storbenen Herzogs, Gioßfüistin Maria von Rußland, an den Staat abzulretcn gesonnen sein und darüber an den nächsten Landtag schon eine Vorlage gelangen. Wie man hört, wird Prinz Luitpold im nächsten Frühjahr den angetansten Palast beziehen.
Der „Volksbote" berichtet, eine deutsche Fürstin habe dem Herrn Erzbischof von Freiburg ein Landgut mit einem Ertrag von 40,000 fl. angeboten, wenn ihm sein Einkommen, wie angedroht, gesperrt werden sollte. Auch französische Bischöfe sollen bereits ihre Unterstützung an» geboten haben. — Aehnlichcs wird ans Mannheim berichtet. Dort haben mehrere vornehme Damen einem der Herren Capläne, welche wegen Veröffentlichung des erzbischöflichen Hirtenbriefes in Untersuchung steht, die Verfügung über ihr Vermögen, wenn seine Bestrafung ihn bezüglich der Geldmittel irgendwie in Verlegenheit bringen sollte, angeboten.
Gestern ist von hier eine AncrkenniingSadrcsse an den Erzbischof von Freiburg abgegangen, welche von den 2000 Mitgliedern des katholischen Vereins für religiöse Freiheit Unterzeichner ist. Auch Geldsendungen „für die, so um der Gerechtigkeit willen leiden", haben bereits begonnen.
Die Nachricht der „Prälzer Ztg.", Fürst Ludwig v. Oettlingen- Wallerstein habe sich mit einer italienischen Gräfin verlobt, wird von bestunterrichteter Seite als eine reine Erfindung bezeichnet.
Kassel, 21. Nov. (Kaff. 3) In der Sitzung der ersten Kammer vom 19. November machte der Präsident die Mittheilung, daß vermuthlich schon im Laufe von 14 Tagen eine Vertagung der Kammern eintreten werde.
Arolsen, 16. Nov. Der Landtag für das Für« stenthum Waldeck-Pyrmont ist gestern eröffnet und ihm der Finanzetat für die Jahre 1854- 56 vorgelegt wo» den. Das in dem Etat fignrirende Deficit soll, wie bis jetzt verlautet, durch eine Erhöhung der Brennholz- preise, so wie der Klassen - und Grundsteuer gedeckt werden. Auch die Vorlage einer Schulordnung steht in Aussicht.
Braunschweig, 17. Novbr. Die „D. N.-Z." meldet, daß die KreiSdirection Gandersheim dem zu der Secte der Wiedertäufer sich haltenden Dcpn tatisten Voß aus Hallensen seine Kinder, welche er lausen zu lasten verweigert, durch Landdragoner bat abholen lasten und daß sie, von diesen in die Kirche geliefert, dort getauft sind.
Luxemburg, 19. Nov. (F. I.) Die Krisis, in welche Regierung und Kammer durch den Adreß- Entwurf gerathen waren, ist einstweilen glücklich gelöst. In eben dieser Absicht hatte Hr. N. Metz vorgeschlagen, den Entwurf an die Adreßcommission (deren Mitglied er ist) mit der Weisung zurückzuschickeu, denselben unter Entfernung aller, die entlassene Regierung betreffenden Stellen umzuarbeiten. Die Präposition wurde angenommen und ein neuer Adreßentwurf vorgelegt, dem die Regierung sich nicht ferner widersetzte, obgleich er ihr eben nicht schmeichelhaft ist. Heute ist nun die neue Adresse von der Kammer votirt und angenommen worden. Die Kammer beginnt jetzt die Berathung der Budgets. In der gestrigen Sitzung nahm Baron v. Blockbausen Gelegenheit, das Andenken des verstorbenen Kammerpräsidenten Ch. Metz zu be- i schimpfen. Die laute Entrüstung der Kammer brachte c den Redner zum Schweigen.
* Hamburg, 20. Nov. Die preußische Marine« stationsfrage scheint im Sinne Hamburgs beantwortet werden zu sollen. Preußen unterhandelt darüber mit unserer Stadt und ein noch zu den Lebzeiteu der beut» schen Flotte von dem hiesigen Wasserbaudirector Hübbe eingereichter Plan dient der Verhandlung zur Unter» läge. Die Ritzebüttler, in deren Territorium die schwim- k mende preußische Colonie angelegt werden soll, intereffi« * ren sich namentlich für die Sache; kaum hatten sie von o ihr erfahren, als sie auch schon Erkundigungsbriefe nach if Berlin absandteu, und wie man hört, wollen sie sogar eine Expedition von Sachkundigen dorthin abgehen las- ir fen. Dem gegenüber ist Hamburg nicht ganz ungeteilt dem Project zugethan. Wurde es sich lediglich um die Postirung der preußischen Kriegs- neben der Hamburger “ Friedensflotte handeln, so waltete wohl keinerlei Mei« uungsverschiedeuheit ob; Preußen wünscht indeß noch b| unterhalb Ritzebüttels, nämlich zwischen Cuxhaven und
^ Nenwerk, eine Parzelle Hamburger Landes, rücksichtlich deren es vermuthlich auch der OberlchnSherrschast unse- so res Senats enthoben zu sein wünscht. Dies erregt in- dessen nicht nur politische, sondern auch commercielle Bedenken. Indessen scheint übyr die Hoheitsrechte eben noch unterhandelt zu werden.
Königsberg, 19. Nov. Seit einiger Zeit sind Seitens der sranzöfischen Regierung hier zwei CabinetS- % Couriere stationirt, welche die resp, von Petersburg und Paris eintreffenden Depeschen weiter besördern.
— Berlin, 21. Nov. Die Braunschweigische Regierung hat, wie die „Preuß. Corr." mittheilt, auf «n bei General-Zollconfcrenz den Antrag gestellt, den Er- ” laß der Steuer auf Reis über den bestimmten Termin (Jahresschluß 1853) zu verlängern. Verhandlungen
10 haben darüber indessen noch nicht stattgefunden. — — DaS in der Zollconferenz berathene amtliche Waaren- Verzeichniß ist bereits redigirt und dem Drucke über
geben worden. Die Ausgabe desselben ist daher wohl in nächster Zeit zu erwarten. — Der StaatS-Anzeiger publicirt den Allerhöchsten Erlaß vom 31. October 1853 betreffend die Uebertragung der Ausführung des Baues und der Verwaltung re. der Köln-Cre selber Eisenbahn, nebst Zweigbahn an die -„Königliche D i r e c t i o n der Aachen-Düsseldorf- Ruhrorter Eisenbahn." — Sr. Majestät Fregatte „Gefion,, (Commodore Schröder) und die Corvette „Amazone" sind am 16. d. M. um 8 Uhr Morgens von Spithead nach Malta unter Segel gegangen und werden sich von dort, wie es heißt, nach den Türkischen Gewässern begeben. — Nach einer Mittheilung der „K. H. 3 " ist der Plan, Tboin und die hinter liegende Landschaft durch eine Zweigbahn bis Bromberg zu verbinden, nicht ad acta gelegt, sondern wird nach mancher Wahrnehmung vielleicht recht bald seiner Aussührung entgegen« gehen. — Dem Vernehmen nach wird am 21. d. am Oberhauser Bahnhöfe der erste Spatenstich zum Bau der Obernhausen-Arnheimer Eisenbahn geschehen, und sollen demnächst die betreffenden Erdarbeiten mit aller möglichen Kraft gefördert werden.
Heute Vormittag fand eine Sitzung im Staats- minifterium statt, an welcher sämmtliche Minister Theil nahmen. In dieser kam auch die Redaction der Eröffnungsrede zur Sprache, mit welcher der Ministerpräsident , Frhr. v. Manteuffel, vor die Kammern treten wird. Mit ziemlicher Gewißheit ist zu behaupten, daß in tberfelben die Positionen der auswärtigen Politik, namentlich in Betreff der neuesten Entwickelungen, der orientalischen Frage, keine Erwähnung finden sollen. Mit desto mehr Nachdruck dürften die wichtigsten der in der vorigen Kammersession unerledigt gebliebenen Vorlagen behandelt werden, welche die Zahl 20 über» steigen und von denen, um nicht wieder mit der Zeit der Session im Rückstände zu verbleiben, nur die schleunigeren in die Debatte kommen sollen. — Der Besuch, welchen gegenwärtig der Kriegsminister dem auf seinen schlesischen Besitzungen erkrankten Herzog von Augustenburg abstattck, und von welchem derselbe, dem Vernehmen nach, schon in der Mitte dieser Woche zurückkehren wird, hat, nach der „Lilh. Corr.", lediglich persönliche Motive. Bekanntlich walten freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Herzog von Augustenburg und dem Hrn. v. Boulu aus früheren Stellungen beider Herren ob.
Eine Reise des Kaisers Ludwig Napoleon nach London , von der schon vor einiger Zeil die Rede war, wird seit ein paar Tagen hier in diplomatischen Kreisen als wahrscheinlich bezeichnet. Man fügt dem hinzu, daß der Kaiser mit seiner Gemahlin nur auf eine förmliche Einladung der Königin Victoria nach London kommen wolle; bis jetzt habe die Königin von England auf Anrathen einflußreicher Männer dem bei ihr accre- ditirten Repräsentanten Frankreichs zu verstehen gegeben, daß ihr ein Besuch seines Souveränes angenehm sein würde. Dieß, sowie verschiedene andere Umstände bestätigen das Fortbestehen des innigsten Einnernehmens der verbündeten Westmächte. In dieser Allianz wirkt England vorzugsweise dahin, daß man sich direct noch nicht feindlich gegen Rußland einmische. Es hält in dieser Beziehung auch nach den kriegerischen Affairen die englische Regierung die zögernde Politik fest, durch welche sie am ersten hofft , den europäischen Krieg noch bannen zu können. ' UebrigenS sind seit den letzten Tagen die Friedenshoffnungen bei den meisten Diplomaten wieder insofern gestiegen, als man auf die Ermöglichung eines längeren Waffenstillstandes und in diesem wiederum auf resultirende Friebensverhanblungen hofft. Die Russen werden sich glaubhaftester Versicherung noch einstweilen mit den errungenen Vortheilen begnügen und nicht weiter vorgehen. Die Schwierigkeit eines Waffen- stillstandes liegt Glicht in der militärischen Stellung der kriegführenden Theile in Europa, sondern weit mehr in der in Asien.
Graf Reventlou (früher Statthalter in Schleswig- Holstein) läßt sich auf einem Gute bei Jessnitz auf dem Wege von Frankfurt a. d. O. nach Breslau nieder.
7 Wien, 20. Nov. Die „Oesterreich. Corresp." bringt zur Beruhigung des österreichischen Handelsstan« des die Mittheilung, daß ein am 16. d. M. von der Quarantaindirection zu Bukarest ergangenes Verbot der Ein- und Ausfuhr, welches sich auch auf die neutralen Flaggen erstrecken sollte, in Folge der Vorstellungen des k. k. Generalconsuls bereits am 18. von dem Oberbefehlshaber der kais. russischen Truppen, Fürsten Gortschakoff, wieder aufgehoben worden sei.
Dem Vernehmen nach, schreibt man der F. P. Ztg., haben nicht allein vor drei Tagen die hier stationirten Jnfanterieregimenter „Prinz Emil von Hessen" und „Baron Roßbach", dann zwei Jägerbataillone den Befehl erhalten, sich marschfertig zu machen, sondern es dürste auch ein nicht unbeträchtliches Observationscorps demnächst an der südöstlichen Grenze zusammen- gezogen und dessen Oberbefehl dem General Grafen Schlick anvertraut werden. — Die Stellung Serbiens gegen die Türkei, die große Anzahl von Flüchtigen, welche den österreichischen Boden betreten, endlich die namhafte Zahl von verdächtigen Individuen und beutegierigen Abenteuern, welche im türkischen Heere dient, rechtfertigt vollkommen diese Maßregel, welche die Neu
tralität Oesterreichs durchaus nicht berührt.— Gestern wurde Se. Durchl. Fürst Friedrich Hannibal v. Thurn und Taxis als Capitân der kaiserlichen Trabantengarde in Eid genommen, und Se. Durch!. sodann das Garbepersonal vorgestellt.
Am 16. d. M. Abends ging der bei der hiesigen türkischen Botschaft in Verwendung stehende Attachö, Herr von Steindl, mit Depeschen nach Constantino- pel ab. Wie man wissen will, soll derselbe der Ueber- bringer von Vorschlägen sein, welche eine Anbahnung zu direkten Unterhandlungen zwischen der Pforte und Rußland bezwecken.
Die Belehnung des Hrn. Fürstcrzbischofs von Ol- mütz, Landgrafen Fürstenberg, wurde gestern früh 11 Uhr in feierlichster Weise vollzogen.
In den österreichischen Grenzorten treffen fortwährend sehr zahlreiche türkische Unterthanen aus den Do- naufürstenthümern ein, welche in Folge eines Befehls des Generals Gortschakoff die Fürstenthümer verlassen mußten. Von Seite der österreichischen Behörden erhalten dererlei Individuen für bestimmte Orte lautende Aufenthaltsscheine auf eine bestimmte Zeitdauer, die von Fall zu Fall zu verlängern ist.
Der kürzlich von London abberufene Persische Gesandte Shafe Khan ist am 18. Abends mit dem Lloyddampfer von Triest nach Coustantiuopel abgereist.
Klagenfurt, 16. Nov. Nach einer Kundmachung des Bezirks-Hauplmannscbaft zu Klagenfurt ist ein an der von Kârnthen nach Marburg führenden Straße gelegener Berg in Bewegung gekommen, so daß außerordentliche Vorkehrungen getroffen werden mußten, da bedeutende Gefahr für die Passage vorhanden ist.
Frankreich.
Paris 20. Novbr. Man sagt, daß Graf Wa- lewSky beauftragt ist, den Kaiser der Franzosen von dem Wunsche der Königin Victoria in Kenntniß zu setzen, den Kaiser und die Kaiserin der Franzosen in Windsor zu empfangen. — Es ging gestern und heute das Gerücht, cs sei in Fontainebleau ein Attentat auf den Kaiser begangen, und fünf Verhaftungen seien vorge» nommen worden. — In vielen Departements herrscht, wenn man den von dort einlausenden Briefen glauben will, eine große Aufregung in Folge der Theuerung der Lebensmittel. In Perigucux und in mehreren Städten der westlichen Departements hat man aufrührerische Maueranschläge entdeckt, und zu LimogeS wurden die Truppen in den Casernen consignirt. ES heißt sogar, iu Lyon sei schon der Anfang zum Barri« cadenbau gemacht worden. Auf den Maueranschlägen war die gedruckte Drohung zu lesen! „Tod den Müllern !" — Unter den neulich dahier verhafteten Personen befinden sich ein ehemaliger Apotheker und ein Advocat, beide zu Bedou wohnhaft. Zu Crest sanden dieser Tage zwei politsche Verhaftungen statt, und aus anderen Orten erhält man ähnliche Nachrichten. Andererseits ist Hr. Roger von Nantes, der für die am schwersten compromittirte Person unter den unlängst zu Nantes Verhafteten galt und der einige Zeit dahier in Verhaft zubrachte, freigelassen worden und heimgekehrt.
— Die Nachricht, daß ein großer Theil der Kanzlei des auswärtigen Ministeriums sich zu Fontainebleau befinde, wird als unbegründet bezeichnet. — Nach der Jndependance Belge wäre es gelungen, eine Annäherung zwischen den beiden Linien der Bourbons zu bewirken. Der Herzog von Nemours soll eine Zusammenkunft mit dem Grafen Cbambord in Frohsdorf gehabt haben. Dieselbe währte 20 Minuten, die Frage über die Succession wurde in Folge getroffenen UebereinkommenS nicht berührt. Am 2. December, dem Jahrestag des Staatsstreiches erwartet man die Ernennung einer Anzahl von Senatoren. Man nennt Herrn Dupin, Hrn. von Salvandy und den Herzog von Montebello. — Der Nach der Bank von Frankreich hat am 17. beschlossen , seine Vorschüsse auf Eiscnbahnactien von 60 pCt. des Börsencourses auf 50, und seine Vorschüsse auf Staatspapiere jeder Art zu 80 pCt. des Börsencourses auf 70 herabzusetzen. Die befürchtete Erhöhung des Discontosatzes auf 5 pCt., so wie eine Verminderung der Frist für zur Discontirung zugelasscne Papiere wurde einstweilen nicht für nothwendig befunden. — Der Kaiser hat dem Grafen von Polignac, Maire von Fontainebleau, eine Summe von 15,000 FrS. zustellen lassen, um dem Municipalrathe dieser Stabt zur Herabsetzung der Brodpreise zu Gunsten der Arbeiter und der hülfsbedürftigen Klassen behülflich zu sein. —• Die neue Napoleon-Caserne hinter dem Stadthause von Paris ist nunmehr von 4 Bataillone Infanterie bezogen worden. — Der Marschall Prinz Jerome hat in Havre ein Grundstück angekauft, auf welchem er eine Residenz bauen lassen will, da er Havre jedes Jahr zu besuchen beabsichtigt.
Spanien.
Madrid, 18. Nov. (Tel. Dep.) Die Königin Christine ist heute hier eingetroffen.
Vliederlande.
Haag, 16. Nov. Die zweite Kammer hat vorgestern den die Genehmigung des kürzlich von der Regierung mit der ostindischen Handels-Gesellschaft abgeschlossenen Vertrages bezweckenden Gesetzentwurf mit 58 gegen 5 Stimmen angenommen.