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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^ 926. Mittwoch im 23. Iköcmbcr 1S33«

DitNassauische Allffemeine Zettunft" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" trfdwnt, Sountaqs ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumeration-Preis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulsiiv nunmehr auch ir den ganzen Umfang des Tduru- und TariS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PoffauffchlagS 2 ff., für die übrigen Sünder des deutfch.Ssieirrichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 kr. Inserate werden Pie viersp.gltzg Detttzejlc ober deren Raum mit 3 kr. berechnet. -r Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W- Friedrich, Sanggasse 42, auSzvärlS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienst nachrichten.

Seine Hoheit der Herzog haben den Forst- accessisten von Massenbach von Königstein an das Oberforstamt zu Wiesbaden, den Forstaccessisten Gustav Genth von Dillenburg an die Oberförstern Königstein zu versetzen und den Forstaccessisten Wilhelm Heim ach von Niedernhausen zum Oberförstereiaccessistcn zu Dil­lenburg zu ernennen geruht.

Der bisher bei der Ministerin!-Canzkei beschäftigte Receptursecretär Metzler ist in den Quiescentenstand versetzt worden.

Der mit Verschling der Lehrvicarstclle zu Oberhat­tert beauftragte Schulcandidat Becker ist zum Lehr- vicär daselbst ernannt worden.

(Todesfall.) Der Justizamts-Secretär Heg­mann zu Rüdeshcim ist am 15. November mit Tod abgegangen.

Nichtamtlicher Theil.

* Frankreich, England und Rußland.

DerMoniteur" berichtet, daß der Kaiser wb die Kaiserin am 20. d. einem Carrousel beiwohnten welches von dem 6. Husarenregimeute im Park von Fontaine- blesu gegeben wurde. Es war dieses militärische Fest ebenso glänzend, wie gelungen. In der Umgebung Jb> per Waj. befanden sich die Prinzessin Mathilde, die verw'ttwcte Großherzogin Stephanie von Baden, der Fürst Md die Fürstin Murat, der russische Gesandte Hr. v. Kisseleff, die Gesandten Belgiens, Schwedens, Brasiliens, der französische Gesandte in London, Graf Walewski, Hr. Horace Bernet und zahlreiche andere Gäste deS Kaisers, Die übrigen Tribünen waren mit Emwchnern Fontainebleau's und anderer Städte des Departements ungesüßt. Diese Nachricht ist für die Pariser von Wichtigkeit wegen der Anwesenheit des Hrn. V. Kisseleff, als ob Herr-. Kisseleff nicht auch seine Pässe in Fontainebleau veplaygey könnte. Indessen ist es von WichtiMt, daß er dieses bis jetzt nicht gethan. Uebrigeus werden, wie man der A, A. Z. meldet, die Beziehungen des Hrn. V. Kisseleff zur französischen Re. gierung von Tag zu Tag gespannter, so daß dieser Di­plomat selbst kein Geheimniß mehr daraus macht. So enzählt man, daß er in einem politischen Cirkcl, wo sich mehrere seiner College» befanden, sarkastisch geäußert" habe: ,^m Grund brauchen wir uns das, was in den Donaufürßerlbümern geschieht, nicht anfechtcn lassen. Werden die Türken geschlagen, so können wir nur ge- winnen. Sind wir in der umgekehrten Lage, so wissen wir, daß Frankreich die Gewohnheit hat, sich des schwä­cher» Theils anzunehmen, wie Polen zeigt. Es wird uns zu Hülfe kommen und durch unsere Niederlage gewinnen wir einen Bundesgenossen." Ist diese Sprache wirklich geführt worden , so beweist sie so viel, daß man über die zarten Rücksichten hinaus ist. In den Verhältnissen mit England scheint auch nicht alles nach Wunsch zu gehen. Man versichert, Napoleon III. habe in allem Ernst daran gedacht, der Königin von England einen Besuch zu machen, und damit ein Sei- teustück zu dem Besuch des Kaisers Nicolaus in Olmütz zu liefern. Eine deßhalb dem englischen Cabinet ge­machte Eröffnung sei ziemlich kühl ausgenommen, doch der Königin mitgetheilt worden, die ungefähr folgendes erwiedert habe:Ich bin constitutionelle Königin, und als solche richte ich mich nach dem Wunsch meiner Minister, wenn man mit einer Regierung ein Bündniß macht, aber hier handelt sich's nicht darum, sondern um mein persönliches Wollen; nun, was eine Zusammen kunf mit diesem Herrn betrifft, sp will ich nicht." Diese Anekdote mag erfun­den sein, aber gewiß scheint, daß die Verhältnisse so sind, daß man für nöthig erachtet hat, Hrn. Walewski nach Fontainebleau kommen zu lassen, wo er sich seit Donnerstag befindet und mit Hrn. Thouvenel, der den Austrag hat, bei der Unterhandlung wegen des türki­schen AnlehenS bchülflich zu sein, zusammen, war. Na­poleon III. wollte von Hrn. Walewski selbst erfahren, wie man in England gesinnt ist; er soll ihm mündliche Instructionen ertheilt haben, die hauptsächlich dahin zie- len, den Stellungen in der orientalischen Krisis einen bestimmteren Ausdruck zu geben. Man'darf überhaupt aus bedeutsamere KuudlhuMge» von Seite der französi­schen Regierung gefaßt sein.

In der Politik, welche England in der orientalischen Erage verfolgt, liegt zugleich der Keim des Zerwürs-

uiffes mit Frankreich und die Schwierigkeit gemeinsamen Handelns. England steht im fortwährenden Widerspruch mit seinem Interesse und Princip. Eine Nation, die überall, wo sich ein Keim des Mißvergnügens findet, den Aufstand begünstigt und als ein Reckt gegen Negierun­gen, die den Erwerbfleiß und die Entwicklung der Volks- kraft Niederhalten, darstcllt! muß durch ihr Interesse gebunden nun gegen Alles, was sie bisher aus Princip unterstützte, Befreiung deS Glaubens und der Volks- kraft von einer indolenten und stumpfen Negierung, in der Türkei sich auflehnen, weil daS östliche Slavenreich kein Spanien und Portugal werden und in der Ent­wicklung des Handels und der Seemacht sich nicht hin­dern lassen wird,

Aus den Erfahrungen der letzten vierzig Jahre hat man das Gesetz der Politik, die England in diesem Doppelvcrhältniffe zu Frankreich und dem Osten beob­achtet, schon öfters dahin formulirt: wenn cs sich um Principien handelt, steht es gemeinsam mit Frankreich den Ostmäckten gegenüber wenn es sich dagegen um Interessen handelt, zumal wenn es ihm nicht gelingen will, durch die Demonstration seines principiellen Einver­nehmens mit Frankreich den Jntercssenkampf zu verhüten, trennt es sich von Frankreich und schließt es sich den Ostmächten an.

Mit derselben Hast, mit der die Gelegenheit ergrif­fen hatte, die die Julirevolutioneihm bot, um aus dem erneuerten Principienbund mit Frankreich auch neue Kraft und Bedeutung gegen Rußland zu schöpfen, dem cs den Kampf mit der Türkei allein überlassen hatte, hat England sich auch wieder beeilt, die neue Herrschaft in Frankreich anzuerkenncn im Bunde mit einer Macht, die dem Volkswillen entsprungen, hofft cs den Ostmächten zu imponiren und namentlich Rußland, welches die Frucht, die ihm im Süden reift, immer ernst­licher darauf hin anfühlt, ob sie bald reif sei, entgegen zu treten allein bedarf es keines Beweises, daß die Principien des Westens sich erschöpft haben und vor dem Ernst der Collisiou, die sich in der Türkei zusam- menzieht, ass bedeutungslos verschwinden, daß die active Kraft, die die europäische Völkerfamilie in Bewegung setzt, im Osten gegenwärtig ihren Schutz hat, und daß der Principienbund zwischen Frankreich und England auch nur noch zu der liberalen Demonstration dienen könne, zu der ihn England bis zum Jahre 40 benutzt hat. Ohnehin brütet Louis Napoleon in dem gebeim- nißvollen Schweigen, in daS er sich eiuhüllt, über Mit­tel und Wege, die ihm ein selbstständiges Auftreten Möglich machen also kann ihn England nicht brau­chen also muß England auch hier wieder jeden Ge danken au ein traditionelles Princip aufgebcu und sich allein vom Interesse bestimmen lassen; aber das In­teresse macht cs entweder zum Gegner Rußlands, wenn cs dessen Absichten aus Constantinopel entgegentritt, ohne daß es aus Frankreichs BundcSgenossensckaft sicher rech­nen könnte, oder entzweit es zugleich wirklich mit Frankreich, wenn es Rußland seinen Antheil an der Beute abgcwinncn und den Fall der Türkei zur Er- weitung seiner Herrschaft im Mittclmcere benutzen will.

Während Alles zwischen Princip und Interesse bin und herschwankt, ist Rußland die einzige Macht, für die Beides Eins, durch den orientalischen Glauben, der im Czar den Erber und Fortsetzer des griechischen Kaiser- thums, den Wiederhersteller der Einbelt von Kirche und Kaiscrthum sieht, unaufioslich verschmolzen ist daher sein Uebergewicht. Ebe England auch nur daran denken kann, gegen diesen orientalischen Glauben sein Interesse durchzu- setzen, wird es gezwungen sein, dcn Zwiespalt, in welchem dasselbe sein Bestreben, die Zerrüttung der Türkei zu ver­ewigen, mit seinem eignen CnUnrprinclp bringt, aufzugeheu. Jene ächt englische Staatsweisheit, die den Völkern im Osten zum Verbrechen macht, was sie in Ungarn be­günstigt und in Italien gepflegt hat, die also mit der Kaufmanneelle die Gebiete abmißt, in denen ihre Prin­cipien herrschen oder kraftlos sein sollen, wird sich nicht für die Dauer behaupten. Der Zwiespalt zwischen In­teresse und Princip wird sich am Ende doch nur so lösen, daß das englische Interesse sich mit dem russischen vereinigt. DaS sieht Louis Napoleon voraus und wir stehen der Entstehung eines französisch-russischen Bünd­nisses (mag dieß auch späterhin zur gänzlichen Jsolirnng Frankreichs führen) weit näher, als der Befestigung der enteilte cordiale zwischen England und Frankreich.

De»rtschln«d.

* Wiesbaden, 22. Novbr. (Assisenverhandlung gegen Johann Pötz von Dietkirchen, wegen Schrift- sässchuug.) Der Angeklagte wurde des Lcrbrcchens für

überführt erachtet und von dem Assisenbofe zu einer Correctionsbausstrafe von 2 Jahren, geschärft durch Kostbeschränkung, unter Niederschlagung der Kosten ver« urtheilt.

* Wiesbaden, 23. Nov. Gegenstand der heu­tigen Assisenverhandlungen sind die Anklagen gegen Jo­hann Maag von Heddernheim, 34 Jahre alt, Buch­drucker, wegen Ableistung eines falschen HandgelöbnIsseS und gegen Friedrich Fickeis von Heddernheim, 16 Jahre alt, ohne Geschäft, wegen Diebstähle,

* Wiesbaden, 23. Nov. Bei den Unzuträglich­keiten, welche der bisherige unbeschränkte WirthschaftS- betrieb für die Handhabung der Sicherheitspolizei hatte, wurde von dem Herzog!. Polizeicommissariat (mit Be­rücksichtigung der besonderen Verhältnisse hiesiger Stadt) verordnet, daß in der Zeit vom 15. October bis 15. April jeden Jahres sämmtliche Wirthschaften ohne Aus­nahme des Abends 11 Uhr geschloffen werden. Werden nach dieser Zeit in einer Wirthschaft noch Gäste betrof­fen, so verfällt-jeder derselben in eine Strafe von 30 fr. oder entsprechende Arbeitsstrafe, der Wirth aber in eine Geldbuße von 1 bis 3 fl.

Dillenburg, 18. Nov. Der zum Katholicismiss übergetretene vormalige evangelische Pfarrer Christ­freund von Oberroßbach hat eine Organistenstelle in Münster erhalten. Cbristfrcund ist, wie wir hören, be­reits dorthin abgegaugcn.

Bingen, 20. Nov. Vor länger als einem Jahr wurde hier in der Nähe die Leiche eines hiesigen Bür­gers gefunden. Mehrere Kopfwunden gaben Raum zu dem Verdacht, daß ein Mord verübt worden, ohne daß man den Thätern aus die Spur kommen konnte. Nun wurden aber gestern einige als Raufbolde berüchtigte Individuen eingezogen, die so dringend jenes Mordes verdächtig sind, daß einer bereits nach Mainz abgelie­fert wurde. Es hat sich schon herausgestellt, daß zwei hiesige Personen in der Nacht, wo jener Mord verübt sein soll, einen Mann von vier andern ihnen wohlbe­kannten Burschen nach der Nähe schleifen sahen, ohne daß jene zwei den Muth hatten, gerichtliche Anzeige da­von zu machen, aus Furcht vor der Rache jener Rauf­bolde. Auch der Ermordete soll als ein Opfer der Rache gefallen sein, weil er einmal gegen einen des Mordes Verdächtigen gezeugt habe.

Frankfurt, 22. Novbr. Die vom französischen Moniteur" auf telegraphischen Wege nach Frankfurt übermittelte Kunde von dem am 15. d. Mts. erfolgten Ableben der Königin Maria da Gloria von Portugal ist sofort von hier aus durch den Agenten dem portu­giesischen Thronprätcndenten, der fortwährend seine Re­sidenz auf dem Schlöffe Langenselbold hat, durch Courier übermittelt worden.

AuS der Pfalz, 20. Nov. (Pf. Ztg.) Die Direction und der VerwaltungSrath unserer LudwigS- babn haben in Betracht der hohen Lebensmittelpreise den Bahnbediensteten bis zu einem Gehalte von 1000 fl. auf die Dauer von 6 Monaten Zulagen bewilligt, und zwar bei einem Gehalt bis zu 400 fl. 15 pCt., bis zu G00 fl. 10 pCt., bis zu 800 fl. 8 pCt. und bis zu 1000~ fl. 5 pCt.

Hechingen, 14. Nov. Vor dem hiesigen Schwur­gericht wurde in den letzten Tagen die Anklagesache ge­gen den landesflüchtigen vormaligen Advocaten Würtb zu Sigmaringen, den Gastwirth Karl Graf daselbst, den Joseph Diem ans Wilsingeu und den Johann Nepomuk Müller aus Jungnau öffentlich verbandelt. Würth hatte sich nicht gestellt; die drei anderen Angeklagten waren erschienen. Die Anklage lautet gegen Würth auf Hoch- verrath, gegen Graf auf Tbeilnabme am Hochverrath, eben so gegen Diem, und gegen Müller auf Beförde­rung eines Aufrufs und stützt sich auf die Bewegung dcö' JahreS 1848 in dem Fürstenthum Hohenzollcru- Sigmaringen, welche mit dem bekannten Unternehmen des Fabricanten G. Rau von Geildorf in Württemberg im Zusammenhänge stehen. Gegen Diem und Müllcr beantragte die Staatsanwaltschaft selbst das Nichtschul- dig, was denn auch von den Geschwornen in Betreff dieser Beiden und auch des dritten erschienenen Ange­klagten Graf ausgesprochen wurde. Gegen Würth steht ein Contumacialerkenntniß bevor.

München, 16. November. Nachdem alle werth- volleren Gegenstände, mit denen die inneren Räume des Leuchtcnberg'schen Palastes auSgestattet waren, in ver­schiedenen Transporten nach Petersburg abgesendet wor­den sind, ist nun gestern dieser Pracht-Palast selbst käuf­lich in den Besitz Sr. K. Hoheit des Prinzen Luitpold übergegangen. Die übrigen herrschaftlich - leuchtcnbcrgi- schen Besitzungen in Bayern soll die Wittwe des ver-