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ten der Kaiserin. Der Kaiser wurde von der zahlreich versammelten Menge mit lautem Zurusen, und noch wärmer als gewöhnlich empfangen, was man der Wir­kung des heutigen ManiMes im Moniteur zuschreiben wollte. Die Abberufung deß russischen Gesandten in Rom, Hrn. v. Buteuieff, soll, nach derA. A. Z.", in Folge einer päpstlichen Allocution, die lebhafte Beschwer- den über die Behandlung der Katholiken in Rußland enthält, erfolgt sein. Es hat sich das Gerücht vcr- hreitet, am Namensfeste der Kaiserin werde eine sehr ausgedehnte Amnestie, von der jedoch alle bedeutende- ren Namen ausgeschlossen bleiben würden, ertheilt wer­den. Die bereits mitgetheilte telegraphische Depesche desMoniteur" aus Bukarest begleitet dasJournal" ylft folgenden Bemerkungen:Die Russen und die Türken hatten -bekanntlich auch vor dem Beginn der Differenz auf der Donau Flottillen von bewaffneten Schaffen und Kanonenbooten. Die Abtheilungen der türkischen Flottille sind seit einiger Zeit unter die be­deutenderen Donaufestungen vertheilt, um je nach Be­darf activ verwendet zu werde». Die russische Flottille aber hatte nicht das Recht gehabt, bis zur Erklärung der Feindseligkeiten, die Donau hinaufzugeben, und sie hielt sich im großen Sulinaarme, an der Mündung des Flusses. Da diese Flottille fortan zum Erfolge der künftigen Operationen unentbehrlich geworden, so muß­ten die Russen sich dazu entschließen, die Hinauffahrt qyf der Donau zu erzwingen. Bei dieser Bewegung nun wird es zu der Kanonade zwischen der Festung Jsaktscha und der russischen Flotte gekommen sein. Jene Festung hat nicht die Ausdehnung, welche ihre wichtige Lage erfordert. An der untern Donau fehlt es an ei­ner guten Vertheidigung gegen die Russen, seitdem die Türkei die großen Festungen Ismail und Brahilos ver­loren hat. Wenn die russische Flottille die Donau Hin- aufzugehenforlfährt, wird sie auf ihrer Fahrt nur noch von der Festung Silistria aus aufgebalten werden kön­nen. Nach einer telegraphischen Meldung aus Cou- stantinopel vom 17. d. M. sollte Ramik Pascha sofort nach Paris und London abreisen, um im Auftrage der H. Pforte ein Anlehen von 100 Millionen Franken zu cpntrahiren.

Nach derOesterreichischen Korrespondenz" waren über die vom Moniteur nach einem Bericht aus Bu­karest gebrachte Mittheilung, die Beschießung russischer Dampf- und Kanonenboote vor Jsakscha betreffend, bis zum 28. d. keinerlei Nachrichten in Wien ein. getroffen.

Der erste Secretär der hies. österreichischen Gesandt­schaft, Baron v. Wcssenberg, der sich nach Venedig be geben hatte, ist seit gestern zurück. Man sagt, er sei Ueberbringer wichtiger Depeschen seiner Regierung.

Paris, 29. Oct. (F. Bl.) Die französische Rente hat heute an der Börse eine Preisbesserung um 1 Fr. 75 C. erfahren, auf die Nachricht von der Einstellung per Feindseligkeiten. Hr. Baraguay d'Hilliers, welcher Hrn. de la Cour auf dem Botschafterposten bei der Pforte ersetzt, reist heute nach Constantinopel ab.

Der Moniteur enthält heute ein Decret, welches bestimmt ist, den Anbau von Baumwolle in Algier zu begünstigen.

Paris, 30. Oct. (F. Bl.) DerMoniteur" meldet den Eingang einer Depesche aus Constanti - nopel vom 21. d. Die Antwort Fürst Gortscha- koffs wurde von der Pforte als verneinend be­trachtet. Auf die Vorstellungen der Repräsentanten der Mächte wurde indeß der Befehl ertheilt, den Beginn der Feindseligkeiten bis zum 1. November ausgesetzt. Sollten diese schon begonnen haben, so würde es so be­trachtet, als wenn bis zum 22. nichts geschehen wäre. Die vereinigten Flotten sind in die Dardanellen eingelaufen. Die russischen Unterthanen wurden ein­geschifft.

Schweiz

Der Bundesrath hat beschlossen, die Unruhestifter an dem Wahltage zu Bülle, Contons Freiburg, vor die eidgenössischen Geschworenen zu stellen.

Velgien

Lüttich, 26. Oct. Der König wird am 8. Nov. Mittags 1 Uhr die gewöhnliche Session der Kammern eröffnen. Nach den bisher bekannten beiderseitigen Dis­positionen scheint die Sitzung, außer den möglichen De- batten über die commerciellen Verhältnisse mit Frank­reich, eine sehr geräuschlose werden zu sollen. Man spricht von der neuerlichen Ausweisung mehrerer fran­zösischen Flüchtlinge.

Großbritannien.

London, 26. October. Man liest imGlobe": Wie gewöhnlich, ist auch der jüngste Schritt, welchen Rußland in Bezug aus seine Differenz mit der Türkei gemacht, durch die ersten Nachrichten entstellt worden. Man hat gesagt, der Kaiser Nicolaus hätte ein neues Manifest erlassen, dessen Sprache beleidigend für die beiden westlichen Mächte wäre. Dieß ist der Wahrheit ganz entgegen. Der Kaiser hat kein Document er- Klssen, welches man mit dem Namen eines Manifestes würde bezeichnen können, sondern er hat eine Antwort guf die Vorstellungen der beiden westlichen Mächte ge- gebeben. Diese Antwort ist in Ausdrücken abgefaßt, die, was ihre Freundlichkeit und ihren friedlichen Ton anbelangt, keinerlei Vorwurf zulassen. Der Kaiser hat

den lebhaftesten Wunsch, die Differenz zu beendiget!, ohne zu äußersten Schritten seine Zuflucht zu nehmen, und, soweit dieß möglich, ist das Document zufrieden­stellend." In Windsor werden große Feste zu Ehren der königlichen Familie von Belgien statifinden. Die Vertagung d e s Parlaments bis zum 29. November läßt eine weitere Prorogation von Ende November bis nach Weihnachten erwarten, da in der Weisung des Geh. Staatsraths die Formelzur Er­ledigung dringender Geschäfte" am 29. November nicht vorkommt. Die radicalen Blätter, namentlichHerald" undAdvertiser", sind darüber höchst entrüstet und ma­chen der Regierung den erbittertsten Krieg.Times" schweigt, und whrft heute einen Rückblick auf die Tür- kcngräuel während des griechischen Befreiungskampfes, woran die Frage geknüpft wird, ob dieses Volk eine Unterstützung Europa's verdiene. Unterdessen nehmen die Türkenmectings ihren Fortgang. Gestern Abend fanden wieder solche in Pimlico und Westminster statt, wo ungefähr dieselben Resolutionen gefaßt wurden, wie bei dem Finsbury Meeting. Es scheint, daß keine No- tobilität von Einfluß zugegen war.

Die Verstärkungen, welche nach dem Mittelmeere abgegangen sind, oder noch abgeben sollen, bestehen in den SchiffenQueen" von 116 Kanonen,Agamem­non" von 91,Leander" von 50,Highflyer" von 21, Terrible" von 21 undLeopo,ld" von 18 Kanonen.

Vom Po, 25. October. (St. Auz. f. Württ.) Zu Sarazana und an andern Orten fanden abermals Flüchtlin gsverhaftungen in großem Umfange statt; es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß Mazzini einen Landungsversuch (man fragt aber woher?) beab­sichtige; sogar von Garibaldi war die Rede. Patrouil­len durchstreiften die Küstengegenden. Der neapoli­tanische Flüchtling, Baron Corvaja, welcher in der Nacht des 18. October verhaftet worden, ist ausgewie­sen, weil er an der Redaction desJmparziale", wel­cher mißliebige Artikel brachte, Theil genommen. Der Redacteur, Ädvocat G h i s o l f i, ist ebenfalls verhaftet.

Griechenland.

Aus Athen vom 21. October wird ein Minister- wechsel berichtet: der Kriegs- und der Finanzminister Spiro Mylios und Christides, reichten ihre Entlassung ein, und wurden durch den Oberstlieutenant Scarlalo Sutzos und Senator Provilegios ersetz. Der Wechsel erfolgte im Sinn der öffentlichen Meinung.

Donaufürüenthümer.

Der KronstädterSatellit" schreibt:Briefe aus Bukarest, welche gestern hier ankamen/melden wie­derholt, daß Fürst Menzikoff zum Militär - und Civil- gouverneur der Dvnaufürsteuthümer ernannt sei, und der regierende Fürst von der Walachei soll, um nicht zwischen zwei Feuer zu kommen, von einer Seite auf­gefordert worden sein, nach Wien abzugehen. Die Bo­jaren dagegen bieten Himmel und Erde auf, die Abreise des Fürsten zu hintertreiben.

Verläßliche Berichte aus der Walachei melden, daß sich daselbst die Umsturzpartei wieder geltend machen will; Man hat revolutionäre Proclamatiouen unter dem Namen Omer Paschas sowohl an bas walachische Volk, als an die Miliz erlaßen, und beide darin an- gecifcrt, sich in Masse zu erheben und die russischen Truppen aus den Fücstenthümern zu verjagen. Die Polizei ist einiger dieser Exemplare habhaft geworden, und man hat infolge davon mehrere verdächtige Indivi­duen verhaftet. Inzwischen konnte noch nicht ermittelt wer­den, ob dieseProclamationen wirklich vom türkischeuOberbe- seblshabersherrührkn oder das betrügerisch Machwerk einer Fraction sind, welche die Fürstcnthümer schon im Jahr 1848 unterwüblte und nun durch die Flüchtlinge aller Nationen in der Türkei einen neuen Impuls gewonnen hat. Das letztere hält man für wahrscheinlicher, da nicht anzunehmen, daß die osmanische Regierung außer dem Schwerte des Krieges auch die Brandfackel der Re­volution in die Hand nehmen wird, ein Vorgang, wel­cher ihr das Wohlwollen aller Mächte entziehen und Oesterreich insbesondere in die Nothwendigkeit versetzen würde, eine imponirende Kriegsmacht an die türkische Grenze vorzuschieben.

Nach einem der F. P. Ztg. mitgethcilteu Privat­schreiben aus Kalafat vom 21. d. M. hat sich die tür­kische Mannschaft auf der Dvnauinscl bei Wibdiu nicht nur ganz ruhig verhalten, sondern eS hat auch der Gon-, verneur und Festungscommandant von Wibdiu, Sami Pascha, durch einen eigenen Abgesandten dem walachi- schen Cordonscvmmandanten und andern zukückgekehrten Offizieren die Versicherung gegeben, daß die auf der Insel befindlichen Truppen die strengsten Befehle hät­ten, unter keinem Vorwand den Ort zu betreten, noch viel weniger den Walacken als getreuen Unterthanen der Pforte ein Leid zuzufügen.

Nach derNat. Z." bestätigt es sich, daß die rus­sischen Militärcolonien wirklich zum Pachod (Krieg) auf­geboten sind. Die russischen Truppen dringen von Gru sien aus nach Armenien gegen Erzerum vor. Die russischen Handelsschiffe gehen bereits unter österreichi­scher Flagge nach dem Bosporus und einer neuesten Meldung zufolge ist ein russischen Dampfer, welcher mit Depeschen nach Constantinopel bestimmt war, ange­halten worden.

Türkei.

Der LloydampferAustralia" brachte derTriest. Ztg." Nachrichten aus der Levante, die bis zum 17. d. reichen. Der in der Nacht vom 7. auf den 8. L M. mit dem DampfschiffPervas Bahri" in Varna angekommcue Tcfik Pascha war Ueberbringer der Kriegs­erklärung, welche den 10. in Sckumla vor 30,000 Mann und gestern hier unter Kanonendonner von allen Schanzen veröffentlicht wurde. Die Osficiere mußten aus die vier heiligen Bücher die Hand legen und schwö­ren den Vorgesetzten unbedingt Folge zu leisten und unter keinem Vorwande vor dem Feinde zu weichen. DerPervas Bahri" fuhr den 13. Mit zwei Offizieren von hier ab nach Trapezunt, um auch dorthin die Kriegserklärung zu bringen. Die türkische Flotte im Bosporus hat am 17. d., Morgens, viel geschossen, und zwar in der Art, als ob eine Seeschlacht geliefert würde. Man betrachtet dies als eine für die Bevöl­kerung und die Truppen kundgegebene Einleitung des Krieges, indem die Antwort des Fürsten Gortschakoff vorgestern Nackls bei der h. Pforte eingetroffen sein soll. Gewiß ist es, daß vorgestern ein Courier aus Schumla angelangt ist. Ueber die Natur der zu erwar­tenden Antwort auf die verlangte Räumung der Donau­provinzen bat hier Niemand einen Zweifel gehegt, doch lauten die Berichte verschieden in Betreff der Form die­ser Antwort. Nack einer Version soll der Fürst den Adjutanten Omer Pascha's, der ihm das Schreiben überbrachte, gefragt haben:Kennen Sie den Inhalt?" und als dieser verneinte, sagte der Fürst:Nun, ich kenne ihn bereits; sagen Sie Ihrem Sender: Ich gehe nicht!" Eine andere Version läßt den Fürsten zu dem Adjutanten sagen: La Turquie veut la guerre, eh bien, ce sera la storniere (Die Türkei will durch­aus den Krieg, nun denn, es wird der letzte sein.) Eine schriftliche Antwort scheint der Fürst wirklich nicht gegeben zu haben, es bedurfte auch deren nicht, da die Zuschrift Omer Pascha's den Beginn der Feindseligkei­ten an eine Thatsache knüpft, nämlich an die unterlass j sene Räumung der Donauprovinzen binnen 14 Tagen. Diese Frist dürfte heute abgelaufen sein, und vielleicht galt das heutige Schießen der türkischen Flotte diesem Umstand. Die Oiüftunqeu werden fortwährend mit dem größten Eifer und im großartigsten Maßstabe be­trieben. Man will vor einigen Tagen mehrere rus­sische Linienschiffe im schwarzen Meere, nahe bei Balt- schik, gesehen haben. Der Meinung, daß die Zu­sammenziehung eines persischen Lagers bei Sultanie in feindlicher Absicht gegen die Türkei erfolgt sei, wird ent­gegengetreten; das Lager hatte blos große Manöver zum Zweck, und wird, wie dasI. d. C." aus Erze­rum erfährt, aufgelöst.

Die russische Canzlei in Constantinopel ist noch nicht geschlossen, man erwartet jedoch den Abgang des Personals täglich; die Interessen der russischen Unter­thanen werden provisorisch wahrscheinlich von dem k. k. österr. Konsulate vertreten werden. AuS den Provin­zen hört man, daß die Consulatsbehörden Rußlands ihre Wappen eingezogen haben. Die Cholera hat sich noch nicht auf dem türkischen Gebiete diesseits der Do­nau gezeigt, was man den Sanitätsmaßregeln zuschreibt. In den Fürstenthümern sind Fälle vorgekommen, jedoch aus russischem Boden soll die Krankheit ziemlich stark herrschen.

Der Sultan hat ein Armeecorps von 26,000 Mann die Revue passiren und dasselbe sofort nach Kleinasien, zur Verstärkung seiner dortigen Armee abmarschiren lassen.

Um die Kriegskosten aufzutreiben hat die türkische Regierung nach demI. des Debats" die Steuer der drei nächsten Jahre voraus erhoben. Diese Maßregel traf jedoch nur die Christen. Außerdem war die christ­liche Bevölkerung genöthigt eine Naturalsteuer jeder Fa­milie von 12 Ocas (= 24 Kilogr.) Waizen und eben­soviel Gerste und Mais zu entrichte», ungerechnet eine außerordentliche Steuer in Geld, welche die Behörden mit Strenge eintrieben, wobei die Einwohner genöthigt waren zuweilen selbst Häuser und Gerätschaften fast um nichts zu veräußern. Ebenso mußten die Christen die Lebensmittel frohnweise herbeischaffen, und zwar auf ih­rem eigenen Rücken, man hat ihnen verboten Pferde und Maulthiere zu gebrauchen, weil man das Futter sparen will Weiber, Kinder und Gebrechliche bleiben dann noch für die Bestellung der Völker übrig. Dieß ist die den Christen in neuester Zeit versprochene Gleich­berechtigung, die das russische Protectorat entbehrlich machen so ll.

Nach einem Berichte aus Constantinopel vom 16. d. Mts. wird die Pforte das Austcllnngdecret des neuen Patriarchen AnthimoS seinem vollen Inhalte nach be­kannt machen lassen. Es ist dies in diesem Augen­blicke wichtig, weil in diesen Decreten gewöhnlich alle jene Klauseln ausgenommen werden, durch welche^ die Pforte den griechischen Christen irgend ein Zugeständ- niß machte, und dies sich auch auf die neuesten Zu­sagen der Pforte erstrecken müßte.

Ans Smyrna wird die Nachricht bestätigt, daß der berüchtigte Räuber Ianni Katargi sich freiwillig ge­stellt hat. Er war in der letzten Zeit so gehetzt, daß ihm kein anderer Ausweg blieb.

Verantwortlicher Reracteur: Dr. A. Aoczek.