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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TV' 880. Montag den 28. November «833.

DieNaffauischt Allgemeine Zeitung" mit dem beUttriflifdtrn BeiblattDer Wanderer" ersinnt, Sonntag« ausgenommen, täglich und bkträat der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Tburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PoffauilchlagS 2 fl., für die übrigen Sander des deutsch-öuerreichifchen Posivereins, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die vierspaltig Petitzciik oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Sanggaffe 42, auSwânS bei den nächstgeiegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienst Nachrichten.

Lehrer Paul zu Burgschwalbach ist zum Lehrer in Mensfelden, Lehrer Demmer zu Liebenscheid zum Lehrer in Burgschwalbach, Lehrvicar Knögel zu Lind­schicd zum Lehrer in Liebenscheid, Lchrgehülfe Zoll­mann zu Holzhausen zum Lehrvicar in Lindschicd, Lehrvicar Jung zu Oberbachheim zum Lehrgehülfen in Holzhausen ernannt und mit Verschling der Lehrvicar- ftelle zu Oberbachheim Schulcandidat Dietrich zu Gemmerich beauftragt worden.

Lehrer Müller zu Mensfelden ist am 10. Nov. mit Tod abgegangen.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitnngslchau.

Die Altgesinnten unv Neugeflniiten in Frankreich. Der kirchliche Conflict in Baden.

** Die Tagespolitik schreibt der Freiherr v. Eckstein derA. A. Z." aus Paris tappt hier in Nebeln um­her ; im Grund ändern sich die Gesinnungen wenig, aber sie stumpfen sich ab. Mit Ausnahme des rohen Han­sens, in welchem zurückgedrängte Leidenschaften stärker kochen, aber den Kamm des Hochmuths, trotzigen Selbste bewußlseins gewaltsam niedergedrückt herabstimmen müs­sen , wovon der neueste Attentatsproceß im Gegensatz früherer Processe unter Ludwig Philipp ein Abbild ge­ben kaun , mit dieser einzigen Ausnahme wird fast al- les was Bildung in sich trägt mehr oder minder klein- müthig. Freilich die Salons spotten fort und fort auf den neuen Hof; freilich die Akademiker, meistens aus der doctrinellen Schule hervorgegangen, sehen noch im­mer verächtlich aufabtrünnige" Präfecten und Littera­ten; freilich ist die napoleonische Welt noch immer fast ganz beschränkt auf öffentliche Diener; aber die Zuver­sicht auf etwas zu erlebendes ist in jener Salonswelt und in jener akademischen Welt äußerst verkümmert. Die Hoffeste, auf welche das napoleonische Kaiserthum schon unter der Regierung des ersten Napoleon ein so über­mäßiges Gewicht legte, damals als sie noch imponirten, als man an denselben die Moden der alten Monarchie von Ludwig XV. an, das Costüm des alten Regime, seine Maskerade so sorgfältig als zum monarchischen System gehörig wieder aufbante, bleiben heutzutage ganz wirkungslos; es wird dadurch weder den Neugefinnten, noch den Altgesinnten, nicht einmal den napoleonistisch gesinnten Dienern, den militärischen oder Civilfamilien auf irgend eine Weise mehr imponirt. Unsere Zeit liegt außerhalb aller möglichen Illusionen ; diejenigen die nicht nach einer höhern wissenschaftlichen oder geschichtlichen Cultur streben, kennen nur Ein Höchstes: die Industrie und das.Gewerbe; der Mammon steht ihnen über al­ler Eitelkeit; so sehr man, wie cs den Anschein hat, nach Auszeichnungen auch Haschen mag, so haben sie, einem sehr großen Theile nach, ihre frühere Wirkung aus die gebildeten Classen der Gesellschaft verloren. Also Industrie, das ist unser Leben; die Wissenschaft und historische Bildung ist nicht untergegangen, aber sie iso* lirl sich; die Litteratur liegt im Platten, sie ist unsäg­lich bedeutungslos geworden. Die Ucberromantik der Schule des Herrn Victor Hugo, mit ihren Folgen poe­tischen Erbrechens, ist fast spurlos verschwunden. Zwei zahme Geister, Männer übrigens von Talent, Ponsard und Augier, studircn eifrig die Sprache des Corneille und des Moliore, sie impfen sie aufdie poetisch moderne Zeitsprache, und bestreben sich wenigstens im Sinne ei­ner Art von classischer Bildung. Aber etwas neues, etwas tiefes, etwas an und für sich bedenkendes will noch ganz und gar nicht ersteben. Offenbar gehört eine Generation neuer Geister dazu; diese mag kommen, sie ist aber noch nicht zur Welt geboren.

**Die Frankfurter Postzeitung brachte unzweifelhaft von sehr competenter Seite eine Reihenfolge von Ar­tikeln, die in lichtvoller Darstellung und von unpar- teiischkm Standpunkt ausdie katholisch-kirchliche Frage" mit besonderer Beziehung auf den in Baden entstande­nen Conflict bespreche». Wir heben den in sehr ver­söhnlicher Weise gehaltenen und eine baldige Beilegung des Streites in Aussicht stellenden Schloß des dritten Artikels hervor. Derselbe bezeichnet die Ansicht, daß in Staaten, die eine von Katholiken und Protestanten gemischte Bevölkerung ^enthalten, beide Konfessionen nicht in voller Freiheit neben einander bestehen und ihre Wirksamkeit zum Besten des Staatcs anwenden können,

als ungegründet. Die Erfahrung, heißt cs dort, lehrt das Gegentheil, und wo unlösbar scheinende Schwierig­keiten entstehen, wird man finden, daß in der Regel Unduldsamkeit, vorgefaßte Meinungen oder Unkenntniß der Sachvcrhältnisse die Schuld-daran tragen. Freilich dürfen in einem solchen Staate die Anordnungen nicht so getroffen werden', als wäre er nur von Bekenner» eines Glaubens bewohnt. Wenn der protestantische Re­gent eines Staates sich als den eigentlichen Landes- bischof betrachtet und seine Rechte durch Delegirte aus­übt, so kann er es nicht unnatürlich finden, daß der Delegirte des Hauptes der kathol. Kirche, des Papstes, der katholische Landesbischof die ihm zukommenden Rechte im Namen seines Committenten und unter dessen Con- trole zu vollziehen bemüht ist. Insofern ist allerdings eine Gewalt im Staate, die sich der Macht des Landes­herrn entzieht, allein es ist dies die nothwendige Folge einmal bestehender Verhältnisse und cs ist immer ge­wagt, in diese wiükührlich einzugreifen. Geschieht es den­noch, so entsteht Gewissenszwang daraus, der noch je derzeit als etwas Gehässiges betrachtet worden ist. Al­lein eben so augenscheinlich ist es, daß auch von der anderen Seite zu weit gegangen werden kann, und daß es unmöglich ist, die katholische Kirche sich zum eigentlichen Staat im Staate ausbilden zu lassen. Die Jura circa sacra des Landesherrn müssen ihre Anwendung finden. Er­wägt man nun den Inhalt des neuestens Hirtenbriefes, den der Erzbischof von Freiburg über die Bedrängnisse, in die er gerathen ist, erlassen hat, so wird von vielen Seiten behauptet, daß er das richtige Maß überschrit­ten habe. Wenn der Landesbischof nicht nur in rein kirchlichen Sachen unbeschränkt sein soll, waS dem Rechte angemessen ist, sondern auch noch die Erziehung der Geistlichen, die Besetzung der Pfarreien und geistlichen Pfründen, insofern die Dotation derselben nicht speciell nachgewiesen werden kann, sowie die Verwaltung des gesammten Kirchenvermögens ohne Mitwirkung der welt­lichen Regierung besorgen soll, so wollen Manche darin einen Staat im Staate erblicken, der nicht geduldet werden kann. So stehen sich die Meinungen gegenüber. WaS aber unbedenklich und von allen Seiten zugegeben werden mag, ist, daß eine neue Abtheilung der beider­seits auszuübenden Rechte nothwendig geworden ist, die man durch die Verordnung vom März dieses Jahres ver­sucht hat, die aber nicht genügend befunden worden ist. Die gesummte Organisation der katholischen Landes­kirche bedarf einer Revision, die auf dem landcsvcr- fasiungsmäßigen Wege vorzunehmen ist, der aber Ver­handlungen mit dem römischen Hofe oder mit den Landes­bischöfen selbst vorhergehen müssen, um über den gegen­wärtigen brennenden Conflict hinausznkommen. Zu solchen Verhandlungen soll Aussicht vorhanden sein und wir hoffen, daß sie bald zum gegenseitigen Einverständ- niß führen werden.

Mainz, 26. Nov. (M.-Z.) In der am 23. d. M. in Darmstadt abgehaitenen Generalversammlung des Verwallungsrathes der Bank für Handel und In­dustrie wurde Herr Carl Röder hier als Verwaltungs» rath für die projectirte Filialbank in unserer Stadt gewählt.

Frankfurt, 24. Nov. Nach einer Mittheilung derKarlsr. Ztg." haben die Regierungen von Sachsen, Bayern und Hannover im Zusammenhang mit der öster­reichischen und preußischen Erklärung hinsichtlich der orientalischen Frage am Bunde besondere Erklärungen abgegeben, worin jede Regierung unter Anerkennung der Bemühungen um Aufrechterhaltung des europäischen Friedens de» Wunsch darlegt, daß von Seiten des Präsidialhofes öfter Mittheilungen in dieser Angelegen­heit erfolgen möchten, damit auch hier durch das Ein­vernehmen der Bundesregierungen die gemeinsamen In­teressen eine immer gedeihlichere Förderung erhielten. Die Gesandten der übrigen Bu»dcS;flieder haben sich dem Vernehmen nach zu einer Gcsammterklärung in ähnlichem Sinne geneigt.

* Aus Baden, 23. Nov. Bis jetzt sind keine Priester mehr verhaftet worden, weil erst kommenden Sonntag der Hirtenbrief an allen Orten verlesen wird. Cs wird dieß mit wenigen Ausnahmen überall ge­schehen. Das Capitel Offenburg, borniert von einem äußerst lauen Deca», beabsichtigt am Donnerstag den 24. eine Versammlung abznbalten, um über eine bereits entworfene Adresse an den Erzbischof, deren Leseart den­selben zur Versöhnung mit der Regierung bestimmen soll, zu votire». Decan Lender hat aber schon den Auftrag, bei dieser Versammlung zu erscheinen und

sämmtlichen Prieficrn unter Androhung der Suspension die Ablesung des Hirtenbriefes am Sonntag zu befeh­len. Sie werden sich unter solchen Auspicien nicht sperren. Abermals gingen viele Adressen verschiede­ner Capitel an das Ministerium ab, worin dieselben ihre Ergebenheit an den Erzbischof versichern, die von Mosbach und Wertbeim zeichnen sich besonders aus. Verschiedene Amtsvorstäude des Obcrrheiukrciscs ließen ihre Bürgermeister zusammeukommen, hielten eine An­sprache gn sie und stellten die Handlungen der Orts- geistlicheu gleichsam unter deren Controlle. Unter sol­cher Einwirkung ließ der Bürgermeister von St. Geor­gen die Gemeinde versammeln, schilderte de» Erzbischof als halsstärrig und forderte auf, dem Pfarrer bei allen- fäUstger Ablösung des Hirtenbriefes nicht zu glaubrn. Se. Excellenz befindet sich ganz wohl und wachte schon einige Abende, in der Erwartung verhaftet zu werdeu. Von dem preußischen und österreichischen Gesandten sind ernste Noten ei,-gereicht worden; sie finden bei längerer Dauer dieser Verhältnisse jede gesetzliche Au­torität gefährdet. Von ben Bischöfen von München und Würzburg, sowie von dem Cardinal von Geisel in Köln gelangten Zustimmungsadreffen an den Erzbischof. Unter der Ucberfcbrift:Frohe Kunde" berichtet dasDeutsche Volköblatt ans Karlsruhe vom 23. d., das Ministerium sei an diesem Tage versammelt gewe­sen und habe in einer ausnehmend stürmischen Sitzung die gegen den katholischen Clerus ergriffenen und noch zu ergreifenden Maßregeln berathen. Man habe zuletzt die Unmöglichkeit erkannt, auf dem betretenen Wege weiter vorzugehen und den Beschluß gefaßt,der katho­lische» Kirche gerecht zu werden." Bereits habe man die Vermittelung des für Deutschland bestellten päpst­lichen Nuntius nachgcsucbt, man habe die Verhaftung von Geistlichen, die wohl 200 an der Zahl den Hirten­brief von der Kanzel verkündeten, eingestellt und die Aemter angewiesen,die Sünde des Gehorsams und der Eidcstreue" nur mit einer kleinen Geldstrafe zu büßen. - Uebereinstimmend hlerNit-meldrt.-daSsetbeB.lätt aus Heidelberg vvm 23. Nov.: Das Ministerium ist auf dem Rückzüge. Heute kam an die Aemter hier und in Mannheim die Weisung, keinen Geistlichen mehr einzuspèrren , vielmehr um eine Geldstrafe von 10 fl. gegen sie zu verfügen. Die Vermittlung des päpst­liche,, Nuntius Viale Prela bat man bereits angèrufen. Aus dem Taubergrund wird der F. P. Ztg. unterm 14. berichtet: Gestern wurden diejenige,, Geist­lichen der Umgegend, welche wegen Verkündigung des erzbischöflichen Hirtenbriefes zur Verantwortung gezogen wurden und bereits seit zwei bis drei Tagen im Amls- gefängnisse zu Gerlachsheim saßen, in Folge eines an sämmtliche großherzogliche Bezirksämter ergangenen Mi­nisterialerlasses vom 21. d. M. wieder in Freiheit ge­setzt. Es waren deren neun Pfarrer und ein Pfarr« Verweser. Die zwei Geistliche, die seit Montag im Bi­schofsheimer Amtsgefängüisse ihr Quartier genommen hatten, wurden ebenfalls bei dieser Gelegenheit entlassen. Bei dieser Veranlassung fehlte es nicht an Kundgebun­gen der lebhaften Theilnahme von Seite der Gemein­den und es war nur den Abmahnungen der betreffen­den Geistlichen zu verdanken, daß in manchen Orten Auftritte ernster Art unterblieben. Die Angabe in einem Artikel von Mergentheim vom 21. d. M. in der Bei­lage Nr. 279 dieser Zeitung, wonach der Geistliche von Königshofen sich auf württembergisches Gebiet zurück­gezogen haben soll und an andern Orten von jeder Verkündigung Umgang genommen worden wäre, ist irrig. Der besagte Geistliche saß mit seinen Amtsgenossen im Gerlacksheimer Gefängniß und sämmtliche Pfarrer der Umgegend haben, mit Ausnahme eines einzigen, den Hirtenbrief am Sonntag in ihrer Pfarrkirche ebenfalls velkündigt. Gleichwohl wurden nicht alle eingezogen. Gegen den Redacteur derPsälz. Ztg." Dr. Jäger, der'den badischen Kirchencönflict in einer der Regierung mißliebigen Weise besprochen hatte, soll ein Verhafts- beseht auögcferiigt worden sein, wenn derselbe von Lud­wigshafen nach Mannheim käme. Das meiste Aerger­niß gab ein Passus der Piälz. Ztg. worin es hießt die, welche ben Struve so leicht hätten laufen lassen, würden jetzt gewiß recht fest die katholischen Priester halten.

München, 24. Nov. Das Direktorium der bayerischen Hvpotbekcn- und Wechfelbank hat beschlossen, daß die vor sechs Wochein beschlossene Eihvhung des DiSconlo auf weitere 6 Wochen in Kraft bleiben soll. Der bisherige kais. österreichische Gesandte am hie­sigen Hof, Graf Esterhazy, macht bereits seine Abschieds­besuche und wird uns demnach alsbald verlaffen. Der