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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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JV' 361. Samstag den 5. Uaaember 1833«

Die,.Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt ter PrânumeratlvnSpreiS für Wiesbaden und , nach deck neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Ldurn, und Taris'fchen Berwaltungsbezirks mit Inbegriff des PostausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutfch.öfferreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inftrate werden die bierspaltiß Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buckbandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

V i e n st n a ch r i ch t e n

Lehrer Gläßer zu Niederhöchstadt ist am15. Octo- her mit Tod abgegangen.

Lehrer H o r n e ck von Ruppertshain ist zum Lehrer in Niederhöckstadt, Lehrer H e l l e r b a ch von Nieder- lahnsteinzum Lehrer in Ruppertshain, Lehrgehilfe Cour- tial von Schierstein zum Lehrer in Niederlahnstein, Lehrvicar Pehl zu Mammolshain zum Lchrgcbilfen in Schierstein ernannt und mit Versehung der Lchrvicar- stelle zu Mammolshain der Schulcandidat Schmitt von Cronberg beauftragt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Der letzte Sieg der Diplomatie. Avel und Junkerthum. Derarme Laporte!" Weibliches Zartgefühl vor rer Barre.

** Durch das rasche Ergreifen der Offensive von Seite des türkischen Feldderru, sagt der Lloyd, sind die Be­mühungen der europäischen Diplomatie in Lonstautiuo- pel für's Erste neutralistrt worden. Man hatte am 21. d. in der türkischen Hauptstadt keine Nachricht gehabt, welche auf das Vereinen des Douauübergangeè von Seite Omer Paschas hindeutete. Der Befehl, welcher an den Letzteren gesendet wurde, beruhte, sicherem Ber­nehmen nach, aus der Voraussetzung, daß er die Feind, feligkeiten noch nicht begonnen hatte, und nur in die­sem Falle sollte die Weisung für ihn bindende Kraft haben. Es versteht sick auch von selbst, daß falls der Befehl zur Sistirung der Feindseligkeiten Omer Pascha auf dem linken Donauufer trifft, er außer Staude ist, demselben zu gehorchen. Es trifft nämlich zu gleicher Zeit kein ähnlicher Befehl für die russische Armee ein, geyen welche der türkische Feldherr sich zu behaupten haben wird. Er hat jetzt keine andere Wahl, als so viele Streitkräfte wie möglich über die Donau zu zie­hen, um dem bevorstehenden Angriff des Fürsten Gort- schakoff zu begegnen, ^in ernster Kampf würde sich allerdings jetzt entspinnen, falls ein Erfolg die ersten Unternehmungen Omer Paschas begünstigte. Aber in dem viel wahrscheinlicheren Falle, daß der türkische Feld­herr, bevor er Zeit gewinnt seine ganze Armee auf walachischem Boden aufzustellen, über die Donau zu­rückgeworfen würde, steht zu erwarten, daß Rußland die gemäßigte Politik, welche es bisher befolgte, nicht ändern wird. Diese Macht wird dann in der Lage sein, die Loyalität und Aufrichtigkeit derselben ans eine glänzende Weise an den Tag zu legen. Der letzte Er­folg der Diplomatie in Constautinopel ist allerdings in diesem Augenblicke als nicht errungen zu betrachten. Es schließt dieses aber keineswegs die Hoffnung aus, daß die Bemühungen derselben. in nächster Zeit von besse­rem Glücke werden begünstigt sein.

** Adel u n d Junkerthum, sagt dieN. Pr. Ztg.", sind ganz verschiedene Begriffe. Etwa so wie Löwe und Affe, wie Zentifolie und Klatschrose , wie Perle und Knistergold. Der Adel weiß, daß er vor Allen Pflichten hat; das Junkerthum macht nur Am sprüche. Der Adel ist sich seines Amtes bewußt, in erster Reihe zu dienen dem Könige und dem Vaterlande zur Ehre Gottes und zum Frommen des Nächsteu; der Junker" zeichnet sich nur durch unberechtigte Präteu- sioueu aus und dient nur feinem eigenen Belieben oder Gelüst. Der Adel achtet auch seine Rechte hock und vertheidigt sie gegen die Angriffe der glelchmackcrischeu Nivellirungssucht: sind doch diese Reckte eigentlich alle nur Ehren - Reckte und von Ehren - Pflichten kaum zu unterscheiden. Das Junkerthum dagegen gibt all' diese Ehren.Rechte mit Freuden dahin , wenn dadurch etwa einige Thaler jährlich erspart werden.Fort mit Scha­den Patronat und Polizei! Die Geschickten kosten ja doch nur Geld, und je zwei Thaler geben eine Flasche Champagner oder lassen sich auch sonst entsprechend an- legen!" Der Adel wohnt im Herzen, das Junker- thum zeigt sich mehr in Redensarten. Jener hat Hal­tung, dieser bloß Tournure, und nicht immer eine feine. Der Adel ist nicht die. nothwendige Frucht eines alten Namens. Der edle Name sollte wohl überall Träger adliger Gesinnung sein, aber man kann auch recht adlig sein ohne den Namen, Beispiele liegen vor. Andererseits kann man junkerthümlick gesinnt sein bei jedwedem ganzunadligeu" Namen, und mancher gold- verbrämte Handelsmann beißt denJunker" heraus

trotz Graf und Baron. Beispiele liegen auch hier vor: natürlich sinb's lauter aufgeklärte. Sie verachten den Adel recht herzinniglich: wie würden sie gar dem die­nen , der sie in den Adelstand erheben und neben ihr rothes Metall ein Wappenschild stellen wollte! Die stolzen Leute!

** Ueber die Affaire des Generals v. Neuilly und des Hauptmanns de Laporte schreibt man derN. Pr. Z." aus Paris: Es ist wahrhaft ekelhaft, hier soitwährenbd as sentimentale Gewäsch über denarmen unglückliche» Laporte" zu hören. Ich will's nicht entschuldigen, daß General Neuilly gerade mit Stockschlägen über den Schänder seiner Ehre herfiel aber es ist doch ab­scheulich, daß Niemand ein Wort der Entschuldigung für einen alten, tapferen Krieger hat, der, selbst der Arzt seiner Ehre, dabei todtgcsckosicn wird. Alles schilt den erschossenen Ehrenmann, denarmen Hauptmann" bemitleidet man mit größter Ostentativ». Die eheliche Treue soll ja, wie man sagt, nie feine vorzugsweise Französische Tugend gewesen sein, in unsern Romanen wird sie angegriffen, in unsern Philosophieeu systema­tisch bekämpft, in unsern Comödien verspottet, da ist's eben kein Wunder zu nennen, wenn solche Dinge vor­kommen; aber trotz alledem würde eine solche Allge­meinheit des Urtheils nicht statlsindm, käme nicht noch etwas Anderes hinzu, es würden sich auck mißbilligende Stimmen erheben, kurz heraus, wenn das französische Volk nicht durch und durch revolutionär vergiftet wäre. Der bemitleidete Mörder war der Adjutant, der ermor­dete General war der Vorgesetzte des Mörders, das ist für die Franzosen von heute Grund genug, für ihn Partei zu nehmen, seine That ist ein Act gegen die Autorität, und der geringste solcher Acte ist beliebt und gefeiert von diesen sittlich hcrabgekommeuen Leuten. Derselbe Korrespondent erzählt noch folgenden für Frank reichs sittliche Zustände charakteristischen Zug: Eine junge Schauspielerin vom Vaudeville-Theater weigert sich in einer Rolle aufzutreten, weil dieselbe, sowohl we­gen des Costümes oder besser des Nicht-Costümes, in welchem sie erscheinen sollte, als auch wegen der Worte, die sie zu sprechen hatte, zu unanständig-schmutzig sei. Es muß gewiß schlimmer als schlimm sein, wenn eine Schauspielerin vom Vaudeville-Theater Scrupel der Art hat, und dennoch verklagte sie der Director beim Handelsgericht, und das Gericht gab ihm Recht und be­fahl der jungen Schauspielerin, die Rolle zu spielen, oder 10,000 Frcs. Strafe zu bezahlen, oder im Ünver« mögcusfallc in's Sckuldgefängmß zu wandern. Ich höre, daß man den Minister auf den Scanbai aufmerk- fam gemacht hat: der kann durch die Theater-Censur das Stück verbieten lassen, der allein könnte das arme Mädchen vor dem formell freilich richtigen Spruch deS bohen Handelsgerichts retten.

Deutschland.

t* Wiesbaden, 5. 91 ov. Aus dem bei Ge­legenheit der letzten Generalversammlung des hiesigen Kranken- und Sterbe-Vereins vorgelegten Rechenschaft-? - bericht ergeben sich folgende Daten über die anerfen- ucnswcrthe Thätigkeit und die vortheilhaften Einrichtun­gen desselben. Während des zehnjährigen Bestehens hatte der genannte Verein im Ganzen eine Einnahme von 16,633' fl. 29 kr., an Ausgabe 14,211 fl. 44 kr., und besitzt demnach gegenwärtig ein Vermögen von 2421 fl. 45 kr. Der Mitgliederstand betrug im Durch­schnitt per Jahr, ausschließlich der Ehrenmitglieder, 304; gestorben sind 55 Mitglieder und ebensoviel Frauen von solchen, im Durchschnitt also jedes Jahr 5'/, oder 1% Procent. An Krankengeld wurde ver­ausgabt für 433 KrankcnfäUc 5688 fl. oder durch­schnittlich per Jahr für 43Krankcnsälle 568 fl. 48 kr.; an Beerdigungskosten für obige 110 Todesfälle 2140 fl,; an die Hinterbliebenen der 55 verstorbenen Mitglieder wurden 5319 fl. 20 kr. verabfolgt. Im abgelaufeueu Verwaltungsjahr wurden für 65 Krankheitsfälle ausge- gcben 734 fl., für 14 Todesfälle (8 Männer und 6 Frauen) an Beerdigungskosten 280 fl., ferner an die Hinterbliebenen dieser 8 männlich Verstorbenen 840 fL Die diesjährige, Einnahme betrug 1917 fl. 15 kr., die Ausgabe hingegen 1987 fl. 49 kr., was einen Ausfall in der Einnahme gegen die Ausgabe von 70 fl. 34 kr. ergibt. Nach der Durchschuittzahl der Todesfälle zu 5% beträgt der jährliche Beitrag zur Sterbereute für das einzelne Mitglied 1 fl. 50 kr. und die Monatsbei­träge (sofernjkeinejSistiruug derselben eintritt) per Jahr 3 fl. und hat demnach ein Mitglied per Jahr höchstens

4 fl. 50 kr. zu bezahlen, was im Vergleich zu den Leistungen des Vereins gewiß sehr gering ist, wonach

ein Mitglied im Falle des Erkrankens wöchentlich 2 fL 48 kr. Krankengeld und außerdem die Hinterbliebenen im Falle seines Todes außer 20 fl. für Beerdigungs­kosten wenigstens eine Summe von 100 fl. erhalten.

Eltville, 4. Nov. Heute Morgen 6 Uhr brach in der Scheuer des Heinrich Scholl von Rauen- thal Feuer aus. Vorliegende Verdachtsgründe der Brandstiftung bestimmten das Herzogliche Justizamt so­fort eine Untersuchung an Ort und Stelle zu veran­lassen, in Folge welcher der Obengenannte bereits ver­haftet und an das Criminalgericht abgeliefert wurde. Die Weinlese hat gestern dahier und in den Orten des Obergmts begonnen. Die Quantität.läßt zu wün­schen übrig. Die Qualität glaubt man der von 1848 gleickstellen zu können. In der Gemarkung Rauenthal wurde die Crescenz ans ungefähr 2% Morgen bet einer öffentlichen Versteigerung zu 555 fl. verkauft. Aus diesen 2^ Morgen werden ungefähr 10 Ohm Wein erzielt.

X Hadamar, 4. Nov. Erst vor einigen Wo­chen erlitt unser Gymnasium einen fühlbaren Verlust durch den ganz unerwarteten Tod des Herrn Candida- tcn Sckmidtborn, eines tüchtigen und kenntniß- reichen Lehrers, uhb schon siebt ihm, wenn auch nicht durch den Tod wieder ein Verlust bevor. Hr. Conrector Becker nämlick hat eine Lehrerstelle in Frankfurt übernommen, und wird demnächst, wenn er seine Eiitlassung aus Nassauischem Staätsdienste erwirkt hat, dahin überziehen. Herr Becker ist unsres Wissens der Vierte derjenigen Lebrer, die seiner Zeit aus dem Auslande hcrcingezogen wurden, der den Nassauischen Staatsdienst wieder verläßt.

Frankfurt, 4. Nov. Nachdem der ursprüngliche Statütenentwurf der Frankfurter Bank einige von dem Bankausschnsse empfohlenen Modificationen erhalten und Die niebetgcsetzte Commission sich nunmehr vollstän­dig geeinigt hat, dürfte in kurzem dieses Bankinstitut ins Leben treten.; Wie man vernimmt, hat der Graf Isenburg-Wächtersbach, Schwiegersohn Sr. f. H. deS Kurfürsten von Hessen, das Palais der Gräfin von Bergen für 210,000 fl. und die Gartenbesitzung des Bankiers Bonn, neben der kurfürstlichen Billa vor dem Untermainthor, um 60,000 fl. angeknuft.

Dürkheim, 2. Nov. (Pf. Z.) In Folge der günstigen Witterung haben hier und in der Umgegend> mehrere größere Wcinbergbesitzer mit der Weinlese wieder ausgesetzt, um die Trauben noch mehr reisen zu lassen.

Karlsruhe, 2. Nov. DerSchw. M." berichtet über den Coil slict mit dem Erzbischof von Frei­burg, daß letzten Freitag Berathung im großherzoglichen Staatsministerium gehalten und Staatsrath v. Stenge! zur gütlichen Vermittelung an den Erzbischof von Frei­burg entsendet worden sei. Der größherzogliche Com- MlssÄ sei unterdessen, ohne zu einem Resultate gelaugt zu sein, hierher wieder zurückgekehrt. Wie das genannte Blatt wohl nur gerüchtweise meldet, habe inzwischen der Erzbischof die Pfarrei Konstanz durch den dermakigen Pfarrer in Kenzingen besetzt, die großhcrz. Regierung dagegen den letzter» für de» Fall des Abzugs von Ken­zingen mit Sperrung der dortigen Temporalien und für den Fall deS versuchten Auszugs in Konstanz mit poli­zeilicher Ausweisung bedroht. Endlich sollen diejenigen, welche sich anschicken, erzbischöfliche Excommunicativnen zum Vollzug zu bringen, mit Gefängniß - und Geld­strafen bedacht werden. Eine öffentliche Bekanntma­chung über diese Vorgänge ist bis jetzt noch nicht er­schiene».

München, im Oct. Eine halbofficicüe Feder in derAllgemeinen Zeitung" gibt aus Anlaß der vielver- breiteten Meinung, als ob die nicht zum Zollverein ge­hörenden deutschen Staaten, wie die beiden Mecklen<k bürg und die Hansestädte, von der Betbeiligung an der hiesigen Industrieausstellung ausgeschlossen wären, die Erklärung, cs sei von vornherein die Absicht gewesen, daß die dortige Ausstellung die Industrie von ganz Deutschland umfassen solle.

Kassel, 4. Oct. (K. Z.) In der heute Morgen um 9 Uhr begonnenen öffentlichen Sitzung der zweiten Ständekammer (die erste seit ihrem Wiederzusammentritt) kamen diejenige» Abweichungen zur Berathung, welche in Betreff des KlaffciisteuergesetzeS und des Grundsteuer- gesetzes zwischen den Beschlüssen der ersten und denen der zweiten Kammer sich herausgestellt haben. Nach längerer DiScussiou, an der sich auch St. Excellenz der Herr Fiuanziniuistcr beteiligte, erklärte die Majorität der Kammer sich für mehrere der von der ersten Kam­mer gefaßten und von der Regierung älS neue Pro--