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Montag den 7. November

1SS3.

t>ir,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglj» und betragt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr a«H fäf den ganzen Umfang des Tburn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr, Inserate werden die »iersvaing pttltltik oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSivänS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrrchten

Lehrer Neufurth zu Lierschied ist am 30. Sept, mit Tod abgegangen.

Lehrer Hardt zu Dachsenhausen ist zum Lehrerin Lierschied, Lehrer Trog zu Steckenroth zum Lehrer in Dachsenhausen, Lehrer Möhn zu Hohenstein zum Lehrer in Steckenroth, Lehrvicar ^ßepel zu Mappers­hain zum Lehrer in Hohenstein ernannt und mit Ver. fertig der Lehrvicarstelle zu Mappershain der frühere Lehrvicar Bietz zu Haiern beauftragt worden. ;

Lehrgehülfe Brötz zu Weilburg ist zum Lehrer da- selbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Jur otientalifchen Frage.

* DemNürnb.Corr." wird aus Wien unterm 1. Nov. geschrieben: Es bestätigt sich, daß der großherr- liche Befehl, die Feindseligkeiten vorläufig einzustellen, zu spät an Omer Pascha gelangt ist; der Letztere soll nun ermächtigt worden sein, die zweckdienlichen militä­rischen Dispositionen zu treffen, ohne erst in Costnanti- nopel anzufragen. Frhr. v. Meyendorff soll gestern er­öffnet haben,. daß er zu der Erklärung ermächtigt sei, sein Souverän werde keinen von was immer für ei­ner Ssite ausgehenden Vermittlungsvorschlag einer Prüfung unterziehen und die vorgestern hier aiigelangte Proposition sei das letzte friedliche Wort, welches der Czar zu sprechen beschlossen habe. Lord Redcliffe's Vorschlag wurde dieser Erklärung zu­folge beseitigt. Aus Paris und Konstantinopel sollen in Wien beunruhigende Depeschen eingelaufen sein. Auf den Inhalt der aus Paris eingetroffenen läßt sich aus der nachstehenden Aeußerung schließen, welche die fran­zösischen ministeriellen Blätter vom 3. d. bringen, und in welcher sich abermals eine sehr gereizte Stimmung gegen Rußland ausspricht. Dieselbe lautet:Man hat heute (3.) das Gerücht verbreitet, die orientalische Frage sei vollständig erledigt. Mehrere Morgenjournale brin­gen ähnliche Versicherungen. Wir wissen nicht, woher diese Blätter ihre Benachrichtigung schöpfen. Die west- lichen Mächte wünschen den Frieden; sie entwickeln die größte Thätigkeit, um ernstlich zu diesem Resultate zu gelangen. Aber inmitten dieser allgemeinen Gesinnun- gen scheint die russische Diplomatie jetzt, wie es bei ihr in allen analogen Phasen der Geschichte der Fall gewe­sen, durch Unterhandeln nur Zeit gewinnen zu wollen, um ihre Maßnahmen zu ergreifen und desto leichter ihr Ziel erreichen zu können. Diese Umstände sind bis jetzt von ganz Europa anerkannt, und die Unterhandlun­gen, welche geführt werden, werden ein neues Ele­ment aus der nachgewiesenen Offenkundigkeit dieser Lage schöpfen."

DerMoniteur" enthält in seiner Nummer vom 4. d. M. Nichts über die orientalische Frage. Beach- lenswerth ist dagegen folgende Aeußerung desPayS": Man muß gegenwärtig auf Alles gefaßt sein, und eS scheint, daß bei der Annäherung der beiden feindlichen Armeen wenn nicht absichtlich, doch durch einen Zufall, oder durch die Ungeduld der sich hassenden Gegner ein Zusammenstoß unvermeidlich ist, der alle diplomatischen Berechnungen zu Schanden machen, und Eonsequenzen herbeiführen kann, deren Tragweiec nicht zu ermessen ist. Uebrigeus das Resultat der gegenwärtigen Sach­lage , wie wir sie auseinaudergesetzt haben, wag sein wie es will, so kann es dennoch Nichts an der Politik und an den Verpflichtungen der beiden Schutzmächte der Türkei gegenüber ändern. Das europäische In­teresse , das sie vertheidigen, und das sie bis zu Ende beschützen werden, hat ihnen im Voraus den Weg vor- gezeichuet, den sie zu befolgen haben, und der Zufall weder eines Sieges oder einer Niederlage kann auf die Beschaffenheit oder den Charakter der angenommenen Politik unmöglich einen Einfluß ausüben. Die Türkei bleibt als Sieger oder als Besiegter für Europa immer ein Reich, das stets unabhängig bleiben muß, und das mau nicht den ehrgeizigen EroberungSgelüsten einer Macht preisgeben darf. Wenn auch nichts.im Stande sein sollte, das Schwert, welches nie hätte gezückt wer­den sollen, der Scheide wieder zuzukehren, so steht cs doch fest, daß die Türkei nie zu einer russischen Pro­vinz und der Sultan nie zu einem Vasallen des Czaren werde. Dies ist, und war stets der Hauptpunkt in der orientalischen Frage, welcher sie zu einer europäischen

gemacht hat, und so lange Frankreich und England, welche sich so loyalerweise als Beschützer dieses Heiligen Rechtes hingestellt haben, über dessen Vertheidigung wachen werden, kann man sicher sein, daß es weder verkannt noch bedroht oder compromiltirt wird.

In seiner Nummer vom 5. bringt der Moniteur einen anti-russischen Artikel der Berliner National-Zeitung!

Pariser Briefe der A. A Z. messen der Sendung des Generals Baraguay d'Hilliers nach Konstantinopel eine ernste Bedeutung bei. Die militärische Begleitung des Generals nicht minder, als der persönliche Gegen­satz zwischen beiden Botschaftern, dem abberufenen und neuernanten, characterisiren den Zweck des Wechsels. Hr. v. Lacour, ist ebenso langsam einen Entschluß zu fassen und auszuführen, als General Baraguay d'Hil- iers nicht der Mann ist, viel Reden und Noten zu wechseln. Man kann nicht annehmen, daß die Regie­rung Hrn. de la Cour absetzen würde (denn dieBe­rufung zu andern Verrichtungen" ist eine Formel der Entsetzung) wenn die Angelegenheiten des Orients fortan geführt werden sollten, wie bisher. Nicht mit Unrecht mißt man dem Mangel an Energie des abbe- rufenen Botschafters die Erfolglosigkeit der Vermittlungs­versuche bei. Hr. v. Lacour hatte ausdrücklichen und bestimmten Befehl, und ebenso Lord Stratfort de Red­cliffe, die Flotten auf Verlangen der Pforte nach Con- stanlinopel zu beordern, so bald daselbst die Nach­richt von Besetzung der Do na ufürstev thüm er an gekommen. Hr. v. Lacour glaubte diese Instruc­tion überschreiten zn dürfen im Interesse des Friedens. Rußland sah jedoch in diesem' Zaudern das Gestândniß Frankreichs und Englands den Krieg um jeden Preis zu vermeiden und auf bloße Demonstrationen sich zu beschränken. Dieses Zaudern machte das Petersburger Kabblet um so hartnäckiger, und führte nach dem Schei­tern der Wiener Conserenzvorschläge die Kriegserklä­rung von Seiten der Pforte herbei. Wären die Flot­ten zu gleicher Zeit in die Dardanellen eingelaufen, als die Russen in die Fürstenthümer eingerückt sind, so würde Rußland den Ernst der westlichen Mächte nicht bezweifelt und seine Forderungen herabgestimmt haben, was eS damals viel leichter als heute thun konnte. Der Kaiser ist daher unzufrieden mit der Rolle, welche die französische Diplomatie in Konstantinopel gespielt hat, es ist ihm ärgerlich, daß die Zeitungen und die officiest len Noten immer nur von Lord Rebcliffe und Hrn. v. Bruck sprechen, indeß der Name des Hrn. de la Cour kaum genannt wird. Das ganze Uebel, sagt er, kommt daher, daß Hr. de la Cour nicht versteht aus einem gehörig hohen Ton zu reden. Es wäre au Frankreich, die Sachen zu leiten, und wenn der französische Bot­schafter seine Pflicht begriffen hätte, so wäre Rußland längst zurückgegangen. Diese stolzen Worte sind voll- kommen logisch im Munde Napoleons, bei dem der Ge­danke feststeht, dem Czar zu beweisen, daß Frankreich vor ihm keine Furcht hat. Der Kaiser wäre überhaupt von Anfang an in der orientalischen Frage weiter vor- gegangen (denn er gehört keineswegs zu denen, welche die revolutionäre Partei als cotonnets beneid) jiei), wenn England sich nicht geweigert Hätte, ihn, zu folgen. Jetzt ist er auf einen Punkt der Reizbarkeit gelangt, wo zu befürchten ist, er könnte zuletzt auch nichts darnach fra­gen, ob England mit ihm sei oder nicht, und indem er sich erinnert, wie Napoleon im Jahre 1806 in einer ähnlichen Lage sich des Generals Sebastiani bediente, hat er den General Baraguey d'Hilliers gewählt. Die Pforte, damals die Verbündete Frankreichs, war im Begriff mit den Russen Krieg anzufangen, aber sie zau­derte noch, theils aus Furcht vor ihrem Nebenbuhler, theils wegen der Rathschläge Englands. General So baftiani kommt in Konstantinopel .an und bewirkt, daß der Krieg erklärt wird. England gibt dem Admiral Duckworth Befehl in die Dardanellen einzulaufen,' um den Sultan Selim zu vermögen, den Russen die Mol­dau und Walachei abzutreten und zugleich den Englän­dern die Dardanellen und die Flotte zu übergeben. Der Anblick der englischen Dreidecker erschreckt die Türken, welche sich gegen Sebastiani wenden, und verlangen, man solle ihn fortjagen. Schon läßt der Sultan den französischen Gesandten bitten, sich zu entfernen, aber der General Sebastiani, statt sich der Aufforderung zu fügen, erbietet sich Konstantinopel in solchen Vertheidh gungsstand zu setzen, daß cs die Engländer nicht zu fürchten brauche. Das Erbieten wird angenommen, und während der Admiral Duckworth durch Schcinuntcihand- lungen hingehalteu wird, umgibt sich Konstantinopel mit 600 Feuerjchlünden, 100 Kanouierschaluppe« und einer Linie rasirter Schiffe. Duckworth merkt, daß er ver­

loren ist, wenn er länger verweilt, und eilt mit Verlust von zwei Corvetten und 700 Mann die Dardanellen hinaus. Man erzählt der Kaiser habe dem General Baraguey d'Hilliers die Sendung folgendermaßen ange- kündigt: General, gingen Sie nach Konstantinopel? Sire, wenn Ew. Maj. mich schickte, würde ich gehor­chen; aber eine Gesandtschaft ist mein Geschäft nicht, und ich würde ein Kommando einer Armee vorziehen. Aber, mein lieber General, es gibt Gesandtschaften, welche Armeccommandos werden. In Konstantinopel hat der General Sebastiani, in Gesellschaft Ihres Schwa­gers Foy, sein Großkreuz der Ehrenlegion sich geholt, und vielleicht bringen Sie von dort Ihren Marschall- stab zurück. Die Bemerkung ist überflüssig, daß der General Baraguey d'Hilliers, der feit lange schmollte, weil Generale zur Marschallwürde erhoben worden find, die er als Obersten und Oberstlieutenants unter seinen Befehlen hatte, die ihm eröffnete Aussicht mit Begeiste­rung ergriff. Er ist der Mana dazu, der, wenn er das Pulverfaß anzünden kann (wie man im Sprichwort sagt) es thut. Er ist als einer der ärgsten Hitzköpfe in der Armee bekannt. Dieß, bemerkt die A. A. Z., ist das allgemeine Urtheil in der politischen Welt, daher auch alle nüchternen Friedensfreunde wünschen, daß der Handel in Konstantinopel beigelegt werde, ehe der neue Botschafter hinkommt, weil sonst der Krieg schwerlich zu vermeiden wäre.

Eine merkwürdige Asußerung erzählt man sich von Thiers:Die orientalische Frage bringt allen Ministern und Gesandten Unglück. Im Jahr 1840 bin ich ge­fallen, weil ich fest sein wollte. Hr. v. Lavalette wurde im Jahr 1853 ersetzt, weil er zu begehrlich war; Hr. v. Lacour ist es, weil er zu schwach war. Doch hatte der erstere seine Instructionen nicht überschritten und der zweite die feinigen nur befolgt; ich hoffe Hr.Bara- gncy d'Hilliers wird glücklicher sein, als seine Vorgän­ger und ich, laßt uns zu glauben versuchen, daß er nicht wegen Energie werde zurückberufcn werden.

Siecle" ist außer sich vor Freude über die Er­nennung des tapfern Generals; wir erinnern uns noch sehr gut, daß dasselbeSiecle" zur Zeit der Ab­setzung Changarniers kein gutes Haar an Paraguay d'Hilliers ließ. Damals rief man sogar dem Publicum die Thatsache in's Gedächtniß zurück, daß Baraguay d'Hilliers in den ersten Tagen der Restauration einen Zweikampf mit einem jungen Manne suchte, welcher ein Veilchen damals das Symbol des Bonapartismus im Knopfloche trug.

Deutlchlnnd

* Wiesbaden, 4. Nov. In der heutigen öffent­lichen Sitzung hat der Kaffationopof die s. z. in diesen Blättern angezcigte Nichtigkeitsbeschwerde der hiesigen Staatsbehörde, in der Untersuchungösache gegen Catha­rine Lefrang aus Winden verworfen.

Dillenburg, 3. Nov. Folgende Fälle werden bei den hiesigen Ajsisen pro IV, Quartal d. I. zur Verhandlung kommen.

A. Mit Zuziehung der Geschwornen: 7. Novbr., Friedrich Pabst aus Aull wegen Schrift- fälschung; 8. und 9. Novbr., Wilh, und Johs. Leicher aus Stockum wegen Verbreitung falschen Papiergeldes;

10. Novbr., Friedrich Hahn aus Niederhausen wegen Todschlags; 12. Novbr., Christ. Schäfer aus Lochum und Jacob Baldus auS Büdingen wegen Meineids; 14. und 15. Novbr., Friedrich Müller aus Alpenrod wegen Raub; 16. Novbr., Wittwe deö Johs. Knecht aus Diez wegen Kuidesmvrd; 17. Nov, Philipp Helm aus Sack wegen Meineid; 18. und 19. Novbr., Ama­lie Neuhaus aus Wald wegen Kindes mord; 21. Nov., Christoph Karl Schmidt aus Neustadt wegen Körper- Verletzung.

B. Ohne Zuziehung der Geschwornen:

22. Nov., Johö. Lotz aus Stein-bach wegen Schrift- fälschung; 23. Novbr., Johs. Sack sen. aus Langen­dernbach wegen Verausgabung falscher Fünslhalcrscheine;

24. Nov., Joseph Keul auS Nicderelbcck wegen Schrist- falfd'ung

Frankfurt, 4. Nov. Die bei der Bundesver­sammlung eingegangene Reklamation der couservativen Frankfurter Bürgerschaft/deren Einreichung wir als be­reits erfolgt angezeigt huben , schließt das Ersuchen in sich, es möge die hohe Bundcèversammiuug die gesetz­gebende Versammlung cnlweder iuhibircn oder aus daS Nothwendige beschränken und die hiesigen Zustände überhaupt auf einen Weg bringen, aus dem die Stadt mit Wurde und in Ordnung bestehen könne. Unter­zeichnet ist die Reclamation von den Herren v. Lersner