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DerSun" kündigt bereits die Ernennung des Admirals Edmunds Lyns zum außerordentlichen Ge­sandten in Constantinopel an Stelle des abberufenen Lord Rèdcliff an. DieTimes" fährt fort Friedens- Hoffnungen zu hegen, ohne anzugeben, worauf sie sich stützen. Dasselbe Blatt bringt wieder das veraltete Project einer Verbindung Portugals mit Spanien be­treffend, zur Sprache und sagt: daß man den Wider­stand Portugals g^gen diesen Vorschlag dadurch zu he­ben hoffe, daß man die Krone dem Herzog von Bra- ganza anbiete. (Und die Königin Isabella?) Am Tage Allerseelen sind alle Kirchhöfe von Paris und besonders der von Perelachaise mit einer unzählbaren Menschenmenge angefüllt. Am Eingänge derselben stehen lange Reihen von Bude», welche Jmmortellenkränze feilbieten. Das Grabmahl von Börne, zu dem die in Paris befindlichen Deutschen processionsweise wallfahr­ten, ist damit ganz behängt.

In Lille sollten vor einigen Tagen aufrührerische Schriften aus England und Belgien eingetroffen sein; es wurden deßhalb scharfe Nachforschungen veranstaltet, jedoch nichts ausgefunden. Die Gräfin von Neuilly hat sich nicht in ein Kloster in Metz zurückgezogen, son- dem vielmehr eine Reise nach der Hauptstadt angetreten. Der Thabor, ein nach einem neuen Modelle gebau­tes Dampfschiff, das eine Probefahrt nach Constantino pel gemacht hat, legte den Weg von Marseille nach der türkischen Hauptstadt in fünf Tagen zurück.

Der Courrier de Marseille enthält folgende Nach­richt, welche mit dem Dampfer Caradoc aus Constan- tinopel angelangt sein soll, deren Glaubwürdigkeit je­doch bezweifelt werden dürfte:Nach der am 22. Oct. geschehenen Vorlage eines aus Wien mit der beigefüg­ten dringenden Aufforderung zur Wiederaufnahme der Unterhandlungen eingelroffenen Notenprojects, erklärte die Pforlenregierung: daß sie vor Räumung der Do­naufürstenthümer durch die Russen auf keinen friedlichen AuStrag der Angelegenheit mehr eingehen könne. Diese Antwort des Divans bildet den Gegenstand der neue­sten, der französischen wie der englischen Regierung aus Constantinopel zngesaudten Depesche."

Strasburg, 2. Nov. Prinz Napoleon Bona­parte ist gestern auf seiner Rückreise von Stuttgart hier durchgekommen. Er hatte vorgestern auf der Präfectur übernachtet. Der Prinz scheint mit der Aufnahme, die er in der würtembergischen Hauptstadt gefunden, außer­ordentlich zufrieden zu sein. Er brachte auch mehrere Pferde mit hierher, die ihm von seinem königlichen Oheim zum Geschenke gemacht wurden. Die Lebens­mittelfrage beschäftigt noch immer die Regierung wie das Publicum. Nach den außerordentlich starken Zu­fuhren aus Holland und den südfranzösischen Häfen zu schließen, werden die Verproviantirungen unsere Bedürf-. Nisse überschreiten. Es ist anzunehmen, daß die Theue­rung ihren Höhepunct erreicht hat, denn schon bemerken wir in Lothringen wie im Oberelsaß einen bedeutenden Abschlag, der aus den hiesigen Großhandel nicht ohne Einwirkung bleiben wird. Gestern und heute wurden sehr beträchtliche Geschäfte zu niedrigeren Preisen als die vorige Woche abgeschlossen. Waizen gilt heute 1 Fr. 50 Cent, weniger, als jüngsten Freitag. Die Schiff- fahrt auf dem Oberrhein und den Canälen leistet ge­genwärtig große Dienste für die Getreidcsendnngen.

Schweiz.

Bern, 1. Nov. Gestern Abend war man in der Stadt Freiburg in einiger Besorguiß. Es ging das Gerücht, die Bauern kämen; Artilleristen von der Bür­gergarde eilten in Civilkleideru zum Zeughaus und brach­ten daselbst die Nacht zu. Es war nur ein blinder Lärm. Die extremen Nadicalen sitzen wieder einmal auf hohem Roß. Eines ihrer Organe verlangt, es soll ein Ultimatum an Oesterreich gestellt werden, binnen 24 Stunden die Gränzsperre aufzuheben und die ausgewie­senen Tessiner zu entschädigen. Zugleich solle die ganze Bundesarmee auf das Piket gestellt und die Bürger Mazzini und Kossuth eingeladen werden, ihren Wohn­sitz in Graubündten und Tessin anfzuschlagcn.

Spanien.

Madrid, 28. October. Die Regierung hat be­schlossen, die Besatzung der balearischen Inseln um zwei La- taillone zu vermehren. Der Präsident des Mi­nisterrathes soll beabsichtigen, die bevorstehende Nieder­kunft der Königin Isabella mit noch größerem Pompe, als gewöhnlich' bei solchen Anlässen stattfindet, festlich begehen zu lassen.

Die Blätter enthalten die Anrede, welche der neue nordamericanische Gesandte, Hr. Souls, bei Ueberreich- ung seiner Beglaubigungsschreiben an die Königin ge­halten hat. Wer indeß in der Rede des gefürchteten nordamericanischen Staatsmannes irgend etwas Außer­ordentliches, Demonstratives suchen möchte, würde sich sehr getäuscht finden; sie athmet nichts als Freundschaft, Eintracht, Wohlwollen, und die Antwort Ihrer Maj. deßgleichen.

Belgien

Brüssel, 31. October. Die von London aus ge­meldete Verleihung des schottischen Distelordens an Se. königliche Hoheit den Herzog von Brabant beruht, wie belgische Blätter jetzt mittheilen , auf einer mißverstan- nen telegraphischen Depesche. Sc. königliche Hoh. hat

nur einem in Windsor abgehaltenen Capitel jenes Or­dens beigewohnt.

Niederlande.

Haag, 29. Oct. Man versichert, daß Hr. Han­nibal Joresti, der im Auftrage der türkischen Ne­gierung hier eingetroffen, holländische Marine-Offiziere für den türkischen Seedienst auwerben solle.

Großbritannien.

London, 31. October. Die Blätter ergießen sich heute wieder in eben so langen wie langweiligen Tira­den über die orientalische Frage, ohne etwas Neues beizubringen. In Nottingham und Derby sollen heute und morgen anti-russische Meetings gehalten werden, bei denen sich das Philisterium wieder gehörig breit machen und Mr. Urquhart sprechen wird.

Die zweite Ausgabe des Chronicle bringt aus Wien vom 31. Oclober folgende telegraptische Depesche: 30,000 Mann Infanterie und 400 Mann Kavallerie, unter den Befehlen von Omer Pascha sind am 27. Oc­tober bei Kalafat über die Donau gegangen. Andere Truppenmassen von bedeutender Stärke waren im Be­griffe, ihnen zu folgen. Für den 28. erwartet man ei­nen Zusammenstoß mit den Russen."

Die Ruhestörungen in Wigan sind leider noch nicht vorüber. Der Telegraph meldet, daß gestern Abends wieder blutige Schlägereien vor den Sägemühlen vor­fielen. Es kam zu Schüssen; ein Mann wurde gelödtet oder doch schwer verwundet und die Arbeiter wichen erst, als Militär anrückte.

Italien.

Mailand, 26. Oct. Der Militärgouverneur der Lombardei, Feldzeugmeister Graf Gyulai, wird am 2. November hier eintreffen, um wieder seinen wichtigen Posten einzunehmen. Mit Ende dieses und mit Be- ginn deS künftigen Monats treten große Truppenbe­wegungen in Bezug auf den längs der Tessiner Grenze aufgestellten Dlokadecordon ein. Die Brigade Mar­sano mit den Infanterie-Regimentern Erzherzog Karl und MazzuccheUi verläßt vorläufig ihre dortige Auf­stellung, in welche dagegen die Brigade Lilia mit den Infanterie-Regimentern Franz Graf Gyulai und Baron Fürstenwärther einrückt. Die Militärcommission, welche für die Betheiligung der am 6. Februar in Mailand verwundeten Soldaten mit den dieser Stadt auferlegten Strafgeldern und den patriotischen Gaben beauftragt war, hat nun ihre Arbeiten vollendet. Die 67 Verwundeten sind je nach dem Grade der erhalte­nen Wunden in 9 Classen eingetheilt, die sich zwischen dem jährlichen Pensions-Maximum und Minimum von 80.und 300 fl. C.M. per Kopf halten. Die Hinter­bliebenen der Gemordeten oder der später in Folge ihrer Wunden Verstorbenen gehören nach dem Wort­laute des am 13. Februar- von Feldmarschall Grafen Radetzky erlassenen Proclams bekanntlich auch in die Kategorie der zu Pensionirenden. Au patriotischen Gaben sind für die Verwundeten und die Hinterbliebe­nen der Gemeuchelten 22,879 fl. eingegangen; der Stadt wurde die Summe von 84,000 fl. dictirt.

Briefe aus Italien sprechen von einem Vorfall, der ein Seitenstück zu der Koßta'schen Ange­legenheit werben könnte. Die päpstliche Regierung hat einen ausgewanderten und in Amerika naturalisir- ten Italiener, Namens Paperi, in Ancona verhaften lassen. Der Gefangene, der sich über sein neues Bür­gerthum nicht ausweisen konnte, hat sich an den amen- camschen Konsul gewendet und dieser ibn unter seinen Schutz genommen. Die päpstlichen Behörden boten je­nem nun an, ihn loszulassen, wenn er sich verbindlich mache, den Kirchenstaat nicht mehr zu betreten. Beim Abgang der Post wußte man noch nicht, wie der Streit ausgehen würde. Außer dieser Sache machte in Rom auch ein päpstliches Decrct Aufsehen, das allen Be­sitzern von Getreidevonätbcn bei Strafe des Confisca­tion befiehlt, von dem Betrag derselben den Behörden Anzeige zu machen. Aus dem Gesichtspunkt der poli­tischen Oekonomie empfehlen sich solche Maßregeln nicht.

Rußland.

St. Petersburg, 26. October. Allerhöchstes Rescript an den Commandanten der Truppen im Kaspi­schen Gebiete: Herr General-Adjutant Fürst Argnlins- ki-Dolgorukow. Beim Eindringen Schamil's , mit zahl­reichen Heereshaufen der Bergvölker, in den Dsharo- belokan'schen Bezirk und bei den daselbst stattgefundenen Affairen haben Sie durch Ihr rasches Erscheinen mit dem ihnen anvertrauten Detachement im Gebiete dieses Kreises, ungeachtet der bedeutenden Schwierigkeiten, welche das Detachement beim Vordringen über Bergpfade zu überwinden hatte, vorzugsweise dazu beigetragen, Scha­mil zur Flucht zu zwingen und in diesem Gebiete die Ruhe wieder herzustellen. Auf das hierüber vom Ober- Befehlshaber des abgesonderten Kaukasischen Corps ab­gelegte Zeugniß ist es Mir angenehm, Ihnen für diese ausgezeichnete Waffenthat Mein besonderes Wohlwollen zu erkennen zu geben. Ich verbleibe Ihnen wohlgewo­gen. Das Orginal ist von Sr. Kaiserlichen Majestät Höchsteigenhändig unterzeichnet: Nikolai. Zarskose- Sselo, 3. Oct. 1853.

Donaufürllenthümer.

Am 24. war die Kriegserklärung der Pforte an Rußland in Bukarest noch nicht officiell publicirt worden. Dieselbe betreffend las man bis dahin nur eine An­

deutung in dem halb officiellenWeslilor romanesk* vom 22. (10.) L M. und zwar folgende in seinem amt­lichen Theile abgedruckteBekanntmachung:"Das kaiserlich russische Generalconsulat für die Fürstenthümer Walachai und Moldau macht hiermit über Verfügung Sr. Excellenz des Hern. Obercommandanten des 4. und 5. Corps, Generaladjutanten Fürsten Gortschakoff, allgemein bekannt, daß, nachdem die ottomannische Pforte an Rußland den Krieg erklärt habe, es den Kauffarlhei« schiffen unter russischer Flagge nicht gestattet werden könne, die Donau weiter zu befahren, sondern dieselben haben bis auf weitere Verordnung in jenem Stapel­platz zu verbleiben, wo sie diese Weisung treffen sollte."

DieN. M. Z." bringt über den türkischen Do­nauübergang folgende telegraphische Depesche aus Wien, 31. October:Nach Berichten aus Orsova sind die Türken am 27. d. bei Kalafat mit 3000 Mann Infan­terie und 400 Pferden über die Donau gegangen, und das Uebersctzen dauerte noch. fort. Man erwartete am 28. einen Zusammenstoß."

Türkei.

Constantinopel, 21. Oct. (N. C.) Der preu­ßische Ingenieur Blum ist nach Bosnien und der Her­zegowina abgereist, um die Befestigung jener Landes- thcile zu leiten. Die Nachrichten von und über Ol- mütz haben hier nicht die Befriedigung und Hoffnungen erzeugen können, wie sie die Allgemeine Zeitung daraus in langen Zügen schlürft; man glaubt sehr stark an eine Spaltung Europas in ein westliches und ein öst­liches Lager. Am letzten Sonntag gab Baron Bruck im PalaiS zu Bujukdere eine glänzende Soiree. In­deß war weder der französische noch der englische Ge­sandte oder vielmehr kein einziger Engländer oder eng­lischer Angestellter dort anwesend. Wie das heutige Journal de Constantinople berichtet, ist das Kriegs- manifest nun überall im Reich verkündet und der Hatti- Scherif (kaiserliche Erlaß) überall mit gleichem Jubel ausgenommen werken. Die Truppen in den Stand­quartieren an der Donau wie in Asien, und wo sie sonst im Felde aufgestellt sind, wurden die letzte Woche, jetzt zum erstenmale, auf den Koran vereidigt. Sie sind wohl auch neugierig, wie das hiesige fränkische Publicum zu ob den drohenden Wolkenbilbungen sich verhält. Gestern waren in den Straßen von Pera riesenhafte Ankündigungen über Personalstand und An­fang der von Herrn Naum in Italien neu engagirten Oper angeschlagen, an derselben Stelle, wo 10 Tage früher das Kriegsmanifest gèhangen. Das Phlegma der Geschäfte konnte selbst von den letzten Nachrichten nicht erbrochen werden.

DerOstdeutschen Post" schreibt man aus Con­stantinopel vom 20. Oct. Nachdem die hiesige preußische Gesandtschaft durch einige Tage die Vermitt- lunsrolle zu übernehmen versucht hatte, die aber, weil die Sachen zu weit gediehen, leider von keinem Erfolge gekrönt wurde, trat am 17. Lord Redcliffe mit einem ganz neuen Vorschlag auf. Derselbe sah von der be­kannten Wiener Note ganz ab. Eine neue Erklärung in der allerdings auf die Integrität der Psorte mehr Rücksicht genommen ist, als auf eine cclatante Satis- ficalion Rußlands, wurde dem Pfortencabinete vorge­schlagen und ein Aufschub der Feindseligkeiten beantragt. Reschid Pascha soll diese neue Elaboration des engli­schen Gesandten Seitens der Pforte annehmbar gefunden, dagegen aber unverholene Zweifel ausgesprochen haben, daß man in Petersburg damit einverstanden sein werde. Auf das Drängen Lord Redcliff's hat die Pforte, um sich England willfährig zu zeige», sich anheischig gemacht, Omer Pascha den Befehl zukommen zu lassen, wenn es noch möglich ist, die Feindseligkeiten für eine kurze Zeit aufzuschieben; sollten jedoch die Feindseligkeiten bereits begonnen haben, so soll der Oberbefehlshaber an der Donau freie Hand behalten, nach seinem eigenen Er­messen zu handeln, ohne seine taktischen Dispositionen zu unterbrechen.

Auch die neueste Nummer desJourn. de Const." (vom 19. October) enthält Nachrichten von den angeb­lichen großen Siegen der Tscherkessen. Nach Briefen aus Trebisonde nämlich hätten die Russen 20,000 M., die im Daghestan operirten, weggezogen, um sie an die türkische Grenze marschiren zu lassen, nachdem sie ihrer Ansicht nach Schamyl durch eine Summe von 60,000 Ducatcn friedlich gestimmt hatten. Diese 20,000 Mann nun waren durch eine Armee von 30,000 Bergbewoh­nern im Defilö von Zakartala angegriffen und voll­ständig geschlagen worden.

Aus Albanien schreibt man derAgramer Z." unterm 18. October:Es scheint, daß die Verwicklung der Angelegenheiten im Orient einigen Sturm auch un- ter den Montenegrinern und Türken hervorbringen werde, zu welcher Vermuthung ein wichtiges Schreiben, welches aus Rußland an den Fürsten von Montenegro gelangt ist, Veranlassung gibt. Gleich nach dem An- langen des Schreibens verordnete der Fürst die Ein­sammlung der Früchte auf den montenegrinischen Be­sitzungen in der Nähe von Zabljak; eben so werden Patronen verfertigt und Kugeln für die Nationalge- wehre gegossen. Man sagt, es sei dem Fürsten auS Rußland geschrieben worden, daß ein Conflict mit der Türkei wahrscheinlich, daß der Beginn eines solchen Conflicts heilig und patriotisch sei, und daß Montene-