregel, die eine namhafte Vermebrung der Militärauslagen zur Folge haben müßte. Wir sind in der Lage zu erklären, daß nur unbedeutende Adjnstirnngsänderungen beabsichtigt werden, deren Ausführung überdieß nur allmälig stalt- finden soll, und erst nach Jahren gänzlich bewerkstelligt ein, mithin die ungeordneten Ersparungen im Militär­haushalte nicht beeinträchtigt wird.

Der Fürstbischof von Breslau, V. Förster, ist heute früh nach achttägigem Aufenthalt in Wien nach Breslau zurückgereist.

Im Wege deS k k. Generalconsulats sind seitens Oesterreichs mit Hrn. RochaS in Paris, dem Erfinder der Silicalisation (weiche Sandsteine zu Härten), Un­terhandlungen angeknüpft worden, um auch in Oester­reich mit dieser sehr nützlichen Erfindung Versuche ma­chen zu können.

Es sind heute Berichte vom neuesten Datum von den meisten wichtigen wichtigeren Orten der unteren Donau hier, welche übereinstimmend bestätigen, daß das Eigenthum österreichischer Unterthanen von den Türken gewissenhaft geschont wurde. Nur bei Giurgevo ist ein kleines Getreidemagazin in Braud gerathen.

Aus Prag erhält diePresse" die aus verläß­licher Quelle die Mittheilung, daß der vielbesprochene Erlaß der hohen böhmischen Statthalterei, welcher den Juden verbietet, ihren Kindern gewisse Namen beizu­legen und ferner die Weisung enthielt, christliche Dienst­boten zu ermahnen, bei Juden keine Dienste zu nehmen, nur in der Phantasie jenes Correspondenten derDeut­schen Volkshalle" bestanden hat, und daß weder dieser noch irgend ein Erlaß ähnlichen Inhaltes von der hohen böhmischen Statthalierei erlassen wurde.

Frankreich.

Paris, 26. Nov. Ein heute im Moniteur ver­kündetes, aus Fontainebleau vom 22. d. datirtes De> cret ordnet die Bildung von weiteren 10 Bataillonen Jägern zu Fuß zu je 10 Compagnien und die Ver­mehrung der schon bestehenden 10 Bataillone um je 2 Compagnien an, in Betracht der bewährten vortheilhaf­ten Brauchbarkeit dieses CorpS (der s. g. Jäg^er von Vinccnnes). Damit aber dadurch der Effectivbestand des Heeres nicht vermehrt werbe, werden die sechsten Compagnien der dritten Bataillone der 100 Infanterie- Regimenter aufgelöst. Jedes Jägerbataillon wird aus 1288 Mann, mit Ginbegriff des Stabes, bestehen. Sie bilden zusammen ein ganz selbstständiges Corps.

Der Kaiser hat heute in dem großen EhrenhofedeS Schlosses Fontainebleau fünf Infanterie- und Cavallerie- Regimenter die Revüe passiren lassen. Auf morgen ist noch eine große Jagd anberaumt. Nach neuester Ber^ fügung wird der Kaiser am 1. Dec. in den Tuilerien eintreffen. Namik Pascha , der wegen eines für die Pforte zu negocirenden Anleihen» hier verweilt, hat