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Oct.) verursacht, in denen der Hergang der Auflösung der deutjchen Flotte erzählt ist. Die geschichtliche, zum Theil documentirte, Darstellung stellt sich ganz anders dar, als die bisher verbreitete Meinung über Motive und Rolle der einzelnen Staaten. Zwischen diesen Wi­dersprüchen die einfache Wahrheit zu finden, ist schwer, solange die betreffenden BundeSprotocolle nicht veröf- hellicht sind. Das Schlimmste bei der deutschen Flot­tenfrage war übrigens nicht, wie dieA. 91. Z.* meint, daß die Flotte nicht erhalten, sondern daß sie v.crstei- gekt, fast'möchte man 'sagen, vertrödelt wurde.' Hatte man sie, sei's an welchen Staat Deutschlands verschenkt, so wäre das hundertfach größerer moralischer Gewinn gewesen, als die paarmal hunderttausend Thaler, die man sich von Fremden zahlen ließ.

Karlsruhe, 26. Oct. Der 26. Band vonVchse's Geschichte der deutschen Höfe" ist dahier mit Beschlag belegt worden.

Stuttgart, 27. October. Heute Nachmittag traf Prinz Napoleon Bonaparte, Neffe unseres Königs, hier ein. Ihm wurde ein sehr aufmerksamer Empfang zu Theil.

Gestern wurde (wie derBeobachter" berichtet) dem Vorstand der Buchdrucker-Kranken- und Jnvaliden- Easse die Cassenbnchcr von der Polizei gewaltsam weg- genommen, da derselbe sich weigerte , sie freiwillig her» auszugèben, indem die Statuten dieser Cassen obrigkeit­lich sanctionirt seien. Gegen dieses Verfahren wurde sogleich der Rechtsweg beschritten.

München, 25* Oct. Wie dem Schw. M. auS München geschrieben wird, beabsichtigt die bayerische Re­gierung dem nächsten Landtage Gesetzentwürfe auf Ein- führung einer Papier- und Tabakssteuer vorzulegen. Im Hotel des Grafen Ta sch er de la Pagerie dahier wird seit vorgestern alles Mobilar versteigert, da die ganze Familie nunmehr nach der franz. Hauptstadt übcrgesiedclt ist. Das Hotel selbst läßt indessen Grâf Tascher nicht verkaufen, hat es vielmehr nur für einige Jahre vermiethet.

Der Fränkische Courier schreibt auS München, 25. October:So viel man hört, beabsichtigt Fürst Wallerstein, der seit dem Tode seiner Gemahlin in großer Zurückgezogenheit lebt, bei bevorstehendem Landtage zum letztenmal die politische Bühne zu be­treten und sich dann ganz in das Privatleben zurückzu­ziehen. Seit neuerer Zeit sind auch seine Ansichten, nach seinen Aeßerungen zu schließen, streng conservativ geworden, und selbst in den kirchlichen Fragen, in wel­chen er früher, noch als ReichSrath, so gern Opposition machte, scheint bei ihm eine Aenderung der Gesinnung eingetreten zu sein. Er dürfte somit bei seinen frühern Kammercollegen wenig Anklang mehr finden und nut noch auf ein kleines Häuflein, das mit ihm zu anderer Anficht gekommen, sich Rechnung machen können. Jeden­falls wird sich die Linke noch mehr zersplittern, als dies am letzten Landtag der Fall war."

Dem Vernehmen nach wird aus jedem Schullehrer­seminar des Königreichs ein Lehrer nach München be­rufen, um dort drei Monate lang Vorlesungen über landwirhschaftliche Chemie zu hören.

Bernburg, 26, Oct. Die heutige Nummer un­serer Gesetzsammlung bringt eine Herzog!. Verordnung, durch welche unser Landtag zum 1. Nov. d. J. zusam- menberufen wird.

Königsberg, 24. Oct. Das Glaubensbe­kenntniß der hier wieder neu entstandenen soge­nannten Gemeinde evangelischer Christen lautet wörtlich also:Wir wissen uns der evangelischen Kirche angehörig, da die Bibel uns als Urquelle gilt, aus der wir die ewigen Wahrheiten schöpfen, und fassen den Glaubensinhalt derselben in folgender Weise auf. Wir glauben an Gott den allliebenden und allmächtigen Vatèr, wie Jesus Christus ihn uns kennen, lieben und anbeten lehrte, der mit unendlicher Schöpferkraft das All durchdringt und belebt, und alle Menschen mit gleicher Liebe umfängt. Wir glauben au Jesum Christum, der durch seine Lehre, Leben und Beispiel uns Weg, Wahrheit und Leben geworden ist und immer mehr werden soll. Wir erkennen in seiner Liebe, in seiner aufopfern­den Hingebung den höchsten Grund sittlicher Vollkommen­heit und Menschenwürde, und sehen in seiner uns in der heiligen Schrift aurbewahrten Lehre die lautersten Normen menschlichen Strebens nach Vollkommenheit. Seine Nachfrage erkennen wir als das höchste Ziel alles christlich-religiösen Strebens und Wirkens freudig an. Wir glauben an das Walten des Gottesgeistes, der ewig in der ganzen Menschheit fortbildend wirkt und tief in jeden Menschen Brust das Bedürfniß »ach reli­giösem Leben, nach religiöser Entwickelung und Erkennt­niß weckt, nährt und belebt."

Berlin, 26. October. Der König hat sich heute Mittag 12 Uhr vom Wildpark aus nach Letzlingen be­geben und gedenkt am Sonnabend (29.) Nachmittags von dort wieder in Sanssouci einzutreffen. Im Gefolge befindet sich, derN. Pr. Z." zufolge, auch der Mini­sterpräsident Frhr. v. Manteuffel, der jedoch in Rück­sicht dringender Geschäfte schon übermorgen (28.) früh hier zurückerwartet wird. Der Finanzminister v. Bodel- schwingh hat sich schon heute früh 7'/, Uhr nach Mag. Murg begeben und wird sich daselbst am Nachmittage dem königlichen Gefolge anschließen. Zu dem letzteren

gehöreit auch noch die HH. Generale v. Wrangel und v. Ncümanp. Zu der in Letzlingen stattfindenden Jagd Sr. Mgj. des Königs ist auch diesmal wieder der preußische'Bundestagsgesandte, Hr. v. Bismark- Schönhausen, eingeladen worden und dort eingetroffen. Unter den auf die Theucrungsverhältnisse bezügli­chen Fragen, mit denen man sich au maßgebender Stelle beschäftigt, befindet sich auch die wegen zeitweiser Aufhebung der Rückvergütung für auSgeführtcn Spiri­tus. Entschieden ist darüber jehoch ebenso wenig, als über verschiedene andere hierher gehörige Porschläge. An hoher Stelle wird übrigens festgebalteu, dem Han­del und Verkehr mit Lebensmitteln nirgends hindernd entgegenzuireten, sondern wo nur immer möglich, dem­selben jede Befreiung von Beschränkungen zu gewähren und dadurch die Zufuhr zu erhöhen. Auch von Seiten unserer städtischen Behörden soll man wesentlich diesel­ben Ansichten hegen.

Den demnächst wegen Ausführung des preußisch- österreichischen Handelsvertrages hier stattfindenden Ver­handlungen wird sächsischerseits der Zoll- und Steuer- Dircctor v. Schimpfs beiwohnen.

DieL. C." versichert, im Einklang mit unsern Angaben, daß kein neues russisches Kriegsmanifest, son­dern nur eine russische Antwortsnote auf die letzte fran­zösische und englische Noten zu erwarten ist. Zwi­schen Preußen und Oesterreich ist ein formeller diplo­matischer Abschluß für die von beiden Seiten in der orientalischen Frage einzuhaltende Linie der Neutralität nicht erfolgt. Man ist vielmehr der Ansicht, daß Preu­ßen, wie seither, sich seine vollkommen freie Bewegung wahren werde, was bei Vereinbarung eines diplomati­schen Abkommens nicht mehr vollständig der Fall wäre. Im Allgemeinen werden die beiderseitigen Regierungen dieselben Zwecke, vornehmlich den der Friedenserhaltung verfolgen und sie werden sich hierbei wahrscheinlich ge­genseitig um so besser unterstützen können, je weniger sie den andern Mächten gegenüber als für die orienta­lische Frage besonders verbündet operiren. Oesterreich soll übrigens die Absicht haben, über die Politik, welche cs innehält, durch seinen Gesandten beim Bundestage den deutschen Bundesregierungen eine allgemeine Dar­legung machen zu lassen. Von den Berathungen des Bundestages in der orientalischen Frage ist jedoch nicht die Rede, es kann sich nur um eine Entgegennahme dieser allgemeinen Mittheilungen handeln. Die heute hier eiugegangene telegraphische Depesche über eine die orientalische Frage betreffende Erklärung des Moniteur, welche zwischen Krieg und Frieden schwankt, hat die Ge­schäftswelt etwas beunruhigt. In andern Kreisen wird sie anders und friedlicher aufgefaßt. DieWiederher­stellung (retüdllssemsnt) des Friedens", von welcher in derselben die Rede, ist eine Phrase, die einestheils schon durch dieKriegserklärung" der Pforte gerecht­fertigt ist. Der Schluß der in Rede stehenden Erklä­rung aber spricht dieselben Hoffnungen aus, die hier gehegt werden.

Das am 26. in Stettin ans Kronstadt einge' troffene k. preußische PostdampfschiffPreußischer Adler" bringt Nachrichten aus Petersburg vom 21. Oct. Im Publicum verlautete damals noch nichts Sicheres über die russische Antwort auf die türkische Kriegserklärung; ein Kriègsmanifest war noch nicht veröffentlicht worden.

Wien, 25. Oct. Die Bahnstrecke von Gloggnitz nach Peyerbach wird mit dem Beginn des nächsten Mo­nats dem allgemeinen Verkehr eröffnet, die weitere Bahn bis Mürzzuschlag aber vorläufig für die Zwecke der gänzlichen Vollendung des Baues und der Regie be­nutzt, bis das zweite Geleise gelegt und dadurch die Bahn für die Einleitung eines regelmäßigen Verkehrs geeignet sein wird. DaS Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten hat sich veranlaßt ge­funden, zur Erzielung einer Gleichförmigkeit die bisher für die einzelnen Staatseisenbahnen bestehenden Bestim­mungen für den Personen- und Güterverkehr einer Dir Vision zu unterziehen und dießfalls neue Bestimmungen zu erlassen. Diese Bestimmungen sollen mit dem 1. November d. J. in Wirksamkeit treten. Die erste vollständige Probefahrt auf der ganzen Semmeringbahn hat gestern stattgefunden. Die Hinfahrt nahm, den ab­sichtlichen Aufenthalt auf einigen Punkten mitgerccbnet, eine Stunde 55 Minuten, die Rückfahrt eine Stunde und 37 Minuten in Anspruch. Man fuhr also unge­fähr mit der Geschwindigkeit von 3% Meilen in der Stunde. Die Semmeringbahn hat einem amtlichen Ausweise zufolge bis jetzt 15,114,480 fl. gesiofet.

Der Ban der Eisenstraße, welche Felegyhaz und Szegedin verbindet, schreitet trotz aller Schwierigkeiten mit rastloser Thätigkeit vorwärts, und man glaubt, daß am 15. November schon die Czegled - Szegedinerstrecke der allgemeinen Benutzung offen stehen wird. Der In­terims-Bahnhof ist auch bald fertig, nachdem für den neu zu bauenden großen Bahnhof der Boden erst trocken gelegt werben muß, was viel Zeit und Capital noch beansprucht. Bei geregelter Einrichtung wird die Reise von Pest nach Szegedin in 6 Stunden vollendet sein, und es ist kein schwankendes Luftbild, sondern gegrün­dete Voraussetzung, daß die weitere Verzweigung bis Temeswar im Frühjahre 1855 gleichfalls befahren wird, wo dann der Bänalbewohner die Reise nach Pesth, welche vor nicht langer Zeit mit großen Kosten, Zeitaufwand

und andern Mißhelligkeiteu verbunden gewesen war, in in 8'/, Stunden machen kann. Auch in Raab sind bereits Ingenieure erschienen, um die nöthigen Vor­arbeiten zur Raab-Brucker Eisenbahnverbindung in An­griff zu nehmen.

DieTroppauer Zeitung" erfährt aps verläßlicher Quelle, daß die Hindernisse, welche der sofortige» Jn- angriffnahme des Baues der Troppauer Flünelbabn im Wege standen, beseitigt sind, und dep hier peilende Ingenieur den Auftrag erbiet die Arbeiten sogleich zu beginnen. v >

Der k. k. Jnternuntius, Herr Baron von Bruck, hat einer am 11. b. Mts. bei demselben gewesenen Depu­tation von in Coustantinopel ansässigen österreichischen Unterthanen erklärt, es sei dafür gesorgt, daß die Oester- reicher, welche sich in der Türkei befinden, nicht der mindesten Gefahr ausgesetzt werden. Wie verlautet, hat General Fürst Gortschakoff anläßlich der erfolgten Kriegserklärung der Türkei eine neue Proclamation an die Bewohner der Moldau und Walachei erlassen. Nach einem Schreiben aus Odessa ist die russische Flotte fortwährend beschäftiget, Truppen nach Asien zu verschiffen.

Wien, 28. Oct. (F. Bl.) Nach eingetroffenen Nachrichten aus Constanttnopel ist die Pforte zum Waffenstillstand bereit, um die angcknüpf- ten Unterhandlungen nicht zu stören.

Zntnlimd).

Paris, 26. October. Nach der Patrie und dem Constitutionel ist die vereinigte englisch-französische Flotte in die Dardanellen eingelcmfeu, ob sie indessen vor Con- stantinopel vor Anker gehen wird, ist eine andere Frage. Hier glaubt man, die Flotte hätte "die Bestca-Bai blos darum geräumt, um vor den um diese Jahreszeit sehr gefährlichen Stürmen sich, zu schützen und sie werde jetzt bei Gallipoli oder der Marmarainsel, halbwegs zwischen den Dardanellen und Coustantinopel, in siche­rem Wasser vor Anker gehen. Ihr Einlaufen in die Dardanellen hätte demnach gar keine politsche, sondern blos eine nautische Bedeutung. Wir enthalten uns je­des Urtheils über diese schwächliche, aber sehr verbreitete Version. Wir gerathen so nach und nach in den Krieg, ohne daß wir es merken. Der Friebenszustand ist schon hin, aber noch hat man den Frieden im Munde. Wenn es früher der ganze Friede war, der Friede überall und allenthalben, so begnügt man sich jetzt mit dem euro­päischen Frieden, neben dem der Krieg in der Türker hergehen kann. Die Regierung dementirt imMoni­teur" die Einschiffung von Truppen, sie dementirt in den halbofficiellen Blättern die Ausrüstung von neuen Fregatten, sie läßt der Reise des Präfecten der Rhone- mündungen irgend einen unbestimmten Zweck unterschie­ben, und daneben sprechen bereits die Regierungsblätter von den Schiffen und Soldaten, welche die Türkei be­schützen sollen. Der Schlüssel zu dem Allem liegt in dem Widerspruche, den der Wille der Menschen und der einer höheren Macht zu bieten scheint. Die Men- scheu und ihr Interesse gebieten den Frieden; die force des choses schleppt den Krieg herbei. Man möchte den Sultan unterstützen und mit Rußland doch keinen Krieg führen; man möchte mit Rußland auf gutem Fuße bleiben und muß den Sultan unterstützen. Man hofft von der Diplomatie und hat die Zuversicht, daß ihre Mittel erschöpft sind. Die Fregatten werden nicht ausgerüstet, aber sie sind ausgerüstet und liegen zur Abfahrt bereit; die Truppen sind nicht eingeschifft, aber man hat dafür gesorgt, daß sie im Nothfälle ein- gcschiffl werden können. Dieser Nothfall und welches er sei, und wann er eintreten könne, das ist die Frage. Jedenfalls ist es der gegenwärtige Moment noch nicht. Personen, die in Compiegne waren und dem Hofe nahe stehen, berichten, daß der Kaiser in den letzten Tagen außerordentlich heiter gewesen ist. Louis Napo­leon soll sich gegen mehrere Personen dahin geäußert haben, daß die Lösung der orientalischen Krise nahe sei, und zwar würbe sie auf eine für alle Theile befriedi­gende Weise statthaben. Ich gebe Ihnen diese Mitthei­lung, weil sie wahr ist und die augenblickliche Stim­mung ausdrückcn mag; doch erinnert man sich, daß ähnliche Stimmungen sich schon öfter im Verlaufe der gegenwärtigen Verwickelungen kundgegeben haben-. Die Rückkehr des Kaisers und der Kaiserin von Com­piegne ist definitiv auf morgen festgesetzt. Die Maje­stäten werden in Paris nus kurze Zeit verweilen und am 3. Nov. wieder nach Fontainebleau gehen. Hr. von Maupas, schreibt man derKöln. Z.", ist wegen > seiner Ungeschicklichkeit und Unerfahrenheit vollständig in Ungnade gefallen. Seine Zurückbernfung ist aller­dings die Folge der Muratistischen Umtriebe und Agi­tationen, welche derselbe offenkundig begünstigte. Die officielle Auslegung lautet dahin, daß Hr. v. Maupas kein würdiges Verfahren beobachtet habe, als der König von Neapel eine schwere Verletzung gegen die franzö­sische Negierung zuließ, indem er sich weigerte, die vom Kaiser geschickten Offiziere zu empfangen. Eine Ver­ordnung des Ministers des Innern zufolge haben in Zukunft die Visas der Gesandten und Consular-Agen- ten bei Pässen von Fremden, welche dieselben aus ein Jahr- genommen haben und damit Frankreich mehrere Mqle besuchen, auf ein Jahr Gültigkeit, und die Pässe brauchen nicht mehr bei jeder Reffe new visirt zu wer-