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Nassauische Allgemeine Zeitung

JR S-5 Donnerstag den 24. NooMbn IS 53.

Die,,Naffallische allgemeine Zkitiuift" mit bem beUetriftifdien BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonntaqS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen HoNiegntaiiv nunmehr auch ür bin ganzen Umfang des Thurn» und TariS'fchen BerwaltnngSbezirkS mit Inbegriff des Postauffchlag« 3 fl., für die übrigen Länder des deutfch-öüerreichischen PofwereinS, wie für das Ausland 3 fl. 34 fr. Anfernie werden die v>erival»g Aetitieile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgage 42, auSwänS bei den »ächstgelegeneii Postämtern, |u machen.

Nussland und Oesterreich.

In neuester "Zeit sind in der englischen Presse wie auch in derKöln. 3." Gerüchte aufgetaucht über das Bestehen eines Zerwürfnisses zwischen Rußland und Oesterreich, über Rußlands Bemühen, denrussenfreund­lichen" Grafen Ficquelmont an die Stelle des Grafen Buol zu bringen, über die Entdeckung südslawischer von Rußland angezettelter Intriguen und die damit in Ver­bindung stehende Absendung des Grafen Czernin nach Petersburg, welche füglich nicht ohne Entgegnung blei­ben konnte. So schrieb der Wiener Times Correspon- deut aus der österreichischen Hauptstadt unter dem 11. November:Graf ficquelmont wird noch immer als der künftige Ministerpräsident genannt, aber daS Ge­rücht flößt mir kein großes Vertrauen ein, da dieser Staatsmann im Verdacht ungebührlicher Hinneigung zu Rußland steht." Demselben Blatte (18. d. M.) wird zum drittenmale geschrieben,daß Graf Ficquelmont in hohen und wohlunterrichteten Kreisen als der wahr­scheinliche Nachfolger des Grafen Buol genannt wird. Es versteht sich von selbst, daß dieses Ereigniß auf die Stellung Oesterreichs zu Rußland vom größten Ein- fluß wäre." Hierauf wird nur bemerkt, daß es aller­dings kein Geheimniß ist, daß der Kaiser von Rußland den General der Kavallerie, Grafen Ficquelmont, mit seiner persönlichen Freundschaft beehrt, und daß dieses Verhältniß ein gegenseitiges ist. Wenn aber Graf Ficquelmont der persönliche Freund des Kaisers Niko­laus ist, so folgt daraus noch keineswegs, daß er der Anhänger der russischen Politik sei. Bei mehr als einer Gelegenbeithat, wie die Kass. Z. aus zuverlässiger Quelle qngibt, Graf Ficquelmont gesprächsweise diesen Unterschied gemacht, und hat als Botschafter zu St. Petersburg, wie in seiner spätern amtlichen Wirksamkeit zu Wien sich nur von den Interessen Oesterreichs leiten lassen. Sollte der General der Kavallerie, Graf Ficquelmont, wieder in den Rath seines Monarchen als Minister des Aeußern berufen werden, so würde er demnächst auch in feiner amtlichen Wirksamkeit sich lediglich von den Interessen Oesterreichs und den Befehlen seines Kaisers leiten lassen.

Daraus, daß Graf Ficquelmont in seinen historisch­politischen Betrachtungen der Politik des Lord Feuer- brand entgegentritt, daß er darin die Mißgriffe aufzählt, welche die englische Politik seit dem Wiener Kongreß gemacht, um in den vereinigten Niederlanden, in Ita­lien, in Polen, in Griechenland, in Ungarn und Oester­reich die Bollwerke niederzurcißen, welche zur Erhaltung eines wahrhaften Gleichgewichts, zu Paralystrung des Uebergewichts von Rußland und Frankreich, auf jede Weise hätten gefestigt und gestärkt werden sollen, daß er dem Lord Palmerston nachwies, wie alle seine Unter­nehmungen zum Gegentheil ausgeschlagen, obgleich der Geist, in dessen Dienst er sich gestellt, so ziemlich an alle politischen Gebäude Europa's seine Hebel angesetzt und er nur eines dieser Gebäude das türkische bloß oberflächlich berührthabe, läßt sich nicht der Schluß ziehen, daß er unbedingt und mit Aufopferung der Interessen seines Vaterlandes zu Rußland neige. Der Wiener Corr, der Times sagt weiter:Obgleich Graf Gyulai schon lange von Rußland zurück ist, wurde cs erst kürz­lich ruchbar, baß er mit der Meinung, die man dort von seinem Vaterland? hatte, gerade nicht zus. jeden war. Soweit es ihn persönlich anging, hatte der außerordent­liche Gesandte nicht zu klagen; aber wenn höchstgcstellle Personen in Rußland sich nicht geringschätzig gegen ihn über Oesterreich äußerten, so ist es doch ein iiiilängba- reS Factum, daß sie dieß in Olmütz oder Warschau ge­gen einen andern höher gestellten und einflußreichern Oestreicher thaten." Daß seit dem ungarischen Krieg und den darüber erschienenen Schriften österreichischer und russischer Militärs in den gegenseitigen Heeren nicht selten Worte deS Mißmuths und AergerS gegen einan­der laut geworden sein mögen, daS war längst ein öf­fentliches Geheimniß : um daS zu erfahren brauchte Feldzeugmeister Gyulai nicht nach St. Petersburg,ein anderer höher gestellter Oesterreicher" nicht nach Olmütz oder Warschau zu gehen. Daß aber Kaiser Nikolaus oder jemand von feiner Umgebung Olmütz oder War­schau gewählt haben sollte, um gegen Oesterreich, dessen Freundschaft man in diesem Moment mehr alS je suchte, auch nur die geringste unfreundliche Aeußerung fallen zu lassen, dazu gehört ein starker Glaube! Hat doch der Czar gegen die österreichischen und preußischen Offiziere dießmal in Artigkeiten und Zuvorkommenheiten alles überboten, waS man sonst in dieser Hinsicht von ihm zu rühmen gewohnt war. '

Wenn übrigens der Wiener Korrespondent der Times diesem Blatte schreibt:Ich will nicht gerade sagen, daß Oesterreich wieder rüstet, aber frische Kavalleriepferde werden angekauft und Truppenmärsche finden nach Temeswar und der serbischen Grenze Statt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Bewegungen mit den oben­angeführten Umständen ( angebliche gefährliche süd- sklavische Intriguen)in Verbindung stehen," so wird abermals erinnert, daß was den Ankauf der Caval- lcriepferde betrifft, es eben die Anschaffung von Remon- ten ist, wie sie alljährlich geschehen muß, und wenn gegen Serbien ein Beobachtungscorps aufgestellt wurde, so ist dies eine alte Geschichte. Man wird sich der Sendung des Generals Mayrhofer an ren Fürsten von Serbien wohl noch erinnern. Zudem ist es überhaupt nichts Außerordentliches, daß wenn zwei Mächte Krieg führen, die benachbarte neutrale Macht zum Schutze der Grenzen ein Leobachtungscorps aUfstellt. Von südslawischen Intriguen, soweit sie in Oesterreich gespon­nen worden sein sollen, und wodurch hochstehende Per- sonen conipromittirt seien, weiß man wohl in Wien nichts, und der Times-Correspondeut ist entweder my- stificirt worden, ober er hat die Velleitäten, die aller­dings in Serbien vorhanden sind, und von denen er gehört haben mag, auf die Südslaveu in Oesterreich übertragen.

Deutschland

/ Wiesbaden, 24. Nov. Nach Artikeln, welche in derMittelrh. Zeitung" so wie in dem hiesigen Tagblatl" Aufnahme gefunden haben, scheint die Meinung zu bestehen, als seien neuerdings die Bestim mungen der s. Z. in dem Verordnungsblatt veröffent­lichten Concession für die Wiesbadener Eisenbahngesell­schaft zum Nachtheil der Stadt Wiesbaden dahin abge­ändert worden, daß mit Umgehung von Wiesbaden die herzustellende Eisenbahn direct nach Castell geführt wer­den solle. Wir sind in der Lage, dieser Ansicht auf daS Bestinrmteste entgegcytreten und die Versicherung geben zu können, daß eine Aenderung der Conccjsions- bestimmungen nicht stattgefunden hat, daß Wiesbaden der Ausgangs- und Endpunkt der Wiesbaden-Nieder« lahnstciner Eisenbahn sein wird, sonach auch wie in jenen Artikel angedeutet worden ist von einer Zweigbahn" nach Wiesbaden keine Rede sei» kann, indem die Kommissionäre verpflichtet sind, eine directe und ununterbrochene Eisenbahnverbindung zwischen Wies­baden, Mosbach und den Orten des Rheingaus nach Niederlahnstein herzustellen.

# Wiesbaden, 23. Nov. (Assisenverhandlung gegen Johann M a a g von Heddernheim, wegen Ablei­stung eines falschen Handgelöbnisscs). Der Angeklagte wurde von dem Assisciihofe des Verbrechens für übcr- fübrl erachtet und zu einer Corrcctioushausstrafe von zwei Monaten, sowie zur Dezablung der Untersuchungs­kosten im Betrage von 43 fl. 36 kr. v-ruithcilt. M a g warangeklagt, das bei seinem Uebertritte in die zweite Ehe bei Gelegenheit der Inventarisation seines Vermögens am 10. Januar d. I. abgelegte Handgelöbniß wissentlich dadurch verletzt zu haben, daß er verschiedenen Gegen­stände , im Werthe von 36 fl. 48 fr., die aus seiner ersten Ehe herrühren, bei Errichtung des Inventars abstchtlich verschwiegen zu haben.

Die Anzeige erfolgte von Seite seiner zweiten Frau, welche sich dafür rächen wollte, daß ihr Mann ihr im fünften Monat der Ehe geborenes Kind nicht als das seine anerkannt und sie verlassen hatte.

Die Verhandlungen leitete: Präsident, Herr Hofge- richtsrath Jeckeln; als Staatsbehörde sungirte Herr StaatSprocurator - Substitut Flach; als Vertheidiger, Herr Procurator v. Arnoldi.

Die Assisenverbandlung gegen Friedrich Fickeis 16 J. alt, aus Heddernheim wegen Diebstähle schloß mit der Verurtheilung des Angeklagten zu einer Cor- rectionShausstrase von sechs Monaten unter Nieder­schlagung der Untersuchungskosten. Derselbe hat sich Diebstähle theils zum Nachtheil seines Vaters theils zum Nachtheil anderer um ferner eine Unterschlagung dadurch zu Schulden kommen lassen, daß er im Sommer L I. einen ihm von seinem damaligen Dienstherr» Joh. Heinrich Bayer in Frankfurt zum Ankauf von Papier übergebenen Geldbetrag von 42 Rthlr. in gewinusüch tiger Absicht sich zugeeignet hat. Zwei der vier dem Angeklagten zur Last liegenden Diebstähle wurden mit­telst Erbrechung eines verschlossenen Schrankes verübt. Die bei dieser Gelegenheit gestohlenen Gegenstände be­stehen in Geldbeträgen von 1 fl. und 3 fl., die übri­gen in einem Laib Brod im Werth von 15 fr. und in

einem Kleidungsstück im Werth von 2 fl. Geschworene waren der Verhandlung nicht beigezogen.

Den Vorsitz führte Hofgericklsrath Jeckeln, als Staatsanwalt sungirte Staatsprocurator-Snbstitut Flach und als Vertheidiger Procurator Wilhelmi jun.

* Wiesbaden, 24. Nov. Gegenstand der heute ebenfalls ohne Zuziehung der Geschwornen stattfiudeu- den Verba udlungcu bilden die Anklagen gegen Peter Anton Roth von Zeilsheim, 36 Jahre alt, Makler; und gegen die Ehefrau des Caspar Höhn von Gei­senheim, 42 Jad re alt, beide wegen Schristfälschung.

t Bom Westerwald, 21. Nov. Der unter dem Namen Dr. Albert Lange aus Philadelphia und Albert Golz - Bahn weithin bekannte Klempner Albert Bahn aus Magdeburg, ist, dem Vernehmen nach, die­ser Tage von Belgien an die naffauischen Gerichte aus­geliefert worden und befindet sich jetzt im Kriminal- Gefängniß zu Dillenburg.

Dillenburg, 21. Nov. (Assisenverhandlung gegen Georg Carl Schmidt aus Neustadt, wegen Köiperverletzung.) Präsident: Hr. Hofgerichtsrath v. Bierbrauer, Staatsanwalt: Hr. StaatSprocurator Lautz, Vertheidiger: Hr. Procurator Braun. Georg Carl Schmidt, 22 Jahre alt, Landmann, ist angeklagt, am 17. Juli L I. den Carl Schmidt auS Neustadt im Streite mit -einem Messer am rechten Auge dergestalt verwundet zu haben, daß dieser in Folge des­sen fünf Wochen arbeitsunfähig und der Sehkraft an diesem Auge beraubt wurde. Der Angeklagte genießt einen guten Ruf und scheint jene That unüberlegt und in der Trunkenheit begangen zu haben. Er wird von den Geschwornen schuldig erkannt und hierauf von dem Assisenhofe zu zwei Jahren Correclionshaus und zum Ersatz der 67 fl. betragenden Kosten sowie zur Entschä­digung des Verletzten verurtheilt.

Dillenburg, 22. Nov. (Assisenverhandlung gegen Johs. Lotz auS Steinbach, wegen Schriftsätze schung.) Präsident: Hr. Hofgerichlsrath v. Bier­brauer, Staatsanwalt: Hr. StaatSprocurator Lautz, Vertheidiger: Hr. Procurator Schenk. Johs. Lotz ist angeklagt, in einer Quittung über 100 fl. Güte» stelggetd, die im Jabr 1840 ausgestellt worden war, diese Zahl in 1843 umgeâiidert zu haben und steht deßhalb heute vor Gericht, Nach kurzer Verhandlung, die heute ohne Zuziehung der Geschwornen stattfindet, wird der Angeklagte schuldig erkannt und zu 2 Jahren CorrectionShausstrafe verurtheilt.

# Mainz, 23. Nov. Der Bischof Kettelet hat aus Anlaß des badischen Kirchenconflictes einen Hirten­brief an seine Diöcesanen gerichtet. (Ein gleiches ist von Seite des Hochw. Bischofs von Limburg erfolgt.)

Karlsruhe, 21. Nov. Dem Schwäbischen Mer cur wird unter vorstehendem Datum geschrieben; Caplan Hell war vor seiner Abreise nach Durlach noch hier im bürgerlichen Gefängniß neben dem Rathhausthurm, wo ihm Psarrcr Weindel von Bulach, gleichfalls wegen Verkündigung der Excommunication, Gesellschaft leistete. Gestern soll Caplau Finneisen, der Neffe des Erzbischofs, eine ganz besonders starke Predigt vor einer großen und überraschten Zuhörerschaft gehalten haben; am Schluffe warf er einen erzbischöflichen Hir­tenbrief in vielen Exemplaren von der Kanzel herab. Auch er wurde sogleich verhaftet, um auch nach Dur- lach gebracht zu werden. Der Gottesdienst in der kath» lischcn Kirche ist dermalen besonders zahlreich besucht nnd darunter von fielen Neugierigen.

Gestern Abend erschien im Pfarrhaus« zU Unterhalt bach (eine Stunde von hier) im badischen Taubergrund ein GenSb'arme, um den Psarrcr wegen Verkündigung der Excommunication zu verbasten. Doch war dieß ein vergebliches Unternehmen, da er hieran, wie der ofsi- ciösc StaatSauzciger für Württemberg berichtet, durch die gesummte Gemeinde unter Mord - und Fenerjoge» schrei verhindert wurde. Einzelne wollten Starm läu­ten, wenn sie die Schlüffel bekommen hätten. Eine halb, Stunde weiter abwärts in Königshofen wurde die Ex­communication ebenfalls verkündet, doch hat sich der Geistliche dadurch vor Jnhaftirung sicher gestellt, daß er sich nach dem Gottesdienste auf wârltembergifches Gebiet zurückzog. Der Stadtpfarrer und Decan in GerlachSbeim, sowie der in Tauber Bischofsheim, beide am Sitze des Amtes, wurden alsbald nach der Früh- kirche in's Gefängniß abgeführt, wo sie sich jetzt noch befinden. Ein anderer Geistlicher in Jmpfingen würd» nach der Predigt unwohl und auf diese Weise am Bev lesen eines bischöflichen DecretS verhindert. In and: ren^ Orten wurde einfach von jeder Verkündigung Unk gang genommen. Der Geisttiche von Unterbalbach hat