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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Montag den 21. Uovemder

«8S3.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich, und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch fit den ganzen Umfang deS Lhurn- und TariS'schen BerwaltungSbezirks mit Inbegriff des PostaufschlagS 2 fl., tür die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostdereinS, wie für daS Ausland 2 ff. 24 fr. Inserate werden die vterspaltig Petitjeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung oon 1B. Friedri ch, Langgaffk 42, auswärts bei den tiächstgelegeiik» Postämtern, tu Machen.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten

Lebrer Scherer zu Camp ist am 30. October mit Tod abgegangen. Lehrer Weil zu Dahlheim ist zum Lehrer in Camp, Lehrer Molitor zu Höhn zum Lehrer in Dahlheim, Lehrer Massenkeil zu Ober- lahnstein zum Lehrer in Höhn, Lehrer G ö r g zu Wil senrolb zum Lehrer in Oberlahnstein, Lehrer Behr der Jüngere von da zum Lehrer in Wilsenroth, Lehrgehülfe Jäger zu Flörsheim zum Lehrgehülfe» in Oberlahn- stein, Lehrgehülfe Henrich zu Eitelborn zum Lehrise­hülfen in Flörsheim ernannt, und der mit Verfettung der zweiten Lehrgehülfenstelle daselbst seither beauftragt gewesene Schulcandidat Ullrich in gleicher Eigen­schaft an die Lehrgehülfenstelle zu Eitelborn dirigirt und mit Vorsehung der zweiten Lehrgehülfenstelle zu Flörs­heim der Schulcandidat Haßler zu Soden beauf­tragt worden.

Lehrer Wagner-zu Wallau ist zum Lehrer in Ro- dam Berg und Lehrer Gut von da zum Lehrer in Wallau ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Dom Kriegsschauplatz.

Aller der ungeheueren Anstrengungen ungeachtet, die von den Türken gemacht waren, um sich in der von ihnen befestigten Stellung bei Öltenitza zu behaupten, von der sie Bukarest und das Centrum der russischen Armee bedrohten, sind sie dennoch auf das rechte Do­nauufer zurückgeworfen worden. Noch haben wir keine Nachrichten über die Einzelheiten des Kampfes, der mit kurzen Unterbrechungen vom Nachmittage des 9. Novem­bers bis zum Morgen des 12. fortgedauert zu haben scheint. Bon verschiedenen Seiten und aus glaubwür­digster Quelle wird uns dagegen das Resultat gemel­det. Dieses war, daß Fürst Gortschakoff, nachdem er alle in der Nähe von Bukarest stehende russische Trup­pen , so wie selbst das zur Beobachtung der Festung Silistria bei Kalarasch ausgestellte Corps des Generals Anrep an sich gezogen, mit überlegenen Streitkräften gegen die von den Türken eingenommenen und mit schwerem Geschütz besetzten Verschanzungen von Olte- nitza vorrückte, die nach hartnäckiger Vertheidigung von I den Türken verlassen wurden, als die russischen Trup­pen im Begriff waren, dieselben dnrch eine in den Raum zwischen Öltenitza und der Donau vordringende Ab­theilung auch von dieser Seite her anzugreifen und dem türkischen Corps, dessen Stärke auf 25,000 Mann an­gegeben wird, den Rückzug nach der Donau abzuschnei- ' den. Da die Türken Zeit gehabt haben sollen, ehe sie | über die Donau zurückgingen, ihre Verschanzungen in Brand zu stecken, welche sonach ans brennbarem Mate­riale bestanden haben müssen, so scheinen sie nicht sehr lebhaft gedrängt worden zu sein. Das Wichtigste aber ist, daß sie überhaupt gezwungen worden sind, über die Donau zurückzuweichen, wodurch aller Wahrscheinlichkeit nach der ganze Fcldzugsplan Omer Pascha's vereitelt ist, da er nach dem Eintreffen des Osten-Sacken'schen Corps, welches zur Verstärkung des Fürsten Gortscka- koff in Eilmärschen anrückt, schwerlich den Muth haben wird, einen neuen Versuch zum Ucberschreiten der Do­nau zu machen, wenn der allmählich hereinbrechende Winter auch nicht eine gänzliche Einstellung der kriege­rischen Operationen zur Folge haben sollte. Uebrigenö haben die Russen nach den eingegangenen Nachrichten aus Bukarest vom 13. November ebenso wie bei Olte- nitza auch bei Kalarasch, nämlich dem Silistria ge­genüber gelegenen Kalarasch , und bei Giurgevo siegreich gekämpft. Bei dem erstgenannten Orte fand am 11. November ein Gefecht zwischen der Nachhut des Generals Anrep und den Türken statt, welche den Abmarsch des Generals nach Öltenitza benutzt hatten, um aus Silistria herauszubrechen, jedoch mit blutigen, Köpfen wieder über die Donau zurückgeworfen wurden. Bei Giurgevo, an dessen Besitz den Türken mit Recht am meisten gelegen ist, und daS sie daher seit dem 2. November wiederholt sowohl von der Landscitc, durch daS kleine Corps, welches von Tersendschik aus, zwi­schen Simnizza und Giorgovo, übergesetzt war, als von der Donau her angegriffen haben, wurde am 12. ein neuer Augriff zurückgeschlagen, der durch ein lebhaftes, jedoch wegen der weiten Entfernung unschädliches Feuer von den Batterien der Festung Rustschuk unterstützt wcw.

Das vielbesprochene erste Gefecht bei Öltenitza am

. 4. d., in welchem derMoniteur" vom 14. die Russen unter Dannenberg von den Türken zurückdrängen läßt, ward Veranlassung zu einem russischen Tagsbefehl an das 4. und 5. Corps, welcher binwiedernm behauptet, die Türken waren zurückgeworfcu worden. Russischer Seits werden jedoch beträchtliche Verluste zugegeben,

1 und General Dannenberg habe sich damit begnügt, die frühere Stellung ciuzunchmen, da eine weitere Verfol­gung des Vortheils und die vollständige Niederlage der Türken den voranssichtlich noch zu erleidenden Ver­lust nicht aufgewogen hätte.

Kalisch, 16. November. (Lloyd.) Die Türken ha ben dis jetzt, obgleich dieselben mit dem Ucberschreiten der Donau die Offensive ergriffen haben, weder Kra- jowa zu nehmen versucht, noch ist es denselben gelun­gen, die Straße nach Bukarest zu gewinnen, sie sind vielmehr wo sie dies versucht haben, zurückgeschlagen worden. Es ist bekannt, daß die von den ken er­griffene Offensive bei den Türkenfreunden viel Freude erregt, und daß der Uebergang über die Donau, wel- , cher von den Russen nirgends streitig gemacht morden, als siegreiches Vordringen betrachtet worden ist. Es ist aber für die Türken bereits ein schlimmes Zeichen damit eingetrcteu, daß die Russen denselben überall ein Halt geboten haben, und wir glauben keine irrige Vor­aussetzung auszusprecheu, wenn wir behaupten, daß schon die nächste Schlacht manche Illusionen der Tür- kenfreunde verscheuchen wird. Mit dem Eintreffen des Osten-Sacken'schen Corps dürfte die Bitterkeit derselben noch vermehrt werden. (Die Vorhut desselben ist be­reits in Jassy eingetroffen.) Wir wollen hier dem Leser sämmtliche an der Donau stehende russische Trup- pen nach oficiellen russischen Quellen zur Orientirung Vorführern Vom Lüders'schen Corps sind an die Donau zum Theil in neuester Zeit gerückt die 15. Infanterie- Division des Generallieutenants Maximvwitsch-Marinn. Diese besteht aus der Brigade des Generalmajors Ar- tamanoff mit den beiden InfanterieregimenteMo- blin" undPraga", und arrs- der Brigade des Gene- ralmajors Engelhardt III. mit den Jägerregimentern Lublin" undZamosc." Diese Truppen standen den letzten Nachrichten zufolge unweit Galacz. Ferner die fünfte leichte CavaUerie-Division des Generallieutenant v. Fischbach mit den UhlaiwnreZimenternOdessa" und Bug" unter dem Brigadegeueral Kvmar, und ben HusarenregimenternÄchtirka" undAlexander", welche I der Generalmajor Kensky commandlrN Hierzu gehört die fünfte reitende Artillcriebrigade unter dem Obersten Reisich mit den Bakterien Nr. 9 und 10; ferner die 15. Fuß - Arkilleriebngade sowie die Trainbrigade der 15. Infanterie-Division, was im Ganzen int Verhält­nisse zu den Truppen eine sehr zahlreiche Artillerie ist. Das Corps des Generallientcnants von Dannenberg I besteht aus folgend»» Truppen: Die 10. Infanterie- Division des Gencrallieutenants v. Soimonoff, beste­hend aus zwei Infanterie- und zwei Jägerregimentern. Diese Truppen haben am 9. d. M. die Türken von der Insel bei Giurgevo zurückgeschlagen. Ferner die

11. Infanterie-Division des Generallietcnanr Pawlow, ebenfalls aus vier Regimentern in einer Stärke von 15 bis 16 000 Mann bestehend. Diese Truppen haben die Türken bei Öltenitza zurückgedrängt. Endlich die

12. Infanterie-Division des Gencrallieutenants Liprandi mit den Infanterieregimenten:Asow" undDniepr" und den JägerregimenternOdessa" undUkraina." An Reiterei besitzt das Daunenberg'sche Co>ps ebenfalls wie jedes andere Jnfanteriecorps vier Cavalleric-Negi- meuter ; an Artillerie die vierte Artillenedivision des Generallientenant Sirtel mit drei Fuß - und einer rei­tenden Brigade und mehreren Positionö- und Trainbat- tericn. Diesem Corps sind auch Scharfschützen und Sappeure beigegeben, und außerdem zählt die russische Oecupationsarmee in der Walachei mehrere Kofaken- Regimenter. Wenn man diese Zusammenstellung mit einer früheren von den Russen gebrachten Angabe ver­gleicht, so geht daraus hervor, daß sich die Russen in - jüngster Zeit, d. h. im Monat November, bereits um 10,000 Mann in der Walachei verstärkt haben, was von einer solchen Macht wie Rußland freilich nicht viel sagen will, aber gegenwärtig doch nicht ohne Be­deutung ist.

Nach Berichten aus dem Fürstenthum Serbien hat Omer Pascha, wie derKöln. Z." aus Wien mitge- theilt wird, an die Regierung des Fürsten Alexander Karagyorgewic die Aufforderung ergehen lassen, die der Türkei in Kriegszeiten vertragsmäßig zur Benutzung freistehenden Etappenstraßen für ein demnächst aus Bul- garten nach Serbien einrückendes Truppencorps in Be

reilschast zu setzen und für die Verpflegung der Trup­pen die weiteren nöthigen Voranstalten zu trefft n, wid­rigenfalls dieses Truppencorps mit Gewalt der Waffcn den Durchgang erzwingen würde. Man glaubt somit, daß es in Omer Pascha's Absicht liegt, durch ein an­sehnliches Corps nicht nur der Ruhe des Fürstentbums sich zu versichern, sondern auch die ununterbrochene Ver« bindung mit der Festung Belgrad herzustellen, um die­ses feste Bollwerk der türkischen Macht gegen einen Handstreich, gleichviel, von welcher Seite er ausginge, zu sichern. Weiter dürfte es in dem türkischen Opera- iionsplane liegen, bei Orsowa einen Donauübergang auszuführen, um den ganzen rechten Flügel der russi­schen Armee zu überflügeln und diese somit zum Rück­züge zu zwiugen. Die serbische Regierung hat dem Vernehmen nach diesen Antrag entschieden abgelehnt und erklärt: Serbien werde seine Neutralität zu wah­ren wissen. Alle LandeSsestungen werden von serbischen Truppen stark besetzt gehalten; in Alt-Serbien ist der größere Theil deS serbischen Militärs concentrirk.

Aus Belgrad wird derOstdeutschen Post" un­term 12. November geschrieben:Die bosnischen Tür­ken stehen noch immer an bet serbischen Gränze unweit Uczica (?) versammelt und sind im Begriffe, eine Brücke über die Drina zu schlagen. Die fürstlich serbische Re­gierung, fest entschlossen, die ihr sowohl russischer als türkischer Seils garantirte Neutralität streng zu wahren, hat längs der türkischen Gränze ihren Cordon entipre- chender Maßen verstärkt und ist bereit, etwaige Ein­fälle in ihr Gebiet mit Nachdruck zurückzuwcisen."

Wie», 19. Nov. (F. Bl.) Fürst Gortschakoff ist in sein Hauptquartier zu r ü ck g e k e h r I. Die Russen beabsichtigen jetzt gegen die kleine Walachei vorzurücken, in welcher die Türken noch bei Ka­la f a t stehen.

Deutschland

* Wiesbaden 21. Nov. Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung ist die Anklage gegen Anton Win­ter, 41 I. alt, früher Bäcker jetzt Fuhrknecht und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Emmelbeinz, 52 I. alt, wegen Verletzung des Offcnbaruiigseides, welchen die­selbe» in Folge des über ihr Vermögen eröffneten Con- curses bei der b Laiidobersch. Eltville abgelegt haben. Die genaiinicn Eheleute ließen sich eine. Verletzung des erwähnten Eides in der Art zu Schulden kommen daß, sie vor erfolgter JnnenkarisiruNg ihres Vermögens Mo­bilien und Hansgeräthe (92 verschiedene Stücke) ult Weith von 40 fl. 2 kr. verbracht und nicht angegeben haben. Anton Winter ist dem Brandweintrinken ergeben, sonst werden beide Eheleute als fleißige, aber geistig sehr gering befähigte Personen geschildert. Die Verband- leitel Hr. Hofgerichtsrath Jeckel», als Staatsanwalt sungiit Hr. Slaalöprocnrator - Substitut Flack, als Vertheidiger Herr Procnrator Dr. Leisler jun.

T äViesbadeu, 20. Nov. Die Hygiea hat ihre Uebeisicdelnng vom Kochbrnnneiiplatz auf ben Kranz­platz nunmehr beendigt und scheint sich dieselbe in ihrer neuen Umgebung weit behaglicher als in der früheren zu befinden. Im Publicum ist man mit dieser Ver- äliderung sehr zufrieden, nur bedauert man, daß mau nicht anfänglich die für die jetzige Aufstellung fraglicher Statue sich ausgesprochene öffentliche Meinung und den Rath Sachverständiger berücksichtiget hat, wodurch der Stadtcasse die nicht unbedeutenden Kosten für die Traus- ferirung erspart worden wären. Möge es nun auch von entscheidender Stelle beliebt werden, dem der Stadt zur Zierde und Ehre gereichenden Moiiumente durch eine passende Einfriedigung den so dringend nöthigen Sckutz zu gewähren, so wie den bisher höchst ftiefmüh terlich behandelten Kranzplatz, welcker durch dies Mo­nument eine höhere Bedeutung erhalten hat, in cuth sprechender Weise planircu und ringsum mit einem ge­pflasterten Trottoir versehen zu lassen. Eine solche Ver­besserung und Verschönerung besagten Platzes würde sowohl vom hiesigen als auch vom Cnrpublicnm dank­bar anerkannt werden.

~ Bad-Guls, 18. Nov. Die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden hat de» Hrn. Hofrath Dr. Spengler dahier zum coirespondirenden Mltgsicdeals Zeichen ihrer Hochachtung wissensckast- liche» Verdienstes" erwählt.

Dillenburg, 18. Nov. Die auf heute und morgen auberaumte Assienverhandlung gegen Amaite Kausaus aus Wald, wegen Kinbesmord, wurde bis zum nächsten Quartale vertagt, da mehrere aus dem Aus­lande geladene Zengen nicht erschienen waren.

Darmstadt, 18. Nov. DieSannst. Z»^" be-