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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^. SS«.

Mittwoch öcn 2. November

1S53.

DieNaffauischr Allftcmelne Zeitnnq" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlaiiv nunmehr amh für den ganzen Umfang deS Tdurn» und TaiiS'schcn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutfch.österreichifchen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. Inftratc werden die vierspaltig Petitzeile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Zur orieutalischeu Frage.

DerNat.-Ztg." wird aus Wien geschrieben:Es bestätigt sich allerdings, daß die Pforte sich bereit er­klärt hat, die Feindseligkeiten nochmals zu suspendiren. Allein dies ist zuvörderst kein Waffenstillstand, sodann heißt es in der bezüglichen diplomatischen Mittheilung ausdrücklichpour un court délai. Auch hat sich die Pforte nur auf Andringen Lord Redcliffe's dazu her­beigelassen, der sich jetzt mit einem neuen Ausgleichungs- Vorschläge bestätigt, mit einem dem Texte der Wiener Conferenznote sich anschließenden Actenstücke, welches zwar nicht die Modisicationen der Pforte, aber auch nicht jene Passus, welche zu diesen Veranlassung geben, enthalten soll. Uebrigens verkennt Lord Redcliffe selbst die Schwierigkeiten.nicht, welche Seitens des Divans jetzt der Annahme eines solchen Vorschlages entgegen­stehen. Die hiesige Börse hat die Kunde mit ihrem gewöhnlichen Sanguinismus ergriffen und ausgebeutet. Möge nicht eine Enttäuschung wie jetzt schon so oft da­von die Folge sein. Der Vorfall bei Jsaktscha wird hier als ein störendes, obwohl die Friedensbestrebungen nicht wesentlich hemmendes Ereigniß angesehen. Das russische Kriegsmanifest hat sich nun, wie bekannt, rich­tig in eine einfache Note aufgelöst. Wenn man cs bis jetzt auf der russischen Gesandtschaft erwartete, so weiß man jetzt, daß es vor der Hand gar nicht und nur dann erst eintreffen wird, wenn die Türken den Krieg mit allem Nachdrucke begonnen haben.

Der Korrespondent derNat. Ztg." Von der russisch-polnischen Grenze, schreibt unterm 29. October. Wiener Konferenz, kriegerische Maß­nahmen der Türkei, energische Noten des Hrn. Dronyn de l'Huys, endlich die Schwenkung der englischen Po­litik, sind fruchtlos geblieben. Das Petersburger Ca- binet geht von seinen Entschlüssen nicht ab. Es weiß die Politik des englischen Cabinets weicht in vielen Stücken von der persönlichen Ueberzeugung, ja wohl auch von demInteresse" des Kaisers der Franzosen ab. Man fürchtet daher in Petersburg energisches Handeln beider Mächte nicht. Es bestätigt sich', daß Rußland bei der Wiener Note sieben bleibt, aber direct angeknüpfte Beziehungen mit der Pforte jeder anderen Vermittelnug vorzöge. Den Westmächten will es allen­falls überlassen, wieder gut zu machen, was dieun­berufene" Einmischung ihnen selber Uebles zugezvgen hat. Die türkische Kriegserklärung hat nächst dem Spott in Petersburg, eine simple Beantwortung durch eine Cirknlaruote an die Höfe erfahren. Der Inhalt dieser besteht in Erhärtung früher anfgcstcllter Beweisgründe für das gute Recht und die Willensmeinung Rußlands. Das russische Cabinet hat seine früheren Ansprüche ein­fach, aber bündiger wiederholt. Was sonst von dieser Depesche behauptet wird, ist irrig. Dieselbe ist kurz, auch nicht in feindseligem, wiewohl zuversichtlichem und energischem Tone gehalten und bemerkt, Rußland werde den Krieg »i p t beginnen, ihn aber aufnehmen und sich bei der materiellen Garantie für sein Recht zu erhalten wissen. Fürst Gortschakoff habe dem entsprechende In structioncn erhalten.

DiePresse" schreibt: Lord Redcliffe hat neue Un­terhandlungen ungebahnt und zwar ans Grundlage der aus Olmütz in Canstautinopel bekannt gewordenen Be­schlüsse und versöhnlichen Aeußerungen (conciliants) des Kaisers Nicolaus, die, wie es scheint, erst jetzt besser gewürdigt werden. In Folge dieser Depesche sind heute wieder friedliche Nückänßerungen nach Konstanti­nopel abgesendet worden. Wir glanbeu gut unterrich­tet zu sein, wenn wir versichern, daß die von hier an Lord Redcliffe und die Repräsentanten der übrigen Großmächte abgegangenen Depeschen eine Garantie für die Erhaltung des Friedens enthalten und daß wie wir öfter im Laufe dieser Tage ver­sichert die Kriegserklärung der Türken vorläufi noch keinen Krie zur Folge haben wird. Die neuen Weisun­gen, welche der kaiserlich russische Gesandte, Herr von Meyenborff, ans Petersburg erwartet, dürften bald in Wien eintreffen. In diplomatische» Kreisen neigt man sich der Ansicht zu, daß diese Instructionen dem von der Wiener Konferenz berathenen Vcrmittelnngsvorschlag keineswegs günstig sein dürften. Dagegen verlautet aber in sehr bestimmter Weise, Se. M. der Kaiser Nicolaus werde selbst Pr op o s it i ou e n hiebet senden, nach deren Annahme von Seite der türkischen Regie­rung unmittelbar die Räumung der Fürstenthümer, in­soweit die Jahreszeit und andere Umstände es gestatten, erfolgen soll. Die endliche Austragung des russisch- orientalischen Zwistes durch Feststellung solcher Stipu­

lationen, welche den Frieden nicht nur für den Moment, sondern auch für eine fernere Zukunft sichern, soll spä­ter auf einem in London abzuhalteuden Kongresse er­folgen. Das Gerücht, welches in den letzten Tagen vielfach verbreitet wurde, daß ein Kongreß der Groß­mächte in O l in ü tz in Aussicht stehe, können wir als völlig unbegründet bezeichnen.

DieOesterreichische Korrespondenz" vom 31. Oct. meldet:Ein Theil der türkischen Armee hat die Donau bei Kalafat überschritten ". Wann dieser Uebergang bewirkt wu>de, ist nicht angetebtu, ebenso­wenig , ob der Oesterr. Corr. diese Nachricht auf tele­graphischem oder dem gewöbnlichen Wege zugekommen ist. Wie demFr. I." geschrieben wird, wurde diese Nachricht durch eine ofstciclle telegraphische Depesche der Oesterr. Corr, mitgetheilt. Ist die Angabe desMo­niteur" vom 30. d., daß der Befehl, die Eröffnung der Feindseligkeiten bis zum 1. Diovember zu verschieben, wenn dieselben jedoch bereits begonnen hätten, den Be­fehl als nicht ertheilt zu betrachten richtig, dann kommt auf den Tag, an welchem der Uebergang stattgefunden bat, gar nicht an. Auffallend ist es je­doch, daß die Wiener Donandampfschiffsahrt, welche am 31. October laut der gestern milgetheilten telegraphi­schen Depesche ans Wien aukündigte, daß plötzlich ein- getretener Hindernisse wegen, über deren Eintritt sie von Semlin aus auf telegraphischem Wege unterrichtet worden sein mußte, die Fahrt auf der unteren Donau eingestellt sei, ohne daß gleichzeitig die Nachricht von dem Uebergang der Türken über die Donau erwähnt wurde. Es müßte denn unter den eingetreteneii Hin­dernissen die durch den Uebergang der Türken erfolgte Sperrung der Donau zu verstehen sein. Nach unserer Bc- rechnung müßte der Uebergang der Türken über die Donau am 28. bewirkt worden sein, welcher Tag nach einem aus angeblich zuverlässiger Quelle herrührenden Schrei­ben aus Belgrad vom 24. Oct. in Wiener Blättern hierzu bestimmt gewesen sein soll. Die Nachricht von dem Uebergang der Türken bei Kolofat wird mit dem Kosakeiieilpostdicnst in das russische Hauptquartier nach Bukarest gemeldet und von dort durch den k. k. Gene- ralcousul nach Herrmannstakt zur Telegraphenstation befördert worden , kann daher allerdings schon am 31. resp., da die österr. Korrespondenz Morgens erscheint, am 30. in Wien gewesen sein Bemerken müssen wir jedoch, daß der Befehl znr Aufschiebung der Feindselig­keiten , den nach derPresse" Omer Pascha am 25. Oct. erhalten haben soll, von Schumla ans bis zum 28. in Widdin nicht eingetroffen sein konnte.

Drutlchtaud

Aus dem untern Rheingau, 31. Oct. In RüdeSheim, Eibiugen und Geisenheim hat man mit der Weinlese begonnen. In Lorch und Lorchhausen ist die selbe bereits in vollem Gange. Mau hofft auf einen Wein, welcher dem 1848er an Güte gleichen dürfte. Es herrscht ziemliche Nachkrage. Der Preis an der Kelter stellte sich bis jetzt auf 50 fl. per Ohm.

Mainz, 30. Oct. (M. I.) Gestern Abend ist man mit der Emsenkung des bei Worms durch den Rhein führenden Telcgraphcnseils fertig geworden und in diesem Augenblick wird wahrscheinlich schon der Tele­graph zwischen Aschaffenburg und der bayerischen Pfalz' seine Thätigkeit begonnen haben.

Darmstadt, 31. (F. Pstz) Der nahen Wi der- emberusung der vertagten außerordentlichen Ständevcr- sammlung wird eine Anzahl von Ergänzungswahlen vorangehen. Mehrere Mitglieder der Opposition sind ausgetreten, z. B. die Abgg. Becker, der nach Nord­america auSwanderle und, wie man vernimmt, Secretär der Gräfin Rossi geworden ist, und Bogen, der eben­falls dahin auswanderte. Auch mehrere Mitglieder des Centrums sollen geneigt sein, ihr Mandat niederznlegcn. Die Stände müssen spätestens im Monat December ein« berufen werden, da mit diesem Monat die Finanzperiode zu Ende geht und so wenigstens eine Prorogation des Finanzgesetzcs erforderlich ist.

Karlsruhe, 31. Oct. Heute Nachmittag ist der Prinz Napoleon auf der Rückreise von Stuttgart nach Paris wieder hier durchgekommen. Der Regent hat sich heute früh nach Heidelberg begeben, von wo der­selbe heute Nacht wieder hieher zurückkehren wird. Auf morgen 'wird der Besuch deS Königs von Würt­temberg am hiesigen Hoflagcr erwartet.

München, 31. October. (A. A. Z.) Durch ein allerhöchstes Rescript werden beide Kammern der Stän- Veversammlung auf den 21. Nov. hieher cuiberufen.

Kassel, 31. Oct. (Kass. Z.) Se. k. Hob. bet Kurfürst und Gemahlin sind mit Gefolge gestern Abend von Frankfurt a. M. wieder hier angekommen. Durch höchsten Beschluß vom 26. October l. I. ist die bei Gustav Rcmmelmaun zu Leipzig erschienene Flugschrift: die Berfassungsfrage in Kurhessen auf ihrem jetzigen Standpunkt, den deutschen Ständemitgliedern gewidmet," wegen ihrer regierungsfeindlichen Tendenz im Kurstaat verboten worden.

Saarbrücken, 25. October. (N. 'Tr. Zeitung.) Seitdem die Französische Regierung die Eingangszölle auf Frucht, Mehl, Bohnen, Erbsen und Schlachtvieh aufgehoben oder doch so sehr ermäßigt hat, daß dies mit einer Aufhebung gleich bedeutend ist (von Ochsen wurden früher 50 Frcs. nnd jetzt nur 5 FrcS. Eingangs- zoll bezahlt) gehen täglich namhafte Transporte dieser Eoniumtibilien über die französische Grenze. In der be­nachbarten bayerischen Pfalz und den südlichen Kreisen unseres Regierungsbezirks werden sowohl auf den Märkten als auf dem platten Laude bedeutende Aufkäufe von Kornfrüchtcu und Schlachtvieh effectuirt und sowohl durch Vermittelung der LndwigShafeii-Saarbrück-Pariscr Ei­senbahn, als ans dem gewöhnlichen Landwege nach Frank­reich tiauSportirt

* Paderborn, 28. Oct. In dem benachbarten Badeorte Li pp springe herrscht seit Kurzem wieder ein außergewöhnlich reges und glanzvolles Leben. Mit dem gestrigen Tage ist dort eine Hetzjagd eröffnet worden. Unter den Notabilitäten, die sich dort einge- funden haben, befindet sich Se. Hoh. der regierende Herzog von 91 assa u und der regierende Fürst von Lippe- Dctmold mit ihren Gemahlinnen, ferner der Comman­deur des 8. königlich preußischen Husaren-Regiments, Herzog von Württemberg, und zwei Prinzen von Croy aus Düsseldorf.

Hannover, 30. October. Der Ministerpräsident kehrte erst gestern von Rotenkirchen zurück Heute be­gaben sich der Kriegsminister, der Jnstizministcr und der Oberjiistizrath Lichtenberg dorthin. Sicheres über den Ausgang derKrisis" verlautet nicht. Ein Ge­rücht verdrängt das andere, eine Conjcctur widerspricht der andern und man kann aus ihnen allen eben weiter nichts lernen als etwas 9icgatived, nämlich daß nie­mand etwas etwas weiß. Eine rittcrschaftliche Stimme im Hamburger Korrespondenten wider ein Ministerium Lütke oder ein unter den Auspicie» des Hrn. v. Lütke gebildetes Ministerium wird hier von Manchen für un- aufrichtig'tcndenzlos erklärt, allein es ist doch nicht noth­wendig so anszulegen. Auch in de» Adelskreisen ist man keineswegs unter einander einig. Die Entscheidung scheint sich bis nach der Rückkehr des Köiiigs in die Residenz verziehen zu sollen.

Magdeburg, 31, Oct. Die Verehrer deS Chef- präsidenten v. Gerlach auS der Provinz Sachsen ihre Zahl wird auf mehr als tausend angegeben haben demselben heute in Anerkennung seiner Verdienste um Kirche und Staat ein Exemplar der in der Deckcr- schen geheimen Oberhofbuchdrnckerei in Berlin crschie- uenen herrlichen Ausgabe des Neuen Testamentes über­reichen lassen. Diese Deputation wird sich morgen nach Berlin begeben, um ein zweites Exemplar derselben Ausgabe dem Geheimenrath Stahl zu überreichen.

Vertin, 31. Des. (N.P.Z.) Se. Maj der König sind mit AUerhöchstihrcm Gefolge am Sonnabend Nachmit'- tag gegen 4 Uhr von Letzlingen in Sanssouci wieder eingelroffen. Seit einigen Tagen geht hier daS Gerücht, Oesterreich nnb Preußen würden beim Bun­destage eine NeutralitätS Erklärung des deutschen Bun­des in Bezug auf die Wirren im Oriente beantragen; Ohnemit den betreffenden Absichten der beiden dcut- schcii Großmächte vertraut zu sein, glauben wir doch annehmen zu dürfen, daß die Europäische Großmacht Preuße» eine solche unzweifelhaft nicht ganz freie Stcl- lung in der orientalischen Angelegenheit eiirzunehmeN nicht beabsichtigt. Die preußischen Kammern dürf-' teil zum 28 November berufen werden.

Die nächsten Tage werden die Anfmerksarnkert der Presse auf die Erscheinung einerPreußischen Cor- respondenz" in der Form derDefterrcicbihtcn Cor- rcspvndenz" lenken, deren ProspcctnS demnächst bekannt gemacht werden wird. Als Begründer nennt man Dr. Wolf, der durch vielfache Verbindnngeii nnd durch ge­diegene pnblicistische Bildung einen befriedigenden Erfolg erwarten läßt.

ES wird demN. Corr." versichert, die Zollcon- ferenz habe sich in einer ihrer letzten Sitzungen gegen die Verlängerung deS Vertrages mit Belgien und ge­gen jede diesem Staate- z» gewährende einseitige Be-