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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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2V" 292, Freitag dm 18. November MS3.

DieUaff-Mck>r ®Ugcmtii* Zkitnnn" mit dem betktrifHfdien BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonnraftS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem n ien Postregulariv nunmehr auch âr den ganzen Umfang des Ldurn» und TariS'schen Perwalt«ngsbc,irls mit Znbrgriff deS voNsussSiaqS 2 «., für die übrigen Länder des teutfd><bfferrni6if<8#isPosiderrins, wie für daS kinsland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die »ierspaltig Petitjeilr oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auâwärtS bei den nächstgelegenen Poüämtern, zu machen.

Vesterreichs Neutralität.

Als eins der wichtigsten Motive der strengen Neu­tralität, welche Oesterreich bis jetzt in dem russisch tür­kischen Jnteressenstreite zu beobachten für gut befunden hat, glaubt dasPreuß. Wochenbl." diebekannten" Finanzverlegenheiten des Kaiserstaates bezeichnen zu müs­sen. Daß es den preußischen Pnblicisten mit der Hin­stellung eines solchen politischen Motivs nicht Ernst ge» meint sei, ergibt nicht nur ein vergleichender Rückblick auf die Jahre 1809 bis 1813, in welchen die unab­wendbaren Finanztalamitäten das Silberagio schwankte zwischen 220 und 500 Procent die österreichische Regierung nicht abhielten, zur Befreiung Deutschlands vvn fremdem Jocke die Initiative zu ergreifen und un­ter erschöpfenden Anstrengungen im Heilen Kampfe auö- zuharren bis nach Vollendung des Werkes, sondern viel­mehr noch eine einfache Hinweisung auf die Finanzver- Hältnisse der Türkei, die ungeachtet ihres beispiellosen Verfalles und Miscredits doch noch die Entfaltung ei- nrr imposanten Kriegsmacht erlauben. Und Oesterreich, dessen Staatseinnahmen sich yi den lebten 20 Jahren nahezu verdoppelt haben (sie betrugen 121 Millionen Gulden im Indre 1831 und 226 Millionen im Jahre. 1852), und dessen industrieller Flor im Anfänge seiner Entwickelung begriffen ist; Oesterreich sähe sich seiner Finanzverlegenheiten wegen zu einer beklagenswerthen Unthätigkeit verdammt, ivenn angeblich seine Slaatsin- teressen durch die Vorgänge in den türkischen Provinzen gefährdet werden?!

Nein, diese Annahme beruht auf einem zu geringen Verständniß der thatsächlichen Verhätlnisse, um von ir­gend einem Einsichtigen getheilt zu werden. Indessen ist in der letzten Zeit die stereotype Phrase von der traurigen Finanzlage Oesterreichs" von norddeutschen Preßorganen so oft in gedankenloser Abschreibemanier wiederholt worden, daß eine Vergleichung dieser trauri­gen Läge mit den analogen Glücksverhältniffcn anderer Staaten und Länder nicht weniger Belehrung, als In­teresse bieten dürfte.

Man gelangt zu einer klaren Uebersicht der Finanz-

verhâltniffe sämmtlicher europäischen Staaten

am rasche-

sten, wenn man den

Antheil

berechnet, welcher zur

Deckung der jährlichen

Staatsbedürfnisse in

den ver-

1 (siebenen Ländern per

Kopf

der Bevölkerung aufzu-

bringen ist. Bei dieser Untersuchung zeigt es sich denn,

daß nach den für die

Jahre

1852, 1853 und 1854

angenommenen oder bewilligten

Budgets in ihrem Ver-

bältnisse zu den derzeitigen resp. Bevölkerungen auf den

Kopf der Bevölkerung entfallt eine Steuerlast

in Hamburg

. von

20 Thlr. 17* Sgr.

Braunschweig

//

14 28

ff

Frankfurt .

ff

12 229

ff

Großbritanien

12 18*

ff

Bade» . .

n

12 15°

ff

Bremen

ff

12 ll3

ff

Frankreich .

ft

11 v 9'

ff

Sardinien .

* n

8 58

ff

Belgien

),

8 3*

ff

Lübeck . .

ff

7 14

ff

Kurhessen .

ff

7 0

ff

Mecklenburg

ff

6 10

ff

Kirchenstaat

6 6

ft

Preußen

ff

6 -

ff

Nassau . .

ff

5 20°

ff

Großherzogt. Heffen

5 6"

ff

,) Bayern . .

ff

4 23'

ff

Hannover .

ff

4 17"

If

Oesterreich

ff

4 17*

ff

Spanien. .

ff

4 15"

n

Dänemark .

ff

4 91

ff

Sachsen . .

ff

4 5

tr

Württemberg

n

4 r

fr

Oldenburg .

ff

3 14'

fr

Griechenland

y

3 IP

ff

Portugal

ff

3 6"

ff

Niederlande.

ff

2 1"

ff

Schweiz . .

if

1 27

ff

In diese Tabelle, welcher nicht die Einnahme-, son-

der« die resp. Ausgabebudgets

der letzten

Jahre zu

Grunde gelegt sind, weil eben

nur diese den richtigen

Maßstab für die erforderlichen Leistungen der Conlri-

buenten abgeben, haben die Finanzauswege

von Ruß-

land, Schweden, Norwegen und

der Türkei, ihrer eigen-

Ihümlickeu Verwaltungsverhältnisse wegen,

nicht mit

einbezoaen werden können. In

vchwedcn erhalten nickt

allein der größte Theil

des Lanbheercv, sondern auch

eine Menge Civilbeamte ihre Einkünfte aus bestimmten

Krongüteru, welche nicht in das Budget ausgenommen j werden. In Rußland und der Türkei kann die Bc- 1 steuerung auf resp. 1 Thlr. 23 Sgr. und 2 Tblr. an­geschlagen werden, eine Angabe, die freilich nur sehr re­lativen Werth hat. Das Ausgabebudget der Vereinig­ten Staaten von Nordamerica bedingt eine Besteuerung von 3 Thlr. 5 Sgr. per Kopf der Bevölkerung, wäh­rend bekanntlich ein Theil des Bedürfnisses aus dem Verkauf der StaatSländercien gedeckt, ein anderer Theil aus den zu diesem Zwecke von vornherein reich dotirten Communalfonds bestritten wird. Mit Rücksicht auf die eintheilungsweise mitgelhcilleu Bemerkungen ergibt sich aus voranstehender Tabelle, daß in Oesterreich zur Be­streitung des Budgets, selbst in seiner gegenwärtigen außerordentlichen Höhe, eine Abgabenlast zureicht, wie sie in wenigen europäischen Staaten so gering angesetzt werden darf. Der mögliche Einwurf, daß die Steuer- kraft der österreichischen Contribuenten selbst bei diesem geringen Ansatz bereits zu sehr angespannt ist, wider­legt sich am besten wohl von selbst durch die Erfahrun­gen der letzten Jahre, denen zufolge die Staatseinnah­men im raschen Wachsthum begriffen sind.

Eine andere, wenn von österreichischen Finanzver­hältnissen die Rede ist, öfters vorgebrachte, nichts desto- weniger aber gedankenlose Behauptung betrifft die an­geblich außerordentliche Höhe der dortigen Staatsschul­den. Auch für dieses Zahlenverhältniß wird eine ver­gleichsweise Zurückführung der europäischen Staatsschul­den ans den Kopf der Bevölkerung nicht minder beleh­rend, als interessant sein.

Nach den letztjährigen officiellen. Ausweisen vertheilt sich das Slaarsschuldeu-Capital auf den Kopf der Be-

Völkerung:

in Großbritannien

mit

184 Thlr.

15

Sgr.

//

If

Hamburg Frankfurt

II

If

178

100

tf

II

19"

If

ff

Lübeck

ff

92

ff

17'

If

ff

Spanien

ff

52

If

6"

II

Frankreich

n

44

II

23

n

Belaien

if

39

ff

10

tf

ff

Dänemark

tr

37

n

if

H

Mederlande

V

35

ff

21°

ir

H

Braunschweig

if

34

ff

29

tf

ff

Kirchenstaat

st

34

II

15"

ff

w

Sardinien

tr

28

If

19*

ft

If

Baden

ff

26

If

5"

ir

ff

Portugal

ft

24

If

20°

fi

ff

Oesterreich

p

24

ff

1«

ff

ff

Sachsen

fi

21

ff

2

if

ff

Hannover

if

20

II

23

ir

ff ff

Mecklenburg Baiern

ir

if

20

17

If

ff

15

ir

ff

Kurhesseu

tr

17

If

6"

ir

If

Würtemberg

ir

16

ff

81

ft

II

Griechenland

V

15

II

18"

if

V

Nassau

ff

13

If

26°

w

W

Preußen

ir

13

f/

90»

ir

II

Großh. Hessen

ll

12

If

12"

if

ff

Oldeiiburg

if

6

ff

5'

//

If

Rußland

ll

9

II

Nordamerica 4

Türkei 2

Vcirtlchlttnd

* Wiesbaden, 17. Novbr.

If ff

(Asstsenverhandlnng

gegen Peter Joseph Wollmerschcid von Nastätten, wegen Meineid.) Der Angeklagte wurde von den Ge­schwornen für. schuldig befunden und von dem Assisen- Hofe zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren, so wie in die 78 fl. betragenden Untersuchungskoalen verurtheilt.

* Wiesbade», 18. Novbr. (Gegenstand der heutigen Assiseuverhandlung ist die Anklage gegen Hein­rich Kowald von Würges, 46 Jahr alt, Förster, we­gen Mordes.

Die Verhandlungen leitet Assiscupräsident Trepka, als Staatsanwalt fungirt Staalsproeuralor Rcick- mann, als Verheidiger des Angeklagten Procuralol L a 11 g.

* Es ist der Mühe werth, zu bemerken, daß im Jahre 1807 die Russen sich auch in der Moldau und Wala­chei festgesetzt hatten, ohne eigentliche Kriegserklärung und indem sie fortwährend friedliche Versicherungen er­theilten. Napoleon war damals durch den General Sc- bast, am in Slambul vertreten. Dieser gab der Pforte folgenden Opcrationsplan an. Die türkische Armee, die bei Schumla eouceutmt war, sollte in die Dobrud- scha, den nördlichsten, zwischen der Donau und dem schwarzen Meere belegenen Theil von Bulgarien, vor-

rücken, bei Galacz, der damaligen moldauischen Festung, über die Donau gehen und eine starke Stellung auf dem linken User des Sereth einnehmen; während der Pascha von Rustschnk die Russen in der Front auf der Seite von Bukarest angreifen und der Pascha von Wid- din auf Krajowa in der kleinen Walachei rücken, an der Aluta aufwärts marschiren, sie überschreiten und den Feind von der oberen Walachei her umgehen sollte. Die Türken führten den Plan aus, und der russische Evmmandirende, Michelson, mußte Bukarest und die Walachei räumen und sich nach Fokschaui zurückziehen. Denselben Plan verfolgt jetzt, wie eS scheint, so weit die veränderten Verhältnisse es zulafsen, Omer Pascha.

Dillenburg, 15. Nov. (Assiseuverhandlung i gegen Friedrich Müller von Alpenrod, wegen Raubs.) , Präsident: Hr. Hofgericktsrath von. Bierbrauer, , Staatsanwalt: Hr. StaatSprocuralor Lantz, Vcrthcidi« ; gor: Hr. Procniator Schenck.Friedrich M ülle r, | früher Gerichtsvollzieher, ist angeklagt, am 27. Juni , l. J. dem Bürgermeister Müller von Enspel im . Waide bei Büdingen aufgepaßt, ihn beim- Eintreffen da- j selbst angefallen, zur Erde geworfen und seiner Baar- ; schaft in ungefähr 3 fl. 40 kr. bestehend beraubt zu- : beii. Der Angeklagte traf am oben genannten Tage ; den Bürgermeister Müller im WirthShause zu Alpen- , rod, trank hier mit ihm, und sah, als derselbe bezahlte, , daß dieser noch weiteres Geld bei sich hatte. Er nahm , sich deßhalb vor, dieses ihm abzunchinen, ging voraus, . überfiel und beraubte ihn. Den Geschwornen scheint , die Thatsache nicht klar genug geworden zu sein, denn sie beantworteten die gestellten Fragen mehrmals un- richtig. Schließlich verneinen sie -es, daß der Angeklagte ) Gewalt bei der Wcgimhme des Geldes angewandt habe und wird daher auch nur, da cs dann nur ein einfacher Diebstahl bleibt, eine 14tägige Gefängnißstrafe erkannt, , wogegen indessen die Staatsbehörde sofort Cassation einlegt.

Den 16. Nov: (Assiseuverhandlung gegen die Wittwe des Johannes Knecht von Diez wegen Kindesmord.) Präsident: Hr, Hofgerichtsdirector Ebhardt, Stüats- anwalt: Hr. Slaaksproc. L a n y, Vertheidigert Hr. Proc. Schenck. Die Verhandlungen finden im Interesse der Sittlichkeit bei verschlossenen Thüren statt und wird die Angeklagte von den Geschworenen schuldig erkannt zu einer Zuchthausstrafe von 8 Jahren und zum Ersatz der 167 fl. 29 kr. betragenden Kosten verurtheilt.

O Hochheim, 17. Nov. In Nr. 270 dieser Blätter wird in einem Artikel aus Wiesbaden der Selbstmord des Georg Hofmann von hier in einer Weise erzählt, welche selbst bei denen, welche volitische ] Gegner Hofmanns waren, wozu Einsender selbst gehört^ . keine Billigung findet; denn Leute, welche mit Hofmann Umgang hatten, wissen, daß derselbe seither nie ohne Geld gewesen ist, und ebenso, daß er sich dieses Geld , durch ausdauernde Arbeit selbst verdiente, indem er nickt allein für Procuratoren copirte, sondern auch als Rechtspracticant sungirte. Hofmann war ein kinderloser , Wittwer, und darüber, ob derselbe von seinen Verwand- ; len verlassen gewesen ist, kann selbst hierorts Niemand etwas 9iähercs auSsagcn. *) ,

Frankfurt, 12. Nov. (H. C.) In der Bundes- tagSsitzung vom 10. d. wurde über den Antrag aus Pensiouirung des Contre-AdmiralS Brommv, des Haupt- i manuS Weber und des Marine-Rathes Jordan abge- i stimmt, uub derselbe, zu dessen Annahme Einstimmig- , feit gehört hätte, durch eine bedeutende Mehrheit ab« gelehnt. Von dieser wurde u. A. hcrworgehobcn,daß i die Genamiten einen Rechtsanspruch nickt hatten, wie < schon in dem Buudcsbeschlussc vom vorigen Jahre liege, i daß also höchstens Wartegeld auf ein ferneres? Jahr t batte beantragt und beschlossen werden können. Es sei i nicht zu erkennen, warum gerade diese drei aus einigen - vierzig, die ganz in demselben Falle wären/ heranSge- i hoben und vor den übrigen bcgnnstiat werden sollten." f

Die durch Senats beschloß aom 23. Mai d.. I. zi. ( samlueugetretene gemischte Commission des Rechucl Am« ' tes und des Bankaussckusses wegen der vom Sena e i an den Bankstaluten vorgenhlagenen Aeuderungen hat : ihre Arbeit beendigt; der Bericht ist von Seiten dG : Rccknci-Amtes am letzten Dienstag dem Senate über* ; geben worden. Die Ermmission hat sich über die

*j Der bete. Artikel ist uns von einer Person zugegan^cn welche irrer H 's Perbälikisc gut unterrichtet'sein konnte. Vaß übriaenv -^. i n Maun oh' c festen Charakier n o e Reli« ' glvn . cwcsen sein inuß , wüt aus feiner le^enThat" vcroor, t vie nur bei völliger geistiger und sittlicher Haltlosigkeit mög- j lich ist. ' Anm. d. Red.