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merkt unter vorstehendem Datum:Von den Re­gierungen von Sachsen, Bayern, Baden zc. ist die Nr. 52 und 53 des in Berlin erscheinenden Kladderadatsch mit Beschlag belegt worden, und wahrlich jeder, der die bodenlosen Gemeinheiten jenes Blattes, insbesondere der confiscirten Nummern kennt, wird diese Beschlagnahme für gerechtfertigt halten. Man hat gefragt, weßhalb nicht auch von Seite der groß. Hessischen Regierung eine gleiche Maßregel ergriffen worden sei. Die Antwort ist einfach die, daß unsere Regierung fortwährend der Gegenstand der maßlosesten Angriffe jenes Blaitcs ist, und daß dieselbe wohl auch nicht den Schein auf sich laden möchte, als habe sie die Urtheile der preußischen Partcipresie von der Neuen Preußischen Zeitung und der Kölnischen Ztg. an bis zum Kladderadatsch irgend­wie zu scheuen."

Freiburg, 16. Nov. Der A. A. Z. wird ge­schrieben: Dem Pater Rottenflue ist von einem unter­geordneten Polizeibeamten eröffnet worden , daß er mit den hier befindlichen Jesuiten die Stadt und daß Land binnen zehn Tage zu verlassen habe. Aus die Bemer­kung des Paters , daß sie sich keiner Schuld bewußt seien, soll der Beamte geantwortet haben. er wisse nicht, daß irgend etwas gegen sie vorliege. Die Polizei hat schon vor einigen Tagen allen, selbst den kleinsten Druckereien verboten, irgend etwas zu drucken, was vom Erzbischof ausgeht.

Freiburg, 17. Nov. (B. Ldz.) Bischof Kcl- teler von Mainz ist gestern Abend hier angekommen und hat sich sogleich zu dem Herrn Erzbischof begehen.

Von einem Landcapitel (welchem?) im Mitlelrhein- kreise vernimmt man, daß dasselbe auf staltgehable Be­rathung über DaS, was jc^t zu tdun sei, beschlösse» habe, der großberzoglichen Regierung zu gehorchen.

München. 17. Nov. Das Ministerium deS In­nern > hat unterm 5. d. M. eine strenge Verfügung ge­gen die Concubiuate erlassen.

Die Nachricht von dem Rückzüge der Türken auf das rechte Donauufer, schreibt die AUg.Ztg. aus Mün­chen, 17. Nov., gibt dem Gewebe von Veniuuhunge» und Unwahrheiten über das siegende Vorrücken beruel- ben den Todesstoß. Für die Fcsanbeler war der Traum kurz, aber doch schön, woran auch der Umstand nichts ändert, daß die Lataillouschefs der russischen Avant­garde, die bekanntlich fast sämmtlich geblieben sein soll­ten, sich wahrscheinlich wohlauf befinden. Doch Allah ist groß, und was noch nicht ist, das kann möglicher­weise immer noch werden, so dürfte man zu Köln und in Paris und London denken."

Gera, im Nov. Mit Genehmigung Sr. Durcht. des regierenden Fürsten von Reuß-Schleiz als Seniors des fürstlichen Gesammthauses Reuß von Plauen, so­wie unter Zustimmung der übrigen Glieder des fürst­lichen Hauses hat der Herr Graf Heinrich LXIX. jüngere Linie Neuß - Köstritz die fürstliche Würde ange­nommen.

* Kassel, 19. Nov. Die Kasseler Zeitung erklärt die Angaben mehrerer Blätter, es bestehe die Absicht, für Ihre Durchlaucht die Frau Fürstin von Hanau, Gemahlin Seiner Königlichen Hoheit des Kurfürsten, eine Dotation in jährlichem Betrage von 140,000 Th. zu beanspruchen und die weitere Mittheilung, als be­absichtigten Seine Königliche Hoheit der Kurfürst Friedrich Wilhelm I. die Regierung niederzulegen, für vollständig erdichtet und unwahr.

Kassel, 8. Nov. Die Deutsche Volkshalle theil aus einem Privatbriefe noch einige nähere Umstände über den kasfeler Vorfall mit. Nach demselben hätte der Sänger Thomatschek, der aus einem naheliegenden Kaffehause auf den entstandenen Lärm heraus geeilt war und ohne Jemand im Dunkel zu kennen auf den Gra­fen Auburg lossprang, den Minister befreit.

Anfangs beabsichtigte der Minister, eine Heraus forderung an den Grafen zu senden, und hatte seine Secundanteu, Hrn. Erbmarschall v. Riedesel und Hrn. v. Loßberg, bereits erwählt. Diese äußerlen aber ihr Bedenken, ob es zulässig sei, sich mit einem Wahnsinnigen zu schlagen. Zuletzt wurde beschlossen, die Ritter des Löwen-OrdenS darüber enschciden zu lassen, ob unter solchen Umständen ein Duell mit dem Grasen Isenburg stattfinden dürfe. Durch den be­kannten Brief des Kurfürsten wurde endlich die ganze Sache in bester Weise abgemacht und der Minister von jeder persönlichen Betheiligung abgehaltten.

Rendsburg, 14. Nov. (Arsenal.) DemItze­hoer Wochenblatt" wird ans Rendsburg gemeldet, daß nach der vollständigen Demolirung der Rendsburger Festungswerke das ganze Arsenal von Rendsburg nach der Insel Alsen verlegt werden wird.

Magdeburg, 19. Nov. Vorgestern ist die Ca- binets-Ordre, welche das von dem Giftmörder Hartung eingereichte Gnadengesuch verwirft und der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen befiehlt, hier ein- gelroffen.

Berlin, 19. Nov. Den Kammern werden bald nach ihrer Eröffnung mehre wichtige, auf die Z o l l - und Handelsverhältnisse bezügliche Vorlagen gemacht werden. In der Eröffnungsrede wird dem C.-B." zufolge der Ministerpräsident auch das Urtheil der Regierung über den Gang und die Nrsultatc der General-Zollconfereiiz berühren. Se. K.

Hoheit der Kronprinz von Württemberg und Höchst- dessen Gemahlin, die Frau Großfürstin Olga Nicola- jcwna Kaiserliches Hoh., nebst Gefolge, sind gestern Abend 6'/, Uhr hier eingetroffen und im russischen Gesand- schafts-Hotel unter den Linden abgestiegen.

DieLithographirte Correspondenz" ist in der Lage zu erklären, daß die wegen Mobilisirung des fünften und sechsten Armeecorps umlaufenden Gerüchte durch­aus ungegründet sind.

Von G. Messerschmidt, königlich preußischen Militär-Intendanten z. D., erschien bei G. Hempel eine in jetziger Zeit doppelt beachtenswerthe Schrift: Ist ein Nothstand zu besorgen? Und welche Mittel und Wege gibt es, ihm entgegen zu arbeiten"? Der Verfasser beginnt mit einem Rückblick auf frühere kbeuere Zeiten und spricht dabei aus:Das Nothjahr 1846 hat allen Behörden, deren Fürsorge das Wohl so vieler Tausende anvertraut ist, unverkennbare Finger­zeige gegeben, wie dringend erforderlich eS ist, über Ernte-Ergebniß und Bcdaif recht klar zu sehen; denn hätte man damals sich in Zeiten von dem bevorstehen­den Getrcidcmaugel genaue Kenntniß verschafft und nicht erst abgewartet gehabt, bis der Mangel fühlbar wer­den würde, so hätte man der Noth leicht Grenzen zie­hen können." Der Verfasser stellt es als Pflicht der Behörden dar,den freiesten Verkehr mit Lebensmitteln auf alle nur erdenkliche Weise zu unterstützen und nicht blos der Ausfuhr keine Schranken zu setzen, sondern auch der Einfuhr von Lebensmitteln aus fremden Staa­ten durch völlige Aufhebung aller darauf ruhenden Zölle, durch Abschließung von Verträgen rc. die größmöglichste Begünstigung zu Theil werden zu lassen." Jeden­falls macht die Schrift den Eindruck, daß sie von ei­nem Sachverständigen, dem es nur um den wichtigen Gegenstand zu thun ist, verfaßt worden. Möge sie da­her die verdiente Verbreitung und Beachtung finden!

Dresden, 17. Nov. Das hiesige Journal ent­hält heute folgende officiöse Mittheilung: In neuester Zeit sind von auswärtigen Blättern, unter Andern von der Allg. Zeitung Nr. 303 ans Frankfurt a. M. und der Deulscheii Allgemeinen Zeitung Nr. 262 aus München nach der Pfälzer Zeitung, Mittheilungen über die Ler- lragsverhältulffe des Zollvereins zu Belgien gebracht worden, deren Inhalt mehr oder weniger der Be­gründung ermangeln dürfte. Wir sind in der Lage, aus guter Quelle mittheilen zu können, daß die Frage über die Fortsetzung jener Vertragsverhältnisse im All­gemeinen und die Principien, von welchen man bei den ferneren Unterhandlungen mit der königl. belgischen Re­gierung auszugehen haben werde, insbesondere einer Be­sprechung in der Zollconferenz zu Berlin unterlegen ha­ben, deren Resultat in ein besonderes Protocoll nieder- gelegt und daS Weitere dem Wege der schriftlichen Correspondeuz vorbehalten worden ist.

Wien, 17. Nov. Während der Abwesenheit Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Ferdinand Max in Wien wird das einberufene Kunstcomite zum Baue der Votiv­kirche die Verhandlungen wegen Ausschreibung des Con- curses pflegen. Der k. österr. Gesandte am k. preuß. Hofe, Graf Friedrich v. Thun, ist gestern nach Berlin abgcreist. Der von London abberufene persische Ge­sandte, Schesi-Khan, welcher in Begleitung des Ge- jandtschaftSpersonalcS auf der Durchreise zwei Tage hier verweilte, ist heute nach Triest abgereist. Bekanntlich wird das Gouvernement der BundeSfestung Mainz alternirend von Oesterreich und Preußen besetzt und verwaltet. Mit dem nächsten Wechsel übernimmt das Gouvernement Preußen und wird Se. Hoh. Fürst von Hohenzollern- Sigmaringen als der Nachfolger Sr. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht genannt, welcher das Gouvernement seit 29. Oct. 1849 verwaltet.

Der Fürstbischof von Breslau, Herr Förster, ist hier eingetroffen, um sich Sr. Maj. dem Kaiser vorzu- steüen, da ein Theil der Breslauer Diöcese zu Oester­reich gehört.

Ueber die vor einiger Zeit im italienische» Tirol be­werkstelligte Verhaftung von vier Mazzinischen Emissären wird der A. Z. aus Trient geschrieben: Im Dorf Co­golo, Val die Pejo, Hinterthal des Sulzberges, ein Paar Stunden von der Landesgrenze, wurden sie im Wirthshause, wo sie übernachteten, von der Gendarme­rie überrascht. Jeder war mit mehreren falschen Pässen vielerlei Waffen und bedeutender Baarschaft versehen. Unter ihren Papieren fanden sich revolutionäre Pro- clame, Briefe an mehrere Bundesbrüder und eine Liste mit dreißig Namen. Offenbar waren diese Briefe und Adressen von einem in Südtirol nicht unbe­kannten Mann. Der ehemalige Kanzelist Clementi, nunmehr Mazzinischer Geschäftsträger ir der Schweiz (vielleicht der eben nach America lransportirte Flücht ling), gibt den guten Freunden in der Heimath seine unveränderte Zuneigung dadurch zu erkennen, daß er dieselben der Polizei als verdächtige Sud- stete bezeichnet oder durch Gensd'armerie Briefe an sie bestellen läßt. Mehrere Verhaftungen und Hausdurch­suchungen waren die Folge dieser Entdeckung; ob sich etwas für die Adressaten besonders Gravirendes vorge- funden, ist nicht bekannt. Unter den vier Emissären war ein fahnenflüchtiger k. k. Oberstlieutenant, seit 1848 in sardinischen Diensten. Sie wurden alle nach Innsbruck und dann zurück nach Mantua geschafft.

Nachrichten auS Venedig vom 16. und aus Genua vom 15. November zufolge war ein namhaf­ter und anhaltender Rückgang der Getreidepreise ein» getreten.

Einem Briefe von Czernowitz zufolge ist am 10. d. nach Gierga in der Moldau ein Transport von 100 gefangenen Türken gebracht worden. Auch in andern Städten sollen Gefangenen - Transporte untergebracht sein. Das Osten-Sacken'sche Armeekorps ist am 9. an drei Puncten über den Pruth gegangen. Es passirten vorläufig nur kleinere Colonnen, meist Kavallerie. DaS Hauptquartier sollte am 12. in Jassy aufgeschlagen werden.

Wie aus Constautinopel einem hiesigen Handels­hause berichtet wurde, hat die Pforte die Absicht,An­weisungen auf den Tribut der Moldau und Walachei" in Beträgen von 5 und 10 Piastern in Umlauf zu setzen, und würden diese Anweisungen, welche sich bereits im Drucke befinden sollen, besonders in den Fürsten- thümernbei weiterem Vorrücken des von Omer Pascha's in Circulation gesetzt werden.

Nach dem Schreiben eines glaubwürdigen Mannes aus Orsowa, welcher in Handelsgeschäften nach Bulga­rien gegangen und zurückgereist war, treibt sich der be­rüchtigte ungarische Räuber Rosza Sandor im Lager Omer Paschas umher.

Frankreich.

Paris, 18. Nov. Die Gesandten von Oesterreich, Preußen und Dänemark, sowie der Vertreter des heili­gen Stuhls, haben sich an den letzten Jagden und Festen zu Fontainebleau betheiligt. Ein Theil der Kanzlei der auswärtigen Angelegenheiten ist eben dahin versetzt worden, um den Befehlen des Kaisers um so raschere Folgen geben zu können. Es ist die Rede da­von , im dortige» großen Schloßhof (cour dhonneur) eine Erzbildsäule Napoleons I. vermittelst freiwilliger Beiträge zu errichten. Der Moniteur enthält einen Bericht über einen durch Erfolg gekrönten Handstreich, welchen der SchiffScapitän Saubin, Befehlshaber der französischen Station auf der Westküste Afrikas (am Senegal), gegen eines der volkreichsten Dörfer von Ebnie in Ausführung gebracht. Wie man hier wis­sen will, soll der Czar die Ernennung des Generals Baraguay d'Hillicrs zum französischen Gesandten in Constautinopel weniger ungern gesehen haben, als den Umstand, daß demselben ein größeres Gefolge von Of­fizieren aller Waffengattungen beigegeben worden. Fer­ner beschwere sich das St. Petersburger Cabinet über die . Anwesenheit der vielen französischen Offiziere im Gene- ' ralstabe Omer Paschas und vor Allem über die bekannte' Gewehrsendung, deren der Constitutionnel vor einigen Monaten gedachte, und über welche der Moniteur sich zu einer Erklärung herbeiließ. Wie sich bei Oltenitza gezeigt hat, scheinen diese Waffen nicht alt und schlecht, sondern neu und vortrefflich gewesen zu sein. Es soll nun von einer Sendung Horace Vernets nach Peters­burg die Rede sein. Dieses Gerücht ist sehr gewagt und hat seinen Grund wohl nur in dem Umstand, daß man noch - nicht vergessen hat, wie Vernet unter Lud­wig Philipp mit einer Sendung betraut war, und weiß daß er in Gunst bei dem Kaiser Nicolaus steht. Auf der Paris-Straßburger Eisenbahn sind bei Forbach in der Dunkelheit zwei Güterzüge aneinandergestoßen und acht Wagen vollständig zertrümmert worden. Um­gekommen oder verletzt wurde dabei glücklicherweise nie­mand. In der Nähe von Nantes hat man wieder ein Komplott meist junger Leute unter 18 Jahren ent­deckt , die sich bewaffnet versammelten. Ihre Leiter je­doch gehörten einem ganz anderen Alter an. Der vulkanische Boden in Frankreich ist noch nicht ausge­brannt, um so weniger scheint Frankreich geeignet, einen Weltkrieg zu beginnen.

v. Eckstein zeichnet die Situation mit folgenden Worten: Ein gewisses Trompetenschmettern, eine ge­wisse Ungeduld, ein gewisses Stampfen auf dem Kriegs­fuße war schon lange ersichtlich tu den Blättern, welche, wie die Patrie und der Constitutionnel, die Fahne des Kaiserthums in alle Lüfte schwingen. Diese kriegerische Ader zählt jetzt einen höheren Puls, und lehnt sich an die Sendung des Generals Baraguey d'Hilliers bedeu­tender an. Die politische Allianz zwischen England und Frankreich weist darauf hin, daß dieses Glühen genann­ter Blätter nicht mit einem Rheingelüste von ihrer Seite, nicht mit einem Appetit auf Belgien zusammen­hängen könne. Auch steht Piemont zu selbstständig da, ist mit der englischen Handelspolitik zu genau verknüpft, dazu noch in die italienischen patriotischen sowohl als revolutionären Gefühlen zu tief verflochten, als daß nach dieser Seite hin ein Augenmerk dieser Ungeduld sich in jenen Blättern offenbaren könnte. Der König von Neapel war der erste italienische Fürst, welcher durch eine specielle Sendung nach Marseille den zukünf­tigen Kaiser in dieser Handelsstadt begrüßen ließ. Von Zeit zu Zeit thaten sich jedoch Gerüchte von muratisti- schen Bewegungen im Königreich Neapel auf, auch fie­len kleine Irrungen zwischen der neapolitanischen Re­gierung und der französischen Gesandtschaft zu Neapel vor. Daraus hat man für die Zukunft auf eine Mög­lichkeit größerer Bestrebungen im Neapolitanischen schlie­ßen wollen. Aber das sind alles Dinge, die noch auf einem luftigen Blatte geschrieben stehen. Nur im Fall