Einzelbild herunterladen
 

land in seiner zuwartenden Haltung verharren, keinen Offensivkrieg führen und gleich bereit sein werde, die Angriffe der Türken zurückzuweisen, als Ausgleichungsvorschläge, welche ihm von diesen gemacht würden entgegen zu nehmen, Bei solchen Gesinnungen des Hofes von Petersburg Gewinnt die Hoffnung, daß während der Wintermonate ie Pacification des Orients erzielt werden könne, an Intensität. Jedenfalls wird die Wirksamkeit Oesterreichs stets auf diesen Punkt gerichtet sein. Dasselbe wird, so lange seine eigenen Interessen nicht unmittelbar durch den Krieg bedroht werden, die Neutralität bewahren, und zwar um so mehr, da die bestimmtesten und wiederholte» Ver­sicherungen Rußlands ihm die Gewißheit geben, daß diese Macht weder die Integrität des türkischen Reichs, noch die Souvcrainetätsrechte des Sultans anzutasten beabsichtige.

Bereits gestern nach Schluß der Börse circulirten Gerüchte aus dem Orient, die auf's günstigste ausge­legt wurden. Die Course nahmen darauf einen ziem­lich namhaften Aufschwung. Jene Gerüchte verlauteten heute dahin, daß die Pforte am 21. Oct, einen neuen Aufschub der Eröffnung der Feindseligkeiten zugesagt habe. Die Besserung in den Coursen machte heute wei­tere Fortschritte.

An uns, sagt der Lloyd, gelangte ein Schreibe» ans Montenegro vom 11. d., woraus ersichtlich, daß der russisch-türkische Zwist in diesem Lande, wie natür­lich, einen starken Nachhall gefunden. Bedenkt man, daß die Montenegriner noch bei jedem Streite Ruß­lands und der Türkei mit beiden Händen die Gelege», heit ergriffen, nach Kräften den Dirken zuzusetzen, so wird es nicht Wunder nehme», we»» man hört, daß das Volk nur mit schwerer Mühe zu zügeln ist, damit es nicht über die Türken herfalle. Es kann gar nicht begreifen, warum dies auch jetzt nicht so sein sollte, wie man es seit undenklichen Zeiten gepflogen, lind jede andere Rücksicht verschwindet vor der Begier mit dem Todfeinde anzubinden. Unter diesen schwierigen Ver­hältnissen entwickelt der Fürst eine Energie und Um­sicht, die hoffen lassen, cs werden die Feindseligkeiten nicht zum offenen, allgemeinen Durchbruche komme»; denn die Scharmützel zwischen Türken und Montenegri­nern dauern an der Grenze ununterbrochen fort, trotz der strengen Strafen, mit welcher Friedensstörer bedroht werden. An der Grenze der Moraca Hausen auf Ber­gen und in Höhlen 200 flüchtige Uskoka aus der Her­zegowina, welche die Türken alle Augenblicke überfallen, plündern und todtschlagen; in die Cernagora jedoch ist ihnen der Eintritt verwehrt- Einer der tapfersten Kämpen der Cernagoren, Schala Petrow GjuraSkovic, ist dieser Tage, allgemein betrauert, gestorben.

Die heute aus Konstantinopel eingetroffeiien Nach­richten melden, daß die Getreideausfuhr auS Tripolis und dessen Gebiet verboten worden ist. Das Verbot wurde allen Gesandtschaften in Konstantinopel officieü uotificirt.

Wien, 31. Oct. (F. Bl.) Die Donaudampf- schifffahrtS-Gesellschaft zeigt heute an, daß plötzlich ein- getretener Hindernisse wegen, die Fahrt auf der untern Donau eingestellt sei.

Frankreich.

Paris, 29. Oct. Der Moniteur enthält ein De- cret, worin bestimmt wird, daß die BaumwoUcn-Cultur in Algerien fortan in mehrfacher Weise von der Regie­rung unterstützt werde» soll. Dieselbe wird, was übri­gens schon bisher geschah, den Pflanzer» Körner liefern, ihnen ihre Produkte drei Jahre lang abnehmen , Prä- mien für die Ausfuhr nach Frankreich aussetzcn und Provincial-Preise vou 2000, 3000 und 5000 Frs. den Pflanzern bewilligen, welche die beste Baumwolle lie­fern. Ein zweites Dekret eröffnet einen Credit von 100,000 Frs. auf die kaiserliche Civilliste, wovon fünf Jahre lang ein Preis von 20,000 Frs. unter dem Na­menKaiserpreis" an denjenigen Pflanzer bezahlt wer­ben soll, der die beste Baumwolle in größter Masse geliefert und die Bedingungen eines. deßhalb ausgestell­ten Programms erfüllt hat. DiePatric" weiß nicht genug zu rühmen, wie achtungsvoll und herzlich Prinz' Napoleon am Hofe zu Stuttgart empfangen wurde. Für die angeblich bald zu erwartende Kere- mronie der Kaiser - Krönung sind die Gala-Wagen auf höheren Befehl und in großer Eile durch Auffrischung der Malerei und Vergoldung neu und prachtvoll her- gerichtet worden. Der Kaiser und die Kaiserin werden sich des Krönungswagens Karl's X. bedienen, mit dem einige Veränderungen vorgenommen wurde»; an den vier' Ecken hat man Adler angebracht. Dem Prinzen Jerome ist der bei der Taufe des Grafen Chambord gebrauchte Wagen zugcdachl, und drei andere Wagen sind für die übrigen Mitglieder der kaiserlichen Familie bestimmt. Das Ocean-Geschwader hat erst am 26. bei Brest Anker geworfen, weil widrige und stürmische Winde seine Fahrt verzögerten. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich, wie derMoniteur" mittheilt, vor der Rückreise von Compiegne auch nach Hain (am 26.). Sie brachten über eine Stunde mit der Besich- tigung des Schlosses zu, wo einst Louis Napoleon mehr­jährige Haft bestanden. Ihre MMaj. ließen reiche Geschenke in Ham zurück, wo sie, wie in allen Ort­

schaften, welche sie auf der Fahrt berührten, mit enthu­siastischen Zurufen begrüßt wurden. Man versichert, daß allen Polen, welche Pässe verlangen, um sich zum Heere Omer Paschas zu begeben, vom Ministerium des Auswärtigen die Erklärung geworden ist, man werde ihnen zwar Pässe verabfolgen, die Rückkehr nach Frank­reich jedoch nicht gestatten. Wie der Moniteur an- zeigt sind auf der Paris - Orleans Eisenbahn schon seit dem 20. Sept, alle Extrazüge untersagt. Jetzt ist auch noch vorn Bautenminister verfügt worden, daß täglich zwischen Tours und Orleans statt sechs nur drei Passa­gierzüge in jeder Richtung befördert werden dürfen, und daß die Zahl der regelmäßigen Güterzüge auf zwei hin und zwei her vermindert werden soll. Der Kaiser hat in Compiegne wiederholt erklärt, daß er zu Gun­sten der Erhaltung des Friedens und der Ordnung in Europa zu den größtmöglichen Opfern bereit sei; allein in eine Schwächung oder Theilung der Türkei könne und werde er nie einwilligen , selbst wenn man Frank­reich Entschädigung hiefür böte. Man erzählt, daß der Kriegsminister in Bezug auf die Eventualität eines all­gemeinen Kriegs geäußert habe:Vor dem Frühling haben wir nichts zu fürchten."

Aus einer vollkommen sichern Quelle" wird der Nat. Ztg. aus Paris gemeldet, daß etwa am 15. d. von London aus dem Admiral Dundas der Befehl zu- gegangrn sei,jeden russischer Seits gegen die Türkei durch die Flotte unternommenen Angriff mit Waffenge­walt abjuweisen.

Der Cardinal Wiesemann 'st Dienstag aus Mar­seille angekommen, und hat sich sogleich nach Rom ein- geschifft, von wo er sich, wie man sagt, nach Griechen­land begeben wird. Alle Nachrichten ans dem Sü­den Frankreichs stimmen darüber überein , daß die Ge- treideprcise im Sinken sind.

Eine telegraphische Depesche aus Marseille vom gestrigen Datum meldet :DerCourrier de Marseille" berichtet, daß derCarodoc", welcher hier eingctroffeu, Konstantinopel am 23. verlassen halte. Im Augen- blicke der Abfahrt desCaradoc" waren die combinir- teu Flotten, welche die Besika Bai erst am 22. verlas­se» hakten, wegen der schlimmen Witterung, welche die Flotten zerstreut hatte, noch nicht in das Marmora- Meer eingelaufen. Der Contre - Admiral von Tina» war mit bloß drei Schiffen zu Gallipoli und Admiral Dundas am ersten Schloß der Dardanellen angelangt."

Aus Malta vom 25. wird berichtet, daß beim Abgänge dieser Meldung das englische Linienschiffthe Queen", an dessen Borb sich Admiral Lyons befindet, stgnalisirt wurde. Man erwartete zugleich das Linien­schiffLondon" und noch mehrere andere englische Kriegsschiffe.

Die englischen Journale sind einstimmig in dem Lobe des französischen Manifestes, welches dieser Tage vomMoniteur" veröffentlicht worden. DieTimes" wünschen sich und dem englischen Volke Glück zu der innigen Freundschaft, welche zwischen dem Pariser und dem Londoner Kabinette herrsche.

Spanien.

Madrid , 24. Oct. Die Generale Pezuela und Pavia sind nach Kuba uud Manilla abgereist, um ihre dortigen hohen Posten cinzunehmeu.

Niederlande.

Amsterdam, 26. Oct. Die Bank erhöhte heute den Disconto um % pKt.

Großbritannien.

London, 28. October. DieMorning-Post" spricht vou einem A us g l e i chuug s p r oj e c t e, welches aus Petersburg angelangt (?) und geeignet sein soll, von England und Frankreich angenommen zu werden. Es soll beschlossen worden sein, daß die französische Flotte vor Galipoli, die englische auf der Rhede von Nagara vor Anker gehen solle. Am 24. ist die eng­lische FregatteLeander" (50 Kanonen) zu Malta an« gekommen, von wo sie sofort zur Verstärkung der eng­lischen Flotte im Marmora-Meere abgehen sollte. In England werden noch mehrere Dampflinienschiffe aus­gerüstet, welche nach dem Mittelmeere bestimmt sind. Der Herzog von Brabant ist heute zu Windsor von J. M. der Königin mit dem von Jakob V. 1540 ge­stifteten St. Andreas- oder Distelorden, welcher nur 12 Ritter hat, feierlich bekleidet worden. Abends war großes Banket.

Mit dem DampfbooteBaltic" sind Nachrichten aus Newyork vom 15. d. eingetroffen. Die Ernennung des Hrn. Mason zum GesandtschaftSposte» in Paris ist nunmehr definitiv. Nach demNew Jork Herald" wird Hr. Mason am 19. Nov. seine Reise nach Europa untreren. Er bekleidete seither die Functionen eines Mitgliedes des Kongresses dann eines Richters, hierauf eines Attorney-Generals unter dem Präsidenten Tyler und gegen den Schluß der Präsidentschaft desselben den Posten eines Staatssecretärs der Marine. welchen er auch unter dem Präsidenten Polk inne hatte. Herr Mason ist der französischen Sprache nicht kundig und hat noch nie einen diplomatischen Posten begleitet.

Aus Mexico wird vom 3. d. gemeldet, daß die strengen Maßnahmen Santa-Anna's diesem die große Mehrheit des Volkes abwendig gemacht haben und be­reits auf mehreren Puncten Revolten stattgefunbe» hät­ten. Die Regierung soll eine große Verschwörung ent­

deckt haben, die im Staate Puebla angezettelt geweseti wäre; unter den Verhafteten sollen sich Don Juall Mujica, Ex-Gouverneur des Staates Puebla, General Furlon und mehrere andere Personen befinden, die ehe­dem eine wichtige Rolle gespielt. Santa Anna erließ täglich Verbannungsdecrete. So haben in letzterer Zeit General Manuel Robes, ehemaliger Kriegsminister un­ter Arista, Don Louis de la Rosa, ehemaliger Mini­ster der auswärtigen Angelegenheiten unter Herrera, und noch mehrere angesehene Männer den Befehl er­halten, sich aus dem Lande zu entfernen.

Jtuten.

Turin, 24. Octbr. (A. Z.) Ein Gerücht, daß aber noch jeder Bekräftigung entbehrt, behauptet: Oester­reich habe von unserer Regierung begehrt, alle flüch­tigen Lombarden und Venezianer, die in un­serer Armee bienen, zu entlassen. Dieß wäre der An­fang einer neuen Reihe von Differenzen.

In B r a , einer kleinen Stadt in Oberpiemont, kam es gestern Abend zu einem Kravall wegen der Theue­rung der Lebensmittel. Schon seit einigen Tagen hatte der Arbeiterverein, dessen Führer die Behörden und die Stadt beherrschen, einen reichen Einwohner, den man des Kornhandels beschuldigt, mit Charivaris heimgesuchft Die sechs GenSd'armen im Ort ließen die Schreier ge­währen. Als die Sache ernster wurde, schickte man aus den benachbarten Garnisonen 60 Chevauxlegers unh ebensoviel Infanterie. Der lärmende Versuch neuer Katzenmusiken wurde gestern durch diese Truppen ver­eitelt; die Menge ward mit gefälltem Bajonett und einigen, wie es scheint, blinden Schüssen auseinander- getriebc». Man ist nicht ohne Besorgniß wegen der eben beginnenden Messe von Moncalieri (eine Stunde von Turin). Die Behörden haben außerordentliche Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Turin, 27. Oct. Folgende neue Staatssenatoren sind ernannt worden; M. b'Azeglio, Andiprebi, V. Bor> romco, Casati, Gautieri, Coiicalli, Rossi, Marchese Sauli und Sella. Aus mehreren Städten sind dem Grafen Cavour Vertraueiisadreffen zugekommen. Zu Genua wurden nèuetdings die Flüchtlinge Orsini, Fon­tana, Pasini und Alessandrini verhaftet und nach der Festung Villafranca gebracht.

Nach den neuesten Mittheilungen auö Florenz hat der Großherzog von ToScana eine Reise nach Neapel augetreten.

Nom, 22. Oct. Die länger erwarteten vier Re­gimenter Verstärkung der franz. Occupations- truppen sind noch immer nicht eingetroffen; doch scheint ihre Ankunft nahe bevorzustehen. Nur ein kleiner Theil des neuen Kontingents wird nach Rom kommen, um für diejenigen Soldaten einzutreten, welche durch Fieber allzu viel litten und augenblicklich für den Dienst unbrauchbar wurden; das Gros wird bis zur Grânz- schcibe der Delegation Perugia vorgehen, wo es dann den Oesterreichern gcgcnübersteht. Gen. Montreal hat die päpstliche Regierung angegangen, die ausgedehnte Darsena von Kivita Vechia, die jetzt bekanntlich als Zuchthaus für mehr als 1000 Gefangene dient, ihm zu strategischer Verwendung zu überlassen. Indessen sind hem Wunsche des Generals vorläufig Schwierigkeiten cutgegengefteUt. Schon früher hatten die Franzosen die Absicht, die Festungswerke Kivita Vechia'S durch Hin- eiiiziehung der Darsena zu erwcite.ru.

Vonaufürkenthümer.

Das Dresdener Journal bringt Nachrichten aus Bukarest vom 21. October erhalten. Am vorauge« gangenen Tage war der General v. Dannenberg dahin berufen worden und kehrte nach einer mit dem Fürsten Gorlschakoff gepflogenen Unterredung wieder in das Lager bei Jraleschti zurück. Die Hauptmacht der Rus­sen lagert auf einer Anhöhe bei diesem Orte und ist ringsum mit Schanzen und Brustwehren umgeben, in welchen Hunderte von Kanonen aufgepflanzt stehen. Die Besorgnisse, daß die Walachei doch in Kurzem zum Kriegsschauplätze zwischen den beiden feindlichen Heeren werden dürfte, mehren sich neuerdings, doch ist es schwie­rig, immer das Wahre aus den sich täglich kreuzenden und zum Theile widersprechenden Berichten von der untern Donau zu erkennen. So brachte ein Dampf­schiff, welches am 19. d. M. in Dzurdzuwu angelegt hatte, dorthin die Nachricht, daß eine starke türkische Armee unter dem persönlichen Commando Omer Pa­schas in her That sich bereit zeigte, die Donau in der Gegend von Kalafat zu überschreiten, und daß die Rus­sen ununterbrochen, auch die Nächte hindurch, an den Verschanzungen arbeiten, welche von Smirda bis Dzurd­zuwu, wo die Dampfschiffe landen, eine Linie bilden. Geschieht der Uebergang bei Kalafat, so wird er nach dem Urtheile Kriegserfahrener wahrscheinlich bei Braila gleichzeitig stattfinden. (Die Nachrichten von der Ein­stellung der Feindseligkeiten war dort noch nicht bekannt.) Der k. k. Gencralcousul in Bukarest, Ministerialrath Ritter von Laurin, ist nach Wien berufen worden und wird durch ein Mitglied des Gesandtschaftspersonals in Konstantinopel ersetzt werden.

Aegypten

Alexandrien, 19. Oct. Das Getreideausfuhr- Verbot tritt erst nach Verschiffung von 400,000 Ardels heurigen Getreides in Kratt.

Verantwortlicher Neoarteur: vr