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theilungen über die Verhandlungen in Warschau und Sanssouci. Er schreibt:Zuverlässige Nachrichten aus Wien setzen die Absicht des kaiserlichen Cabinets, in dem russisch-türkischen Streit eine unbedingte Neutralität fest­zuhalten , außer allem Zweifel. Es hat natürlich von allem Anfänge an nicht an Bemühungen gefehlt, ein engeres Anschließen der k. k. Regierung an Rußland zu erzielen, für den Fall, daß England oder Frankreich sich auf die Seite der Pforte stellen sollte; diese Be­mühungen sind aber bis jetzt stets ohne Erfolg geblie­ben. Daß der Kaiser Nicolaus selbst hauptsächlich deß. halb nach Olmütz reiste, um die letzten und gewichtig­sten Hebel zur Förderung eines engen Bündnisses zwi­schen Rußland und Oesterreich anzusetzen, ist für Nie­manden Geheimniß mehr. Der jugendliche Monarch des Kaiserstaats kam den Wünschen seines erlauchten Gastes so weit entgegen, daß er ein Bündniß mit Ruß­land einzugehen sich bereit erklärte, unter der Voraus­setzung , daß Preußen sich demselben anschlösse; dieß das einzige Ergebniß der Zusammenkunft in Olmütz. In Warschau verhandelte der Czar nochmals mit dem Kaiser und mit dem König von Preußen. Dem König Friedrich Wilhelm gelang es nicht, einen definitiven Entschluß zu fassen, und er machte sein letztes Wort von dem Rathe seiner Minister abhängig. Um auch in den Kreisen der preußischen Staatsmänner das ganze Gewicht seiner Persönlichkeit zu Gunsten seiner Pläne in die Wagschale zu legen, reiste Kaiser Nikolaus nach Sanssouci. Die Unterhandlungen begannen; allein die preußischen Minister blieben dießmal fest und wichen um keines Haares Breite von der zur Basis ihrer Politik erkorenen strengsten Nentralität, und der König erklärte, daß er dieser Meinung seiner Räthe beitrete. In un­befriedigter Stimmung verließ der Kaiser Sanssouci und erhielt bald darauf aus Wien die Nachricht, daß man dort sich nunmehr an die bedingungsweise gegebenen Zu­sagen gegen Rußland nicht mehr gebunden erachte. Die kurz nach der Warschauer Zusammenkunft angeordnete Verminderung des k. k. Heeres erscheint, auf Grund der vorstehenden Mittheilungen nunmehr in einem neuen und interessanten Lichte.

Es soll heute aus Privatwegen die Nachricht ein- gegangen sein, daß die Türken Bukarest besetzt hätten. An allen Orten, wo man sonst sehr gut unterrichtet ist, wird die Richtigkeit dieser Nachricht entschieden in Ab­rede gestellt. Sie ist übrigens' auch schon deßhalb un­wahrscheinlich, weil der amtliche Bericht über ein so I wichtiges Ereigniß, der über Herm.nnstadt in 18 Stun- den in Wien sein kann, durch Privatberichte nicht leicht überflügelt werden dürfte.

Aus Constantinopel sind Herste Nachrichten vom 3. November in Wien eingelangt. Die türkischen Berichte melden, daß die Zahl der Truppen, welche von Wid- din aus die Donau passirt haben, auf 25,000 Mann sich belaufe. Fünf russische Kriegsgefangene bessern Ranges waren am 2. nach Constantinopel gebracht wor­den. Im Bosporus ankerten am 2. November zwei englische, zwei französische Linienschiffe, dann acht Kriegs dainpfer der Besikabai-Flotte. Von der asiatischen Ar­mee hatte man in Constantinopel am 2. die Nachricht, daß die Türken Scheskatil erobert hätten. Die griechi- schen Bankiers haben sich erboten, der Regierung â Conto des beabsichtigten AnlchenS im Nothfalle ange­messene Summen vorzustrccken. Den casernirten Trup­pen wurde die Nachricht von dem Uebergange bciWid- din und einem siegreichen Gefechte in Asien mitgetheilt, wornach die in den Höfen aufgestellten Soldaten ein Gebel vorrichteten. Die Mitglieder des Divans ver­sammeln sich zu häufigen Berathungen, die aber, wie cs scheint, wehr administrativ als diplomatischer Natur sind, da seit dem Stratford'schen Notenentwurfe kein neues Ausgleichungsproject bekannt geworden ist. Der neue französische Gesandte, General Baraguay d'Hil- liers, wird in Constantinopel am 14. erwartet.

Nach weiteren Berichten aus Constantinopel hat die Pforte definitiv erklärt, daß sie, abgesehen von ihren Modistcationen an dem Wiener Ausgleichungsentwurfe, auf welchen sie fest beharre, auf weitere Unterhandlun­gen zu einer Vermittlung nur dann eingehen werde, wenn die festen Plätze in den Fürstenihümeru sogleich und das Land in kürzester Frist von den Russen ge­räumt, auch eine Collectiv-Garantie gegen ähnliche völkerrechtswidrige Occupationen in optima forma von den übrigen europäischen Mächten, wobei die Pforte ge­gen den diplomatischen AusdruckSchutzmächte" Ver- Wahrung eingelegt, gegeben sein wird.

Frankreich.

Paris, 12. Nov. Der heutige Artikel des Moni­teur, der, obgleich gelind in der Form, seinem Inhalte nach ziemlich derb ist, hat keine große Sensation erregt. Er könnte jedoch leicht zu russischen Reclamationen Ver­anlassung geben, zumal , da der Moniteur außerdem einen äußerst russenfeindlichen Artikel deS gestrigen Con- stitutionnel in seine Spalten ausgenommen hat. Der letzte Bericht der Bank von Frankreich hat wieder eine sehr bedeutende Abnahme des Baarvorrathes während des letzten Monats dargethan. Die Bankdirectionen sind deßhalb in großen Besorgnissen und scheinen an die Regierung das Gesuch richten zu wollen, ihren Bankscheinen Zwangs-Cours zu geben, wie dieses der Fall nach der Februar - Revolution war. Wenn man

diesem Gesuche höchsten Ortes nicht nachkommt, so ist eine weitere Erhöhung des Disconto unvermeidlich. Die Union will wissen, Hr. de la Cour solle Herrn de Maupas zu Neapel ersetzen.

Man sagt, der Kaiser werde in einigen Tagen einen Ausflug nach seiner Domäne Lamothe, in der Sologne, machens wo er seit 1% Jahren nicht mehr war. Eine electrische Telegraphenlinie ist zwischen dem Schlosse von Fontainebleau und Paris hergericktet worden, so daß alle Geschäfte ohne wesentliche Verzögerung expedirt werden können. In einem Gymnasium im Gironde- Departement wurden vor einigen Tagen 60 Schüler verhaftet, die, als sie ihr Morgengebet singen sollten, die Marseillaise anstimmten. Aragos Erben haben dessen nachgelassene Schriften den hiesigen Buchhändlern Plon und Casimir Gide für jdie Summe von 120,000 Francs zu zwanzigjähriger Benutzung verkauft. Das Ganze wird aus zcbn Bänden bestehen, von denen der erste Band unverweilt erscheinen soll. In Kolmar sind mehrere Exemplare eines in London gedruckten, an das französische Volk gerichteten revolutionären Mani­festes, vom 22. Sept. 1853, unterzeichnet Ledru-Rolliu, den Gerichten vorgelegt worden. Sie waren in Basel zur Post gegeben worden und trugen den dortigen Post­stempel vom 3. November. iJm Obergarounedepar- lement,ist den Präfecturbeamten eine außerordentliche Theuerungs-Zulage von 25 bis 50 Francs zugestanden worden.

Paris, 14. Nov. (F. Bl.) Der Moniteur ent­hält heute folgende Nachricht:In dem von dem Flusse Argis, der Donau und dem Städtchen Oltenitza gebil­deten Dreieck ist cs am 4. d. M. zu einem mörderi­schen Treffen gekommen. Nicht mehr als 9000 Türken hielten die Quarantänegebäuoe und eine in der Ebene unfern der Donau und dem Städtchen gelegene alte Schanze besetzt. Von hier aus bestrichen sie mit Bom­ben und Kanonenkugeln die Ebene bis zu dem Dorfe, von welchem aus General v. Dannenberg seine Opera­tionen leitete, mit großem Erfolg. Mit Einschluß des Generalstabs wird der Verlust russischerseits auf 1200 Todte und Verwundete angegeben. Fast alle Bataillons- Chefs und mehrere Obersten wurden verwundet. Die meisten Verwundungen geschahen durch Spitzkugeln. Fürst Gortschakoff hat sich nach Oltenitza be­geben. Er soll beabsichtigen, heute oder morgen (4. oder 5. November) die Türken mit 24,000 Mann an- zugreifen."

Schweiz.

Aus der Schweiz, 12. Novbr. Die viel­genannten italienischen Flüchtlinge Clementi und Cazzola sind endlich nach England spedirt worden; die französische Negierung hatte lange Schwierigkeiten gemacht, dieselben durch Frankreich iustradrren zu -lassen.

Großbritannien.

London, 12. Nov. Auf der Börse war gestern Abend das Gerücht verbreitet, das Cabinct denke an eine baldige Einberufung des Parlaments. Nach mi- nistcriellcn Blättern war die neueste Circulardepesche des Grafen Nesselrode Gegenstand der Berathung im letzten Ministerrath. Pastor Dulon aus Bremen, der am vergangenen Sonntag im Shakespeare Hotel eine reli­giöse Vorlesung gehalten hatte, die überaus zahlreich von Deutschen besucht war und in hiesigen theologischen Kreisen großes Aufsehen erregte, wird, wie wir hören, einen ganzes Cyklus von Vorträgen eröffnen. Der Gedanke, im Innern Londons unterirdische Eisenbahnen zu bauen, scheint bei unsern abenteuerlichen Köpfen viel Anklang zu finden. Schon ist eine zweite solche Bahn projectirt, die von Leicester Square nach der Südost­bahn führen, somit unter der Themse weggehen soll. Der Bankausweis ist wieder befriedigend. Die Noten- Circulation zeigt eine Abnahme von 359,905 L. und beträgt jetzt 22,627,445 L.; der Baarvorrath ist um 408,861 L. größer und beträgt 15,679,545 L. Auch die ReservenMen zeigen einen Zuwachs von beinahe % Million.

Morning Chronicle läßt sich aus Paris schreiben: Oberst Zamoyski, Schwiegersohn des Fürsten Czartoryiski, und General Chrzanowski, der die piemontesische Armee bei Novara commandirte, sind nach London abgereist; man sagt, sie haben gewisse Plaue der englischen Re­gierung vorzulegen. Globe bemerkt dazu: die englische Regierung sei nicht gewohnt, Plane in Erwägung zu ziehen, dievon ganz unermächtigter Seite kommen".

ttnßtand.

DemLloyd" wird aus Kalisch geschrieben: Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß die Rückkehr des Feldmarschalls Fürst Paskiewitsch mit der Kriegserklä­rung Rußlands in Verbindung steht, denn es ist Thatsache daß der Fürst gleich nach seinem Eintreffen in War­schau mehreren General-Stabsoffizieren den Befehl gab nach den Donau-Fürstenthümern abzureisen, um dort ihrer Qualifikation gemäß placirt zu werden. Endlich hat auch das Osten - Sackenlche Corps den Befehl er­halten , in Eilmärschen an die Donau zu marschiren. General-Lieutenant Larzarew-Stanischew, der Chef der mobilen Artillerie-Parks, ist in das Gouvernement Mohylew gesendet worden, um von dort und insbeson­dere aus der Festung Bobruisk die Artillerie - Parks, welche zur Belagerung und Beschießung der türkischen Festungen dienen werden, nach den Donaufürftenthü-

mern in Bewegung zu setzen. AuS St. Petersburg ist vorgestern der General aus dem Gefolge des Kaisers, Fürst Radziwill, mit Depeschen an den Feldmarfchall in Warschau angckommen. Alle im Auslande sich aus­haltenden russischen Generale kehren nach Rußland zu­rück. Das Kriegsmanifest wird in diesen Tagen in al­len Kirchen verlesen werden. Wie es heißt, wird Ruß­land diejenigen Mittel aufbieten, welche erforderlich sind, um eine baldige Beendigung des' Krieges herbei­zuführen, und man hofft die Pässe des Balkans noch vor dem Eintreten der strengen Jahreszeit zu passiren, da-die Russen das Ungemach des Winters mehr gewohnt sind als die Türken. Wir werden fortan von allen Gefechten und Kriegsoperationen demLloyd" Auszüge aus den Relationen des Generalstabs mittheilen, welche, wenn auch verspätet, in so ferne einen historischen Werth haben, als es bekannt ist, daß wahrheitswidrige An­gaben den Commandirendcn stets die Ungnade des Kai­sers zuziehen.

Ionaufürlrenthümer

Nach einer Korrespondenz desWanderer" aus Bukarest vom 5. d. M. hat sich noch am 4. Novbr. Nachmittags der Kampf zwischen Rustschuk und ®iur gevo wieder entsponnen. Die Türken sollen diesen Mit­theilungen zufolge am linken Ufer festen Fuß gefaßt ha­ben und in Giurgcvo sei es bereits zum Stroßenkampf gekommen. Mehrere Häuser sollen in Flammen gestan­den sein. Bei Oltenitza hätten die Russen 100 Kriegs­gefangene gemacht.

Der Kampf bei Oltenitza wurde, wie der Fr. Pstz." aus Wien gemeldet wird, am 5. Novbr. wieder ausgenommen. Sechs russische Bataillone wur­den zum Bajonnctangriff gegen die von den Türken besetzten Schanzen geführt; die Russen gewannen nach einem mörderischen Gefecht ihre Positionen wieder, ohne daß jedoch die Osmanlis ihre ursprünglich innegehabte Stellung aufzugeben sich genöthigt sahen. Fürst Gort­schakoff war selbst auf dem Kampfplatz erschienen. Von da begab cs sich nach Giurgewo. Diesen Ort haben die Russen noch inne. Ob es nun den Türken durch Nachzüge gelungen, sich an den Uebergangspunkten Ol- tcnitza-Kalafat rasch zu concentriren und sich von da in Bewegung zu setzen, darüber dürften uns wohl schon die nächsten Nachrichten Aufschluß geben.

Ueber die Affaire bei Giurgewo vom 1. d., erfährt man heute einige Details. Gleichzeitig mit dem von der Landseite erschienenen Streifcorps, welches nach ei­nem kurzen Gefechte zurückgedrängt wurde, versuchte ein türk Dampsboot mit 8 großen Booten bei Giurgewo zu landen, was aber durch einige gut gezielte Schüsse, durch die zwei Boote in den Grund geschossen wurden, ..vereitelt ward. Die Türken zogen sich sowohl zu Was­ser als zu Land zurück. Wie es sich später zeigte, wa­ren sowohl die Land- als die Schiffstruppen nur zur Recognoscirung ausgesendet gewesen.

Nach einem nichtösterreichischen Consularberichte hät­ten. die Türken auch von Karasule aus am 1. d. M. einen Donauübergang versucht, und die Inseln (muth- maßlich jene bei Tschernawoda zwischen Hirsowa und Silistria) genommen.

Ju Jbraila erhielten am 24. v. M. die sowohl in Quarantäne als in Pratica liegenden Schiffe, gleich­viel ob sie leer oder in Ladung waren, aus Kriegsrück­sichten von der Localbchörde den Auftrag, sich sofort auf die andere Seite, nämlich an'S Ufer der größeren Insel dem Hafen gegenüber zu begeben. Da diese Maßregel auch manche österreichische Capitäne betraf, welche gerade schon die halbe Ladung in Quarantäne auf ihren Schiffen hatten, so ersuchte der k. k. Vicecon- sul die Localbehörde um nähere Aufklärung, um, falls diese Maßtegel, welche jede fernere Ladung und Aus­ladung im Hafen von Jbraila unmöglich machen würde, nicht blos provisorisch wäre und nicht modificirt würde, die Capitäne davon verständigen und ihnen die Bestä­tigung ertheilen zu können, daß sie ohne ihr Verschul­den an der weiteren Ladung gehindert worden. Die Distanzen anf den Inseln zwischen den Militärwachpo­sten werden seit dem 24. abgestockt und ausgelichtet. Die Türken suchen diese Vorkehrungen möglichst zu stö­ren, und haben 4 Arbeiter, die sich mit ihren Kähnen dem türkischen Ufer zu sehr näherten, ergriffen und fort­geführt. In Tultscha gehen die Handelsgeschäfte frem­der Unterthanen völliger Stockung entgegen, und man sucht sie gänzlich ans dem Detailverkauf zu verdrängen. In der Quarantäne am Kastell wurde eine Monopol- Verkaufsbude errichtet und fremde Unterthanen werden zur Lieferung von Lebensmitteln an ihre nationalen Schiffe nicht zugelassen. Die Getreideausfuhr ist vcr- boten. Einem israelitischen Schäfer aus Jbraila, der in Jsaktscha 5000 St. Lammsfelle gekauft und den gc- setzlichen Zoll bezahlt hatte, wurde die Ausfuhr zu Was­ser nicht gestattet. 10,000 Oka gesalzene Fische liegen und faulen in den Magazinen, wo man sie aufgespei- chert, ohne daß die Eigenthümer, österreichische Unter- terthauen, die Erlaubniß erhalten, sie hinaufführen zu I dürfen. Von Tultscha bis Jsaktscha werden alle in die Mnau einstehenden Landzungen mit Verschanzungen versehen. Zufolge einer Verordnung des Kaimakamates dürfen während der Nacht Schiffe Tultscha auf- und abwärts nicht passiren, am Tage aber müssen sie ihre Flagge aushissen..