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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wt S-- Dienstag den 22. November iSSâ«

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Die,,Nassauische Allgemeine Zeitunft" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer'. erscheine, Sonnthgd auâftenommen, täglitb und beträgt der PrânumerativnSpreiâ für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch Lr den ganzen Umfang deâ Tvurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirk» mit Inbegriff des Postaufschtag« 2 ff., für die übrigen Vander keâ deutsch.österreichischen Poffverein», wie für daS Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die veerspaltiff Petitjeil« oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Vanggafft 42, auâwânS bei den nädnlgelegeuen Postämtern, zu machen.

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Gesterreichische Finanzmaßregeln.

Geräuschlos, aber stetig schreitet in Oesterreich eine jener großen Operationen vor, welche erst jetzt, so ge­bieterisch eine gesunde Volkswirtbschaft sie längst erhei­schen mochte, der Umschwung der Verhältnisse in's Le- beu zu führen gestattete, und welche von unberechenbarer Wichtigkeit für die Nationalproduction und den Natio­nalreichthum sind. Eine Maßregel, welche Maria The­resia und Joseph II. nur in sehr beschränkter Weise, nur für die Roboten (Frohnden) und nur in einzelnen Erblanden, durchzusetzen vermochten, und welche selbst in dieser Beschränkung schon nach wenigen Jahren (1790) von Lepold II wieder rückgängig gemacht wer­den mußte,weil schon sein Vorfahr das System auf- gegeben haben würde, wenn alle widrigen Folgen des­selben bereits so bestätigt gewesen wären, wie sie jetzt vor Augen liegen" diese Maßregel, die Grundent­lastung, ist jetzt für den ganzen Umfang der Monarchie und für alle Arten der Belastung des Grund und Bo­dens in Wirksamkeit getreten und nahezu ihrer Vollen­dung entgegengereift. Alle aus dem Unterthanenver bande oder dem Zehntverhältniß entspringenden Leistun­gen, alle auf Stiftungen oder ähnlichen Titeln beruhen­den Naturalleistungen an Kirchen, Schulen, milde An­stalten und zu Gemeindezwecken, endlich alle durch em- phyteutische oder andere Verträge über die Theilung des Eigenthums begründete Verpflichtungen sind gegen eine bestimmte und billig bemessene Entschädigung für ablösbar erklärt, und eben jetzt ist in einem neuen Kronlande, im Königreich Böhmen, die Grundemlastung, die hier allein ein Capital von 54 Millionen Gulden repräsentirt, so weit gediehen, daß die zur Regulirung der einschlagenden Geschäfte bestehende Special« Com­mission hat ausgelöst werden können. Man kann die Resultate dieser allgemeinen Grundentlastung für Oester­reich, und gerade für ein vorzugsweise ackerbauendes Land wie Oesterreich, nicht hoch genug anschlagen. Wenn es ein Postulat gibt, in welchem alle Volks» wirthschaftlichen Systeme ohne Ausnahme übereinstim- men, so ist es der Satz, daß den Besitzern von Grund und Boden freistehen muß, ihre und der Ihrigen Ar­beitskraft ganz auf die eigene Wirthschaft zu verwenden, für fremden Grund und Boden aber nur so weit, als sie können und als sic wollen, nur in Folge eines freien Vertrags und gegen einen bedungenen Arbeits­lohn. Es galt indeß, eine nationalökonomische Wahr­heit zur Geltung zu bringen, und doch die Rücksicht nicht aus den Augen zu lassen, daß den bisherigen Leistungen oftmals sogar ein mißlicher privatrechtlicher Titel zum Grunde lag; Seibern ist durch die Ablösung dieftr Leistungen gegen Entschädigung Genüge geschehen. Der Verpflichtete wird hinfort seine Zeit und seine Kraft für sich und sein Land zur Verfügung haben und er wird in dem Maße seine Anstrengungen verdoppeln, als diese ihm ausschließlich zugute kommen; der Be- rechtigte dagegen wird über ein Capital verfügen, von welchem er in den widerwilligen und lässigen Leistungen bisher nur geringe und prceäre Zinsen zog; der Werth des GruudcigenthumS wird steigen, die landwirthschaft- liche Production im Allgemeinen wird sichheben und zahlreiche strebsame Kräfte werden entfesselt, die bisher niedergehalten und gelähmt waren. Und wenn die Staatseinnahmen seither wesentlich auf der landwirth- schaftlichen Production beruhten, so werden mit der Steigerung dieser Production auch jene Einnahmen in einem Maße sich erhöhen, welches, zusammen mit den jetzt in allen Ausgabezweigen ermöglichten Ersparungen, die baldige völlige Ausgleichung des Deficits und die Begründung eines Staatshaushalts gestattet, der allen Anforderungen eines großen Staatslebcns mit den ge­wöhnlichen und ordentlichen Mitteln einer nur lose an­gespannten Steuerkraft zu genügen vermag.

Die Grundentlastung ist somit eines der Hauptsäch lichsten Mittel zur Hebung der österreichischen Finanzen und sie wird nicht ermangeln im Verein mit den übri­gen Vorkehrungen des ganzen auf diesen Zweck hin- leitenden Systems ihre volle Bedeutung zu entfalten. Es ist nur, wie dieAllgemeine Augsburger Ztg." rich­tig bemerkt, ein mißgünstiges Verhängniß darin, da mehrere der wirksamsten Maßregeln zur Regulirung der österreichischen Finanzen gerade zu einer Zeit veröffent­licht werden müssen wo sie ihre ganze Wirksamkeit nicht entfalten, und namentlich ihren vollen Einfluß auf die bessere Gestaltung der Dalutavcrhältmsse nicht ausüben können. Dahin gehört auch in der neuesten Zeit die Ein­ziehung sämmtlicher deutschen MünzschFine, ferner die Einziehung der verzinslichen und Umwechslung ln un­

verzinsliche Reichsschatzscheine. Durch die erste Opera­tion mußte ein geregelter Umlauf der Scheidemünze er­zielt. Kupfergeld und die Sechskreuzerstücke au die Stelle der allerdings etwas bequemeren Papierscheidemünze in Verkehr gebracht werden; es war dieß ein wichtiger Schritt zur Regelung der Geldcizculativn, zugleich wich­tig dadurch, daß der Staat seine schwebende Schuld um mehrere Millionen verringerte. Durch die Um* Wechselung dec verzinslichen und unverzinslichen Rcichs- schatzscheine wurde nicht nur die Einheit des StaatSpapier- geldeS herbeigeführt, sondern der Staat erspart damit eine sehr bedeutende Ziffer an jährlichen Interessen, die seine Ausgaben vermehrt und nicht bem allgemeinen Verkehr, son­dern großentbeils der Wiener Bank zugute gekommen sind. (Die Bank hat dem Staat alle Zinsen geschenkt.) Zu­letzt reducirt Oesterreich seine Armee AngsichtS der orientalischen Frage in einem Umfange, den man kaum für möglich erachtet hätte, aber eben die orientalische Frage paralysirt den Einfluß dieser großartigen Opera- tion auf die Finanzlage beinahe vollkommen, denn wäre sie zu einer Zeit geschehen, wo die fünfprocentigen Metalliques zu 95 und die Valuten zu 107 standen, wir zweifeln keinen Augenblick, die Papiere wären um mehrere Procent gestiegen, die Devisen um wenigstens so viele gefallen. War es doch das Alpha und Omega aller Wünsche sür die OldnungshersteUung in den Finanzen, daß eine Armee - Reduktion im umfassenden Maßstab hcrbeigcführt werden möchte, weil die Eispal­niß dabei allein im Stande war das zwar jährlich ab­nehmende, aber fortdauernde Deficit auf ein Minimum herabzusetzen, weil alle übrigen Ersparnisse nur unbe­deutender in die Wagschalc fallen, die mit vollem Recht anzuhoffenden Vermehrungen der Einnahmen nur all­mählich sich verwirklichen sonnten. Die Frage liegt wohl nahe, warum die Armee - Redaction erst heute, nicht früher erfolgte, heute, wo der russisch-türkische Streit für Oesterreich, wenn auch keine bewaffnete In­tervention, doch die bewaffnete Observation nöthig ma­chen könnte, und nicht vor einem Jahre, so solche Ge­fahren nicht bestanden. Die Antwort couccntrirt sich darin, da eine mit der größte«. Sorgfalt durchgeführte Organisation erst beendet, die Armee selbst auf den Standpunkt gebracht werden mußte, wo sie heute steht, um jeder andern in Europa gleichgestellt werden zu kön­nen, daß ein großer Theil der waffenfähigen Mannschaft im Waffendienst eingeübt werden mußte, um das neue Institut der Reserve zur Wahrheit zu machen, und es nicht als eine Maßregel von zweifelhaftem Nutzen er­scheinen zu lassen. War in den letzten drei Jahren die Reerutenstellung eine sehr bedeutende, so war es auch die Beurlaubung bis zur Einberufung, und es sind die Fälle nicht selten, daß ein großer Theil der Mannschaft und Unteroffiziere nach ein - bis zweijäh­rigem Dienst wieder die Armee verließ und in die Heimath sich begab. So kommt es, daß gegenwärtig Oesterreich, in jedem Augenblick, wenn eS dessen bedarf, seine Armee auf den Kriegsfuß setzen unb sie durch waffengeübte Leute ergänzen kann. Inzwischen sind alle nöthigen forlificatorischen Bauten beendet, das Zeug für den Bedarf deS Kriegs vermehrt, die Militär- Bildungsanstalten auf einen Standpunkt gestellt worden, der selbst die strengsten Anforderungen befriedigt, Eine Kliegsrüstung, wenn sie für Oesterreich heute zur Noth­wendigkeit würde, könnte seine lange Zeit für sich in Anspruch nehmen. Aber erst mußten alle diese Be­dingungen geschaffen werden, ehe es möglich wurde, den Forderungen des Kriegs und Friedens gleichmäßig zu entsprechen, Wenn nun Oesterreich gerade heute, auge- sichts der diohenden politischen Verwickelungen, seine Armee reducirt, so gibt eS damit einen Beweis des Bewußtseins seiner Kraft für alle Eventualitäten; es gibt Tausende fleißiger Hände den friedlichen Beschäf­tigungen zurück, wo sie benöthigt werden; es erleichtert seiu Ausgabcubudget um einen bedeutenden Factor, und macht damit einen wesentlichen energischen Schritt zur baldigen Beseitigung des Deficits. Dieses Deficit wird für das Jahr 1852 auf 49,780,853 fL berechnet. Die Armee - Reduclion allein gibt eine Ersparniß von 25,000,000 fl., und der im Jahr 1852 gemachte Mi- litäraufwand von 110,843,321 fl. cürfte nebstbei noch um eine weitere nicht unbedeutende Summe, durch Be­endigung fortificalörischcr Arbeiten , des Arsenals bei Wien, ermäßigt werden, so daß aus diese Rubrik an 5 Mill, entfallen könnten. Andererseits weist die amtlich Publication der Staatseinnahmen für daS erste Semester 1853 eine Zu­nahme von 3,666,449 fl. im ganzen, eine weitere Ab­nahme von etwa 1,700,000 fl. bei einzelnen indirecten Abgabensätzen, und einen Abgang von 1,500,000 fl.

beim Münz- und Bergwesen nach. Dieß gibt eine es* fectioe Zunahme für das Jahr von etwa 7% Millio­nen, welche sich rasch vermehren dürfte, wenn dasZoll- und Salzgefäll seine frühere Höbe (wie im Jahr 1851) erreicht und das Stempel- und Taxgefäll bei der Durch­führung der neuen Organisation in Ungarn seine natür­liche Ausdehnung erlangt (im Jahr 1852 84 Mill., im Jahr 1853 schon 12% Mill, für ein Semester.) Gestützt auf den Fortschritt im Wachsthum der Ein­nahmen (im Jahr 1850 250 7,0 Mill, im Jahr 1851 260% Mill., im Jahr 1852 2747, Mill), dürste im Jahr 1853 bin Jabreszuwachs der Einnahmen von 10 Mill, zu erwarten sein, ohne daß bei den Ausgaben eine wesentliche Vermehrung zu beso gen wäre. Es ist nun leicht zu erkennen, daß durch die hier namhaft ge­machten Potenzen bas Deficit in Wahrheit auf einen Betrag von höchstens 10 bis 15 Mill. Herabgedrückt werden konnte ein Betrag, der am Ende für einen Staat wie Oesterreich, und nach so bedeutenden Krisen, wie sie von 1848 bis 1850 ftattfanbcN, nicht bedeutend ist, und wohl durch eine weitere Armce-Rcductioii und steigende Einnahmen im folgenden Finanzjahr gänzlich beseitigt werben dürfte. Wir neigen uns bei der beson­nenen Stimmung der Wiener Börse der Ansicht zu, daß sie bei einer glücklicheren Wendung der orientali­schen Frage beweisen werde, von dieser Finanzlage Act genommen zu haben. Der Rückschlag auf fremde Bör­sen dürfte dann nicht ausbleiben.

Derrtlchlanö.

* Wiesbaden, 21. Novbr. (Affisenverhandlung gegen Anton Winter und dessen Ehefrau, Elisabethe geb. Emmelyainz von Oberwalluf, wegen Verletzung des Offenbarungseides re.) Der Angeklagte Anton Winter wurde von den Geschwornen für schuldig be­funden und von dem Assisenbose zu einer Corrections- bauSstrafe von 2 Jahren unter Niederschlagung der Kosten verurtheilt; dagegen dessen Ehefrau für nicht schuldig befunden und von dem Assisenhofe freige­sprochen.

. * Wiesbaden, 22. Novbr. Gegenstand der heutigen Assisenverh.aiidlung ist die Anklage gegen Jo- Haiin Pötz von Dietkirchen,. 36 Jahre alt, Cigarren- arbeiter wegen Schriftfälschung und Betruges.' Der Angeklagte hat in der Absicht sich einen unerlaubten Vortheil zu verschaffen, in dem Monat Juli l. I. an den Herz. Geheimcratb Freiherr v. Zwierlein zu Geisen­heim einI. Pauli, Pfarrer" unterzeichnetes Schreiben in welchem er um eine Unterstützung für die Waisen deS in Lorchhaüsen in einem Steinbruch angeblich ver-« unglückten Tnglöhners Heinrich Schmidt bat, und tm Monat August d. I. ein zweitesDevora Pfarrer und Schulinspector" unterzeichnetes Schreiben an den Pfar­rer Stahl zu Eschborn gerichtet und abgeben lassen, in welchem er denselben um eine milde Gabe für die Hinterbliebenen des im Main ertrunkenen Höchster Bür­ger Philipp Schadt ansprach.

Die Berhandlnngen, welche ohne Zuziehung von Geschworenen stattfindet, leitet HöfgerichtSrath Jeckeln, als Staatsaüwalt fungirt Staatsproeurator jFlach, als Verbeibiger deS Aug'ektagten Procuratör Cramer.

f Mainz, 20. Novbr. Der nach Angabe der New - Jork Tribune vom 2. d. zum Konsul der Ver­einigten Staaten von Nord-America in den beiden Hessen und in Nassau ernannteJohann Baptist Müller-Melchiors in New-Aork" (Joim. B. Melchiors of New-York) soll Hr. Dr. Jod ann Baptist Müller-Melchiors in Mainz sein. Die Er­nennung soll dem Vernehmen nach durch die Vermtttc- tung der Herren Z i tz und Koniorten erfolgt sein und soll das gleiche Manoevre auch in einigen anderen Staaten zur Ansiühruiig kommen. Im vorliegenden Falle handelt es sich abgesehen von den Schwierigkeiten bei der mangelhaften Bezeichnung der Ernennnng darum/ ob dem neuen americanischen Konsul von den betreffenden Staaten das Exequatur ertheilt werden wird. Da die Verordnung besteht, daß in der Bundesfestung Mainz durchaus kein auswärtiger diplomatischer Agent seinen Wohnsitz nehmen darf,, soll Dr. Müller-MelchiorS be­absichtigen , seine künftige Kanzlei in daS neue Etablif- femeut von Lehne hi der Nähe von Mainz zu vet- legen. Die Ernennung Dr. Müller-Melchior soll be­reits der Bundesversammlung uotificirt sein.

Herr Bischof v. Kettel er ist von seiner Reise nach Freiburg bereits wieder hierher zirrückgekthrk.

Kartsruhe, 18: Nov. (B.Bl.) Vicar K o *,ber in der St. Marlinspfarrkirche in Freiburg die Exconmkunica- tionSsenkenz gegen Stadtdireetor Burger und die Mid^