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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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IV' SS« Freitag den 11. November 1SS3.

DieNassauische Allqemeiue Zeitung" mit kein beUeirestischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sviiniaq« attSqcnvmnien, laqligi unt betraut der PräuumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulatid nunmehr auch für den ganzen Umfang des Lburn» mit TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Iub,griff des PaitauischtagS 2 sl nie die übrigen yänter >r# keutschedsierreichischen PostnereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die v-ersvallix Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, 9nnggafle 42, auswärts bei den nâchstgklegenen Postämtern, zu machen.

Wolfgang Mruzel's

Geschichte Europas vom Beginne der französischen Revolution bis zum Wiener

C o ii g r e ß.

III.

In dem ersten Buche seines Werkes schildert Wolf­gang Menzel die Zustande Europa's unmittelbar vor dem Ausbruche der französischen Revolution und leitet diese Schilderung mit folgenden Worten ein:

Die Periode, welche der französischen Revolution unmittelbar vorherging, wird d a s Z e i t a l t e r Fried­richs des Großen genannt Und nicht mit Un­recht, denn der Geist dieses Königs war der Maaßstab des Jahrhunderts und übte seinen weitverbreiteten und tiefeindringenden Einfluß auf alle damaligen Reiche. Die Einrichtungen seines im siebenjährigen Kriege mit Lorbeeren bedeckten Heeres wurden das Muster für alle europäischen Armeen. Die Ideen seines Staatshaus­halts fanden in allen Ministerien Nachahmung. Die Aufklärung endlich, die längst verbreitete, sand bei ihm zuerst officiellen Schutz und wurde hauptsächlich erst durch ihn das Stichwort des Jahrhunderts. Von Lis­sabon an, wo Minister Pombal alles Bestehende um­änderte, bis nach St. Petersburg, wo Czar Peter III. für Friedrich schwärmte und Katharine II. seine Neben­buhlerin im aufgeklärten Despotismus wurde, ahmte alles ihm nach. Selbst das schwerwiegende Oesterreich kam weniger durch Friedrichs siegreiche Schlachten, als durch die Annahme seiner Regierungsgrundsätze unter Joseph II. aus dem Gleichgewicht.

Friedrichs Monarchie war die jüngste und trotz ih­res geringen Umfangs die energischste in Europa. Seit der Reformation war der politische Verwesnngsproccß des Mittelalters, seiner Kirche, seines Feudalismus, sei­ner ständischen Gliederungen und Immunitäten immer rascher fortgeschritten. Stück für Stück fiel die Macht, welche allen jenen Gliedern inne gewohnt, einzig, der weltlichen Monarchie zu. Die Könige des Hauses Bourbon in Frankreich hatten diese neue monarchische Gewalt zuerst organisirt und schrankenlos gehandhabt, vornehmlich Ludwig XIV. Allein ohne eine höhere Idee, ohne sittliche Würde und ohne Bürgschaft der Dauer. Unter Ludwigs nächstem Nachfolger, dem fünfzehnten Ludwig, erschlaffte diese Monarchie, und der äußere Glanz ihrer Gewalt deckte nur lose die abgründliche Korruption zu, von der sie unterhöhlt wurde. Erst der große Preußenkönig Friedrich brachte alle europäischen Kabinette zum Bewußtsein, zu welcher Weltstellung die Monarchie gelangt sei, und wie sie mit Ernst und Würde ihre Aufgabe zu lösen habe. Die große, ua' mals zeitgemäßste Idee, welche in seiner Regierungs­weise ausgesprochen liegt, war: die Völker bedürfen ei­ner vernünftigen Regierung, welche durch Sparsamkeit und klugen Haushalt das materielle Wohl fördert, durch Gerechtigkeit und strenge Ordnung überall bei Unterthanen das Gefühl der Sicherheit und Zufrieden­heit weckt, durch militärische Rüstigkeit und regsame Diplomatie die Staatskräfie stählt und die Elasticität erhält und endlich durch Aufklärung und Bildung die Unterthanen auch fähig macht, die Wohlthaten der Re­gierung einzusehen und sich^in aller Weise mit ihr zu conformiren. In diesem Sinne war das Zeitalter Friedrichs des Großen eine Epoche der Verjüngung und Erfrischung, ein wahrhafter Fortschritt. Ihm zu­nächst ging das berüchtigte siede de Louis XIV. vor­her, welches die Länder durch üppige Hofhaltung und schamlose Verschwendung nicht minder wie durch unge­rechte Kriege um blos dynastische Interessen willen rui- nirt hatte. Diesem Zeitalter aber war ein noch schlim­meres, das der großen Religonskriege vorhergegangene, in welchem alle katholischen wie protestantischen Völker Europas sich verblutet hatten, ohne ihren Principien­streit zu versöhnen. Nach so langem Unglück nach sol­cher Verwilderung des Glaubenshasses und nach so rücksichtslosem Mißbrauch der verarmten Völker war eine Regierungsweise, wie sie Friedrich der Große durch sein Beispiel empfahl, die größte Wehithat für die Völker nur das einzige Mittel, sie wieder zu Kräften zu bringen und zu Wohlstand und Zufriedenheit zurück zu führen. Erst in neuerer Zeit ist Friedrichs Ruhm angetastet und ihm der schwere Vorwurf gemacht wor­den, er habe die unveräußerlichen Interessen der Reli­gion preisgegeben, den Thron vom Altar getrennt und eine Philosophie begünstiget, die nothwendig zuletzt zum Umstürze beider hätte führen müssen. Allein die­ser Vorwurf ist ungerecht. Eine Periode, in welcher die gebildeten Stände und höheren Classen , ja die

höhere Geistlichkeit selbst vorübergehend indifferent ge­gen die Religion wurden, mußte nothwendig eintreten, nachdem die Parteien durch jahrhundertelange theolo­gische Zänkereien ebenso wie durch ungeheure An­strengungen in den unentschieden gebliebenen Glaubens- kriegen aufs äußerste erschöpft und ermüdet waren. Der Ueberspannung mußte die Abspannung folgen und diese mußte eine gewisse Zeit dauern. Das lag in der Na­tur der Dinge. Das ungebildete Volk nahm an der religiösen Indifferenz und den Angriffen, welche die Philosophie auf die Religion machte,'keinen Theil und somit blieb die kirchliche Grundlage erhalten. Friedrich der Große selbst trug zu ihrer Erhaltung bei und störte den Frieden der Gemeinden nicht, änderte nichts an dem alten Stande der verschiedenen Kirchen in seinem Staate. Demnach konnten die gebildeten Stände sich nach einem gewissen Kreislauf, den die Modephilosophie erst durchlaufen mußte, bis ihre Unzulänglichkeit er­kannt wurde, der Kirche wieder zumenden, ohne daß es zu gewaltsamen Erschütterungen der Gesellschaft kam. Diese zeigten sich auch nicht in Preußen, sondern da, wo man von Friedrichs weiser Schonung der untern Volksclassen abwich. Wer möchte läugnen, daß ihm die Durchführung seiner Grundsätze in seinem eigenen Reiche gelungen ist und daß die Zufriedenheit des preußischen Volks mit seiner Regierung uud die uner­meßliche Popularität, die er genoß, cs hauptsächlich war, was ihm in den ganzen Munde von Europa Nacheiferung erweckte. Das Zeitalter begann für Hu­manität zu schwärmen.

Kaiser Joseph II. wollte in der edelsten Begeiste­rung sogar noch weiter gehen , als Friedrich und je ernster es ihm war, um so rascher und tumultuari- scher seine Unterthanen glücklich machen, während Catha­rina II. den Schein dieser Beglückung und einer philo­sophischen Regierung mit de« reellen Vortheilen der absolutesten Machtvollkommenheit geschickt zu vereinigen verstand. Noch bedeutungsvoller und folgenreicher war die Art uud Weise wie der unglückliche König von Frankreich, Ludwig XVI. und seine Minister, ankämpfend gegen die unendlichen Mißbräuche des alten Regierungs- systemS, dem Beispiele des großen Friedrich nactzukom- men trachteten und ohne seinen Geist und seine Fähig­keiten zu' erreichen, doch das Princip seiner völkerbe- glückenden Regierungsweisheit anerkannten. Dieses Princip hatte gegen zwei Gefahren zu kämpfen, einmal gegen die Macht der Trägheit, gegen die Liebe zum Alten und Gewohnheiten, zweitens gegen die Ueber- stürzung der Neuerungssucht. Er erlag unter Jo­seph II. der einen, unter Ludwig XIII. der andern Ge­fahr ! Das einzige Mittel diese Gefahren wirksam zu vermeiden, lag in der Schonung der wahren Volks­interessen. Friedrich der Große war hierin viel weiser als die Fürsten, die ihm nachahnuen."

(Fortsetzung folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden 10. Nov. Heute wurde das im Dambachthal erbaute Reltungshaus f ü r ver­wahrloste Kinder evangelischer Konfession in feier­licher Weise eingeweiht. Die Gründung dieser Anstalt ist dem hiesigen evangelischen Verein zu danken. Ein aus der Mitte gewählter Vorstand derselben hat ihre Leitung übernommen.

L Von der Lahn. Am 30. October d. J. fand die Einweihung der neu erbauten Kirche zu Freiendiez Statt, zu welcher der Grundstein am 1. Juni vorigen Jahres gelegt wurde. An derselben Stelle, wo am Abend des für Freiendiez so verhängnißvollen 20. Au­gust 1817 die Trümmer der alten Kirche rauchten, steht jetzt das neue, freundliche Gotteshaus mit seinem schlan­ken, hohen Thurm, eine Zierde des lieblichen Aarthales. Freudig begrüßt die Kirchengemeinde diesen Tag, den so Mancher aus ihrer Mitte zu sehen begehrte, und nicht sah, da seit jenem Ereignisse beinahe vier Deceu- nien verflossen sind.

Das Kirchspiel Freiendiez, bestehend ans den Ort­schaften Freiendiez, Birlenbach und Fachingen , war seit dem erwähnten großen Brand in Freiendiez, der nicht allein die Kirche, sondern auch den größten Theil der übrigen Gebäude in Asche legte, bis zum Jahre 1849 nach Diez eingepfarrt. Von diesem Zeitpunkte an bil­det der Ort Freiendiez eine für sich bestehende Kirchen­gemeinde, der Gottesdienst für dieselbe wurde bis zum Tage der Einweihung der neuen Kirche im Lehrsaale gehalten. Diese wurde in feierlichster Weise vorgc- nommen.

Am Morgen des 30. October, präcis 9 Uhr, be­

wegte sich, unter dem Geläute der Glocken der Zug von der Pfarrwohnung, woselbst sich der bischöfliche Commissarius, Herr Geheime-Kirchenrath Wilhelmi von Wiesbaden, Herr Kreisamtmann v. Langen zu Limburg, Herr Decan Wilhelmi von Diez, Herr Decan Ullrich zu Miehlen, Vater des Herrn Pfarrverwalters zu Freien­diez, Herr Pfarrer Ohly von Cleeberg, Herr Pfarrvicar Ullrich von Espa; ferner der Kirchen und Schulvor­stand der Gemeinde Freiendiez, sowie die dasigen Con- firmanden versammelt hatten, nach dem Lehrfaale, wo selbst die Gemeinde und Schuljugend ihrer harrten. Nach Absingung einiger Verse aus dem Liede:Ach, bleib' mit deiner Gnade" rc., sprach Herr Pfarrverwal- ter Ullrich von Freiendiez ein kurzes Gebet, in welchem er am Schluffe zu Gott flehte, den Aus gang von diesem Orte und den Eingang in das neue Gottes­haus segnen zu wollen. Die Versammlung bewegte sich hierauf in geordnetem Zuge nach der Kirche, wäh­rend die Schuljugend einen mehrstimmigen Choral an« stimmte. An der Eingangsthüre der der Kirche ange- langt, hielt Herr Kreisbaumeister Preußer, und darauf Herr Kreisamtmann v. Langen eine kurze Ansprache. Letzterer übergab dann den Orttgeistlichcn den auf einem seidenen Kissen vorangetragenen Schlüssel zur Kirche, worauf derselbeim Namen Gottes!" die bis dahin verschlossen gewesene Kirchenthüre öffnete. Den Ein- tretendcn tönte in vollen Accvrden der neuen Orgel Feierton entgegen. Nachdem sich die Gemeinde gesam­melt hatte, stimmte sie, unter Begleitung der Orgel, Komm, Heiliger Geist" rc. an. Nach dem Altargebete, welches Herr GeheimeKircheuratv Wilhelmi sprach, sang der Freiendiezer Chor in vollendeter Weise die Motette: Ehre sei dem Vater und dem Sohne, und dem heili­gen Geiste" rc., von Heuschkel. Dann hielt Herr Ge­heimer Kiichcncatb Wilhelmi die Weihrede, in welcher er zuerst das Gebäude, dann die Kanzel, den Altar, die Orgel und die Glocken einsegnete. Die Gemeinde sang hierauf Nr. 214 des Gesangsbuchs,Der Weihe- tag ist da"rc._ Herr Pfarrverwalter Ullrich bestieg die Kanzel und hielt über Amos 9, V. 11.Zur selbigen Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf- richten" rc. die gehaltvolle Festrede, worin er diesen Tag, 1. als einen Tag der Buße, 2. als einen Tag des Dankes und der Freude und 3. als einen Tag heiliger Entschließungen bezeichnete. Nach der Predigt fand die Taufe zweier Kinder, die durch den Neubau verzögerte Konfirmation , und zuletzt das heil. Abend­mahl Statt. Beicht- und Abendmahlsrede hielt Herr Decan Wilhelmi, bei welcher die Feier dieses Mahles als eine Feier gläubiger Christen unter dem Kreuze des Herrn, und deßhalb als ein Mahl der Versöhnung und des Friedens hervorgehvbcn wurde. Herr Decan Ull­rich sprach nun das Schlußgebet bei dem Heil. Abend­mahle und Herr Geh. Kirchenrath Wilhelmi entließ die Gemeinde unter dem Segen des Herrn.

Dillenburg, 7. Nov. (Asfisenverhandlung gegen Friedrich Pabst aus Aull wegen Schriftfäl- jchuiig). Präsident: Herr Hofgerichtsdirector Ebhardt, Staatsanwalt: Hr. Substitut Schröder, Vertheidiger: Proc, Braun. Friedrich Pabst, 21 Jahre alt, Sohn des Gemeindedieners Pabst in Aull ist angeklagt, falsche Gebührenrechnungen unter dem Namen seines Vaters ausgestellt, und hierauf auch von verschiedenen Bürgern des Orts Geld empfangen zu haben. Von den Ge­schworenen schuldig erklärt, wird er von dem Assifenhofe zu 2 Monaten Correctionshaus' verurtheilt.

Frankfurt, 11. Nov. (F. I.) In der gestrigen Sitzung der Bundesversammlung ist von Oester­reich eine Eröffnung über die orientalische Frage und die Verbindung, in welcher die R-buction der faiferL Armee mit derselben steht, gemacht und dabei neue Hoff­nung, . den Frieden erhalten zu sehen, gegeben. Die übrigen Gesandten sprachen ihren Dank für die erhal­tene Mittheilung aus. Demnächst erklärte Oester­reich, daß es dem Gothaer Vertrag wegen Regulirung der Heimathsverhältnisse nicht beitreten werde. Dem Verein für ältere deutsche Geschtchtskunde wurde eine Beihilfe gewährt. Die Abstimmung über die Pensio- iiirung verschiedener Marinebeamten führte nur theilweise zu einem unmittelbaren Resultat. Die Verhandlungen über verschiedene Reclamationen, sowie ein Rechenschafts­bericht über das Auflösungsgeschäft der Flotte füllten den Schluß der Sitzung.

Mannheim, 8. November. (S. M.) Herr von Soiron, der ehemalige Vicepräfihent der Frankfurter Staliongsversammlung, ist dieser Tage von einem apoplek­tischen Leiden betroffen worden, jedoch nicht ohne Hoff­nung auf Wiedergencsung.