dessen Aussagen das hochverrätherische EinverKändniß der Reaction mit dem Ausland hervorgehe. Man fand bei ihm einen Empfehlungsbrief des „Patriota" an den Berner „Oberländer Anzeiger". In Folge der von ihm gemachten Enthüllungen sind laut einer telegraphischen Depesche des „Schwab. M" drei Decane (Pfarrer?), ein Apotheker und der Drucker des „Pairiota" verhaftet worden.
Belgien
Brüssel, 13. Nov. Der Prinz von Chimay, welcher von dem Kaiser der Franzosen nach Fontaine« bleau zu einem neuntägigen Aufenthalt nebst der Prinzessin, seiner Gemahlin, eingeladen worden, hat vor seiner Abreise nach eine Privataudieaz bei Sr. M. dem König gehabt.
Dänemark.
Kopenhagen, 12. Nov. (H. N.) „Flyveposten" schreibt: Es geht das Gerücht hier in der Stadt, die schleswigsche Ständeversammlung sei aufgelöst worden. Auch „Dagbladet" ist eine Nachricht aus Flensburg vom 9. Nov. zugegangen, daß man dort die Auflösung der Stände erwarte. In Veranlassung des vor einigen Tagen mitgetheilten Ministerialschreibens an die Stän« deversammlung hatten am 9. November 23 Mitglieder eine Erklärung eingereicht. (In Hamburg wußte man am 13. noch nichts von einer Auflösung.)
Großbritannien.
London, 12. November. Kapitän Ingraham hat in mehreren americanischen Blättern eine Erklärung veröffentlicht, worin er sein Erstaunen und Bedauern darüber ausspricht, daß man ihm einen solchen Mangel an gentlcmännischer Erziehung zugeschrieben habe, wie die meisten Schilderungen des Vorfalls in Smyrna voraus- setzen lassen. In der ganzen Unterhandlung zwischen ihm und Hrn. Schwarz, dem Capitän des „Hußar", sei kein unhöfliches Wort gefallen. Nach der unangenehmen Affaire habe der österr. Offizier die Flagge Jn- grabam's salutirt, der den Gruß erwiderte und sich an Bord des Hußar begab, um für die bewiesene Artigkeit zu danken. Capitän Schwarz habe darauf den Besuch erwidert. Beide Theile hätten in der Meinung gehandelt, nichts als ihre Pflicht zu thun, und einander keine andern als patriotische Motive zugeschrieben.
Rußland.
Der „Allg. Z." wird aus Petersburg vom 1. November geschrieben: „Daß es der Regierung ernst ist, geht aus der Kenntniß vom Charakter des Kaisers hervor. Die Rüstungen sind kolossal; die dießjährige Rekrutirung war imposant, und der Befehl an die Universitäten alle Kronstudenten vor Beendigung ihres Kurses zur Armee zu senden, läßt auf die Formirung zahlreicher neuer Cadres schließen.
Der Kaijer hat, wie die „Nat. Z." erfährt, sich dahin ausgesprochen (und bereits den Höfen notificirt), daß, so lange die Türken auf dem linken Donauufer und der Sultan die erlassenene Kriegserklärung nicht zurücknimmtj, von keinen weiteren Unterhandlungen auf dem bisherigen Vermittelungswege die Rede sein könne.
Donaufürttenthümer.
Bukarest, 6. November. (Frankf. Post-Zeitg.) Daß die türkischen Truppen sowohl bei Giurgevo als bei Oltenitza Angriffe auf die Russen gemacht (am er- stern Platze den 2., am letzgenannten den 4. b. M.) werden sie bereits auf telegraph. Wege erfahren haben. Inzwischen sind alle diese Affairen noch nicht von jener Bedeutung gewesen, wie sie ihnen die hier geängstigte öffentliche Meinung im ersten Augenblick beigelegt hat. Von Giurgevo sind nur etwa 70 Mann Verwundete hierher gebracht worden. Sonderbarerweise hatten die Russen die Mehrzahl ihres schweren Geschützes nach Purlu, ta, zehn Meilen von der Donau, bringen lassen und sie standen daher der osmanischen Artillerie gegenüber , die sich auf einer Donauinsel bei Smirda verschanzt hat und aus 24 Pfündern feuerte, in offenbarem Nachtheil. Don Oltenitza her wurde ein ziemlich heftiger Kanonendonner vernommen, welcher 5 Stunden dauerte. Aber auch hier scheinen sich nicht so große Massen Streitender gegenüber gestanden zu haben, als der erste Ruf verkündet bat- Es ist zweifelsohne im Plane der Russen, den entscheidenden Kampf erst mehr im Innern des Landes abzuwarten. Die Kaufmannschaft und alle hiesigen Zünfte haben Deputationen an den provisorischen Abministrationsrath geschickt, er möge sich bei'm Fürsten Gortschakoff dafür verwenden, daß die walachische Miliz nicht unter russische Befehle gestellt wird. Bald darauf hat der Oberbefehlshaber 2 von den vier Kanonen, welche die heimische Garnison in Bukarest hatte, vor die Hauptwachc der Russen stellen lassen. — Auch die fremden Zeitungen stehen bei uns nun unter Censur und werden oft erst nach einigen Ta gen ausgegeben. — Ein eigentliches Kriegs- oder Stand- recht ist in der Walachei noch nicht proclamirt worden, sondern es ist nur für besonders angeführte Uebertre- tungsfälle das militärische Justizverf'ahrcn angeordnet. Die Leute verstehen aber häufig unter dem Kriegsgerichte überhaupt das Standrecht. — Der junge Janku
Philipesku, Sohn des Finauzministers, hat auf der Stelle das Land verlassen müssen, und er hat es nur besonderen Rücksichten zu verdanken, daß nicht Schlimmeres über ihn verhängt wurde. Dieser junge Mann war in den Jahren 1848 und 1849 mit der konstitutionellen Partei des Landes verflochten and wurde damals auf Anforderung der Russen in die Türkei verwiesen. Dieser Vorfall machte einen um so tieferen Eindruck auf alle Bojaren, als Fürst Gortschakoff in Gegenwart aller walachische» Minister bei'm russischen Generalkonsul, Herrn von Kaltschinsky, erklärt hat, daß er hinsichtlich des Kriegsgesctzes keinen Unterschied zwischen ihnen und den Lauern machen werde.
Die neuesten Berichte aus Belgrad melden, daß der regierende Fürst von Serbien einen seiner Oberoffiziere nach Constantinopel gesandt hatte, um dem Divan die Lage dieser Provinz auseinander zu setzen, und sich mit demselben über die Vertheidigungsmittel für den Fall, daß die Türkei von dieser Seite her angegriffen würde, zu verständigen.
Nach zuverläßlichen Nachrichten befinden sich in den Fürstenthümern wenig über 80,000 Mann russischer Truppen, die Stärke der auf russischem Gebiet befindlichen gewissermaßen als zweite Operationslinie nach der Donau ausgestellten Truppen soll jedoch nahezu 90,000 Mann betragen.
Cürkei.
Der „Jndenpedance Belge" wird aus Constantinopel unterm 31. October geschrieben: „Heute oder morgen erwartet man die Antwort des Kaisers von Rußland auf den letzten Vermittlungs-Vorschlag (Andere nennen ihn ein Ultimatum) der Kabinette von Paris und London. Trotz der Versicherungen Lord Red- cliffe'S, dem es gegenwärtig eben so sehr um den Frieden, wie früher um den Krieg zu thun scheint, glaubt man hier nicht daran, daß diese Antwort friedlich aus- fallen werde." Nach Erwähnung der ersten Feindseligkeiten an der Donau heißt es dann weiter: „Es ist hier von weit ernsteren Gefechten die Rede, welche an der georgischen Gränze Statt gefunden haben sollen. Auch heißt es ein russischer Kriegsdampfer sei im schwarzen Meere sehr übel mitgenommen worden, als er in Schußweite an einem türkischen Fort vorüberfahren wollte. DaS österreichische Geschwader, welches sich an- schickte, nach Venedig zurückzukchren, hat den Befehl erhalten, sich nach Smyrna zu begeben, wo es dem Vernehmen nach noch Verstärkungen erhalten soll. Eine Fregatte und eine Corvette sind bereits in jenem Hafen angekommen. Auch Sardinien hat die Zeitumstände benutzt, um seine Flagge an unserem Strande wehen zu lassen. Wir erwarten hier jeden Augenblick zwei Fregatten, welche in aller Eile zu Genua ausgerüstet worden sind. Halil Pascha, Schwager des Sultans, hat seine Entlassung als Gouverneur von Brussa eiiigcreicht. AlS Beweggrund seines Rücktrittes hat er dem Vernehmen nach angegeben, daß sich bei der gegenwärtigen mißlichen Lage des Schatzes die 'Hälfte der Verwal- tungökosten ersparen lasse, wenn jene Provinz, statt durch einen Gouverneur, blos durch einen Vice-Gouverneur regiert werde."
Zur Kritik der Asiatischen Kriegs- und Siegesmeldungen bemerkt die „N. Pr. Z." : Nicht allein au der Donau haben Feindseligkeiten stattgesundeii , auch von dem Asiatischen Kriegsschauplätze wird Aehnliches berichtet. Zunächst wollen wir uns mit diesem Kriegs- theater beschäftigen und hinsichts der Schlacht bei Bat- tum bemerken, daß Russischer Seits dort gewiß nur geringe Streitkräfte stehen, weil der ganze Landstrich sich nicht zu großen Operationen eignet. Ueberdieß begünstigt dort der morastische Cbaracter der Küste endemische Sumpffieber von schlimmster Wirkung. — Ferner wird berichtet, „daß Selim Pascha sechs Meilen weit siegreich über die Russische Grenze vorgedrungen, das Lager von Erzerum aufgehoben und das ganze Heer auf der Grenze, mit den Hauptquartieren in KarS, Bayazet, Tfchuruk-Su und Ardagan, ausgestellt worden sei." Gern glauben wir, daß der Pascha seine Truppen auS dem Versammlungslager bei Erzerum hat nach der Grenze abrücken lassen, aber die genannten Orte liegen, so weit sie überhaupt zu ermitteln sind, sämmtlich noch diesseits der türkischen Grenze. Ueberhaupt ist gegen die Nachrichten aus Asien verdoppelte Vorsicht rathsam. Man erwäge, daß die Russischen Amtsberichte bei dem großen Umwege, den sie nehmen müssen, nur äußerst spät zugänglich werden und, Privat-Correspon' Deuten weder in Georgien, noch Armenien zu finden sein möchten. Alle Nachrichten von dorther kommen daher über Constantinopel, wo sie für Europäische Gaumen schmackhaft zugerichtet werden durch Leute, welche recht wohl wissen: qui vient de loin a beau mentir.
An der Spitze der gesammten Civil- und Militär- Verwalung des oSmanischcn Reiches steht bekanntlich der Großvezier, der in dieser seiner Eigenschaft Den Namen Sadre-Assam führt und den geheimen Staatsrath präfi- dirt. Zu dieser höchsten Würde in der Rangstufe der türkischen Militär- und Beamtenhierarchie, welche bereits im Jahre 1735 der Hcdschira eingeführt wurde, hat die Gnade des Sultans am 13. Mai 1853 Mustapha Pascha ernannt. Dem Vezier, welchem alle Minister
des Reiches untergeordnet sind, steht zunächst, wenn gleich nicht an Macht so doch an Einfluß und Würde, der Mufti als Chef der religiösen und gerichtlichen Korporationen, der Wächter und Ausleger des Gesetzes — in dieser Eigenschaft der „Alte des Islam" — „Scheikhul- Islam" genannt, obwohl er selbst wieder Priester noch Gerichtsperson ist. Es bekleidet diesen Posten gegenwärtig Arif-Hikmet-Bey-Effendi, welchem so wie dem Vezier officiell' die Titulatur „Hoheit" zukommt. Den nächsten Platz in der türkischen Rangliste , nehmen die Muchire (oberste Beamte) ein, zu welchen $ vor allen Uebrigen die 11 Staatsminister und einige , Minister ohne Portefeuille zählen. Kriegsminister — „Seraskier" — ist seit ungefähr anderthalb Jahren Mehmed Ali Pascha, der Schwager deS Sultans. Marineminister — „Kapudan Pascha" — ist seit 1 Jah- ( Mahmud Pascha. Justizminister — „Akhiam-adliö Ressur — Rifast Pascha seit 1853. Minister des Auswärtigen — „Kharidschije-Nassiri" — Reschid Pascha seit 1853 ’ Finanzminister — „Umuri-Malie Massiri" — Safetti Bei. Handels- und Ackerbauminister — Namik Pascha Polizeiminister — „Sabtijie-Muschiri" — Chaireddin ; Pascha. Minister des Innern — „Musteschar" — ! Chevket Bei. Kultusminister — „Evkaf Nassiri" — i ist Siver Effendi, zugleich Director aller wohlthätigen j Stiftungen so wie der Moscheen und Kirchengüter. i Großmeister der Artillerie und Generalinspector der i Festungen ist Achmed Fethi Pascha, ein zweiter Schwa- j ( ger des Sultans. — Endlich sind Minister ohne Porte- | : feuille: Arif Pascha, Ali Pascha, Mehemed Rudschi Pascha, Riza Pascha und Reuf Pascha. Erster Dolmetsch der Pforte ist Nurredin Bei; Großreferendar i des Divans, Mahmud Bei; Schatzmeister, Cherif Effendis An der Spitze des Staats- und JustizhofeS deS sogenannten „Hohen Rathes" steht Rifaat Pascha, der als Präsident von Rechtswegen Mitglied des g. Rathe- ist. Den Kriegsrath präsidirt Mohamed Pascha uiid der Rath, der Admiralität besteht aus 7 Mitgliedern, an deren Spitze Naghib Pascha als Admiral. ES ist übrigens anderweitig her bekannt, daß die Staatskanzlei, der Divan, außerhalb des eigentlichen ReichsratheS steht. Der Divan begreift nämlich 5 Range Beamte, von denen der höchste nur der eines Ferck ist. Die i türkische Armee besteht gegenwärtig aus 6 Corps, deren Generalquartiere in Scutari, Monastir, Kharbrut, Da- mascus und Bagdad belegen find, und welche unter der Anführung von Mehemed Ruschdi Pascha, des Se- raskiers Omer Pascha, Abdi Pascha, Wastif Pascha und Mehemed Reschid Pascha stehen. Unter dem Capudan Pascha als Großadmiral stehen 5 Admirale, nämlich: Achmed Pascha als Commandant der Flotte, Mustapha Pascha, Mahmud Pascha, Nhaghib Pascha und Dje Maleddin Pascha. Ihnen sind neben 3 Bice- noch 8 Contreadmirale untergeordnet.
Zsien
Hong-Kong, 27. Septber. DaS Gerücht vom Falle Pekings ist noch nicht widerlegt, aber auch nicht bestätigt. Die neuesten Nummern der Peking Gazette melden, die Rebellen seien vor Koo-fung, der Hauptstadt der Provinz Honan am 19. Juni erschienen, und zwischen diesem Datum und dem 31. Juli sei längs deS nördlichen UferS vom gelben Flusse viel und unentschieden gefochten worden. Das ist Die kaiserliche Version; allgemeiner und glaubwürdiger ist der Bericht, daß Kèang- ping und andere über 100 Miles nordwärts vom gelben Flusse gelegene Städte in der Gewalt der Rebellen sind. Von anderer Seite wieder heißt es, der Kaiser bube als letzte Rettung die angebotene Hülfe der Mon- gol-Tataren-Häuptlinge jenseits der chinesischen Mauer angenommen. Bestätigt sich dies, und werden die Rebellen geschlagen, dann wird Se. himml. Majest. wohl die Ehre haben, vonI den Mongolen anstatt von den eigenen Unterthanen abgesetzt zu werden. Die Sumpf« Ufer des gelben Flusses würden die neue Grenze zwischen den Tataren und Chinesen bilden. Die Insel Amoy ist von einer großen kaiserlichen Flotte belagert, und die Rebellen werden aus Mangel au genügender Seemacht diese Position kaum halten können. Die Geschäfte in China liegen ganz darnieder. Shanghai ist gefallen. Die Niederlassungen der Ausländer wurden geschont. Canton ist noch ruhig.
/6 Wiesbaden, Den 15. Nov. Bei der heutigen Ziehung Der Partialobligationen des Anlehe» deutscher Fürsten und Edelleute fielen auf Nr. 9582, 5000 fl. Nr. 7569, 1200 fl. Nr. 87627, 400 fl. Nr. 91,994 und 39,586 jede 200 fl. Nr. 84,604, 66,v01, 13,108, 56,736 und 69,652 jede 100 fl.
Wegen eines bei Umbrechung der letzten Kolumne zugestoßenen Unfalls sind wir heute außer Stande die uns zur Veröffentlichung zugekommenen Bekanntmachungen und die Börsecourse zu bringen.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. AocreK.
Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden, Langgasse 42.