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Nassauische Allgemeine Zeitung

M« Montag den 31. Oktober iS53.

Durch die Wichtigkeit der bevorstehenden Ereignisse veranlaßt, eröffnen wir liermit für die Monate November Utti) December ein abgesondertes Abonnement auf die Nassauische Allgemeine Zeitung. Preis: 1 fl 20 kr.; außerhalb des Fürstl. Thurn und Taxissschen Postverwaltungsbezirkes 1 fl. 36 kr.

Dir,,Nassauisch» Allgemeine Zeitunk" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SSnNtagS ausgenommen, tägiidt und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Hostregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Tburn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen bänder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltix .petitjcile oder deren Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, banggaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

AmUicher Theil.

Dienst nachrichten.

Seine Hoheit der Herzog haben den Me° Licinalrath Dr. Göbel von Nastätten nach Hadamar, den Medicinalrath Dr. Wilhelmi von Emmerichen- Hain nach Nastätten, den Medicinalassistenten Strit- ter zu Höchst zum Medicinalrath des Bezirks Nennerod mit dem Wohnsitz zu Emmerichenhain zu befördern, den Medicinalassistenten vr. W e b e r von Weilmünster nach Höchst, den Medicinalassistenten Dr. Döring von Brandoberndorf nach Weilmünster zu versetzen, den Me- dicinalaccessisten Dr. Chelius zu Holzappel zum Medicinalassistenten des Bezirks Usingen mit dem Wohnsitz zu Brandoberndorf zu ernennen, den Medici nalaccesststen Dr. Schmidt von Rennerod nach Holz­appel zu versetzen und die geprüften Candidaten der Medicin Scholl von Rüdesheim zum Medicinalaccessi- sten zu Rennerod und Dr. Ricker von Eltville zum Medicinalaccessistcu zu Wehen zu ernennen geruht.

Seine Hoheit der Herzog haben den Pfarr vicar Moureau zu Selters zum Caplan in Biebrich ernannt.

Lehrvicar Weber zu Wisper ist zum Lchrgebülfen an der dritten Abtheilung der Elementarschule zu Wies­baden ernannt und mit Versehung der Lehrvicarstelle zu Wisper der Schulcandidat Winkel von Erdbach be­auftragt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Jur Geschichte der Flüchtlinge.

Mehrere der polnischen Flüchtlinge stellen in engli­schen Blättern das in Abrede, wessen sie in einigen Berliner Journalen beschuldigt worden. Sie wollen nicht Gewehre gekauft, noch zur Ausrüstung von ihren Ka­meraden behufs einer Theilnahme an dem russisch-tür­kischen Kriege beigetragen haben. Diese Rechtfertigung gewinnt, wie der Lloyd bemerkt, allerdings durch die factische Sachlage Einiges an Wahrscheinlichkeit. Der Großherr hat seine Ursachen, eine Hilfe zurückzuweisen, die ihm nicht den geringsten Nutzen, wohl aber großen Schaden bringen könnte. Die Flüchtlinge haben ihrer­seits auch einige Gründe, noch lange in sicherer Zurück­gezogenheit zu verweilen. Sie wissen vielleicht recht gut, daß mau solcher Bundesgenossen bald überdrüssig wird, daß ihre Freunde sie zu Kanonenfutter verwenden und daß bei ihren Feinden ihrer ein anderes Schicksal harrt, als das anderer Kriegsgefangenen. Wir hal­ten darum die Discretion für ganz und gar nicht affectirt, welche die Flüchtlinge durch die in den engli­schen Journalen gegebene Versicherung an den Tag le­gen, daßihre Zeit noch nicht gekommen sei." Es ist sehr leicht, in dem Londoner Flüchtlingslager eineAuf­regung" hervorzubringen. Dazu bedarf eS gar nicht eines Krieges. Drohungen, Reden, Manifeste, Briefe an die Zeitungs-Rcdactionen u. s. w. kommen bei jeder unbedeutenden Gelegenheit zum Vorschein. Aus dem Lärmen, der gemacht wird, läßt sich eben auch nichts mehr als auf Lärm schließen. Die englische Presse be­trachtet auch das Treiben, das nach ihrer Aussage in einigenschmutzigen" Kaffeehäusern der ärmeren Stadt- theile Londons vor sich geht, mit der namenlosesten Verachtung und nimmt von demselben gerade so viel z Notiz, wie von der Arrctirung eines Betrunkenen oder der Rauferei einiger Gassenbuben. Das Thun oder Lassen der gesummten Flüchtlingscolonie wird von kei­nem einzigen Journal als der geringste Factor bei dem bevorstehenden Streite in Anschlag gebracht. Nichts­destoweniger melden Nachrichten aus London, daß einige Häuptlinge der dortigen Flüchtlinge sich alle erdenkliche Mühe geben, um eine Anzahl ihrer Getreuen zu bewe. gen, sich auszüopfern und nach Constantinopel zu gehen. Es versteht sich von selbst, wie dieses nicht in der Er­wartung geschieht, daß diese Leute den Türken von ir­gend einem Nutzen sein könnten. Die Hoffnung jener Ränkemacher ist nur darauf gesetzt, daß die Türkei durch Annahme solcher Hilfe Rußland noch mehr gegen sich erbittern, vor Allem aber, daß dadurch Oesterreich zur Parteinahme gegen die Türkei bewogen und hiedurch ein allgemeiner europäischer Krieg provocirt werden

sollte. Der Gedanke eines blos localen Krieges ist der, welcher die Häupter der Flüchtlinge zur Verzweiflung treibt. Sie schmeicheln sich aber mit dem süßen Wahne, daß falls sie in die Fammen einige ihrer Zündhölzchen werfen können, dadurch das Feuer einen ganz andern Charakter annehmen würde. Wir unsererseits sind der Meinung, daß die englische Presse recht hat mit ihrer Geringschätzung der Flüchtlinge und ihrer politischen Wichtigkeit. ist Niemand so schwach, daß er nicht ein Verbreche» begehen könnte und hiezu sind die Flücht­linge auch stark genug. Aber zu einer politischen That, welche irgend ein Gewicht in die Wagschale der Ent­scheidung werfen könnte, sind sie durchaus unfähig. Wer einen prüfenden Blick wirft auf die Genossenschaften seit dem Jahre 1830, wird erkennen, daß ihr böser Wille gewöhnlich in ihrer eigenen Unfähigkeit und Schwäche ein genügendes Gegengewicht gefunden hat.

Trotz den Dementis, welche von den Organen der türkischen Regierung gegeben werden, ist es, wie dem Nürnb. Corresp." berichtet wird, doch gewiß, daß die Consularageuten der Pforte in verschiedenen Theilen Europa's namentlich in Italien, Diejenigen, welche sich für die türkische Armee anwerben lassen wollen, mit Geld versehen und sie an den Ort ihrer Bestimmung absenden. Man hat namenilich coustatirt, daß aus dem Kirchenstaate eine große Anzahl mit den dortigen Zu­ständen Unzufriedener sich nach der Türkei begeben. Die französische Regierung, obschon sie vfficiell diese Anwerbungen nicht fördert, drückt doch ein Auge dabei zu; eS ist ihr mindestens bequem, daß die revolutionä­ren Elemente so von dem französischen Boden entfernt werden.

General Klapka soll, nach einem unverbürgten Ge­rücht (im I. d. Dèbats), sich in der Türkei befinden, und daselbst den Befehl über ein Armeecorps führen. DerA. A. Z." wird gemeldet, daß dieser General wenigstens am 15. d. M. noch in der Schweiz war; er ist erst vor fünf oder sechs Tagen abgereist, und könnte höchstens in Malta sein. Allerdings ist cs wahr­scheinlich, daß der General sich nach dem Orient begibt, aber cs fragt sich doch sehr, ob die türkische Regierung ihn in ihre Dienste nehmen wird. Man hat auch ge­sagt, General Dembinski sei nach Constantinopel abgc- reist. Es mag fein, aber auf der osmanischen Gesandt­schaft in Paris hat man keinen Paß auf seinen Namen ausgestellt.

DieChronique de Jersey" meldet von dort einen Act von Flüchtlings-Justiz. Ein französischer Flücht­ling Namens Hubert, vor Kurzem von der franz. Regierung amnestirt, kehrte seit ein paar Tagen aus Frankreich wieder nach jener Insel zurück und wurde von seinen ehemaligen Genossen sofort als einSpion" bezeichnet. Am letzten Donnerstag drangen nun mehrere Flüchtlinge in die Wohnung Huberts und erbrachen dort in der Abwesenheit desselben seinen Koffer, worin man angeblich einen Brief an einen hohen Polizei­beamten in Paris gefunden haben wollte, welcher die Eigenschaft Huberts alsSpion" angeblich constatirte. Als nun derselbe am Abend, ohne zu wissen, was in seiner Wohnung vorgegangen, in das Veremslocal der französischen Flüchtlinge trat, wurde er von der wüthen­den Meute sofort umringt, geschlagen, ja fast erwürgt, und ohne die Dazwischenkunft einer Zahl Besser gesi unter wäre er wahrscheinlich der Wuth erlegen 1 Einer der Wütheriche stürzte sich mit einem Dolch auf ihn, um ihn niederzustoßen, wurde jedoch glücklicherweise zurück­gehalten.Nur Victor Hugo und seinen beiden Söhnen", sagt dieChronique",gelang es, dem schänd­lichen Skandal ein Ende zu machen, und zwar gerade in dem Augenblicke, als ein Flüchtling in allem Ernst den Antrag stellte, der Canaille Bart, Haar und die Ohrläppchen abzuschneiden!! Nach tumultuarischen Debatten, die bis 4 Uhr Morgens dauerten, beschränkte sich endlich derrevolutionäre Gerichtshof" darauf den Angeklagten" unbehelligt laufen zu lassen, jedoch bei den Behörden von Jersei auf seine Ausweisung zu dringen. Tags darauf wurde jedoch Hubert wegen Schulden von einem Flüchtling verklagt und in den Schuldarrest gesperrt, worauf aber der franz. Consul sofort Huberts Freilassung verlangte. Aus New - Nork meldet man, daß sich die Magyaren Palffy, Ujhazy, Madaraß, Fekete u. m. A. nach Europa cin- geschifft haben, um sich als eine Deputation der un­

garische Emigration zu Kossuth zu begeben und ihm diejüngsten Beschlüsse" der letzteren in Bezug auf die Verwickelungen in der Türkei zu überbringen.

* Wiesbaden, 30. Octbr. Die Vorarbeiten zur Uebertragung der bisher an dem Kochbrunnen befind­lichen Marmorstatue der Hygiäa nach dem Kranzplatz sind so weit gediehen, daß die Ausstellung derselben schon in den nächsten Tagen bewirkt sein wird. Die Statue kommt auf den unteren, nach dem Kochbrunnen zu gelegenen Theil des Kranzplatzes zu stehen. Seit der vorigen Woche wird an der Abtragung der abge­brannten evangelischen Kirche gearbeitet und ist bereits die eine Seitcnwand durch Unterhöhlung der Grund­mauern zum Einsturz gebracht worden. Gestern Abend noch vor zehn Uhr wurde bei Herrn Kreisamtmann F er g er ein Diebstahl durch Einbruch verübt und eine Summe an Geld von circa 800 fl. nebst zwei silbernen Leuchtern, die jedoch, sowie auch das geleerte Kästchen in der Nähe wieder weggeworfen wurden, entwendet. Der Dieb hatte das Zimmer von innen verriegelt und ist durch das Fenster entflohen.

Hochheim, 29. October. Wenn man die Anzeichen des nahenden Winters nicht in der Natur fände, so zeigten sich dieselben ebenwohl in andern Erscheinun­gen. Erfahrungsmäßig werden die meisten Diebstählen in langen Nächten begangen und in unserm Amte ist für diesen Winter bereits der Anfang gemacht. In Nordenstadt wurden vor kurzer Zeit einem Manne ein artiges Quantum Aepfel Nachts aus seiner Scheuer ent­wendet und in dieser Woche ist in Wallau mittelst Ein- steigeus ein Diebstahl au Weißzeug und Kleidern verübt worden. Die Thäter sind noch nicht entdeckt und die gestohlenen Kleider dürften vielleicht zu irgend einem Trödler wandern. Sonst sind wir hier an Neuigkeiten sehr arm, wenn uns der nahe bevorstehende Herbstmarkt nicht Etwas bringt. Ein Ehcscheidungöproceß in einem nahe gelegenen Dorfe macht in hiesigem Amte und selbst jenseits des Mains viel von sich reden, die Einzelheiten , und Nebenumstände sind indessen nicht passend für die Oeffentlichkeit, d. h. nicht zur Mittheilung in einer Zei­tung geeignet, denn in hiesiger Gegend fehlt eS an der Oeffentlichkeit denselben nun gerade nicht.

X Wallmerod, 29. Oct. Der dießjährige große hiesige Jahrmarkt hat wieder einmal sein blutiges Opfer ge­fordert. Obgleich hier im Orte Schlägereien nicht vorgekom­men sind, fand man in der Nacht darauf den beurlaubten Kanonier Sebastian Frensch von Düringen mit einer schwere» Kopfwunde bewußtlos bei Arnshöfen auf der Chaussee nach Freilingen liegen; gegen Morgen ist derselbe verschieden; Bursche aus Kölbingen sollen im Verdachte stehen, ibn erschlagen zu haben. Die alttrieri- scheu Westerwälder sind ein braves, wackeres Volk, das Bewußtsein ihrer herkulischen Kraft aber und der Ueber- genug des Branntweines bei solchen Gelegenheiten hat schon großes Unglück über manche Familie gebracht.

<? Lorch, 30. October. In Nro. 253 Ihres g. Blattes wird von Lorch, 24. October berichtet, daß der diesjährige Herbst der Quantität nach ein geringer, der Qualität nach aber ein guter zu nennen sei. So weit ist der Bericht ganz wahr. Allein, daß der heurige Wein dem 1843t an Güte nicht nachstehen werde, ist offenbar ein Jrthum, da dieser Jahrgang zu den gering­sten zu zähle» ist. Unser Wein dürfte dem 1848r nahe kommen.

Bingen, 28. October. (M. V. Z.) Der bekannte Urgksnndhcitsapostel Ernst Mahner, von dem lange nichts mehr verlautete, traf heute von Simmern hier ein, nachdem er den Ortschaften auf dem HunSrücken Berncastel, Trarbach und A. sein Evangelium verkün­det. Er beabsichtigt, seine Reise »ach Mainz und Frank­furt wahrscheinlich heute nochfoUzusetzen. Die Wein­lese in unserer Gemarkung hat heute begonnen.

Mainz, 28. October. Die vom deutschen Bunde angeordnele Jnspicirung der hiesigen Festungswerke hat gestern mit der Besichtigung der Casteler Befestigung durch den k. bayerische» Generalmajor Ritter v. Lylan- der ihr Ende erreicht und ist vollkommen zufriedenstel­lend ausgefallen. -

Speier, 24. October. (Pf. Ztg.) Am 15, 16. und 17. November werden im hiesigen Dome große Festlichkeiten stattfinden. Am ersten Tage wird der neue