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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TVr 998, Freitag Den 25. November 1833.

Die,»Nassauische Allgemeine Zeitung» mit dem 6eUttriflifd>en BeiblattDer Wanderer» erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und bekräol der Prânumerattonspreis für Wiesbaden unt , nach dem neuen Postregulaii» nunmehr auch är »en ganzen Umfang de« Tburn- und TariS'schen Verlvaltungsbez>rl« mit Inbegriff des Postausschlag« 2 st., iür tue übrigen Länder des deulsch.offerreichjschen Postueretn«, wie für das Ausland 2 ff. 24 kr. Inferale werden die vierfpallig Petitjeil« oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, banggalse 12, auswärts bei den uächstgelegenei, Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienst nachrichten.

Seine Hoheit der Herzog haben den Justiz- amts-Accessisten Rüffer von Höchst an das Justizamt zu Rüdesheim zu versetzen und den Hofgerichts Accessi- sten Carl Lex zu Wiesbaden zum Justizâmts-Accessisten zu Eltville, sowie den Rechts-Candidaten August Beide von Diez zum IustizamtS Accessisten daselbst zu ernen­nen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

Leitung», ' chau.

Französische Ansichten über die orientalische Frage. Der Kirchenconfliet in Baden. Lord Palmerston und der Kaiser Uong-Tsching.

Die N. P. Z. bringt aus Paris folgende Aeuße- rungen über die orientalische Frage. Ob dem Rückzüge der Türken auf das rechte Donauufer eine Niederlage derselben vorangegangen, darauf kommt sehr wenig an, und die Behauptung unserer ministeriellen und nicht mi­nisteriellen Türkenfreunde, die rückgängige Bewegung sei eine freiwillige gewesen, ist keine aufrichtige, weil sie sehr gut wissen, daß sie eine nothgedrungene selbst dann war, wenn die Türken auch nicht mit den Bajonetten der Russen in den Rippen über die Donau zurückgezo­gen sind. Hierüber viele Worte verlieren, lohnt sich nicht der Mühe. DerMoniteur" gesteht jetzt selber ein, daß das Osten-Sacken'sche Corps bei Jassy einge- iroffen ist. Diese Verstärkung der russischen Streitkräfte wird eS dem türkischen Anführer Omer Pascha nicht rathsam erscheinen lassen, den Donauübergang noch ein­mal zu versuchen. Die Frage ist, ob der russische Ober- befehlShaber Fürst Gortschakoff die Donau überschreiten wird; hier glaubt und hofft man es nicht (wir glauben es auch nicht. D. Red.) und schmeichelt sich mit der Hoffnung, daß die Unterhandlungen von Neuem begin­nen werden. Im Interesse der Pforte ganz besonders liegt eS, daß sie rasch zu Ende geführt werden. Unsere Kriegslustigen trösten sich über den Rückzug der Türken mit den Worten: Eh bien, ce sera pour le printemps (im Frühling wird'S loSgehen). aber sie bedenken nicht, daß die Pforte nicht im Stande sein wird, die La­sten des Kriegszustandes sechs Monate lang zu tra­gen. Welches die Basis der voraussichtlichen Unter­handlungen sein werde, ist das Geheimniß der Diplomatie; daß aber der Kaiser von Rußland jetzt noch viel weniger als früher in der Haupt­sache nachgeben wird, versteht sich von selbst. Erober­ungen machen wollte er nicht und will cs auch jetzt nicht, obgleich die Kriegs-Erklärung der Türken und die Erfolge seiner Waffen ihn vollkommen dazu berech­tigen. Aber in der Protections-Frage wird er erreichen, was er verlangt hat, gleichviel in welcher Form. Der radicaleSieclc" gesteht endlich zu, daß er schlecht unterrichtet war, als er meldete, Oesterreich sei von Frankreich und England aufgefoldert worden, sich für oder gegen die Türkei zu erklären; aber jetzt will er wissen, daß diese Forderung durch Rußland gestellt worden ist. Das ist vollends abgeschmackt. Aber die Leute wollen nicht begreifen, selbst nicht nach den jüng­sten Ereignissen an der Donau, daß Rußland der thä­tigen Hülfe Oesterreichs gar nicht bedarf.

** Wir sind, sagt dieN. Pr. Z.", mit der Gewis­senhaftigkeit und Sorgfalt, welche eine so hochwichtige Sache von jedem Christen fordert, bis heute den Ent Wickelungen des Streites zwischen der katholischen Kirche und den Regierungen der oberrheinischen Kirchenprovinz, an deren Spitze sich die großherzoglich badische Regie­rung gestellt hat, gefolgt. Wir gedenken auch zunächst diese Haltung nicht aufzugeben gegenüber Verhältnissen, in denen die Rechtsfrage so vieler Erörterungen und Nachweisungen bedürftig scheint. Zur Genüge haben wir übrigens nach längeren Darlegungen des Sachver­hältnisses den Punkt bezeichnet, an welchen beide Theile, indem sie an die öffentliche Meinung appelliren, ihre Aufklärungen verwenden sollten. Es ist dies der Punkt, auf welchem um das Jahr 1827 eine Unterbrechung der Unterhandlungen zwischen dem päpstlichen Stuhle und den süddeutschen Regierungen stattgehabt hat und, wie wir nach unserm Verständnisse des dunkeln Sach- verhältnisses annehmen müssen, hüben und drüben mit einseitiger Entschließung ein vorläufiger, aber desto ge- führlicherer Abschluß erreicht worden ist. Aber wie we­nig wir auch in Folge dessen den Beruf in uns fühlen,

in kecker Unbefangenheit als Richter zwischen beiden Parteien aufzustehen, um auf diese allerdings sehr bil» lige Weise von Neuem einem leichtgläubigen Publicum gegenüber den Beweis für unsere evangelische und un­erschütterlich evangelische Ueberzeugung anzutreten, einen Beweis, den wir gerade in dieser Sache zu seiner Zeit Keinem schuldig zu bleiben gedenken, eben so sehr füh­len wir uns doch im tiefsten Herzen verpflichtet, auch in diesem Falle die alten Grundsätze laut und fest zu vertreten, die in dieser Zeitung allewege geltend ge­macht worden sind. Wir wollen nirgend die Gemein­schaft mit dem selbstgerechten BureankratiSmus, der kein Gewissen und keine Freiheit Und keinen Geist achtet, und widerholen noch heut, waS wir ihm einst in böser Zeit ausgesprochen haben. Wir halten ihn für schlim­mer, für gefährlicher, als die Revolution selbst. Er mordet langsam und um desto sicherer. Und wo wir darum auch in dem gegenwärtigen Streite der Kirche und des Staates einem knöchernen Wesen begegnen, dessen Geist ein morsches Räderwerk ist, da werben wir ihn verfolgen. Und wir treffen ihn nur zu oft in die- sem unglücklichen Laiche Baden, in welchem er sich durch dreißig Jahre so sicher hinter p a r l a m e n t a - rischen I n st i t u t i o n e » verschanzt hatte, um sich dann behaglich und geschont durch die Räuberbanden der Revolution bis zu dem heutigen Tage hindurchzu­schleppen , und die Früchte eines gegen ihn und von seinen ersten Feinden erkämpften Sieges zu verzehren. Dieser Bureaukratismus war es, der achlungSwerthe, treffliche, aber unklare Männer, in die hoffnungslose Lage bringen konnte, sich in einen Principienkampf mit der katholischen Kirche einzulassen, eine ganz ver­kehrte Stellung. Dieser Bureaukratismus war cd; der mit Hülfe von Polizcidieneru und Gensd'armen die katholische Kirche in einen Belagerungszustand gesetzt hat, über dessen Schranken sie natürlich den Fuß des Erzbischofs wie über eins mathematische Linie unbehin­dert hin und herschreiten sehen muß. Dieser Bureau- kratiSmus ist der Vorbote aller Revolutionen und auch ihr gehorsamer Diener. Ausrichten aber wird er ge­wiß nicht, was er will. Denn ein Streit, wie der vor­liegende, muß anders als bureaukratisch behandelt werden. DieZeit" bringt dagcn einen Artikel, der von ganz falschen Prämissen auSgeht und natürlich zu fal­schen Schlußfolgerungen gelangt.

Hinter dem Berge wohnen auch Leute" und wir sind auch bei Lichte besehen, meint dieNat.-Ztg.", gar nicht so entsetzlich weise tugendhaft und ritterlich als wir meinen." Ein glücklicher Zufall hat uns gleich­zeitig zwei Urkunden in die Hände geführt, an denen sich die Entwickelungsstufen der Engländer und Chine­sen mit großer Bequemlichkeit messen lassen. Die eine ist der bekannte Bescheid, welchen Lord Palmerston auf die Anforderung des Presbyteriums der schottischen Kirche, einen allgemeinen Fast- und Bettag gegen die Cholera anszuschreiben gab, worin Lord Palmerston für tas beste Mittel, der Seuche zu steuern, erklärte, während des Winters Maßregeln zu beschließen und auSzuführen, um die von den ärmern Volksclassen bewohnten Stadt- theile von den Brutstätten der Ansteckung zu befreien, die, sich selbst überlassen, unfehlbar Pestilenz erzeugen und dem Tode eine reiche Ernte liefern werden, trotz alles Betens uud Fastens eines gelammten, aber riu- thâtigcn Volkes. Erst wenn der Mensch alles gethan bat, was in seiner Macht steht, sei es Zeit, de» Segen des Himmels auf seine Anstrengungen berabzuflehen. Diesem Bescheid, welchen ein prvtestanlisch-lheologischvs BlattRecord"einen unanständigen Ausbruch von epikuräischem Atheismus" genannt hat, stellt die Nat. Ztg. ein Edict eines der frühesten chinesischen Kaiser, Jong Tsching, nachzulesen in Grosser, entgegen, welches folgende Stelle enthält:Zu meinen, daß Gebet und Anrufungen unsere Calamitäten entfernen und Unheil abwenden können, so lange wir nicht unsere Schuldig­keit fbun, nicht über unser Verhalten wachen, nicht mit Ehrfurcht gegen daS höchste Wesen erfüllt sind, heißt Wasser aus dem Strome schöpfen wollen, nachdem man feine Quelle verschüttet hat, heißt die Hauptsache ver­säumen und sich an Nebendinge hängen. Wie könnt Ihr hoffen, durch solches Verhalten Eure Wünsche er­füllt zu sehen? Um Calamitäten abzumenden, gibt cs kein sichereres Mittel als über sich selbst zu wachen und nach Vervollkommnung zustreben." Die Nat. Ztg., wel­che in der Art der Ablehnung natürlich keine Frivoli­tät, keine Mißachtung der religiösen Gefühle des Vol­kes sieht, meint: England stehe jetzt im Begriff, den philosophischen Standpunkt zu erreichen , auf dem China seit einigen Tausend Jahren steht! Lord Palmerston, wird

sich für ein so zweifelhaftes Lob und für die Ehre die­ser Parallelisirung bedanken.

Deutschland

* Wiesbaden, 24. Nov. (Assisenverhandlung gegen Peter Anton Roth von Zeilsheim, wegen Schrift- fälschung.) Der Angeklagte wurde von dem Assisenhofe des Verbrechens für überführt erachtet und zu einer Correctionshausstrafe von drei Monaten, geschärft durch Kostbeschränkung unter Niederschlagung der Kosten ver- urtheilt. N oth war angeklagt, in der Absicht, sich einen ihm für das Zustandebringen eines Darlehens­vertrages versprochenen Maklerlohn zu verschaffen, im Anfang dieses Jahres unter einen von dem Bürgermei­ster Schäfer von Eppstein am 14. December 1852 ge­fertigten Auszüge über Güter des Reinhard Schäfer daselbst eine Urkunde so lautend:Die Hypotheke des R. Schäfer über 300 fl. soll auf hiesigen Kirchenfoud ausgestellt werden" geschrieben, mit der falschen Un­terschrift:Jacob Neisser, Kirchenrechner" versehen und von dieser gefälschten Urkunde dadurch Gebrauch ge­macht zu haben, daß er sie dem Makler G. Wagner von Niederhofheim zur Ablieferung an Schäfer übergab. Roth ist wegen Schriftfälschung schon einmal zu drei Monaten Correctionshaus und auch wegen Polizeiver­gehen bestraft worden.

Assisenverhandlung gegen die Ehefrau des Caspar Höhn von Geisenheim, wegen Schriftsälschung. Die Angeklagte wurde von dem Assisenhofe des Verbrechens für überführt erachtet und zu einer Correctionshaus- strafe von 3 Monaten, geschärft durch Kostbeschränkung unter Niederschlagung der Kosten verurtheilt.

* Wiesbaden, 25. November. Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung (der letzten in diesem Quar­tal) ist die Anklage gegen Wilhelm Müller von Breithardt, wegegen Schriftfälschung. Die Verhand­lung leitet Hofgcrichtsralh Jeckeln, als Staatsanwalt sungirt Staatsprocurator R sich mann, als Vcrthei- ger Prokurator Wilhelmi sen.

0 Bad-Ems, 24. Nov. Die Wetter« ui - sche Gesellschaft für die gestimmte Naturkunde hat ihn ihrer Sitzung vom 9. No«, den Hrn. Hofrath Dr. Spengler zu Bad-EmS einhellig zum correspondiren- den Mitglied erwählt.

Dillenburg, 23. Nov. (Assisenverhandlung gegen Johs. <3 e cf sen. von Langendernbach, wegen Verausgabung falscher Thalerscheine.) Präsident: Hr, Hofgerichtsdireckor Ebhardt, Staatsanwalt: Herr Substitut Schröder, Vertheidiger: Hr. Procurator Braun. Johs. Seck sen., 71 I. alt, Metzger, ist angcklagt im August und Decbr. 1851, fünf falsche Fünslhalerscheine, wissend daß sie falsch seien, in Schadeck und Gräveneck an dortige Einwohner, als ächt aus- gegeben zu haben. Der Angeklagte ist bereits in früheren Jahren wegen Jagdvergehen mit Zuchthaus­strafe verurtheilt worden und ist außerdem wie die Ver­handlungen erweisen dem Trünke ergeben. Von dem Assisewhofe für schuldig erklärt wird er zu einer Cor- rectionShauSstrafe von 2 Jahren verurtheilt.

Vom Nhein, 21. Rop. Die Protocolle der Rheinschifffahrts Commission sind geschlossen; aber von einer Ermäßigung der Rheinzölle ist keine Rede. Auf Seiten der Regierungen, welche sich hauptsächlich dagegen aussprachen, soll der Bevollmächtigte Frankreichs eine besondere Thätigkeif eutwickeil haben.

Frankfurt, a. M., 22. November. Auch das zweite und drille Couclave für Senator-Wahl lösten sich gestern auf, ohne etwas auSgerichter zu haben. So eine Nathswahl, schreibt man derNeuen Preuß. Ztg.", ist immer ein Erciguiß für die Frankfurter, die gestrige aber ein höchst tragisches in jeder Beziehung. Wie mancher Speculant nach einer Rathsstelle hatte bereits die schwarzen Beinkleider und die seidene Weste ange­legt, sehnsuchtsvoll harrend des Augenblicks, in welchem das Rasseln der Bürgermeister-Chaise verkünden würde, daß es nun Zeit sei^ den Schlafrock mit dem schwarzen Frack zu vertauschen, um als Erwählter in denRömer" zu fahren. Hub die armen Hellebardiere und Staats- Bedienten in ihren scharlachrothen, reich in Silber ge­stickten Uniformen, sie harrten vergeblich draußen in der Halle vor dem Raths, zimmer, und all die officieUcu Gralnianten und die ungebetenen auS der Plebs, es schwand ihnen ein ganzer Tag vergeblichen Harrens ohne Douceur, und endlich die armen Wagenführer und die Rosselenker des Slaatswagcns, sie halten umsonst die Staats-Carosseu der regierenden Bürgermeister hcrauS- geputzt und ihre seidene Strümpfe parabiren lassen bis in Die finstere Nacht bei die Kälte sie waren Alle